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Zweites Vatikanisches Konzil: Apostolicam Actuositatem (1965)
21.10.2009 by admin.
APOSTOLICAM ACTUOSITATEM
SOLEMNLY PROMULGATED BY HIS HOLINESS,
POPE PAUL VI
ON NOVEMBER 18, 1965
(…)
7. God’s plan for the world is that men should work together to renew and constantly perfect the temporal order. All those things which make up the temporal order, namely, the good things of life and the prosperity of the family, culture, economic matters, the arts and professions, the laws of the political community, international relations, and other matters of this kind, as well as their development and progress, not only aid in the attainment of man’s ultimate goal but also possess their own intrinsic value. This value has been established in them by God, whether they are considered in themselves or as parts of the whole temporal order. “God saw that all He had made was very good” (Gen. 1:31). This natural goodness of theirs takes on a special dignity as a result of their relation to the human person, for whose service they were created. It has pleased God to unite all things, both natural and supernatural, in Christ Jesus “so that in all things He may have the first place” (Col. 1:18). This destination, however, not only does not deprive the temporal order of its independence, its proper goals, laws, supports, and significance for human welfare but rather perfects the temporal order in its own intrinsic strength and worth and puts it on a level with man’s whole vocation upon earth.
In the course of history, the use of temporal things has been marred by serious vices. Affected by original sin, men have frequently fallen into many errors concerning the true God, the nature of man, and the principles of the moral law. This has led to the corruption of morals and human institutions and not rarely to contempt for the human person himself. In our own time, moreover, those who have trusted excessively in the progress of the natural sciences and the technical arts have fallen into an idolatry of temporal things and have become their slaves rather than their masters.
The whole Church must work vigorously in order that men may become capable of rectifying the distortion of the temporal order and directing it to God through Christ. Pastors must clearly state the principles concerning the purpose of creation and the use of temporal things and must offer the moral and spiritual aids by which the temporal order may be renewed in Christ.
The laity must take up the renewal of the temporal order as their own special obligation. Led by the light of the Gospel and the mind of the Church and motivated by Christian charity, they must act directly and in a definite way in the temporal sphere. As citizens they must cooperate with other citizens with their own particular skill and on their own responsibility. Everywhere and in all things they must seek the justice of God’s kingdom. The temporal order must be renewed in such a way that, without detriment to its own proper laws, it may be brought into conformity with the higher principles of the Christian life and adapted to the shifting circumstances of time, place, and peoples. Preeminent among the works of this type of apostolate is that of Christian social action which the sacred synod desires to see extended to the whole temporal sphere, including culture.(2)
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Johannes Paul II. Predigt zum Abschluss der Restaurierung der Sixtinieschen Kapelle
21.10.2009 by admin.
ABSCHLUSS DER RESTAURIERUNGSARBEITEN AN DEN FRESKEN
DES MICHELANGELO IN DER SIXTINISCHEN KAPRELLE
PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.
8. April 1994
1. »Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge«.
Wir betreten heute die Sixtinische Kapelle, um ihre herrlich restaurierten Fresken zu bewundern. Es sind Werke der größten Meister der Renaissance: vor allem Michelangelos, aber auch von Perugino, Botticelli, Ghirlandaio, Pinturicchio und anderen. Zum Abschluß dieser delikaten Restaurierungsarbeiten möchte ich Euch allen danken, die Ihr hier anwesend seid, und zumal jenen, die in verschiedener Weise ihren Beitrag für eine so edle Aufgabe geleistet haben. Es geht um ein Kulturgut von unschätzbarem Wert, um ein Gut von universalem Charakter. Das bezeugen die unzähligen Pilger aus allen Nationen der Welt, die diesen Ort aufsuchen, um das Werk größter Meister zu bewundern und in dieser Kapelle eine Art wunderbarer Zusammenfassung der Malkunst zu erkennen.
Leidenschaftliche Liebhaber des Schönen haben sodann einen Beweis ihrer Aufgeschlossenheit geboten mit dem konkreten und erheblichen Beitrag, den sie zur Verfügung gestellt haben, um dieser Kapelle ihre ursprüngliche Farbenfrische zurückzugeben. Wir konnten uns ferner auf die Arbeit von Fachleuten verlassen, die in der Restaurierungstechnik besonders erfahren sind. Sie haben sich bei ihrer Arbeit der fortgeschrittensten und sichersten Techniken bedient. Der Hl. Stuhl spricht allen seinen herzlichen Dank für das erreichte glänzende Ergebnis aus.
2. Die Fresken, die wir hier betrachten, führen uns in die Welt der Offenbarungsinhalte ein. Die Wahrheiten unseres Glaubens sprechen uns hier von überallher an. An ihnen hat sich der menschliche Genius inspiriert und sich bemüht, sie in unvergleichliche Schönheit zu kleiden. Deshalb weckt zumal das Jüngste Gericht in uns das lebhafte Verlangen, unseren Glauben an Gott, den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge, zu bekennen. Zugleich regt es uns an, unsere Treue zum auferstandenen Christus zu bekräftigen, der am Jüngsten Tag wiederkommen wird als oberster Richter der Lebenden und der Toten. Vor diesem Meisterwerk bekennen wir Christus, den König aller Zeiten, dessen Reich kein Ende haben wird.
Gerade dieser ewige Sohn, dem der Vater das Werk der Erlösung des Menschen anvertraut hat, spricht in der dramatischen Szene des Jüngsten Gerichtes zu uns. Wir stehen vor einem ungewöhnlichen Christus. Er trägt in sich eine antike Schönheit, die in einem gewissen Sinn von den üblichen Darstellungen in der Malerei abweicht. Auf diesem gewaltigen Fresko offenbart er uns vor allem das Geheimnis seiner mit der Auferstehung verbundenen Herrlichkeit. Daß wir hier in der Osteroktav versammelt sind, müssen wir als äußerst glücklichen Umstand betrachten. Wir stehen vor allem vor der Herrlichkeit der Menschheit Christi. Er wird ja in seiner Menschheit kommen, um die Lebenden und die Toten zu richten. Er wird die Tiefen des menschlichen Bewußtseins durchdringen und die Macht seiner Erlösung offenbaren. Aus diesem Grund finden wir an seiner Seite die Mutter, die “Erhabene Gefährtin des Erlösers”. Christus ist innerhalb der Geschichte der Menschheit der wahre Eckstein, von dem der Psalmist sagt: “Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden” (Ps 118, 22). Dieser Stein kann daher nicht verworfen werden. Als einziger Mittler zwischen Gott und den Menschen drückt der Christus der Sixtinischen Kapelle in sich das ganze Geheimnis der Sichtbarkeit des Unsichtbaren aus.
3. Damit befinden wir uns im Mittelpunkt der theologischen Frage. Das Alte Testament schloß jedes Bild, jede Darstellung des unsichtbaren Schöpfers aus. Denn dieses Gebot hatte Moses von Gott auf dem Berg Sinai erhalten (vgl. Ex 20, 4), weil die Gefahr bestand, daß das zum Götzendienst neigende Volk in seinem Gottesdienst bei einem Bild Gottes stehenbliebe, der doch undarstellbar ist, weil er über jede Vorstellungskraft und jede Auffassung des Menschen erhaben ist. Das Judentum ist dieser Überlieferung treu geblieben und hat keine Darstellung des lebendigen Gottes zugelassen, weder in den Häusern des Gebetes noch im Tempel von Jerusalem. Einer ähnlichen Überlieferung hängen die Mitglieder der muslimischen Religion an, die an einen unsichtbaren, allmächtigen und barmherzigen Gott glauben, den Schöpfer und Richter eines jeden Geschöpfes.
Doch Gott selbst ist den Bedürfnissen des Menschen entgegengekommen, der. in seinem Herzen den brennenden Wunsch hegt, ihn sehen zu können. Hat denn nicht Abraham den unsichtbaren Gott in dem wunderbaren Besuch dreier geheimnisvoller Persönlichkeiten aufgenommen? “Er sah drei und betete Einen an” (vgl. Gen 18, 1-14). Angesichts dieser drei Personen erfuhr Abraham, der Vater unseres Glaubens, in tiefer Weise die Anwesenheit des Einen und Einzigen. Diese Begegnung sollte dann zum Thema der unvergleichlichen Ikone von Andrei Rublev, des Gipfels der russischen Malerei, werden. Rublev war einer von jenen heiligen Künstlern, deren Kreativität die Frucht tiefer Kontemplation, des Gebets und des Fastens war. Durch ihr Werk drückte sich die Dankbarkeit der Seele dem unsichtbaren Gott gegenüber aus, der dem Menschen gestattet, ihn in sichtbarer Gestalt darzustellen.
4. Dies alles wurde vom Zweiten Konzil von Nizäa, dem letzten der ungeteilten Kirche, aufgenommen, das endgültig die Auffassung der Ikonoklasten ablehnte und die Berechtigung der Gewohnheit bestätigte, den Glauben in künstlerischen Darstellungen auszudrücken. Die Ikone ist also nicht nur ein Werk der Malerei. Sie ist in einem bestimmten Sinn gleichsam ein Sakrament des christlichen Lebens, denn in ihr wird das Geheimnis der Menschwerdung präsent. In ihr spiegelt sich in immer neuer Weise das Geheimnis des menschgewordenen Wortes wider und der Mensch - Autor des Kunstwerks und zugleich Teilhaber an seinem Geheimnis - freut sich über die Sichtbarkeit des Unsichtbaren.
Hat nicht Christus selbst den Grund zu dieser geistlichen Freude gelegt? “Herr, zeige uns den Vater, das genügt uns” - so bittet Philippus im Abendmahlssaal am Vorabend des Leidens Christi. Jesus antwortet: “Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen… Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist?” (Joh 14, 8-10). Christus ist die Sichtbarkeit des unsichtbaren Gottes. Durch ihn durchdringt der Vater die gesamte Schöpfung, und der unsichtbare Gott wird unter uns gegenwärtig und tauscht sich mit uns aus, so wie die drei Persönlichkeiten, von denen die Bibel spricht, sich mit Abraham an den Tisch setzten und mit ihm speisten.
5. Hat nicht auch Michelangelo aus den Worten Christi “Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen” klare Schlüsse gezogen? Er hatte den Mut, mit eigenen Augen diesen Vater zu bewundern in dem Augen blick, da er das “Es werde” des Schöpfers spricht und den ersten Menschen ins Dasein ruft. Adam wurde nach dem Bild und Gleichnis Gottes erschaffen (vgl. Gen 1, 26). Während das ewige Wort die unsichtbare Ikone des Vaters ist, ist der Mensch Adam seine sichtbare Ikone. Michelangelo bemüht sich in jeder Weise, dieser Sichtbarkeit Adams, seiner Körperlichkeit die Züge der antiken Schönheit zu geben. ja, er überträgt mit unerhörter Kühnheit diese sichtbare und körperliche Schönheit auf den unsichtbaren Schöpfer. Wir stehen hier vielleicht vor einem ungewöhnlichen Wagnis der Kunst, weil man dem unsichtbaren Gott nicht die dem Menschen eigene Sichtbarkeit auferlegen kann. Wäre das nicht eine Gotteslästerung? Es bleibt aber schwierig, im sichtbaren und vermenschlichten Schöpfer nicht den mit unendlicher Majestät bekleideten Gott zu erkennen. ja, in der Form des Bi/des mit seinen ihm eigenen Grenzen wurde hier alles gesagt, was sagbar war. Die Majestät des Schöpfers wie die des Richters spricht von der göttlichen Größe: ein ergreifendes und eindeutiges Wort, wie auf andere Weise auch die Pietà in der Vatikanischen Basilika und der Moses in der Basilika St. Peter in Ketten (S. Pietro in Vincoli) ergreifend und eindeutig sind.
6. Ist im menschlichen Ausdruck der göttlichen Geheimnisse nicht die “kenosis” notwendig als Entäußerung von dem, was körperlich und sichtbar ist? Eine solche Entäußerung ist gut erkennbar in die Tradition der christlichen Ikonen des Ostens eingegangen. Der Leib ist gewiß die “kenosis” Gottes. Lesen wir doch beim hl. Paulus, daß Christus “sich selbst entäußerte, indem er Knechtsgestalt annahm” (Phil 2, 7). Wenn es aber wahr ist, daß der Leib die “kenosis” Gottes darstellt und daß in der künstlerischen Darstellung der göttlichen Geheimnisse die große irdische Niedrigkeit des Körpers zum Ausdruck kommen muß, damit das, was göttlich ist, sichtbar werden kann, so ist zugleich wahr, daß Gott die Quelle der integralen Schönheit des Leibes ist.
Es scheint, daß Michelangelo sich auf seine Weise vom eindrucksvollen Wort des Buches Genesis hat leiten lassen, das zur Erschaffung des Menschen als Mann und Frau hinzufügt: “Sie waren nackt, aber sie schämten sich nicht” (Gen 2, 25). Die Sixtinische Kapelle ist geradezu - wenn man so sagen kann - das Heiligtum der Theologie des menschlichen Leibes. Wenn sie von der Schönheit des Menschen Zeugnis gibt, der von Gott als Mann und Frau geschaffen wurde, so spricht sie zugleich in gewisser Weise die Hoffnung auf eine verklärte Welt aus, die Welt, die vom auferstandenen Christus eröffnet wurde und vorher noch vom Christus auf dem Berg Tabor. Wir wissen, daß die Verklärung eine der hauptsächlichsten Quellen der orientalischen Frömmigkeit ist; sie ist ein beredtes Buch für die Mystiker - wie für den hl. Franziskus der auf dem Monte La Verna betrachtete gekreuzigte Christus gleichsam ein offenes Buch war.
Wenn wir vor dem Jüngsten Gericht vom Glanz und Staunen geblendet werden, wo wir auf der einen Seite die verklärten Leiber bewundern und auf der anderen jene, die zur ewigen Verdammung bestimmt sind, verstehen wir auch, daß das gesamte Bild von einem einzigen Licht und einer einzigen künstlerischen Logik durchdrungen ist: vom Licht und der Logik des Glaubens, den die Kirche verkündet, wenn sie bekennt. “Ich glaube an den einen Gott… Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge.” Aufgrund dieser Logik bewahrt im Licht, das von Gott kommt, auch der menschliche Leib seinen Glanz und seine Würde. Löst man ihn dagegen aus dieser Dimension heraus, so wird er gewissermaßen zum Objekt, das man sehr leicht erniedrigen kann, weil nur in den Augen Gottes der menschliche Leib nackt und unbedeckt bleiben und zugleich seinen Glanz und seine Schönheit unversehrt bewahren kann.
7. Die Sixtinische Kapelle ist der Ort, der für jeden Papst auch die Erinnerung an einen besonderen Tag in seinem Leben bewahrt. Für mich geht es um den 16. Oktober 1978. Gerade hier, in diesem heiligen Raum, versammeln sich die Kardinäle und warten auf die Äußerung des Willens Christi für die Person des Nachfolgers des hl. Petrus. Hier habe ich aus dem Mund meines ehemaligen Rektors, Maximilien de Fürstenberg, die bezeichnenden Worte gehört. “Der Meister ist da und ruft dich.” Hier hat mir der Kardinal Primas von Polen, Stefan Wyszynski, gesagt: “Wenn sie dich wählen, lehne bitte nicht ab.” Hier habe ich im Geist des Gehorsams gegen Christus und indem ich mich seiner Mutter anvertraute die vom Konklave vollzogene Wahl angenommen und dem Kardinal Camerlengo, Jean Villot, meine Bereitschaft erklärt, der Kirche zu dienen. So ist also die Sixtinische Kapelle einmal mehr vor der gesamten Gemeinschaft der Katholiken der Ort des Wirkens des Heiligen Geistes gewesen, der in der Kirche die Bischöfe bestellt, in besonderer Weise aber den, der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus sein soll.
Wenn ich heute das heilige Meßopfer in dieser Kapelle im sechzehnten Jahr meines Dienstes für den Apostolischen Stuhl feiere, bitte ich den Geist des Herrn, er möge nicht aufhören, in der Kirche anwesend und tätig zu sein. Ich bitte ihn, daß er sie glücklich ins dritte Jahrtausend führe. Ich rufe Christus an, den Herrn der Geschichte, er möge bei uns allen bleiben bis zum Ende der Welt, wie er selbst verheißen hat. “Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt” (Mt 28, 20).
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Sacramentum caritatis. 22.2.2007 nachsynodales Schreiben. Absätze 34-41
21.10.2009 by admin.
(…) ZWEITER TEIL
EUCHARISTIE, EIN GEHEIMNIS, DAS MAN FEIERT
„Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel“ (Joh 6,32)
Lex orandi und lex credendi
34. Die Bischofssynode hat viel über die innere Beziehung zwischen eucharistischem Glauben und liturgischer Feier nachgedacht. Sie hat dabei die Verknüpfung von lex orandi und lex credendi hervorgehoben und den Vorrang der liturgischen Handlung betont. Man muss die Eucharistie als authentisch gefeiertes Glaubensgeheimnis erleben, in dem klaren Bewusstsein, dass „der intellectus fidei … von Anfang an immer mit der liturgischen Handlung [der Kirche] verbunden“ ist.105
In diesem Bereich kann die theologische Reflexion niemals von der sakramentalen Ordnung absehen, die von Christus selbst eingesetzt ist. Andererseits kann die liturgische Handlung niemals allgemein betrachtet werden, unabhängig vom Glaubensgeheimnis. Die Quelle unseres Glaubens und der eucharistischen Liturgie ist ja ein und dasselbe Ereignis: die Selbsthingabe Christi im Pascha-Mysterium. 105 Relatio post disceptationem, 4: L’Osservatore Romano (dt.) 35. Jg. Nr. 45, S.12.)
Schönheit und Liturgie
35. Die Beziehung zwischen geglaubtem und gefeiertem Mysterium zeigt sich in besonderer Weise im theologischen und liturgischen Wert der Schönheit. Die Liturgie hat nämlich, wie übrigens auch die christliche Offenbarung, eine innere Verbindung zur Schönheit: Sie ist veritatis splendor. In der Liturgie leuchtet das Pascha-Mysterium auf, durch das Christus selbst uns zu sich hinzieht und uns zur Gemeinschaft ruft. In Jesus betrachten wir – wie der hl. Bonaventura zu sagen pflegte – die Schönheit und den Glanz des Ursprungs.106
Dieses Merkmal, auf das wir uns berufen, ist nicht nur bloßer Ästhetizismus, sondern eine Art und Weise, wie die Wahrheit der Liebe Gottes in Christus uns erreicht, uns fasziniert, uns begeistert und so bewirkt, dass wir aus uns herausgehen und zu unserer wahren Berufung hingezogen werden: zur Liebe.107 Schon in der Schöpfung lässt Gott sich erahnen in der Schönheit und der Harmonie des Kosmos (vgl. Weish 13,5; Röm 1,19–20). Im Alten Testament finden wir dann eingehende Zeichen des Glanzes der Macht Gottes, der sich mit seiner Herrlichkeit durch die Wunder offenbart, die er im erwählten Volk geschehen lässt (vgl. Ex 14; 16,10; 24,12–18; Num 14,20–23). Im Neuen Testament findet diese Epiphanie der Schönheit ihre endgültige Erfüllung in der Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus:108 Er ist die vollständige Offenbarung der göttlichen Herrlichkeit. In der Verherrli- 106 Vgl. Serm. 1,7; 11,10; 22,7; 29,76: Sermones dominicales ad fidem codicum nunc denuo editi, Grottaferrata 1977, S. 135, 209 f., 292 f., 337; Benedikt XVI., Botschaft an die kirchlichen Bewegungen und an die neuen Gemeinschaften (22. Mai 2006): AAS 98 (2006), 463. 107 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst. über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 22. 108 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, 2.4. )
chung des Sohnes leuchtet die Herrlichkeit des Vaters auf und überträgt sich (vgl. Joh 1,14; 8,54; 12,28; 17,1). Diese Schönheit ist jedoch nicht eine bloße Harmonie der Formen; „der Schönste von allen Menschen“ (Ps 45 [44],3) ist geheimnisvollerweise auch derjenige, der „keine schöne und edle Gestalt“ hatte, „so dass wir ihn anschauen mochten“ (Jes 53,2). Jesus Christus zeigt uns, wie die Wahrheit der Liebe auch das dunkle Geheimnis des Todes in das strahlende Licht der Auferstehung zu verklären vermag. Hier überragt der Glanz der Herrlichkeit Gottes jede innerweltliche Schönheit. Die wahre Schönheit ist die Liebe Gottes, die sich uns endgültig im Pascha-Mysterium offenbart hat. Die Schönheit der Liturgie ist Teil dieses Geheimnisses; sie ist höchster Ausdruck der Herrlichkeit Gottes und stellt in gewissem Sinne ein Sich-Herunterbeugen des Himmels auf die Erde dar. Die Gedächtnisfeier des Erlösungsopfers trägt die Züge jener Schönheit Jesu in sich, die Petrus, Jakobus und Johannes uns bezeugt haben, als der Meister sich auf dem Weg nach Jerusalem vor ihnen verklärte (vgl. Mk 9,2). Die Schönheit ist demnach nicht ein dekorativer Faktor der liturgischen Handlung; sie ist vielmehr ein für sie konstitutives Element, insofern sie eine Eigenschaft Gottes selbst und seiner Offenbarung ist. All das muss uns bewusst machen, mit welcher Sorgfalt darauf zu achten ist, dass die liturgische Handlung ihrem Wesen gemäß erstrahlt.
D
IE EUCHARISTIEFEIER, EIN WERK DES „CHRISTUS TOTUS“. Christus totus in capite et in corpore
36. Das eigentliche Subjekt der inneren Schönheit der Liturgie ist der auferstandene und im Heiligen Geist verherrlichte Christus, der die Kirche in sein Handeln einschließt.109 In diesem Zusammenhang ist es recht eindrucksvoll, sich die Worte des hl. Augustinus ins Gedächtnis zu rufen, die in wirkungsvoller Weise diese der Eucharistie eigene Dynamik des Glaubens beschreiben. Der große Heilige von Hippo hebt gerade in Bezug auf das eucharistische Mysterium hervor, wie Christus selbst uns in sich aufnimmt: „Das Brot, das ihr auf dem Altar seht, ist, geheiligt durch das Wort Gottes, der Leib Christi. Der Kelch, oder besser: das, was der Kelch enthält, ist, geheiligt durch das Wort Gottes, Blut Christi. Mit diesen [Zeichen] wollte Christus, der Herr, uns seinen Leib anvertrauen und sein Blut, das er für uns zur Vergebung der Sünden vergossen hat. Wenn ihr beides in rechter Weise empfangen habt, seid ihr selber das, was ihr empfangen habt.“110 Darum „sind wir nicht nur Christen geworden, sondern wir sind Christus selbst geworden“.111 Von hier aus können wir das geheimnisvolle Handeln Gottes betrachten, das zur tiefen Einheit zwischen uns und Jesus, dem Herrn, führt: „Man muss nämlich nicht glauben, Christus sei im Haupt, ohne auch im Leib zu sein: Er ist ganz und gar im Haupt und im Leib.“112
Eucharistie und der auferstandene Christus
37. Da die eucharistische Liturgie wesentlich actio Dei ist, die uns durch den Geist in Jesus hineinzieht, ist ihr Fundament unserer Willkür entzogen und darf nicht die Erpressung durch Modeströmungen des jeweiligen Augenblicks erfahren. Auch hier gilt die unumstößliche Aussage des hl. Paulus: „Einen anderen (109
Vgl. Propositio 33. 110 Sermo 227,1: PL 38, 1099. 111 Augustinus, In Iohannis Evangelium Tractatus, 21,8: PL 35, 1568. 112 Ebd., 28,1: PL 35, 1622.)
Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“ (1 Kor 3,11). Und wiederum ist es der Völkerapostel, der uns in Bezug auf die Eucharistie versichert, er überliefere uns nicht eine von ihm selbst entwickelte Lehre, sondern das, was er seinerseits empfangen habe (vgl. 1 Kor 11,23). Die Feier der Eucharistie schließt nämlich die lebendige Überlieferung ein. Die Kirche feiert das eucharistische Opfer im Gehorsam gegenüber dem Auftrag Christi, ausgehend von der Erfahrung des Auferstandenen und der Ausgießung des Heiligen Geistes. Aus diesem Grund versammelt sich die christliche Gemeinde zur fractio panis von Anfang an am Tag des Herrn. Der Tag, an dem Christus von den Toten auferstanden ist, der Sonntag, ist auch der erste Tag der Woche, derjenige, in dem die alttestamentliche Überlieferung den Beginn der Schöpfung sah. Der Tag der Schöpfung ist nun der Tag der „neuen Schöpfung“ geworden, der Tag unserer Befreiung, an dem wir des gestorbenen und auferstandenen Christus gedenken.113
ARS CELEBRANDI
38. Während der Synodenarbeit ist mehrfach nachdrücklich auf die Notwendigkeit hingewiesen worden, jede mögliche Trennung zwischen der ars celebrandi, d. h. der Kunst des rechten Zelebrierens, und der vollen, aktiven und fruchtbaren Teilnahme aller Gläubigen zu überwinden. Tatsächlich ist die geeignetste Methode, die Teilnahme des Gottesvolkes am sakralen Ritus zu begünstigen, den Ritus selbst in angemessener Weise zu feiern. Die ars celebrandi ist die beste Bedingung für die actuosa participatio.114
Die ars celebrandi entspringt aus dem treuen (113 Vgl. Propositio 30. Auch die heilige Messe, die die Kirche während der Woche feiert und zu der sie die Gläubigen einlädt, findet ihre eigentliche Form im Tag des Herrn, im Tag der Auferstehung Christi: Propositio 43. 114 Vgl. Propositio 2. )
Gehorsam gegenüber den liturgischen Normen in ihrer Vollständigkeit, denn gerade diese Art zu zelebrieren ist es, die seit zweitausend Jahren das Glaubensleben aller Gläubigen sicherstellt, die dazu berufen sind, die Zelebration als Gottesvolk, als königliches Priestertum, als heiliger Stamm zu erleben (vgl. 1 Petr 2,4–5.9).115
Der Bischof, Liturge schlechthin
39. Auch wenn das ganze Gottesvolk an der eucharistischen Liturgie teilnimmt, kommt jedoch in Bezug auf die rechte ars celebrandi denen, die das Sakrament der Weihe empfangen haben, eine unumgängliche Aufgabe zu. Bischöfe, Priester und Diakone müssen – jeder seinem Grad entsprechend – die Zelebration als ihre Hauptpflicht betrachten.116
Das betrifft vor allem den Diözesanbischof: Er ist nämlich „der erste Spender der Geheimnisse Gottes in der ihm anvertrauten Teilkirche, ist der Leiter, Förderer und Hüter des gesamten liturgischen Lebens“. 117 All das ist für das Leben der Teilkirche entscheidend, nicht nur, weil die Gemeinschaft mit dem Bischof die Bedingung für die Rechtmäßigkeit jeder Zelebration auf seinem Gebiet ist, sondern auch, weil er selbst der Liturge seiner Kirche (115 Vgl. Propositio 25. 116 Vgl. Propositio 19. Die Propositio 25 sagt dazu genauer: „Eine authentische liturgische Handlung drückt die Heiligkeit des eucharistischen Mysteriums aus. Diese müsste in den Worten und in den Handlungen des zelebrierenden Priesters durchscheinen, während er sowohl mit den Gläubigen als auch für sie bei Gott Vater Fürbitte leistet.“ 117 Grundordnung des Römischen Messbuchs, 22; vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, 41; Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Redemptionis Sacramentum (25. März 2004), 19–25: AAS 96 (2004), 555–557.)
schlechthin ist.118
Ihm obliegt es, die harmonische Einheit der Zelebrationen in seiner Diözese zu bewahren. Darum ist es „seine Sache, darauf zu achten, dass die Priester, die Diakone und die christgläubigen Laien den eigentlichen Sinn der liturgischen Riten und der Texte immer tiefer verstehen und so zur tätigen und fruchtbaren Feier der Eucharistie geführt werden“.119 Im Besonderen ermahne ich, das Nötige zu tun, damit die vom Bischof abgehaltenen liturgischen Feiern in der Kathedral-Kirche in voller Beachtung der ars celebrandi geschehen, so dass sie als Vorbild für alle über das Gebiet verstreuten Kirchen betrachtet werden können.120
Die Beachtung der liturgischen Bücher und des Reichtums der Zeichen
40. Mit der Betonung der Wichtigkeit der ars celebrandi wird folglich auch die Bedeutung der liturgischen Vorschriften deutlich. 121
Die ars celebrandi muss das Gespür für das Heilige fördern und sich äußerer Formen bedienen, die zu diesem Gespür erziehen, zum Beispiel der Harmonie des Ritus, der liturgischen Gewänder, der Ausstattung und des heiligen Ortes. Dort, wo die Priester und die für die liturgische Pastoral Verantwortlichen sich bemühen, die gültigen liturgischen Bücher und die entsprechenden Vorschriften bekannt zu machen und den großen Reichtum der Grundordnung des Römischen Messbuchs und der Leseordnung für die Feier der heiligen Messe hervorheben, gereicht das der Eucharistiefeier sehr zum Vorteil. In den kirch- (118 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe in der Kirche Christus Dominus, 14; Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, 41. 119 Grundordnung des Römischen Messbuchs, 22. 120 Vgl. ebd. 121 Vgl. Propositio 25.)
lichen Gemeinschaften setzt man deren Kenntnis und rechte Wertschätzung wahrscheinlich voraus, doch oft zu Unrecht. In Wirklichkeit sind es Texte, welche Schätze enthalten, die den Glauben und den Weg des Gottesvolkes in den zweitausend Jahren seiner Geschichte bewahren und darstellen. Ebenso wichtig für eine rechte ars celebrandi ist die Beachtung aller von der Liturgie vorgesehenen Ausdrucksformen: Wort und Gesang, Gesten und Schweigen, Körperbewegung, liturgische Farben der Paramente. Die Liturgie besitzt tatsächlich von Natur aus eine Vielfalt von Registern zur Mitteilung, die es ihr ermöglichen, die Einbeziehung des ganzen Menschen anzustreben. Die Einfachheit der Gesten und die Nüchternheit der in der vorgesehenen Reihenfolge und im gegebenen Moment gesetzten Zeichen vermitteln mehr und beteiligen stärker als die Künstlichkeit unangebrachter Hinzufügungen. Achtung und Folgsamkeit gegenüber der Eigenstruktur des Ritus drücken die Anerkennung des Geschenk-Charakters der Eucharistie aus und offenbaren zugleich den Willen des Priesters, in Demut und Dankbarkeit die unbeschreibliche Gabe anzunehmen.
Kunst im Dienst der Zelebration
41. Die tiefe Verbindung von Schönheit und Liturgie muss uns zu einer aufmerksamen Betrachtung aller in den Dienst der Zelebration gestellten künstlerischen Ausdrucksmittel anregen.122 Eine wichtige Komponente sakraler Kunst ist natürlich die Architektur der Kirchen,123 in denen die Einheit der besonderen Elemente des Presbyteriums – Altar, Kruzifix, Tabernakel, Ambo und Sitz – hervortreten muss. In diesem Zusammenhang (122 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, 112–130. 123 Vgl. Propositio 27. )
muss man berücksichtigen, dass der Zweck der sakralen Architektur darin besteht, der Kirche, welche die Glaubensgeheimnisse – und speziell die Eucharistie – feiert, den am besten geeigneten Raum für den angemessenen Ablauf ihrer liturgischen Handlung zu bieten.124
Das Wesen des christlichen Gotteshauses ist nämlich durch die liturgische Handlung selbst definiert, die das Sich-Versammeln der Gläubigen (ecclesia) einschließt, welche die lebendigen Steine des Tempels sind (vgl. 1 Petr 2,5). Das gleiche Prinzip gilt allgemein für alle sakrale Kunst, besonders für Malerei und Bildhauerei, in denen die religiöse Ikonographie sich an der sakramentalen Mystagogie orientieren muss. Eine vertiefte Kenntnis der Formen, welche die sakrale Kunst im Laufe der Jahrhunderte hervorgebracht hat, kann denen sehr hilfreich sein, die gegenüber Architekten und Künstlern die Verantwortung der Auftragsvergabe für Kunstwerke haben, die mit der liturgischen Handlung verbunden sind. Darum ist es unverzichtbar, dass zur Ausbildung der Seminaristen und der Priester als wichtige Disziplin die Kunstgeschichte gehört, mit einem besonderen Verweis auf die kultischen Bauten im Licht der liturgischen Vorschriften. Kurzum, es ist notwendig, dass in allem, was die Eucharistie betrifft, guter Geschmack für das Schöne herrsche. Achtung und Sorgfalt müssen auch den Paramenten, den Kirchengeräten und den heiligen Gefäßen gelten, damit sie, organisch miteinander verbunden und aufeinander abgestimmt, das Staunen angesichts des Mysteriums Gottes lebendig halten, die Einheit des Glaubens verdeutlichen und die Frömmigkeit stärken.125 124 Vgl. ebd. 125 Für alles, was diese Aspekte betrifft, sollte man sich treu an die Hinweise in der Grundordnung des Römischen Messbuchs halten, 319–351.
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Zweites Vatikanisches Konzil: Gaudium es spes (1965)
14.10.2009 by admin.
GAUDIUM ET SPES
ÜBER DIE KIRCHE IN DER WELT VON HEUTE
Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.
Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet, die, in Christus geeint, vom Heiligen Geist auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist.
Darum erfährt diese Gemeinschaft sich mit der Menschheit und ihrer Geschichte wirklich engstens verbunden.
(…)
II. HAUPTTEIL
WICHTIGERE EINZELFRAGEN
46. Vorwort
Nachdem das Konzil die Würde der menschlichen Person und die Erfüllung der individuellen und gesellschaftlichen Aufgabe dieser Person kraft ihrer Berufung in der ganzen Welt dargelegt hat, lenkt das Konzil nun im Licht des Evangeliums und der menschlichen Erfahrung die Aufmerksamkeit aller auf bestimmte besonders schwere Nöte dieser Zeit hin, welche die Menschheit in hohem Maß bedrängen. Unter den vielen Problemen, die heute die Sorge aller wachrufen, sollen vor allem die folgenden behandelt werden: die Ehe und Familie, die Kultur, das wirtschaftliche, soziale und politische Leben, die Verbindung der Völkerfamilie und der Friede. Hinsichtlich dieser Einzelfragen sollen die lichtvollen Prinzipien, die von Christus herkommen, verdeutlicht werden, damit durch sie die Gläubigen geleitet werden und alle Menschen Klarheit finden bei der Suche nach der Lösung so vieler schwieriger Probleme.
(…)
53. Einführung
Unter Kultur im allgemeinen versteht man alles, wodurch der Mensch seine vielfältigen geistigen und körperlichen Anlagen ausbildet und entfaltet; wodurch er sich die ganze Welt in Erkenntnis und Arbeit zu unterwerfen sucht; wodurch er das gesellschaftliche Leben in der Familie und in der ganzen bürgerlichen Gesellschaft im moralischen und institutionellen Fortschritt menschlicher gestaltet; wodurch er endlich seine großen geistigen Erfahrungen und Strebungen im Lauf der Zeit in seinen Werken vergegenständlicht, m i t t e i l t und ihnen Dauer verleiht zum Segen vieler, ja der ganzen Menschheit.
Daraus folgt, daß die Kultur des Menschen notwendig eine geschichtliche und eine gesellschaftliche Seite hat und darum der Begriff der Kultur meist das Gesellschaftliche und das Völkische mitbezeichnet. In diesem Sinn spricht man von Kulturen im Plural. Denn aus der verschiedenen Weise des Gebrauchs der Sachen, der Arbeitsgestaltung, der Selbstdarstellung, der Religion und der Sittlichkeit, der Gesetzgebung und der rechtlichen Institution, der Entfaltung von Wissenschaft, Technik und Kunst entsteht eine Verschiedenheit der gemeinschaftlichen Lebensformen und der Gestalten, in denen die Lebenswerte zu einer Einheit zusammentreten. So bildet sich aus den überlieferten Einrichtungen ein jeder menschlichen Gemeinschaft eigentümliches Erbe. So entsteht für den Menschen jedweden Volkes und jeder Zeit auch eine abgegrenzte und geschichtliche Umwelt, in die er eingefügt bleibt und von der her er die Werte zur Weiterentwicklung der menschlichen und gesellschaftlichen Kultur empfängt.
Erster Abschnitt: Die Situation der Kultur in der Welt von heute
54. Neue Lebensformen
Die Lebensbedingungen des modernen Menschen sind in gesellschaftlicher und kultureller Hinsicht zutiefst verändert, so daß man von einer neuen Epoche der Menschheitsgeschichte sprechen darf (1). Somit öffnen sich neue Wege zur Entwicklung und weiteren Ausbreitung der Kultur durch das unerhörte Wachstum der Natur- und Geisteswissenschaften, auch der Gesellschaftswissenschaften, die Ausweitung der Technik sowie den Fortschritt im Ausbau und in der guten Organisation der Kommunikationsmittel. Dementsprechend ist die heutige Kultur durch besondere Merkmale gekennzeichnet: die sogenannten exakten Wissenschaften bilden das kritische Urteilsvermögen besonders stark aus; die neueren Forschungen der Psychologie bieten eine tiefere Erklärung des menschlichen Tuns; die historischen Fächer tragen sehr dazu bei, die Dinge unter dem Gesichtspunkt ihrer Wandelbarkeit und Entwicklung zu sehen; der Lebensstil und die ethische Haltung werden immer einheitlicher; Industrialisierung, Verstädterung und andere Ursachen, die die Vergemeinschaftung des Lebens vorantreiben, schaffen neue Kulturformen (Massenkultur), aus denen ein neues Lebensgefühl, neue Weisen des Handelns und der Freizeitgestaltung erwachsen; zugleich macht der Austausch zwischen verschiedenen Völkern und gesellschaftlichen Gruppen die Schätze verschiedener Kulturformen der Masse und den Einzelnen immer mehr zugänglich. So bildet sich allmählich eine universalere Form der menschlichen Kultur, die die Einheit der Menschheit um so mehr fördert und zum Ausdruck bringt, je besser sie die Besonderheiten der verschiedenen Kulturen achtet.
55. Der Mensch als Schöpfer der Kultur
Immer größer wird die Zahl der Männer und Frauen jeder geselIschaftlichen Gruppe und Nation, die sich dessen bewußt sind, selbst Gestalter und Schöpfer der Kultur ihrer Gemeinschaft zu sein. Immer mehr wächst in der ganzen Welt der Sinn für Autonomie und zugleich für Verantwortlichkeit, was ohne Zweifel für die geistige und sittliche Reifung der Menschheit von größter Bedeutung ist. Diese tritt noch deutlicher in Erscheinung, wenn wir uns die Einswerdung der Welt und die uns auferlegte Aufgabe vor Augen stellen, eine bessere Welt in Wahrheit und Gerechtigkeit aufzubauen. So sind wir Zeugen der Geburt eines neuen Humanismus, in dem der Mensch sich vor allem von der Verantwortung für seine Brüder und die Geschichte her versteht.
56. Schwierigkeiten und Aufgaben
In dieser Situation ist es nicht verwunderlich, daß der Mensch, der seine Verantwortung für den Fortschritt der Kultur erkennt, einerseits Größeres als je hofft, andererseits aber auch mit Angst auf die vielfältigen Antinomien blickt, die er selbst auflösen muß: Was ist zu tun, damit der zunehmende Austausch der Kulturen, der zu einem wahren und fruchtbaren Dialog unter den verschiedenen Gruppen und Nationen führen müßte, das Leben der Gemeinschaften nicht in Verwirrung bringt, die Weisheit der Vorfahren nicht verwirft, noch den je eigenen Volkscharakter gefährdet?
Wie kann man für die Dynamik und Expansion der neuen Kultur eintreten, ohne daß die lebendige Treue zum überlieferten Erbe verlorengeht? Dies ist schon deshalb ein besonders drängendes Problem, weil die Kultur, die aus dem ungeheuren Fortschritt der Naturwissenschaft und der Technik entsteht, zur Einheit gefügt werden muß mit jener Geisteskultur, die von denjenigen Studien lebt, die entsprechend den verschiedenen Überlieferungen als klassisch gelten.
Wie kann eine so schnell voranschreitende Zersplitterung der Einzeldisziplinen mit der Notwendigkeit in Einklang gebracht werden, sie in eine Synthese zu bringen und dem Menschen die Fähigkeit zu jener Kontemplation und zu jenem Staunen zu wahren, die zur Weisheit führen?
Was ist zu tun, daß alle Menschen der kulturellen Güter in der Welt teilhaftig werden, wo doch zur gleichen Zeit die Kultur der Gebildeteren immer sublimer und komplexer wird?
Wie kann man endlich die Autonomie als rechtmäßig anerkennen, die die Kultur für sich beansprucht, ohne daß man zu einem rein innerweltlichen, ja religionsfeindlichen Humanismus kommt?
Inmitten all dieser Antinomien muß die menschliche Kultur heute so entwickelt werden, daß sie die volle menschliche Persönlichkeit harmonisch ausbildet und den Menschen bei den Aufgaben behilflich ist, zu deren Erfüllung alle, vor allem aber die Christen, in einer einzigen menschlichen Familie brüderlich vereint, berufen sind.
Zweiter Abschnitt: Einige Prinzipien zur richtigen Förderung der Kultur
57. Glaube und Kultur
Die Christen müssen auf der Pilgerschaft zur himmlischen Vaterstadt suchen und sinnen, was oben ist (2); dadurch wird jedoch die Bedeutung ihrer Aufgabe, zusammen mit allen Menschen am Aufbau einer menschlicheren Welt mitzuarbeiten, nicht vermindert, sondern gemehrt. In der Tat bietet ihnen das Mysterium des christlichen Glaubens wirksame Antriebe und Hilfen, jene Aufgabe mit größerer Hingabe zu erfüllen und vor allem den vollen Sinn solchen Tuns zu entdecken, so daß die menschliche Kulturbemühung innerhalb der ganzen und einen Berufung des Menschen einen hervorragenden Platz erhält.
Wenn nämlich der Mensch mit seiner Handarbeit oder mit Hilfe der Technik die Erde bebaut, damit sie Frucht bringe und eine würdige Wohnstätte für die gesamte menschliche Familie werde, und bewußt seinen Anteil nimmt an der Gestaltung des Lebens der gesellschaftlichen Gruppen, dann führt er den schon am Anfang der Zeiten kundgemachten Auftrag Gottes aus, sich die Erde untertan zu machen (3) und die Schöpfung zu vollenden, und entfaltet er sich selbst; zugleich befolgt er das große Gebot Christi, sich in den Dienst seiner Brüder zu stellen.
Wenn überdies der Mensch sich den verschiedenen Fächern, der Philosophie und Geschichte, der Mathematik und Naturwissenschaft, widmet und sich künstlerisch betätigt, dann kann er im höchsten Grad dazu beitragen, daß die menschliche Familie zu den höheren Prinzipien des Wahren, Guten und Schönen und zu einer umfassenden Weltanschauung kommt und so heller von jener wunderbaren Weisheit erleuchtet wird, die von Ewigkeit her bei Gott war, alles mit ihm ordnete, auf dem Erdkreis spielte und ihre Wonne darin findet, bei den Menschen zu sein (4).
Ebendadurch kann sich der Geist des Menschen, von der Versklavung unter die Sachwelt befreit, ungehinderter zur Kontemplation und Anbetung des Schöpfers erheben. Ja unter dem Antrieb der Gnade wird er zur Erkenntnis des Wortes Gottes vorbereitet, das schon, bevor es Fleisch wurde, um alle zu retten und in sich als dem Haupt zusammenzufassen, “in der Welt war” als “das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet” (Joh 1,9)5.
Freilich kann der heutige Fortschritt der Naturwissenschaft und der Technik, die kraft ihrer Methode nicht zu den innersten Seinsgründen vordringen können, einen gewissen Phänomenalismus und Agnostizismus begünstigen, wenn die Forschungsmethode dieser Disziplinen unberechtigt als oberste Norm der Findung der Wahrheit schlechthin angesehen wird.
Ja es besteht die Gefahr, daß der Mensch in allzu großem Vertrauen auf die heutigen Errungenschaften sich selbst zu genügen glaubt und darüber hinaus nicht mehr sucht.
Doch diese Fehlentwicklungen ergeben sich nicht zwangsläufig aus der heutigen Kultur, und sie dürfen uns nicht dazu verleiten, ihre positiven Werte zu verkennen. Unter diesen sind zu nennen: die Pflege der Naturwissenschaften, unbedingte Sachlichkeit gegenüber der Wahrheit bei der wissenschaftlichen Forschung, die heute gegebene Unerläßlichkeit der Zusammenarbeit mehrerer in dafür organisierten Teams, der Geist der internationalen Solidarität, das immer wacher werdende Bewußtsein von der Verantwortung der Fachleute für den Dienst am Menschen und dessen Schutz, der Wille zur Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen aller, besonders jener, die die Verantwortung für sich selbst nicht übernehmen können oder kulturell zurückgeblieben sind. Das alles kann für die Aufnahme der Botschaft des Evangeliums in gewissem Sinn eine Vorbereitung bedeuten, die durch die göttliche Liebe von dem beseelt wird, der gekommen ist, die Welt zu retten.
58. Der vielfältige Zusammenhang zwischen der guten Botschaft Christi und der Kultur
Vielfache Beziehungen bestehen zwischen der Botschaft des Heils und der menschlichen Kultur. Denn Gott hat in der Offenbarung an sein Volk bis zu seiner vollen Selbstkundgabe im fleischgewordenen Sohn entsprechend der den verschiedenen Zeiten eigenen Kultur gesprochen. In gleicher Weise nimmt die Kirche, die im Lauf der Zeit in je verschiedener Umwelt lebt, die Errungenschaften der einzelnen Kulturen in Gebrauch, um die Botschaft Christi in ihrer Verkündigung bei allen Völkern zu verbreiten und zu erklären, um sie zu erforschen und tiefer zu verstehen, um sie in der liturgischen Feier und im Leben der vielgestaltigen Gemeinschaft der Gläubigen besser Gestalt werden zu lassen.
Zugleich ist die Kirche wohl zu allen Völkern, welcher Zeit und welchen Landes auch immer, gesandt, jedoch an keine Rasse oder Nation, an keine besondere Art der Sitte, an keinen alten oder neuen Brauch ausschließlich und unlösbar gebunden. Sie läßt zwar den Zusammenhang mit ihrer eigenen geschichtlichen Herkunft nicht abreißen, ist sich aber zugleich der Universalität ihrer Sendung bewußt und vermag so mit den verschiedenen Kulturformen eine Einheit einzugehen, zur Bereicherung sowohl der Kirche wie der verschiedenen Kulturen.
Die gute Botschaft Christi erneuert unausgesetzt Leben und Kultur des gefallenen Menschen und bekämpft und beseitigt Irrtümer und Übel, die aus der stets drohenden Verführung zur Sünde hervorgehen. Unablässig reinigt und hebt sie die Sitten der Völker. Die geistigen Vorzüge und Anlagen eines jeden Volkes oder einer jeden Zeit befruchtet sie sozusagen von innen her mit überirdischen Gaben, festigt, vollendet und erneuert sie in Christus6. Schon durch die Erfüllung der eigenen Aufgabe7 treibt die Kirche die menschliche und mitmenschliche Kultur voran und trägt zu ihr bei; durch ihr Wirken, auch durch ihre Liturgie, erzieht sie den Menschen zur inneren Freiheit.
59. Verschiedene Gesichtspunkte für die rechte Pflege der Formen menschlicher Kultur
Aus den genannten Gründen erinnert die Kirche alle daran, daß die Kultur auf die Gesamtentfaltung der menschlichen Person und auf das Wohl der Gemeinschaft sowie auf das der ganzen menschlichen Gesellschaft auszurichten ist. Darum muß der menschliche Geist so gebildet werden, daß die Fähigkeit des Staunens, der eigentlichen Wesenserkenntnis, der Kontemplation, der persönlichen Urteilsbildung und das religiöse, sittliche und gesellschaftliche Bewußtsein gefördert werden.
Da nämlich die Kultur unmittelbar aus der vernünftigen und gesellschaftlichen Anlage des Menschen hervorgeht, bedarf sie immer des ihr zustehenden Freiheitsraumes, um sich zu entfalten, und der legitimen Möglichkeit, den eigenen Prinzipien gemäß selbständig zu handeln. Sie hat also einen berechtigten Anspruch auf Anerkennung, und ihr eignet eine gewisse Unverletzlichkeit, freilich unter Wahrung der Rechte der Person und der Gemeinschaft, von der einzelnen bis zur universalen, und innerhalb der Grenzen des Gemeinwohls.
Die Heilige Synode macht sich daher die Lehre des Ersten Vatikanischen Konzils zu eigen, daß es “zwei verschiedene Erkenntnisordnungen” gibt, nämlich die des Glaubens und die der Vernunft, und daß die Kirche keineswegs verbietet, “daß die menschlichen Künste und Wissenschaften bei ihrer Entfaltung, jede in ihrem Bereich, jede ihre eigenen Grundsätze und ihre eigene Methode gebrauchen”. Daher bejaht sie “in Anerkennung dieser berechtigten Freiheit” die rechtmäßige Eigengesetzlichkeit der Kultur und vor allem der Wissenschaften (8).
Damit ist auch gefordert, daß der Mensch unter Wahrung der sittlichen Ordnung und des Gemeinnutzes frei nach der Wahrheit forschen, seine Meinung äußern und verbreiten und die Kunst nach seiner Wahl pflegen kann; schließlich, daß er wahrheitsgemäß über öffentliche Vorgänge unterrichtet werde (9).
Aufgabe der öffentlichen Gewalt ist es nicht, die Kulturformen in ihrer besonderen Eigenart jeweils festzulegen, sondern günstige Voraussetzungen zu schaffen und entsprechende Hilfen zu gewähren, um das kulturelle Leben bei allen, auch bei nationalen Minderheiten, zu fördern10. Darum muß man vor allem verhindern, daß die Kultur ihrem eigenen Zweck entfremdet und politischen oder wirtschaftlichen Mächten zu dienen gezwungen wird.
Dritter Abschnitt: Einige dringliche Aufgaben der Christen im Bereich der Kultur
60. Die Anerkennung und Verwirklichung des Rechts aller auf die Wohltaten der Kultur
Da jetzt die Möglichkeit gegeben ist, die meisten Menschen aus dem Elend der Unwissenheit zu befreien, ist es heute eine höchst zeitgemäße Pflicht, vor allem für die Christen, tatkräftig darauf hinzuarbeiten, daß in der Wirtschaft wie in der Politik, auf nationaler wie auf internationaler Ebene Grundentscheidungen getroffen werden, durch die das Recht aller auf menschliche und mitmenschliche Kultur auf der ganzen Welt anerkannt wird und zur Verwirklichung kommt, ein Recht, das entsprechend der Würde der menschlichen Person allen ohne Unterschied der Rasse, des Geschlechts, der Nation, der Religion oder der sozialen Stellung zukommt.
Daher ist dafür Sorge zu tragen, daß die Kulturgüter in ausreichendem Maße allen zugänglich sind, vor allem jene, die die sogenannte Grundkultur ausmachen, damit nicht weiterhin ein großer Teil der Menschheit durch Analphabetismus und Mangel an verantwortlicher Eigeninitiative von einer wahrhaft menschlichen Mitarbeit am Gemeinwohl ausgeschlossen wird. Ziel muß also sein, daß alle, die entsprechend begabt sind, zu höheren Studien aufsteigen können, und zwar so, daß sie, soweit es möglich ist, in der Gesellschaft jene Aufgaben, Ämter und Dienste erreichen, die ihrer Begabung und ihren Fachkenntnissen entsprechen (11). So werden jeder Einzelne und alle gesellschaftlichen Gruppen eines jeden Volkes zur vollen Entfaltung ihres kulturellen Lebens gelangen können, wie sie ihren Anlagen und Überlieferungen gemäß ist.
Darüber hinaus sind ernste Anstrengungen zu machen, daß sich alle des Rechtes auf Kultur bewußt werden und der Pflicht, sich selbst zu bilden und andere bei ihrer Bildung zu unterstützen; gibt es doch mitunter Lebens- und Arbeitsbedingungen, die die kulturellen Bemühungen der Menschen behindern und das Streben nach Kultur in ihnen ersticken. Das gilt in besonderer Weise für Landbevölkerung und Arbeiter; diesen müssen Arbeitsbedingungen geboten werden, die ihre menschliche Kultur nicht beeinträchtigen, sondern fördern. Die Frauen sind zwar schon in fast allen Lebensbereichen tätig, infolgedessen sollen sie aber auch in der Lage sein, die ihrer Eigenart angemessene Rolle voll zu übernehmen. Sache aller ist es, die je eigene und notwendige Teilnahme der Frau am kulturellen Leben anzuerkennen und zu fördern.
61. Die Erziehung zur menschlichen Gesamtkultur
Die verschiedenen Wissenschaften und Künste in eine Synthese zu bringen ist heute schwieriger als früher. Denn einerseits nimmt die Menge und Vielfalt der Elemente zu, die die Kultur ausmachen, andererseits verringert sich die Fähigkeit der Einzelnen, diese zu erfassen und organisch zu ordnen, so daß das Idealbild eines universal gebildeten Menschen immer mehr schwindet. Dennoch bleibt es Verpflichtung eines jeden, die Totalität der menschlichen Person zu wahren, die vor allem durch die Werte der Vernunft, des Willens, des Gewissens und der Brüderlichkeit bestimmt ist, Werte, die alle in Gott dem Schöpfer ihren Grund haben und in Christus wunderbar geheilt und erhoben sind.
Insbesondere in der Familie, sozusagen der Mutter und Hüterin dieser Erziehung, lernen die Kinder, von Liebe umhegt, leichter die wahre Ordnung der Wirklichkeit; die erprobten Formen der menschlichen Kultur prägen sich gleichsam von selbst dem Geist der heranwachsenden Jugend ein.
Für eben diese Erziehung gibt es in der heutigen Gesellschaft günstige Möglichkeiten, besonders durch weitere Verbreitung von Büchern und die neuen kulturellen und sozialen Kommunikationsmittel, die einer Universalkultur förderlich sein können. Da nämlich die Arbeitszeit allenthalben verkürzt wird, nimmt die frei verfügbare Zeit für sehr viele ständig zu. Die Freizeit soll nun sinnvoll zur Entspannung und zur Kräftigung der geistigen und körperlichen Gesundheit verwendet werden: durch Beschäftigung nach eigener Wahl und Studien; durch Reisen in andere Länder (Tourismus), durch die der menschliche Geist weitergebildet wird, die Menschen aber auch durch gegenseitige Bekanntschaft bereichert werden; durch den Sport mit seinen Veranstaltungen, der zum psychischen Gleichgewicht des Einzelnen und der Gesellschaft sowie zur Anknüpfung brüderlicher Beziehungen zwischen Menschen aller Lebensverhältnisse, Nationen oder Rassen beiträgt. Die Christen sollen sich also an den kollektiven Veranstaltungen und Aktionen im kulturellen Bereich beteiligen, die unserer Zeit eigentümlich sind, damit sie mit humanem und christlichem Geist durchdrungen werden.
Alle diese offenen Möglichkeiten aber vermögen eine volle kulturelle Erziehung des Menschen nicht zu verwirklichen, wenn man sich nicht gleichzeitig gründlich mit der Bedeutung von Kultur und Wissenschaft für die menschliche Person befaßt.
62. Das rechte Verhältnis der menschlichen und mitmenschlichen Kultur zur christlichen Bildung
Wiewohl die Kirche zum kulturellen Fortschritt viel beigetragen hat, so steht doch durch Erfahrung fest, daß ein friedliches Verhältnis von Kultur und Christentum, wenn auch aus historisch bedingten Ursachen, sich nicht immer ohne Schwierigkeiten einstellt.
Diese Schwierigkeiten brauchen das Glaubensleben nicht notwendig zu schädigen, können vielmehr den Geist zu einem genaueren und tieferen Glaubensverständnis anregen. Denn die neuen Forschungen und Ergebnisse der Naturwissenschaften, aber auch der Geschichtswissenschaft und Philosophie stellen neue Fragen, die sogar für das Leben Konsequenzen haben und auch von den Theologen neue Untersuchungen verlangen. Außerdem sehen sich die Theologen veranlaßt, immer unter Wahrung der der Theologie eigenen Methoden und Erfordernisse nach einer geeigneteren Weise zu suchen, die Lehre des Glaubens den Menschen ihrer Zeit zu vermitteln. Denn die Glaubenshinterlage selbst, das heißt die Glaubenswahrheiten, darf nicht verwechselt werden mit ihrer Aussageweise, auch wenn diese immer den selben Sinn und Inhalt meint (12). In der Seelsorge sollen nicht nur die theologischen Prinzipien, sondern auch die Ergebnisse der profanen Wissenschaften, vor allem der Psychologie und der Soziologie, wirklich beachtet und angewendet werden, so daß auch die Laien zu einem reineren und reiferen Glaubensleben kommen.
Auf ihre Weise sind auch Literatur und Kunst für das Leben der Kirche von großer Bedeutung. Denn sie bemühen sich um das Verständnis des eigentümlichen Wesens des Menschen, seiner Probleme und seiner Erfahrungen bei dem Versuch, sich selbst und die Welt zu erkennen und zu vollenden; sie gehen darauf aus, die Situation des Menschen in Geschichte und Universum zu erhellen, sein Elend und seine Freude, seine Not und seine Kraft zu schildern und ein besseres Los des Menschen vorausahnen zu lassen. So dienen sie der Erhebung des Menschen in seinem Leben in vielfältigen Formen je nach Zeit und Land, das sie darstellen.
Durch angestrengtes Bemühen soll erreicht werden, daß die Künstler das Bewußtsein haben können, in ihrem Schaffen von der Kirche anerkannt zu sein, und daß sie im Besitz der ihnen zustehenden Freiheit leichter zum Kontakt mit der christlichen Gemeinde kommen. Auch die neuen Formen der Kunst, die gemäß der Eigenart der verschiedenen Völker und Länder den Menschen unserer Zeit entsprechen, sollen von der Kirche anerkannt werden. In das Heiligtum aber sollen sie aufgenommen werden, wenn sie in einer dafür angepaßten Aussageweise den Erfordernissen der Liturgie entsprechen und den Geist zu Gott erheben (13).
So wird das Wissen um Gott besser verdeutlicht, die evangelische Botschaft wird dem Geist der Menschen zugänglicher und zeigt sich als etwas, was gewissermaßen ihrem Dasein schon immer eingestiftet war.
Die Gläubigen sollen also in engster Verbindung mit den anderen Menschen ihrer Zeit leben und sich bemühen, ihre Denk- und Urteilsweisen, die in der Geisteskultur zur Erscheinung kommen, vollkommen zu verstehen. Das Wissen um die neuen Wissenschaften, Anschauungen und Erfindungen sollen sie verbinden mit christlicher Sittlichkeit und mit ihrer Bildung in der christlichen Lehre, damit religiöses Leben und Rechtschaffenheit mit der wissenschaftlichen Erkenntnis und dem täglich wachsenden technischen Fortschritt bei ihnen Schritt halten und sie so alles aus einer umfassenden christlichen Haltung zu beurteilen und zu deuten vermögen.
Die Vertreter der theologischen Disziplinen an den Seminarien und Universitäten sollen mit hervorragenden Vertretern anderer Wissenschaften in gemeinsamer Bemühung und Planung zusammenzuarbeiten suchen. Die theologische Forschung soll sich zugleich um eine tiefe Erkenntnis der geoffenbarten Wahrheit bemühen und die Verbindung mit der eigenen Zeit nicht vernachlässigen, um den in so verschiedenen Wissenszweigen gebildeten Menschen zu einem umfassenderen Glaubensverständnis verhelfen zu können. Dieses gemeinsame Bemühen wird auch für die Ausbildung der Seelsorger von größtem Nutzen sein, damit diese imstande sind, die Lehre der Kirche über Gott, den Menschen und die Welt den Menschen unserer Zeit in geeigneter Weise darzulegen, und so das Wort der Kirche von diesen auch bereitwilliger angenommen wird (14). Es ist sogar wünschenswert, daß einer großen Zahl von Laien eine hinreichende Bildung in der Theologie vermittelt werde und recht viele von ihnen die Theologie auch zum Hauptstudium machen und selber weiter fördern. Zur Ausführung dieser Aufgabe muß aber den Gläubigen, Klerikern wie Laien, die entsprechende Freiheit des Forschens, des Denkens sowie demütiger und entschiedener Meinungsäußerung zuerkannt werden in allen Bereichen ihrer Zuständigkeit (15).
(…)
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Zweites Vatikanisches Konzil: Presbyterorum ordinis (1965)
14.10.2009 by admin.
PRESBYTERORUM ORDINIS
ÜBER DIENST UND LEBEN DER PRIESTER
Durch die Weihe und die vom Bischof empfangene Sendung werden die Priester zum Dienst für Christus, den Lehrer, Priester und König, bestellt. Sie nehmen teil an dessen Amt, durch das die Kirche hier auf Erden ununterbrochen zum Volk Gottes, zum Leib Christi und zum Tempel des Heiligen Geistes auferbaut wird. Um ihr Amt in seelsorglich und menschlich vielfach so tiefgreifend veränderten Verhältnissen wirksamer zu unterstützen und ihrem Leben besser Sorge zu tragen, erklärt und bestimmt darum diese Heilige Synode das Folgende.
DAS PRIESTERTUM UND DIE SENDUNG DER KIRCHE
(…)
5. Gott, der allein Heilige und Heiligende, wollte sich Menschen gleichsam zu Gefährten und Helfern erwählen, daß sie dem Heiligungswerk demütig dienten. Darum werden die Priester von Gott durch den Dienst des Bischofs geweiht, um in besonderer Teilhabe am Priestertum Christi die heiligen Geheimnisse als Diener dessen zu feiern, der sein priesterliches Amt durch seinen Geist allezeit für uns in der Liturgie ausübt (12). In der Taufe führen sie die Menschen dem Volk Gottes zu; im Sakrament der Buße versöhnen sie die Sünder mit Gott und der Kirche; in der Krankensalbung richten sie die Kranken auf; vor allem in der Meßfeier bringen sie in sakramentaler Weise das Opfer Christi dar. In jedem Vollzug der Sakramente - so bezeugt es schon in der Urkirche der heilige Martyrer Ignatius (13) - werden sie auf verschiedene Weise mit dem Bischof hierarchisch verbunden und machen ihn so in den einzelnen Gemeinschaften der Gläubigen gewissermaßen gegenwärtig (14).
Mit der Eucharistie stehen die übrigen Sakramente im Zusammenhang; auf die Eucharistie sind sie hingeordnet; das gilt auch für die anderen kirchlichen Dienste und für die Apostolatswerke (15). Die Heiligste Eucharistie enthält ja das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle (16), Christus selbst, unser Osterlamm und das lebendige Brot. Durch sein Fleisch, das durch den Heiligen Geist lebt und Leben schafft, spendet er den Menschen das Leben; so werden sie ermuntert und angeleitet, sich selbst, ihre Arbeiten und die ganze Schöpfung mit ihm darzubringen. Darum zeigt sich die Eucharistie als Quelle und Höhepunkt aller Evangelisation: die Katechumenen werden allmählich zur Teilnahme an der Eucharistie vorbereitet, die schon Getauften und Gefirmten durch den Empfang der Eucharistie ganz dem Leib Christi eingegliedert.
Die Zusammenkunft zur Feier der Eucharistie, der der Priester vorsteht, ist also die Mitte der Gemeinschaft der Gläubigen. Die Priester leiten darum die Gläubigen an, die göttliche Opfergabe in der Meßfeier Gott dem Vater darzubringen und mit ihr die Hingabe ihres eigenen Lebens zu verbinden. Sie unterweisen sie im Geist Christi des Hirten, ihre Sünden reumütig der Kirche im Sakrament der Buße zu unterwerfen, so daß sie sich ständig mehr zum Herrn bekehren, eingedenk seines Wortes: “Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen” (Mt 4,17). Sie lehren sie ebenso, an den Feiern der heiligen Liturgie so teilzunehmen, daß sie dabei zu einem echten Gebet kommen; sie führen sie zu immer vollkommenerem Gebetsgeist, der sich entsprechend den Gnaden und Erfordernissen eines jeden im ganzen Leben auswirken muß; sie halten alle an, ihre Standespflichten zu erfüllen, und laden die Fortgeschrittenen ein, die evangelischen Räte in einer Weise, die jedem angemessen ist, zu befolgen. So lehren sie die Gläubigen, in Lobgesängen und geisterfüllten Liedern dem Herrn in ihren Herzen zu singen und Gott dem Vater immerdar Dank zu sagen für alles im Namen unseres Herrn Jesus Christus (17).
Die Priester selbst setzen das Lob und die Danksagung der Eucharistie zu den verschiedenen Tageszeiten fort, wenn sie das Stundengebet verrichten, in dem sie im Namen der Kirche Gott für das ganze ihnen anvertraute Volk, ja für die ganze Welt bitten.
Das Gotteshaus, in dem die Heiligste Eucharistie gefeiert und aufbewahrt wird, in dem die Gläubigen sich versammeln und die Gegenwart des auf dem Opferaltar für uns dargebrachten Erlösers zur Hilfe und zum Trost der Gläubigen verehrt wird, soll schön sein, geeignet zu Gebet und heiliger Handlung (18). Hirten und Gläubige sollen in ihm mit dankbarem Herzen auf die Gabe dessen antworten, der durch seine Menschheit das göttliche Leben ständig den Gliedern seines Leibes mitteilt (19). Die Priester mögen die Wissenschaft und die Praxis der Liturgie in rechter Weise pflegen, damit durch ihren liturgischen Dienst von den ihnen anvertrauten Gemeinden Gott, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, immer vollkommeneres Lob werde.
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Zweites Vatikanisches Konzil: Inter mirifica (1963)
14.10.2009 by admin.
Zur Freiheit der Kunst:
INTER MIRIFICA
DIENER DER DIENER GOTTES ZUSAMMEN MIT DEN VÄTERN DES HEILIGEN KONZILS ZUR FORTWÄHRENDEN ERINNERUNG
Vorwort
1. Unter den erstaunlichen Erfindungen der Technik, welche die menschliche Geisteskraft gerade in unserer Zeit mit Gottes Hilfe aus der Schöpfung entwickelt hat, richtet sich die besondere Aufmerksamkeit der Kirche auf jene, die sich unmittelbar an den Menschen selbst wenden und neue Wege erschlossen haben, um Nachrichten jeder Art, Gedanken und Weisungen leicht mitzuteilen. Unter ihnen treten vor allem jene “Mittel” hervor, die in ihrer Eigenart nicht nur den einzelnen Menschen, sondern die Masse und die ganze menschliche Gesellschaft erreichen und beeinflussen können: die Presse, der Film, der Rundfunk, das Fernsehen und andere gleicher Art. Man nennt sie darum zu Recht “Soziale Kommunikationsmittel”.
2. Der Kirche ist sehr wohl bekannt, daß die Sozialen Kommunikationsmittel bei rechtem Gebrauch den Menschen wirksame Hilfe bieten, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Erholung und Bildung des Geistes; sie dienen ebenso auch der Ausbreitung und Festigung des Gottesreiches. Die Kirche weiß ebenfalls, daß die Menschen diese technischen Erfindungen gegen Gottes Schöpfungsplan und zu ihrem eigenen Schaden mißbrauchen können. Die Sorge einer Mutter erfüllt sie wegen des Unheils, das durch deren Mißbrauch häufig der menschlichen Gesellschaft erwachsen ist.
Das Konzil hält es darum für seine Pflicht, die wache Sorge der Päpste und Bischöfe in dieser wichtigen Sache aufzunehmen und die vordringlichen Fragen zu behandeln, die mit den Sozialen Kommunikationsmitteln zusammenhängen. Es hofft zudem, daß seine hier vorgelegte Lehre und Weisung nicht allein dem Heil der Gläubigen, sondern auch dem Fortschritt der ganzen menschlichen Gesellschaft dienen werde.
Erstes Kapitel
3. Die Katholische Kirche ist von Christus, dem Herrn, gegründet, um allen Menschen das Heil zu bringen, und darum der Verkündigung des Evangeliums unbedingt verpflichtet. Deshalb hält sie es für ihre Pflicht, die Heilsbotschaft auch mit Hilfe der Sozialen Kommunikationsmittel zu verkündigen und Grundsätze über deren richtige Anwendung aufzustellen.
Die Kirche hat also ein ursprüngliches Recht darauf, jedes dieser Sozialen Kommunikationsmittel zu benutzen und zu besitzen, soweit es für die christliche Erziehung und ihr Wirken am Heile der Seelen notwendig und nützlich ist. Zum Auftrag der Oberhirten gehört es, die Gläubigen zu lehren und zu leiten, damit sie das Heil und die Vollendung für sich und die ganze Menschheitsfamilie auch mit Hilfe dieser Mittel erstreben.
Im übrigen gehört es vor allem zur Aufgabe der Laien, die Sozialen Kommunikationsmittel mit echt humanem und christlichem Geist zu beseelen, um so den großen Erwartungen der Menschheit und dem Plane Gottes voll zu entsprechen.
4. Die rechte Benutzung der Sozialen Kommunikationsmittel setzt bei allen, die mit ihnen umgehen, die Kenntnis der Grundsätze sittlicher Wertordnung voraus und die Bereitschaft, sie auch hier zu verwirklichen. Man muß also zunächst auf den Sachverhalt achten, der je nach der Eigengesetzlichkeit jedes einzelnen Mediums mitgeteilt wird; doch zugleich sind auch alle Begleitumstände zu berücksichtigen, wie Absicht, Personen, Ort, Zeit, und all die Dinge, die zur Vollständigkeit der Mitteilung gehören, und was ihren sittlichen Wert verändern oder völlig umkehren kann. Hierzu zählt auch die jedem Sozialen Kommunikationsmittel eigene Wirkungsart, seine Eindruckskraft, die so groß sein kann, daß es den Menschen, insbesondere den unerfahrenen, schwerfällt, sie wahrzunehmen, geistig zu verarbeiten und gegebenenfalls sich ihrer zu erwehren.
5. Vor allem sind für den Gebrauch der Sozialen Kommunikationsmittel bei allen Beteiligten klare Gewissensgrundsätze notwendig. Dies gilt besonders für einige gerade in unserer Zeit heftig umstrittene Probleme.
Der erste Fragenkreis umfaßt die “Information”, das ist das Sammeln und Verbreiten von Nachrichten. Zweifellos ist bei der heutigen Entwicklung der menschlichen Gesellschaft und der immer engeren Verbindung ihrer Mitglieder die Information wertvoll, ja unumgänglich notwendig. Eine öffentliche und rechtzeitige Berichterstattung über Ereignisse und Zusammenhänge gibt jedem einzelnen Menschen eine reichere und umfassendere Kenntnis, so daß jeder einen wirksamen Beitrag zum Gemeinwohl leisten kann und alle beim Ausbau der bürgerlichen Gesellschaft leichter mitwirken können. Es gibt also in der menschlichen Gesellschaft ein Recht auf Information über alle Tatsachen, die den Menschen, als einzelnen oder als Mitgliedern der Gesellschaft, je nach ihrer besonderen Situation zu wissen zukommt. Der richtige Gebrauch des Rechtes fordert aber, daß die Mitteilung inhaltlich stets der Wahrheit entspricht und bei Beachtung der durch Recht und menschliche Rücksichtnahme gezogenen Grenzen vollständig ist. Auch in der Form muß sie ethisch einwandfrei sein, d. h., beim Sammeln und Verbreiten von Nachrichten müssen die ethischen Grundsätze sowie die Rechte und Würde des Menschen beachtet werden; denn nicht alles Wissen bringt Nutzen, “die Liebe aber baut auf” (1 Kor 8,1).
6. Eine zweite Frage betrifft die Beziehungen zwischen der “Freiheit der Kunst” und den Normen des Sittengesetzes. Die sich mehrenden Diskussionen darüber beruhen häufig auf falschen Auffassungen von Ethik und Ästhetik. Das Konzil betont darum, daß der Vorrang der objektiven sittlichen Ordnung in allem und für alle gilt. Die Sittenordnung überragt alle übrigen menschlichen Ordnungen, die Kunst nicht ausgenommen, so wertvoll sie auch sein mögen, und bringt sie in das rechte Verhältnis. Allein die sittliche Wertordnung umfaßt die ganze Natur des Menschen, der ein geistbegabtes und zu Höherem berufenes Geschöpf Gottes ist. Wird sie in vollem Umfang getreu beachtet, ist sie für den Menschen der Weg zu seiner Erfüllung und zu seinem Heil.
7. Zum Dritten: Die Schilderung, Beschreibung oder Darstellung des sittlich Bösen kann gewiß auch mit den Sozialen Kommunikationsmitteln zur besseren Erkenntnis und Ergründung des Menschen beitragen. Sie kann die Erhabenheit des Wahren und Guten offenbaren und dabei besonders wirksame dramatische Effekte erzielen. Doch auch sie muß sich den ethischen Forderungen unterordnen, wenn sie nicht eher Schaden als Nutzen stiften will, vor allem bei Themen, deren Behandlung eine gewisse Zurückhaltung gebietet oder die im erbsündlich belasteten Menschen leicht niedrige Instinkte wecken.
8. “Öffentliche Meinungen” üben heute einen bestimmenden und richtunggebenden Einfluß auf das private und öffentliche Leben der Menschen aller gesellschaftlichen Schichten aus. Darum müssen alle Glieder der Gesellschaft ihren Verpflichtungen zu Gerechtigkeit und Liebe auch in diesem Bereich nachkommen und mit Hilfe dieser Mittel ebenfalls zur Bildung und Verbreitung richtiger öffentlicher Meinungen beitragen.
9. Eine besondere Verantwortung tragen die Leser, Zuschauer und Zuhörer, die sich ja in freier und persönlicher Entscheidung der Sozialen Kommunikationsmittel bedienen. Dabei gilt es, sich für das zu entscheiden, was sowohl ethisch wie künstlerisch wertvoll und wissenswert ist. Es gilt aber auch, das Minderwertige oder Verführerische abzulehnen, ebenso alles, was schlechtes Beispiel gibt, und auch, was gute Darbietungen hindert oder schlecht fördert. Dies geschieht häufig dann, wenn man Geld für Darbietungen ausgibt, die von ihren Veranstaltern lediglich aus Gründen gewinnsüchtigen Profits angeboten werden.
Leser, Zuschauer und Hörer dürfen es daher nicht unterlassen, sich rechtzeitig bei den Stellen zu informieren, die dafür zuständig sind, und sie müssen deren Beurteilung nach bestem Wissen und Gewissen befolgen. Um zweifelhaften Anpreisungen leichter zu widerstehen und auf gute Anregungen einzugehen, ist eine rechte Gewissensbildung durch geeignete Hilfe notwendig.
10. Leser, Hörer und Zuschauer, besonders die Jugendlichen, sollen sich im Gebrauch dieser Sozialen Kommunikationsmittel an Zucht und Maß gewöhnen. Ferner sollen sie sich um ein tieferes Verständnis dessen bemühen, was sie gesehen, gehört oder gelesen haben. Mit Erziehern und Fachleuten mögen sie sich darüber besprechen, um selbst richtig urteilen zu lernen. Die Eltern aber sollen sorgfältig darauf achten, daß nicht glaubens- und sittenwidrige Darbietungen, Druckerzeugnisse und ähnliches ins Haus gelangen oder den Kindern anderswo begegnen.
11. Eine besondere Verantwortung für die Sozialen Kommunikationsmittel tragen die Journalisten, Schriftsteller, Schauspieler, Regisseure, Produzenten, Geldgeber, Verleiher, Theaterleiter, Agenten, Kritiker und überhaupt alle, die irgendwie bei der Produktion und Verbreitung Sozialer Kommunikationsmittel beteiligt sind. Die Größe und der Ernst ihrer Verpflichtungen unter den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen liegen klar auf der Hand. Ihre Information und Einwirkung können dem Menschen Segen oder Fluch bringen.
Ihre Aufgabe wird es darum sein, die wirtschaftlichen, politischen und künstlerischen Belange so aufeinander abzustimmen, daß sie dem Gemeinwohl niemals zuwiderlaufen. Um dies wirksamer zu erreichen, empfiehlt es sich, Berufsvereinigungen beizutreten, die ihren Mitgliedern Achtung vor dem Sittengesetz in ihren beruflichen Arbeiten und Pflichten auferlegen - wenn nötig, auch mit Eingehung der gegenseitigen Verpflichtung, festgelegte moralische Richtlinien zu beobachten. Immer aber mögen sie daran denken, daß ein großer Teil der Leser und Zuschauer aus Jugendlichen besteht. Diese brauchen Schriften und Darbietungen mit sauberer Unterhaltung und Anregung zum Guten. Sie sollen auch dafür sorgen, daß Darbietungen religiösen Inhalts ernsten und erfahrenen Bearbeitern anvertraut und mit gebotener Ehrfurcht gestaltet werden.
12. Die öffentliche Gewalt hat hier mit Rücksicht auf das Gemeinwohl, dem die Sozialen Kommunikationsmittel zugeordnet sind, besondere Verpflichtungen. Im Rahmen ihrer Zuständigkeit hat sie die wahre und rechte Freiheit der Information, deren die heutige Gesellschaft zu ihrem Fortschritt bedarf, zu verteidigen und zu schützen, das gilt besonders für die Pressefreiheit. Der öffentlichen Gewalt obliegt auch die Förderung der Religion, der Kultur und der schönen Künste sowie der Schutz der Leser, Zuschauer und Zuhörer im freien Gebrauch ihrer Rechte. Zudem ist es Sache der öffentlichen Hand, solche Unternehmen zu unterstützen, die sonst nicht zu verwirklichen wären, die aber besonders für die Jugend wertvoll sind.
Schließlich muß die gleiche öffentliche Gewalt, die kraft ihres Amtes für das Wohl der Bürger Sorge trägt, durch Erlaß und sorgfältige Durchführung von Gesetzen schwere Schäden für die öffentliche Sitte und den Fortschritt der Gesellschaft verhindern, die durch Mißbrauch der Sozialen Kommunikationsmittel entstehen könnten. Die Freiheit der Einzelnen oder gesellschaftlicher Gruppen wird durch diese wache Sorge keineswegs beeinträchtigt, zumal wenn wirksame Vorsichtsmaßnahmen jener fehlen, die beruflich mit diesen Mitteln zu tun haben.
Besondere Schutzmaßnahmen müssen getroffen werden, um die Jugendlichen vor Presseerzeugnissen und Darbietungen zu bewahren, die ihrem Alter schädlich sind.
Zweites Kapitel
13. Alle Glieder der Kirche sollen einmütig und planmäßig darangehen, ohne Aufschub und mit größtem Eifer die Sozialen Kommunikationsmittel in den vielfältigen Arbeiten des Apostolates, wie es Zeit und Umstände erfordern, zu benutzen und schädlichen Unternehmungen zuvorzukommen, besonders in den Gegenden, wo sittlicher oder religiöser Fortschritt erhöhte Anstrengungen erfordert.
Die kirchlichen Oberhirten sollen darum auf diesem Gebiet, das mit ihrer Pflicht zur Verkündigung so eng verbunden ist, ihrem Auftrag eilends nachkommen. Auch die mit den Sozialen Kommunikationsmitteln arbeitenden Laien sollen vor allem durch Erfüllung ihrer jeweiligen Berufsaufgabe mit Sachverstand und in apostolischem Geiste bereitwillig für Christus Zeugnis ablegen.
Sie sollen auch, je nach Möglichkeit, mit ihren technischen, wirtschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Kräften die kirchliche Seelsorge unmittelbar unterstützen.
14. Vor allem ist die gute Presse zu fördern. Um jedoch die Leser ganz mit christlichem Geist zu erfüllen, soll auch eine katholische Presse gegründet und gefördert werden, die diesen Namen wirklich verdient. Sie soll - entweder unmittelbar von der Kirche oder von katholischen Persönlichkeiten ins Leben gerufen und getragen - in der erklärten Absicht erscheinen, um öffentliche Meinungen zu bilden, zu festigen und zu fördern, die mit dem Naturrecht und den katholischen Lehren und Grundsätzen übereinstimmen, sie soll Nachrichten über das Leben der Kirche bringen und kommentieren. Die Gläubigen aber sind von der Notwendigkeit zu überzeugen, die katholische Presse zu lesen und zu verbreiten, um sich über alle Ereignisse ein christliches Urteil bilden zu können.
Die Produktion und Vorführung von Filmen, die gute Unterhaltung bieten, die belehrend und künstlerisch wertvoll sind, insbesondere von Filmen für die Jugend, sollte man mit allen wirksamen Mitteln fördern und sicherstellen. Dazu wird die Unterstützung und Zusammenarbeit guter Produzenten auf wirtschaftlichem und organisatorischem Gebiet empfohlen, ferner anerkennende Kritik und Verleihung von Preisen an Filme, die es verdienen, und endlich die Förderung und der Zusammenschluß von Lichtspieltheatern, die von katholischen und zuverlässigen Persönlichkeiten geleitet werden.
Gute Rundfunk- und Fernsehsendungen sind zu unterstützen, vor allem jene, die für die Familie wertvoll sind. Katholische Sendungen, welche Hörer und Zuschauer am Leben der Kirche teilnehmen lassen und mit religiösen Wahrheiten vertraut machen, sind besonders zu fördern. Wohlüberlegt sollen dort, wo es angebracht erscheint, katholische Sender errichtet werden. Man achte jedoch darauf, daß sich ihre Übertragungen durch entsprechende Qualität und Reichweite auszeichnen.
Man trage überdies Sorge dafür, daß die edle und alte Kunst des Theaters, die nun auch durch die Sozialen Kommunikationsmittel weite Verbreitung findet, zur menschlichen und sittlichen Bildung der Zuschauer beiträgt.
15. Um den dargelegten Erfordernissen gerecht zu werden, ist rechtzeitig für die Ausbildung von Geistlichen, Ordensleuten und Laien zu sorgen. Sie müssen genügend Sachkenntnis besitzen, um diese Mittel für das Apostolat zu gebrauchen.
Insbesondere sollen die Laien eine technische, theoretische und charakterliche Ausbildung erhalten. Die Zahl der Schulen, Fakultäten und Institute, auf denen Journalisten, Autoren für Film, Rundfunk und Fernsehen sowie andere interessierte Personen eine umfassende Ausbildung erhalten können, ist zu vermehren. Eine solche Ausbildung soll von christlichem Geist geprägt sein und insbesondere die Soziallehre der Kirche berücksichtigen. Die Schauspieler sollen Anregung und Hilfe erhalten, um in ihrer Kunst der menschlichen Gesellschaft in rechter Weise zu dienen. Sorgfältig auszubilden sind ferner Kritiker für Literatur, Film, Rundfunk, Fernsehen und andere Gebiete. Sie alle sollen ihr Sachgebiet wirklich beherrschen. Desgleichen sollen sie befähigt und angeregt werden, in ihren Kritiken stets die sittlichen Gesichtspunkte zu berücksichtigen.
16. Der rechte Gebrauch der Sozialen Kommunikationsmittel, die sich ja an Menschen verschiedenen Alters und unterschiedlicher Bildung wenden, setzt bei diesen eine eigene Schulung und Übung voraus. Darum sind geeignete Einrichtungen - insbesondere für Jugendliche - in den katholischen Schulen und Hochschulen aller Arten, in Bildungsstätten und den Organisationen des Laienapostolates zu unterstützen, zu vermehren und nach christlichen Grundsätzen zu leiten. Um hier schneller voranzukommen, sollen diese Fragen sowohl im Grundsätzlichen wie in ihrer praktischen Handhabung auch im Religionsunterricht behandelt und erläutert werden.
17. Es ist ein unwürdiger Zustand, wenn es von den Mitgliedern der Kirche untätig hingenommen wird, daß das Wort des Heiles durch technische Unzulänglichkeit und unzureichende Mittel gefesselt und gehindert ist. Allerdings ist der bei den Sozialen Kommunikationsmitteln erforderliche finanzielle Aufwand sehr groß. Darum erinnert das Konzil die Gläubigen an ihre Pflicht, die katholischen Zeitungen, Zeitschriften und Filmunternehmungen, die Rundfunk- und Fernsehstationen und ihre Sendungen zu unterstützen, deren besonderes Ziel es ist, die Wahrheit zu verbreiten und zu verteidigen sowie christliches Geistesgut den Menschen zu vermitteln. Zugleich lädt das Konzil die in Wirtschaft oder Technik einflußreichen Verbände und Einzelpersönlichkeiten dringend ein, mit ihren finanziellen Beiträgen und ihrer Erfahrung die Sozialen Kommunikationsmittel, soweit sie wahrer Kultur und dem Apostolat dienen, bereitwillig zu unterstützen.
18. Um das vielgestaltige Apostolatswerk der Kirche auf dem Gebiet der Sozialen Kommunikationsmittel wirksam zu kräftigen, soll in allen Diözesen des Erdkreises, nach dem Ermessen der Bischöfe, jährlich ein Tag festgesetzt werden, an dem die Gläubigen auf ihre hier liegenden Aufgaben eindringlich hingewiesen und eingeladen werden, dieser Frage im Gebet zu gedenken und Spenden für sie zu entrichten. Der Erlös soll zum Unterhalt und zur Unterstützung aller kirchlichen Einrichtungen und Unternehmungen auf diesem Gebiet dienen. Maßgebend sind dabei die Bedürfnisse der Weltkirche.
19. Zur Erfüllung seiner obersten Hirtenpflicht auf dem Gebiet der Sozialen Kommunikationsmittel steht dem Papst eine eigene Stelle beim Apostolischen Stuhl zur Verfügung.(1)
20. Nun aber wird es Sache der Bischöfe sein, den Werken und Unternehmungen dieser Art in den eigenen Diözesen ihre wache Sorge zuzuwenden, sie zu fördern und ihre Tätigkeit zu koordinieren, soweit sie das Apostolat in der Öffentlichkeit betrifft. Auch die von externen Ordensgenossenschaften geleiteten Unternehmungen sind davon nicht ausgenommen.
21. Ein wirksames Apostolat für ein ganzes Land verlangt Einheitlichkeit in der Planung und im Einsatz der Kräfte. Darum bestimmt und ordnet das Konzil an, daß in den einzelnen Ländern eigene Stellen für Presse, Film, Rundfunk und Fernsehen errichtet und mit allen Mitteln unterstützt werden.
Aufgabe dieser nationalen Stellen ist vor allem die Sorge um die Gewissensbildung der Gläubigen beim Gebrauch der Sozialen Kommunikationsmittel; ferner sollen sie das unterstützen und ordnen, was in diesem Bereich von Katholiken unternommen wird.
In jeder Nation soll die Leitung dieser Stellen einer eigenen Bischofskommission oder einem beauftragten Bischof anvertraut werden. In den genannten Stellen sollen auch Laien vertreten sein, die in der katholischen Lehre und in diesen Sachgebieten erfahren sind.
22. Die Auswirkung der Sozialen Kommunikationsmittel geht über die Grenzen der Nationen hinaus und macht die Einzelnen gleichsam zu Bürgern der ganzen Menschheit. Darum sollen die nationalen Unternehmungen auch im internationalen Rahmen zusammenarbeiten. Die in Nr.21 genannten Stellen sollen in enger Verbindung mit ihrer jeweiligen internationalen katholischen Vereinigung stehen. Diese internationalen katholischen Verbände aber erhalten ihre Bestätigung ausschließlich vom Apostolischen Stuhl und unterstehen nur diesem.
Schluß
23. Um alle Grundsätze und Weisungen dieses Konzils über die Sozialen Kommunikationsmittel zum Erfolg zu führen, soll im ausdrücklichen Auftrag des Konzils ein Pastoralschreiben herausgegeben werden. Dafür ist die in Nr. 19 genannte Stelle des Apostolischen Stuhls beauftragt, die aus den verschiedenen Nationen Sachverständige hinzuziehen soll.
24. Abschließend spricht die Konzilsversammlung die Hoffnung aus, daß diese ihre Grundsätze und Weisungen von allen Gliedern der Kirche bereitwillig angenommen und gewissenhaft beachtet werden. Sie sollen durch den Gebrauch dieser Hilfen keinen Schaden leiden, sondern wie das Salz die Erde würzen und wie das Licht die Welt erleuchten. Das Konzil ruft alle Menschen guten Willens und vor allem die verantwortlichen Leiter der Sozialen Kommunikationsmittel auf, sie ausschließlich zum Wohl der menschlichen Gemeinschaft zu verwenden, deren Schicksal von Tag zu Tag mehr von ihrem rechten Gebrauch abhängt. So werde der Name des Herrn, wie schon durch die Werke der Vergangenheit, so auch durch diese neuen Erfindungen verherrlicht, nach dem Wort des Apostels: “Jesus Christus, gestern und heute, derselbe auch in Ewigkeit” (Hebr 13, 8).
Was in diesem Dekret im gesamten und im einzelnen ausgesprochen ist, hat die Zustimmung der Väter gefunden. Und Wir, kraft der von Christus Uns übertragenen Apostolischen Vollmacht, billigen, beschießen und verordnen es zusammen mit den Ehrwürdigen Vätern im Heiligen Geiste und gebieten zur Ehre Gottes die Veröffentlichung dessen, was so durch das Konzil verordnet ist.
Rom, bei St. Peter am 4. Dezember 1963.
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Zweites Vatikanisches Konzil: Sacrosanctum Concilium (1963)
14.10.2009 by admin.
(…)
KAPITEL VI
DIE KIRCHENMUSIK
113. Ihre vornehmste Form nimmt die liturgische Handlung an, wenn der Gottesdienst feierlich mit Gesang gehalten wird und dabei Leviten mitwirken und das Volk tätig teilnimmt. Was die zu verwendende Sprache betrifft, so gelten die Vorschriften von Art. 36; für die Messe von Art. 54, für die Sakramente von Art. 63, für das Stundengebet von Art. 101.
114. Der Schatz der Kirchenmusik möge mit größter Sorge bewahrt und gepflegt werden. Die Sängerchöre sollen nachdrücklich gefördert werden, besonders an den Kathedralkirchen. Dabei mögen aber die Bischöfe und die übrigen Seelsorger eifrig dafür Sorge tragen, daß in jeder liturgischen Feier mit Gesang die gesamte Gemeinde der Gläubigen die ihr zukommende tätige Teilnahme auch zu leisten vermag, im Sinne von Art. 28 und 30.
115. In den Seminarien, in den Noviziaten und Studienhäusern der Ordensleute beiderlei Geschlechts sowie auch in den übrigen katholischen Instituten und Schulen soll auf die musikalische Ausbildung und Praxis großes Gewicht gelegt werden. Um diese Ausbildung zu erreichen, sollen die Dozenten der Kirchenmusik sorgfältig vorgebildet werden. Darüber hinaus wird empfohlen, wo es angebracht erscheint, höhere Kirchenmusik-Institute zu errichten. Die Kirchenmusiker aber, die Sänger und besonders die Sängerknaben sollen auch eine gediegene Ausbildung erhalten.
116. Die Kirche betrachtet den Gregorianischen Choral als den der römischen Liturgie eigenen Gesang; demgemäß soll er in ihren liturgischen Handlungen, wenn im übrigen die gleichen Voraussetzungen gegeben sind, den ersten Platz einnehmen. Andere Arten der Kirchenmusik, besonders die Mehrstimmigkeit, werden für die Feier der Liturgie keineswegs ausgeschlossen, wenn sie dem Geist der Liturgie im Sinne von Art. 30 entsprechen.
117. Die “editio typica” der Bücher des Gregorianischen Gesanges soll zu Ende geführt werden; darüber hinaus soll eine kritische Ausgabe der seit der Reform des heiligen Pius X. bereits herausgegebenen Bücher besorgt werden. Es empfiehlt sich ferner, eine Ausgabe zu schaffen mit einfacheren Melodien für den Gebrauch der kleineren Kirchen.
118. Der religiöse Volksgesang soll eifrig gepflegt werden, so daß die Stimmen der Gläubigen bei Andachtsübungen und gottesdienstlichen Feiern und auch bei den liturgischen Handlungen selbst gemäß den Richtlinien und Vorschriften der Rubriken erklingen können.
119. Da die Völker mancher Länder, besonders in der Mission, eine eigene Musiküberlieferung besitzen, die in ihrem religiösen und sozialen Leben große Bedeutung hat, soll dieser Musik gebührende Wertschätzung entgegengebracht und angemessener Raum gewährt werden, und zwar sowohl bei der Formung des religiösen Sinnes dieser Völker als auch bei der Anpassung der Liturgie an ihre Eigenart, im Sinne von Art. 39 und 40. Deshalb soll bei der musikalischen Ausbildung der Missionare sorgfältig darauf geachtet werden, daß sie im Rahmen des Möglichen imstande sind, die überlieferte Musik der betreffenden Völker sowohl in den Schulen als auch im Gottesdienst zu fördern.
120. Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden; denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlichen Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben. Andere Instrumente aber dürfen nach dem Ermessen und mit Zustimmung der für die einzelnen Gebiete zuständigen Autorität nach Maßgabe der Art. 22. § 2,37 und 40 zur Liturgie zugelassen werden, sofern sie sich für den heiligen Gebrauch eignen oder für ihn geeignet gemacht werden können, der Würde des Gotteshauses angemessen sind und die Erbauung der Gläubigen wirklich fördern.
121. Die Kirchenmusiker mögen, von christlichem Geist erfüllt, sich bewußt sein, daß es ihre Berufung ist, die Kirchenmusik zu pflegen und deren Schatz zu mehren. Sie sollen Vertonungen schaffen, welche die Merkmale echter Kirchenmusik an sich tragen und nicht nur von größeren Sängerchören gesungen werden können, sondern auch kleineren Chören angepaßt sind und die tätige Teilnahme der ganzen Gemeinde der Gläubigen fördern. Die für den Kirchengesang bestimmten Texte müssen mit der katholischen Lehre übereinstimmen; sie sollen vornehmlich aus der Heiligen Schrift und den liturgischen Quellen geschöpft werden.
DIE SAKRALE KUNST : LITURGISCHES GERÄT UND GEWAND
123. Die Kirche hat niemals einen Stil als ihren eigenen betrachtet, sondern hat je nach Eigenart und Lebensbedingungen der Völker und nach den Erfordernissen der verschiedenen Riten die Sonderart eines jeden Zeitalters zugelassen und so im Laufe der Jahrhunderte einen Schatz zusammengetragen, der mit aller Sorge zu hüten ist. Auch die Kunst unserer Zeit und aller Völker und Länder soll in der Kirche Freiheit der Ausübung haben, sofern sie nur den Gotteshäusern und den heiligen Riten mit der gebührenden Ehrfurcht und Ehrerbietung dient, so daß sie einstimmen kann in den wunderbaren Chor, den die größten Männer in den vergangenen Jahrhunderten zur Verherrlichung des christlichen Glaubens angestimmt haben.
124. Bei der Förderung und Pflege wahrhaft sakraler Kunst mögen die Ordinarien mehr auf edle Schönheit bedacht sein als auf bloßen Aufwand. Das gilt auch für die heiligen Gewänder und die Ausstattung der heiligen Orte. Die Bischöfe mögen darauf hinwirken, daß von den Gotteshäusern und anderen heiligen Orten streng solche Werke von Künstlern ferngehalten werden, die dem Glauben, den Sitten und der christlichen Frömmigkeit widersprechen und die das echt religiöse Empfinden verletzen, sei es, weil die Formen verunstaltet sind oder weil die Werke künstlerisch ungenügend, allzu mittelmäßig oder kitschig sind. Beim Bau von Kirchen ist sorgfältig darauf zu achten, daß sie für die liturgischen Feiern und für die tätige Teilnahme der Gläubigen geeignet sind.
125. Der Brauch, in den Kirchen den Gläubigen heilige Bilder zur Verehrung darzubieten, werde nicht angetastet. Doch sollen sie in mäßiger Zahl und rechter Ordnung aufgestellt werden, damit sie nicht die Verwunderung der Gläubigen erregen oder einer weniger gesunden Frömmigkeit Vorschub leisten.
126. Bei der Beurteilung von Kunstwerken sollen die Ortsordinarien die Diözesankommission für sakrale Kunst hören und gegebenenfalls auch andere besonders sachverständige Persönlichkeiten sowie die Kommissionen, von denen in den Artikeln 44, 45, 46 die Rede ist. Sorgfältig sollen die Ordinarien darüber wachen, daß nicht etwa heiliges Gerät und Paramente oder kostbare Kunstwerke veräußert werden oder verkommen, sind sie doch Zierde des Hauses Gottes.
127. Die Bischöfe sollen sich entweder persönlich oder durch geeignete Priester, die Sachverständnis und Liebe zur Kunst besitzen, um die Künstler kümmern, um sie mit dem Geist der sakralen Kunst und der Liturgie zu erfüllen.
Überdies wird empfohlen, in Gegenden, wo es angezeigt erscheint, Schulen oder Akademien für sakrale Kunst zur Heranbildung von Künstlern zu gründen. Die Künstler aber, die, angetrieben von ihrer schöpferischen Begabung, danach streben, der Herrlichkeit Gottes in der heiligen Kirche zu dienen, mögen sich alle immerdar wohl bewußt sein, daß es dabei um ein Stück heiliger Nachahmung des Schöpfergottes geht und um Werke, die für den katholischen Gottesdienst, für die Auferbauung der Gläubigen wie auch zu deren Frömmigkeit und religiösen Unterweisung bestimmt sind.
128 Die Canones und kirchlichen Statuten, die sich auf die Gestaltung der äußeren zur Liturgie gehörigen Dinge beziehen, sind zugleich mit den liturgischen Büchern im Sinne von Art. 25 unverzüglich zu revidieren. Das gilt besonders von den Bestimmungen über würdigen und zweckentsprechenden Bau der Gotteshäuser, Gestalt und Errichtung der Altäre, edle Form des eucharistischen Tabernakels, seinen Ort und seine Sicherheit, richtige und würdige Anlage des Baptisteriums, schließlich von den Bestimmungen über die rechte Art der heiligen Bilder, des Schmuckes und der Ausstattung der Kultgebäude. Bestimmungen, die der erneuerten Liturgie weniger zu entsprechen scheinen, mögen abgeändert oder abgeschafft werden; solche aber, die sie fördern, sollen beibehalten oder neueingeführt werden. In diesem Zusammenhang wird den Bischofsversammlungen der einzelnen Gebiete, besonders hinsichtlich von Material und Form der heiligen Geräte und Gewänder, die Vollmacht erteilt, Anpassungen an die örtlichen Erfordernisse und Sitten vorzunehmen, nach Maßgabe von Art. 22 dieser Konstitution.
129. Die Kleriker sollen während ihrer philosophischen und theologischen Studienzeit auch über Geschichte und Entwicklung der sakralen Kunst unterrichtet werden, wie auch über die gesunden Grundsätze, auf die sich die Werke der sakralen Kunst stützen müssen. So sollen sie die ehrwürdigen Denkmäler der Kirche schätzen und bewahren lernen und den Künstlern bei der Schaffung ihrer Werke passende Ratschläge erteilen können.
130. Es ist angemessen, den Gebrauch der Pontifikalien jenen kirchlichen Personen vorzubehalten, die Bischöfe sind oder irgendeine besondere Jurisdiktion besitzen.
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kunst und kirche. Mons. Timothy Verdon
14.10.2009 by admin.
Der Priester und die Sakrale Kunst - Mons. Timothy Verdon*
Die Sakrale Kunst dient dem Priester in seinem Leben als Mensch und als Christ, wie auch bei seinem priesterlichen Dienst. Auf den einen wie auf den anderen Bereich ihres Nutzens hat in der Tat der Heilige Vater, Benedikt XVI. in seinem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben Sacramentum Caritatis aus dem Jahr 2007 hingewiesen, indem er die künstlerische Schönheit als „eine Art und Weise” bezeichnete, „wie die Wahrheit der Liebe Gottes in Christus uns erreicht (Abschnitt 35)” und indem er „die innere Verbindung von Schönheit und Liturgie” unterstrich. In diesem Zusammenhang schreibt der Papst: „darum ist es unverzichtbar, daß zur Ausbildung der Seminaristen und der Priester als wichtige Disziplin die Kunstgeschichte gehört, mit einem besonderen Verweis auf die kultischen Bauten im Licht der liturgischen Vorschriften.“ (Abschnitt 41). Diese Worte sind Teil der tausendjährigen katholischen Tradition, die stets die Funktion der Kunst beim spirituellen Wachstum der Gläubigen und bei der pastoralen Sendung der Kirche gefördert, erklärt und gelegentlich, wenn nötig, verteidigt hat. Bereits am Ende der patristischen Ära hat Gregor der Große die Erfahrung der ersten Christen in Begriffen, die die Tradition mit dem Ausdruck ‘Biblia pauperum’, ´Bibel der Armen,’ zusammengefaßt hat, wieder aufgegriffen; in einem Brief an einen ikonoklastischen Bischof unterstrich er den eigentlichen spirituellen Zweck sakraler Bilder. „Eine Sache ist es, ein Gemälde anzubeten, eine andere, aus einer in einem Gemälde dargestellten Szene, die zur Anbetung inspiriert, zu lernen“, schrieb er und fügte hinzu, „die brüderliche Gemeinschaft der Priester ist dazu angehalten, die Gläubigen zu ermahnen, damit diese sich so, angesichts des in der Szene dargestellten Geschehens voller Zerknirschung demütig anbetend vor der einzigen Heiligsten Dreifaltigkeit niederwerfen“ (Brief an Serenus, Bischof von Marseilles (Epistola Sereno episcopo massiliensi, 2,10). In demselben Geist hat in unsrer Zeit Papst Paul VI. auf die enge Verwandtschaft/Affinität zwischen der Arbeit des Priesters und der des Künstlers hingewiesen: „Wir haben eine große Hochachtung vor dem Künstler“, sagte er bei einer Audienz am 7. Mai 1964. „Er erfüllt einen Dienst, der den des Priesters begleitet. Unser Dienst ist der Dienst an den Geheimnissen Gottes, sein Dienst besteht in dem menschlichen Zusammenwirken, das diese Geheimnisse vergegenwärtigt und zugänglich macht.“ Und in dem Dokument, das das bei weitem wichtigste auf diesem Gebiet ist, dem Brief an die Künstler von Johannes Paul dem II. aus dem Jahr 1999, wird das Thema mit der Bekräftigung ins Gedächtnis gerufen, daß „die Kirche die Kunst braucht, um die Botschaft weiterzugeben, die ihr von Christus anvertraut wurde. Denn die Kirche soll die Welt des Geistes, des Unsichtbaren, die Welt Gottes wahrnehmbar, ja, so weit als möglich faszinierend machen.“ (Abschnitt 12). Diese lehramtlichen Texte bilden den Hintergrund der Wertschätzung des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger, die dieser in Abschnitt 5 der Einleitung zum Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche zum Ausdruck gebracht und das er selbst mit einer Auswahl von Bildern verschiedener Epochen und Kulturen ausgestattet hat. Der jetzige Papst bemerkte: „Die Künstler jeder Zeit haben die herausragenden Ereignisse des Heilsmysteriums den Gläubigen zum Betrachten und Bestaunen dargeboten und sie im Glanz der Farbe und in der Vollkommenheit der Schönheit zur Darstellung gebracht”, und er schließt im Ton des Seelsorgers, indem er die Rolle der Kunst in der Vergangenheit beschreibt: „Dies ist ein Zeichen dafür, dass das sakrale Bild in der visuellen Kultur von heute viel mehr als das Wort auszudrücken vermag, weil es in seiner Lebendigkeit die Botschaft des Evangeliums äußerst wirksam zur Sprache bringt und weitergibt.“Der Priester, dessen persönliche und von seiner Berufung bestimmte Spiritualität mit den sakramentalen Zeichen, die er vollführt, verbunden ist, erfaßt leicht den Zusammenhang zwischen der sichtbaren Kunst und dem christlichen Glauben. Er weiß, daß sich in Jesus Christus das Wort Gottes sichtbar gemacht hat, indem Er selbst das „Bild des unsichtbaren Gottes“ wurde (Kolosser 1,15), und er versteht daher, daß die Rolle der menschlichen Bilder im Leben der Christen in gewisser Analogie zu der des menschgewordenen Wortes in der Geschichte steht. „Es gab eine Zeit, in der man sich kein Bild von einem Gott ohne Körper und ohne leiblichen Umriß machen konnte“, bemerkt der Heilige Johannes Damascenus, indem er an das alttestamentliche Verbot jeglicher Darstellung der Gottheit erinnert. „Aber jetzt [so fährt er fort] ist Gott im Fleische sichtbar geworden und hat sich mit dem Leben der Menschen vermischt, so daß es erlaubt ist, von Gott in dem Maße, wie er sichtbar geworden ist, ein Bild zu machen” (Diskurs über die Bilder 1,16). Aus diesem Werk des 8. Jahrhunderts zitierend schreibt Johannes Paul II. im Jahr 1987: “Die Kunst der Kirche muß darauf bedacht sein, mit den Elementen der Materie in der Sprache der Inkarnation zu sprechen und den darzustellen, der sich herabgelassen hat, in der Materie zu wohnen und durch die Materie unsere Erlösung zu wirken.” (Duodecimum saeculum, Abschnitt. 12). Auch wenn wir noch den Begriff ‘Bibel der Armen’ verwenden, handelt es sich nicht nur um eine Frage didaktischer Bilder, die unter besonderen Umständen den geschriebenen Text ersetzen. Vielmehr kann das Bild, nach katholischer Auffassung, die innerste ethische und spirituelle Wirklichkeit der Person anrühren. „Unsere authentischste Tradition, die wir vollkommen mit den orthodoxen Brüdern teilen,” schrieb Johannes Paul II. weiter, “lehrt uns, daß die Sprache der Schönheit, wenn sie in den Dienst des Glaubens gestellt wird, das Herz der Menschen dazu gewinnen kann, den, den wir in den Bildern darzustellen wagen, von innen her kennenzulernen, Jesus Christus” (Ibid. Abschnitt 11). In einem parallelen Dokument, das ebenfalls aus dem Jahr 1987 stammt, stellt der Patriarch Dimitrios I. von Konstantinopel fest, daß „das Bild in der orthodoxen Tradition (…) zur mächtigsten Form wird, die sich die Dogmen und die Predigten zu Hilfe nehmen“ (Enzyklika über die theologische Bedeutung der Ikone, 14.9.1987).So hat in der Tat in der einen und der anderen Tradition – in der Kirche des Ostens und der des Westens – die Verwendung sakraler Bilder in Verbindung mit der Liturgie Jahrhunderte hindurch dazu gedient, die besondere Beziehung auszudrücken, die, dank der Menschwerdung Christi, zwischen „Zeichen“ und „Wirklichkeit“ im Inneren der sakramentalen Ökonomie besteht. Eine solche Beziehung scheint in der Tat in jedem Werk auf, das der Mensch mit der Liturgie, dem cultus divinus, in Verbindung bringt: angefangen von den sakralen Gefäßen und Gewändern bis hin zu den monumentalsten architektonischen Konstruktionen; denn die Verwendung der Dinge in der Liturgie der Kirche enthüllt und aktualisiert stets die Berufung der infrahumanen Welt, der Welt unterhalb des Menschen (also der Tiere, Pflanzen und Dinge), die berufen ist, durch die Vermittlung des Menschen Gott die Ehre zu geben. Noch mehr jedoch als von den Dingen spricht die Kunst von den Männern und Frauen, die sie (die Kunst) geschaffen haben; denn - wie die toskanischen Bischöfe in einer Pastoralnote aus dem Jahr 1997 feststellen - in der Art, wie sie die Materie ‘verwandeln’, „enthüllen die Künstler mit Hilfe der Analogie (per analogiam) die Struktur ihrer persönlichen Kreativität, die Art wie jeder Mann und jede Frau das eigene Leben projiziert, modelliert und färbt, um Gott und dem Nächsten besser zu dienen” (Das göttliche Leben hat sich sichtbar gemacht. Die Kommunikation zwischen Glaube und Kunst, Abschnitt 12). Johannes Paul II. wird diese Beobachtungen unter dem ethischem Blickwinkel des einzelnen Künstlers betrachten, indem er schreibt: „wer in sich diesen göttlichen Funken der künstlerischen Berufung …spürt, nimmt gleichzeitig die Verpflichtung wahr, dieses Talent nicht zu vergeuden sondern zu entfalten, um es in den Dienst des Nächsten und der ganzen Menschheit zu stellen (Brief an die Künstler Abschnitt 3). Mit silbernen Tonnuancen und leuchtenden Farben erquickt die Erfahrung des Künstlers, in dem „das Bestreben, seinem Leben einen Sinn zu geben, einhergeht mit der flüchtigen Wahrnehmung der Schönheit und der geheimnisvollen Einheit der Dinge“. Er (Johannes Paul II.) sieht durchaus die von allen Künstlern geteilte Frustration angesichts „des unüberwindlichen Unterschieds, der zwischen dem noch so gelungenen Werk ihrer Hände und der am Höhepunkt des schöpferischen Aktes wahrgenommenen überwältigenden Vollkommenheit der Schönheit besteht“, von deren Glanz das tatsächlich gemalte oder gemeißelte Werk nur ein Schimmer ist. Aber er teilt auch die Verzückung des Glaubenden angesichts eines Meisterwerks der Kunst, wenn er erklärt: „Er (der gläubige Künstler) weiß, dass er für einen Augenblick an jenem Abgrund an Licht stehen durfte, der in Gott seine Urquelle hat” (Abschnitt 6).So konnte bereits Paul VI. – in seiner Ansprache an die Dichter, Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Architekten, Musiker, Schauspieler auf der Bühne und im Film am Schluss des Zweiten Vatikanischen Konzils sagen: “Die Kirche hat sich seit langem mit euch verbündet. Ihr habt ihre Tempel erbaut und ausgeschmückt, ihre Dogmen gefeiert, ihre Liturgie bereichert. Ihr habt ihr dabei geholfen, ihre göttliche Botschaft in die Sprache der Formen und Gestalten zu übersetzen, um die unsichtbare Welt wahrnehmbar zu machen. Die Kirche braucht euch, heute wie gestern, und sie wendet sich euch zu. Sie sagt euch durch unsere Stimme: lasst nicht zu, dass ein Bündnis, das so fruchtbar wie kein anderes ist, zerbricht! Weigert euch nicht, eure Talente in den Dienst der göttlichen Wahrheit zu stellen. Verschließt euren Geist nicht vor dem Atem des Göttlichen Geistes! Diese Welt, in der wir leben, braucht die Schönheit, um nicht in der Verzweiflung zu versinken. Es ist die Schönheit, die, wie die Wahrheit, Freude in das Herz der Menschen bringt, und sie ist die kostbare Frucht, die der Abnutzung durch die Zeit Widerstand leistet, die Generationen vereinigt und sie in gemeinsamem Staunen verbindet…” (Botschaften des Konzils an die Menschheit, den 8. Dezember 1965).Der Priester soll also auf die Künstler zugehen, sie kennen lernen und von ihnen lernen. Auf ihre eigene Weise sind sie immer Männer und Frauen ‚des Glaubens’ – auch wenn sie so tun, als wären sie es nicht – sie sind es, weil sie Dinge schaffen. Der Glaube ist schöpferisch, er bringt Werke hervor, und „wenn er keine Werke hervorbringt, ist er in sich selbst tot“ (vgl. Gen. 2,17), wie eine geniale Idee, die der Künstler nicht in ein Gemälde oder eine Statue umsetzt. Auch ist der Glaube für die Künstler vertrautes Terrain, wo sie doch Tag für Tag Strapazen auf sich nehmen, um Intuitionen und Ideen, Eindrücke und Beobachtungen umzusetzen, indem sie sie in ‚Werken’ konkret werden lassen. Sie wissen wohl, daß die einzige Art, sich zu vervollkommnen darin besteht, sich zu plagen, sich ganz einzubringen, auf die Gefahr hin zu scheitern — Zeit, Materialien, Energie zu vergeuden: ja bis hin zum Risiko, sich lächerlich zu machen. Besser als die anderen verstehen sie, wie bei Abraham “der Glaube mit den Werken zusammen arbeitete” und “durch die Werke vollkommen wurde“ (vgl. Gen. 22 1-18 ).Aber die Künstler verstehen die Dynamik des Glaubens auf einer noch viel wesentlicheren Ebene, indem sie sich mit dem „Risiko“ und „Leiden“ des Urheber-Künstlers Gott selbst identifizieren. Sie erleben in der Form innerlicher Hoffnung und Not und Leiden die Sehnsucht danach, eine flüchtige Idee, eine einzigartige, mannigfaltige, feine, bewegliche, durchdringende Vorstellung zum Ausdruck bringen zu können” ( vgl. Weisheit 7, 21 und 22), die möglicherweise alles zusammenzufassen scheint, von dem der Künstler weiß, daß er es in sich hat, und was er mit den anderen teilen will, ja muß, um sie mit ihren Augen etwas sehen und betrachten und mit ihren Händen berühren zu lassen, was in ihm „von Anfang an war“ (vgl. Genesis 1,1). Es gibt wohl keinen Künstler, der sich nicht mit dem Schöpfer identifiziert, der alles riskiert, um den Menschen das eigene „sichtbare Leben“ zu geben (vgl. 1. Johannesbrief 1,1-2). Von den Künstlern kann der Priester lernen, daß der Glaube in sich Kunst ist. Sicher, in erster Linie ist er Geschenk, aber ein Geschenk, das derjenige, der es empfängt, wie jedes menschliche Talent entfalten muß. Ich spreche hier nicht von ‚dem Glauben’ verstanden als System, als staunenswerte Summe der Glaubenswahrheiten und Traditionen, sondern von dem Glaubensakt, dem Glaubenssprung, von dem Risiko, durch das man von einem aus Ursachen und Wirkungen bestehenden Dasein, zu einem Leben gelangt, das als Kunst ausprobiert wird, gelebt als inspiriertes Werk, offen für das ungeschuldet, spontan Geschenkte, geleitet von der Gnade. Ursachen und Wirkungen können, leider, Racheakte und Kriege fördern, indem sie den Menschen gefangen halten; die Gnade, die ungeschuldet geschenkte Wahrheit ist, verzeiht und macht frei. Diese Dinge sollte der Priester wissen, wenn er betet, wenn er die Messe feiert, wenn er die Sünder mit Gott versöhnt. Und, wenn Gott will, kann er sie auch von der Kunst und von den Künstlern lernen.
· Mons. Timothy Verdon, Kanonikus der Metropolitana Fiorentina und Direktor des Ufficio per la Catechesi attraverso l’Arte (Sekretariat für die Katechese mit Hilfe der Kunst) der Erzdiözese Florenz, Konsultor der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter.
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Beitrag zu Theologie und Kunst
14.10.2009 by admin.
http://www.theomag.de/34/hs2.htm
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Ansprache Johannes Pauls II. an Künstler und Publizisten in München
14.10.2009 by admin.
PASTORALBESUCH IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
ANSPRACHE VON JOHANNES PAUL II.
AN DIE PUBLIZISTEN UND AN DIE KÜNSTLER
München, 19. November 1980
Sehr geehrte Damen und Herren!
Den Künstlern und Publizisten, die anläßlich meines Besuches aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland hier nach München gekommen sind, gilt mein herzlicher Gruß. Ich freue mich, Ihnen begegnen zu dürfen in dieser Stadt, die schon immer Mittelpunkt der Künste war und die in jüngster Zeit zu einem bedeutenden Zentrum der Massenmedien geworden ist. Diese unsere Begegnung soll ein Beitrag zum Gespräch sein zwischen Kirche und Kunst, zwischen Kirche und Kommunikationsmedien, ein Beitrag zum Gespräch, das lange Zeit verstummt war oder im Zeichen von Gegensatz und Widerspruch stand. Lassen Sie mich im folgenden auf einige Verbindungen hinweisen, die zwischen Kirche und Kunst, Kirche und Publizistik bestehen, und zu einem besseren gegenseitigen Verstehen und zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit im Dienst am Menschen beitragen können.
1. Das Verhältnis von Kirche und Kunst in Architektur, bildender Kunst, Literatur, Theater, Musik hat eine bewegte Geschichte. Ohne die Bemühungen der Mönchsklöster zum Beispiel wären uns vermutlich kaum die Schätze antiker griechischer und lateinischer Autoren überliefert worden. Mit großem Freimut begab sich damals die Kirche in das Gespräch mit der antiken Literatur und Kultur. Lange Zeit galt die Kirche als Mutter der Künste. Sie war dies als Auftraggeberin; die Inhalte des christlichen Glaubens bildeten die Motive und Themen der Kunst. Wie sehr dies zutrifft, erkennt man an einem einfachen Gedankenexperiment: Man nehme aus der Kunstgeschichte in Europa und in Deutschland alles weg, was mit religiöser und christlicher Inspiration zusammenhängt und man wird sehen, wieviel, das heißt wie wenig übrigbleibt.
In den neuzeitlichen Jahrhunderten, am stärksten seit 1800, lockerte sich die Verbindung von Kirche und Kultur und damit von Kirche und Kunst. Das geschah im Namen der Autonomie und wurde im Namen einer fortschreitenden Säkularisierung verschärft. Zwischen Kirche und Kunst entstand ein Graben, der immer breiter und tiefer wurde. Dies wurde am offenkundigsten im Bereich der Literatur, des Theaters und später des Films. Die gegenseitige Entfremdung vermehrte sich durch die Kritik an Kirche und Christentum, ja an Religion überhaupt. Die Kirche wurde ihrerseits - das ist einigermaßen verständlich - mißtrauisch gegen den modernen Geist und seine vielfältigen Ausdrucksgestalten. Dieser Geist galt als glaubens- und kirchenfeindlich, als offenbarungs- und religionskritisch. Die Haltung der Kirche war Abwehr, Distanzierung und Widerspruch im Namen des christlichen Glaubens.
2. Eine grundsätzlich neue Beziehung von Kirche und Welt, von Kirche und moderner Kultur und damit auch von Kirche und Kunst wurde durch das Zweite Vatikanische Konzil geschaffen und grundgelegt. Man kann sie bezeichnen als Beziehung der Zuwendung, der Öffnung, des Dialogs.
Damit ist verbunden die Zuwendung zum Heute, das ”Aggiornamento“. Die Konzilsväter widmen in der Pastoralkonstitution ”Gaudium et Spes“ der richtigen Förderung des kulturellen Fortschritts ein eigenes Kapitel und gehen, wie in der alten Kirche, ohne Enge und Ängstlichkeit das Problem mit Freimut an. Die Welt ist eine eigenständige Wirklichkeit, sie hat ihre Eigengesetzlichkeit. Davon ist auch die Autonomie der Kultur und mit ihr die der Kunst betroffen. Diese Autonomie ist, recht verstanden, kein Protest gegen Gott oder gegen die Aussagen des christlichen Glaubens; sie ist vielmehr der Ausdruck dessen, daß die Welt Gottes eigene, in die Freiheit entlassene Schöpfung ist, dem Menschen zur Kultur und Verantwortung übergeben und anvertraut.
Damit ist die Voraussetzung gegeben, daß die Kirche in ein neues Verhältnis zur Kultur und zur Kunst eintritt, in ein Verhältnis der Partnerschaft, der Freiheit und des Dialogs. Das ist um so leichter möglich und kann um so fruchtbarer sein, als die Kunst in Ihrem Land frei ist und sich im Raum der Freiheit verwirklichen und entfalten kann. Wo es um die verantwortete Freiheit Ihrer Berufe geht, will und muß die Kirche immer Ihr Partner sein, Partner in der Sorge um die Würde des Menschen in einer in ihren Fundamenten erschütterten Welt.
3. Die Kirche sieht die Berufe der Künstler und Publizisten in einer Bestimmung, die zugleich die Mitte, die Größe und die Verantwortung Ihrer Berufe bezeichnet. Nach christlicher Auffassung ist jeder Mensch Bild und Gleichnis Gottes. Dies trifft hinsichtlich der schöpferischen Tätigkeit in einer besonderen Weise für den Künstler und den Publizisten zu. Ihr Beruf ist Ihrer jeweiligen Aufgabe entsprechend ein schöpferischer Beruf. Sie geben der Wirklichkeit und dem Stoff der Welt Form und Gestalt. Sie verbleiben nicht in der bloßen Abbildung oder in der Beschreibung der Oberfläche. Sie versuchen, die Wirklichkeit des Menschen und seiner Welt zu ”verdichten“ im ursprünglichen Sinn des Wortes. Sie wollen in Wort, Ton, Bild und Gestaltung etwas ahnen lassen und vernehmbar machen von der Wahrheit und Tiefe der Welt und des Menschen, wozu auch die menschlichen Abgrunde gehören.
Dies zu sagen, bedeutet keine heimliche christliche oder kirchliche Vereinnahmung der Kunst und der Künstler, der Medien und Publizisten, sondern eine Würdigung aus der Sicht des christlichen Glaubens, eine Würdigung, die erfüllt ist von Positivität, von Respekt und Anerkennung. Der deutsche Kardinal Nikolaus von Kues hat den Satz geschrieben: ”Schöpfertum und Kunst, die einer Seele im Glücksfall zukommen, sind zwar nicht jene wesensmäßige Kunst, die Gott ist, aber sie sind Mitteilung und Teilhabe an ihr“.
4. Fragen wir weiter: Wo liegen die gegenseitigen Verbindungen und Verknüpfungen zwischen Kirche und Kunst, Kirche und Publizistik? Darauf ist zu antworten: Das Thema der Kirche und das Thema der Künstler wie Publizisten ist der Mensch, das Bild vom Menschen, die Wahrheit vom Menschen, das ”Ecce homo“, wozu seine Geschichte, seine Welt und Umwelt gehören, ebenso der gesellschaftliche, ökonomische und politische Kontext.
Die Kirche als Vermittlerin der Botschaft des christlichen Glaubens wird immer daran erinnern, daß die Wirklichkeit des Menschen nicht umfassend beschrieben werden kann ohne die theologische Dimension, daß nicht vergessen werden darf, daß der Mensch Geschöpf ist, zeitlich und räumlich begrenzt, auf Hilfe und Ergänzung angewiesen. Daß menschliches Leben Geschenk und Empfang ist, daß der Mensch nach Sinn sucht, nach Heil und Erlösung fragt, weil er in vielfältiger Weise in Zwänge und Schuld verstrick ist. Die Kirche wird immer daran erinnern, daß in Jesus Christus das wahre und eigentliche Bild des Menschen und des Menschlichen gegeben ist. Jesus Christus bleibt, so sagt der deutsche Philosoph Karl Jaspers, der Maßgebendste unter den Maßgebenden der Geschichte. Und das Konzil betont: ”Christus, der neue Adam, … macht dem Menschen den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste Berufung“.
Auch der Kunst geht es in all ihren Bereichen - die Möglichkeiten von Film und Fernsehen immer miteingeschlossen - um den Menschen, um das Bild vom Menschen, um die Wahrheit vom Menschen. Obwohl der Augenschein oft dagegen spricht, sind diese tiefen Bestimmungen und Anliegen auch der Kunst von heute nicht völlig fremd. Der religiöse und christliche Ursprung der Kunst ist nicht gänzlich versiegt. Themen wie Schuld und Gnade, Verstrickung und Erlösung, Ungerechtigkeit und Gerechtigkeit, ja, Barmherzigkeit und Freiheit, Solidarität und Nächstenliebe, Hoffnung und Trost kehren in der heutigen Literatur, in Text- und Drehbüchern wieder und finden große Resonanz.
Eine Partnerschaft von Kirche und Kunst im Blick auf den Menschen besteht darin, daß beide den Menschen aus fremder Knechtschaft befreien und ihn zu sich selbst führen wollen. Sie eröffnen ihn einen Raum der Freiheit - Freiheit von den Zwängen des Nutzens, der Leistung um jeden Preis, des Effekts, der Verplanung und Funktionalisierung.
5. Wir sagten, der Kirche und der Kunst gehe es um den Menschen, um sein Bild, um seine Wahrheit, um die Erschließung seiner Wirklichkeit - und dies in der gegenwärtigen Stunde, im aktuellen ”Aggiornamento“, um ein Wort des II. Vatikanischen Konzils zu gebrauchen.
Für diese Aufgabe leistet die Kunst der Kirche einen großen Dienst, den Dienst der Konkretion. Auf diesen Dienst ist die Kirche angewiesen; denn die Wahrheit ist konkret. In der heutigen Kunst, in Literatur und Theater, in der bildenden Kunst, im Film und weithin in der Publizistik wird der Mensch aller romantischen Verbrämung und Verklärung entkleidet - er wird, wie man sagt, in ungeschminkter Realität dargestellt. Dazu gehören in der heutigen Kunst der Aufweis der Verirrungen und Verwirrungen, der Ängste und der Verzweiflung, der Absurdität und Sinnlosigkeit, die Darstellung einer zur Karikatur entarteten Welt und Geschichte. Oft wird dies verbunden mit dem Abbau aller Tabus.
Literatur, Theater, Film, bildende Kunst verstehen sich heute weithin als Kritik, als Protest und Opposition, als Anklage gegen das Bestehende. Das Schöne scheint als Kategorie der Kunst auszufallen zugunsten einer Darstellung des Menschen in seiner Negativität, in seinem Widerspruch, in seiner Ausweglosigkeit, in der Abwesenheit von jeglichem Sinn. Das scheint das aktuelle ”Ecce homo“ zu sein. Die sogenannte ”heile Welt“ wird Gegenstand von Hohn und Zynismus. Auch diesen Fragen hat sich in großen Offenheit das II. Vaticanum in seinem Dekret über die sozialen Kommunikationsmittel gestellt.
Gegen die Darstellung des Bösen in seinen Formen und Gestalten ist auch im Namen des christlichen Glaubens und der Kirche an sich nichts einzuwenden. Das Böse ist eine Realität, deren Ausmaße gerade unser Jahrhundert, gerade auch Ihr Land und meine Heimat, bis an die äußersten Grenzen erlebt und erlitten haben. Ohne die Realität des Bösen ist auch die Realität des Guten, der Erlösung, der Gnade, des Heiles nicht zu ermessen. Das ist kein Freibrief für das Böse, aber ein Hinweis auf seinen Ort. Und hier ist auf einen nicht unwichtigen und nicht ungefährlichen Tatbestand hinzuweisen. Kann der Spiegel des Negativen in der Vielfalt heutiger Kunst nicht zum Selbstzweck werden? Kann er nicht zum Genuß am Bösen, zur Freude an der Zerstörung und am Untergang, kann er nicht zum Zynismus und zur Menschenverachtung führen?
Wenn die Realität des Bösen gezeigt wird, dann will dies, auch in der inneren Logik der Kunst, das Furchtbare als furchtbar aufzeigen, erschüttern. Somit zielt diese Darstellung nicht darauf, daß es beim Bösen bleibt; vielmehr darauf, daß es nicht schlimmer, sondern anders, besser wird. Du mußt dein Leben ändern, du mußt umkehren und einen neuen Beginn setzen, du mußt dem Bösen widerstehen, damit es nicht das letzte Wort behalte und die alles bestimmende Wirklichkeit werde.
Dies ist nicht nur Ruf und Mahnung der Kirche, es ist auch Aufgabe der Kunst und Publizistik in allen Bereichen - und dies nicht erst durch eine nachträgliche und zusätzliche moralische Hypothek. Die helfende, heilende, läuternde und reinigende Kraft wurde der Kunst schon von den Griechen zugeschrieben; dazu kommen die Ermutigung zur Hoffnung und der Versuch einer Sinngebung, auch wenn nicht alle Fragen nach dem Warum gelöst werden können. Dies alles darf der heutigen Kunst um ihrer selbst und um der Menschen willen nicht verloren gehen. In diesem Dienst kann und soll es zu einer Verbindung von Kirche und Kunst kommen, ohne daß das je Eigene verwischt wird.
6. Wenn die Kirche auf das ”Aggiornamento“ bedacht ist, auf das Heutigwerden des christlichen Glaubens, seiner Weisungen und Verheißungen, dann ist zu sagen: Nirgends wird die Situation, das Lebensgefühl, aber auch der Fragehorizont des heutigen Menschen so eindrucksvoll dargestellt wie in der heutigen Kunst und Publizistik. Darauf ist die Kirche verwiesen und angewiesen. Wenn der christliche Glaube als Wort und als Antwort für die Menschen vermittelt werden soll, dann müssen die Fragen dazu genannt und bewußt gemacht werden.
Die Kirche braucht die Kunst. Sie braucht sie zur Vermittlung ihrer Botschaft. Die Kirche bedarf des Wortes, das vom Wort Gottes Zeugnis und Kunde gibt und zugleich ein Menschenwort ist, das eingehen will in die Sprachwelt des heutigen Menschen, wie sie in der heutigen Kunst und Publizistik begegnet. Nur so kann das Wort lebendig bleiben und zugleich den Menschen bewegen.
Die Kirche bedarf des Bildes. Das Evangelium wird in vielen Bildern und Gleichnissen erzählt; es soll und kann in Bildern anschaulich gemacht werden. Im Neuen Testament wird Christus das Bild, die Ikone des unsichtbaren Gottes genannt. Die Kirche ist nicht nur Kirche des Wortes, sondern auch der Sakramente, der heiligen Zeichen und Symbole. Lange Zeit stellten neben dem Wort die Bilder die Heilsbotschaft dar, und dies geschieht bis heute. Das ist gut so. Der Glaube wendet sich nicht nur an das Hören, sondern auch an das Sehen, an die beiden Grundvermögen des Menschen.
In den Dienst des Glaubens, wie er im Gottesdienst zu Wort kommt, stellt sich auch die Musik.
Jedermann weiß, daß viele große Schöpfungen und Werke der Musik sich der Einladung durch den lebendigen Glauben der Kirche und ihren Gottesdienst verdanken. Der Glaube will nicht nur bekannt und gesprochen, er will auch gesungen werden. Und die Musik weist darauf hin, daß die Sache des Glaubens auch eine Sache der Freude, der Liebe, der Ehrfurcht und des Überschwangs ist. Diese Motivation und Inspiration ist auch heute noch lebendig. Vielfach sucht die Musik noch neue Formen im Rahmen der Reform der Liturgie. Hier steht noch ein weites Feld offen. Die Verbindung von Kirche und Kunst ist im Bereich der Musik lebendig und fruchtbar.
Etwas Ähnliches läßt sich sagen vom Verständnis der Kirche zur Architektur und zur bildenden Kunst. Die Kirche braucht den Raum als Ort ihres Gottesdienstes, als Raum der Versammlung des Volkes Gottes und seiner vielfältigen Aktivitäten. Nach den furchtbaren Zerstörungen des letzten Weltkrieges ist in der ganzen Welt, vor allem auch in der Bundesrepublik Deutschland, eine Kirchenbaukunst entstanden, die das Zeugnis einer lebendigen Kirche ist. Die moderne Kirchenbaukunst wollte bewußt keine Imitation der Romanik, der Gotik, der Renaissance, von Barock und Rokoko sein, deren schönste deutsche Schöpfungen in Bayern sind; die moderne Kirchenbaukunst wollte aus dem Geist und Stilempfinden unserer Zeit und mit den heute möglichen Mitteln dem Glauben unserer Zeit Gestalt und Ausdruck verleihen und ihm zugleich eine Stätte der Beheimatung geben. Dies ist in vielen hervorragenden Beispielen gelungen. Allen an diesem großen Werk Beteiligten - den Architekten und Künstlern, den Theologen und Bauleuten, den Pfarrern und Laien - sei dafür Dank gesagt.
7. Die Kirche braucht die Kunst. Sie braucht sie in vielfältiger Weise. Braucht die Kunst auch die Kirche? Das scheint heute weithin nicht der Fall zu sein. Aber wenn die Verbindung von Religion, von Kirche und Kunst so eng ist, wie ich zu zeigen versucht habe, vor allem im Blick auf den Menschen, auf das Bild vom Menschen und die Wahrheit von ihm - und wenn der christliche Glaube in seinen Inhalten, die die Kirche vermittelt, die Kunst in ihren größten Epochen und in bis heute unüberholten Werken inspiriert hat, auch und gerade in Deutschland, dann ist die Frage erlaubt: Verarmt nicht die Kunst, bringt sie sich nicht um entscheidende Gehalte und Motive, wenn sie auf die Wirklichkeit verzichtet, die durch die Kirche repräsentiert wird?
Die heutige Begegnung selbst möchte eine aufrichtige Einladung an alle Kunstschaffenden sein zu einer neuen partnerschaftlichen, vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der Kirche, eine Einladung, die geistig-religiöse Tiefendimension wiederzuentdecken, die die Kunst in ihren edelsten und höchsten Ausdrucksformen zu allen Zeiten ausgezeichnet hat.
8. Bei den bisherigen Überlegungen waren auch die Publizisten und Journalisten schon immer miteingeschlossen, die Vielfalt der Berufe in Presse, Rundfunk und Fernsehen.
Der Besuch des Papstes in der Bundesrepublik Deutschland wurde von den Medien, das heißt von Ihnen, den Publizisten und Journalisten, mit vorbereitet; er wird von Ihnen aktuell begleitet durch Live-Sendungen, Informationen und Kommentare, die meist Wohlwollen und Zustimmung bekunden. Für all das danke ich Ihnen herzlich. Durch Ihre Arbeit wird das, was sich in einigen Städten der Bundesrepublik Deutschland ereignet, in millionenfacher Weise vervielfältigt. Noch nie in der Geschichte hatte die Verkündigung des Evangeliums eine solche Chance, um zu so vielen Menschen zu gelangen. Für diesen Dienst - er ist ein Dienst am Glauben, an der Kirche und damit ein Dienst am Menschen - sei der Dank wiederholt.
Bei dieser Gelegenheit wird jedermann offenbar, welche Macht in Ihre Hände gelegt ist, in die Hände der Publizisten und Journalisten. Sie haben einen ungeheuren Einfluß auf die Öffentlichkeit, auf die Meinungsbildung und das Bewußtsein von Millionen. Das Wort und das Bild, das Sie von der Wirklichkeit der Welt, des Menschen, der Gesellschaft, oder auch vom christlichen Glauben und von der Kirche vermitteln, ist bestimmend für das Urteil, für das Verhalten und Tun vieler Menschen.
In Reaktion auf die Gleichschaltung und den Mißbrauch der Presse in der Zeit des Nationalsozialismus konnte in der Bundesrepublik Deutschland ein plurales Pressewesen entstehen.
Angesicht der Situation politischer und weltanschaulicher Differenzen steht der Journalist ständig vor der Aufgabe, sich mit anderen Überzeugungen und Positionen auseinander zusetzen, ideologische Tendenzen zu erkennen und offenzulegen und seinen eigenen Standpunkt zu klären und zu bestimmen. Diese große Chance der Freiheit schließt eine gleich große Verantwortung ein.
Die Information und Nachrichtenkommentierung der Presse sollte stets durch Objektivität, Urteilsvermögen und Gerechtigkeitssinn bestimmt sein. Die Gefahr, die Nachrichten selbst schon durch Tendenz zu manipulieren, liegt ebenso nahe wie die Gefahr, der Sensationsnachricht den Vorzug zu geben. Im Bereich der Boulevardblätter gibt es dafür manches beklagenswerte Beispiel.
Gerade im Bereich der Nachrichtenpolitik erweist sich das Ethos des Journalisten. Das Gewicht seiner Verantwortung kann kaum überschätzt werden. Der Journalist kann diese ohne klare sittliche Grundüberzeugung und ohne den Sinn für die hohe Bedeutung der öffentlichen Kommunikation in einer freien Gesellschaft nicht hinreichend wahrnehmen.
9. Die Verantwortung des Publizisten wird vor allem deutlich, wenn die Wirkungen der Medien in Betracht gezogen werden. Zur Verantwortung des Publizisten gehört es, die möglichen Wirkungen seiner Tätigkeit zu bedenken. Die Erforschung der Medienwirkungen steht innerhalb der Wissenschaften erst am Anfang. Es gibt erste Hinweise auf die Wirkung von Gewaltdarstellungen in den Medien auf die Jugend. Es scheint richtig zu sein, daß für die Art und den Grad dieser Wirkungen nicht die Medien allein verantwortlich zu machen sind, aber sie dürfen ihre Rolle auch nicht verleugnen und in einer bequemen Abwehrhaltung von sich weisen. Die Publizisten sind neben den Familien und den Erziehern aufgerufen, schädliche Auswirkungen solcher Gewaltdarstellungen wahrzunehmen und mitzuhelfen, sie zu verhindern.
Ähnlich ist es bei der Entwicklung der politischen Kultur. Auch hier sind die Medien in ein Geflecht von Beziehungen eingebettet. Der verantwortungsvolle Journalist wird sich bewußt sein, welche Möglichkeiten er hat, zu einer guten Entwicklung der politischen Kultur beizutragen, zu mehr Wahrhaftigkeit, zu mehr Rücksichtnahme auf die persönlichen Werte des anderen.
Deutliche Hinweise auf eine Vorreiterrolle der Medien, vor allem des Fernsehens, liefert die Analyse der Entwicklung unserer sittlichen Werte. In einer breiten Front haben hier die Medien an einer Veränderung von Einstellungen, Normen und sittlichen Bindungen der Menschen mitgewirkt.
Auf dem Gebiet des sexuellen Verhaltens sowohl der Heranwachsenden als auch der Erwachsenen, bei den Auffassungen über Ehe und Familie und ihrer gelebten Wirklichkeit, bei der Erziehung der Kinder. Manche dieser von den Medien mit vorbereiteten Einstellungsveränderungen haben den Menschen mehr Freiheitsgrade im Umgang miteinander eröffnet, die personale Beziehung untereinander vielleicht vertief. Aber allzu deutlich zeigt sich heute auch, was möglicherweise von den Medien und den in ihnen tätigen Publizisten zu wenig beachtet wurde: der Umschlag einer vermeintlich größeren Freiheit in Haltlosigkeit; die Preisgabe sittlicher Bindungen zugunsten neuer Zwänge, die den Menschen in seiner ganzen Würde nicht mehr gerecht werden; die Aufweichung des Vertrauens in den personalen Beziehungen. Hier sind die Medien gewiß nicht allein verantwortlich, aber sie haben an diesem Prozeß initiierend und verstärkend mitgewirkt.
Der Journalist ist aufgerufen, die Wirkungen seines Tuns noch besser kennenzulernen und nicht die Augen davor zu verschließen. Denn die in seine Hände gelegte Macht wird nur dann nicht zur Gefahr, wenn sie mit Gewissenhaftigkeit und Verantwortung verbunden ist. Der Maßstab journalistischen Tuns soll nicht der Effekt sein, sondern die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Damit dienen Sie der Sache Ihres Berufes, damit dienen und helfen Sie dem Menschen.
Zu einem solch authentischen Dienst an der Wahrheit und am Menschen in Kunst und Publizistik wünsche und erbitte ich Ihnen, die Sie hier zugegen sind, und allen Ihren Berufskollegen von Herzen Gottes Licht und Beistand.
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Brief Pauls VI an Kardinal Lercaro anläßlich des Künstlertreffens
14.10.2009 by admin.
PAULUS PP. VI
NUNTIUS SCRIPTO DATUS
AD E.MUM P.D. IACOBUM S.R.E.
CARDINALEM LERCARO
ARCHIEPISCOPUM BONONIENSEM,
INTERNATIONALI CHRISTIANORUM
ARTIFICUM BONONIAE COACTO COETU
Animo praesentes Internationali Christianorum Artificum Congressui, quos docta Bononia liberali excipit hospitio, tibi munus committimus, Dilecte Fili Noster, ornatissimis viris, qui coetibus intererunt, vota Nostra Nostraeque existimationis sensus significandi. Merita laude prosequentes spiritum vere oecumenicum, quo tam egregius lectissimorum ingeniorum conventus perfunditur, putamus eorum proposita et studia nostrae aetatis necessitatibus et Ecclesiae exspectationi plane respondere.
Quo tempore, enim, homines, mirificis rei technicae incrementis capti atque allecti, tam saepe a praestantioribus humanae vitae bonis ab eiusque supremo fine, qui Deus est, abducuntur, ingenuarum artium cultores christiano spiritu afflati multum sane conferre possunt ad animos rite excolendos atque educandos; scilicet rectus pulchritudinis amor, quem christiani artifices fovent ac promovent, mentes evehit et ad eam spiritualium bonorum aestimationem conducit, in qua solummodo humana dignitas ac verus civilis cultus innituntur.
Dum cupimus, speramus, prospicimus, ut ad hanc excelsam metam semper christiani artilices spectent, prosperum exitum laboribus istius Congressus a Deo supplicibus rogamus precibus; iisdemque peramanter benedicimus.
Ex Aedibus Vaticanis, die XIV mensis Septembris anno MCMLXVII.
PAULUS PP. VI
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Paul VI. an die Schule der Christlichen Kunst “Beato Angelico”
14.10.2009 by admin.
DISCORSO DI PAOLO VI
ALLA SCUOLA D’ARTE CRISTIANA
«BEATO ANGELICO» DI MILANO
Sabato, 20 febbraio 1965
Salutiamo la Scuola d’Arte cristiana «Beato Angelico» di Milano; salutiamo il suo Direttore Architetto e Sacerdote, a Noi carissimo, Valerio Vigorelli; salutiamo i membri della Famiglia religiosa «Beato Angelico», gli Artisti e gli Artigiani collaboratori della Scuola d’Arte sacra medesima, gli Allievi e gli Ex-Allievi del liceo artistico e delle Scuole d’arte connesse alla Istituzione; e salutiamo insieme le Famiglie, gli Insegnanti e gli Amici che le fanno larga e fedele corona.
Siamo lieti e grati di questa visita, che rievoca nel Nostro spirito il ricordo degli incontri con le persone e con le opere della Scuola «Beato Angelico» durante il periodo del Nostro ministero pastorale a Milano. Ricordare è rivivere; e rivivere sia pure per brevi istanti, le ore trascorse con voi, piene di pensieri, di preghiere, di esperienze artistiche, è cosa buona, che vi dice quale posto di stima e di affetto voi conservate nel Nostro animo.
Avviene poi questo incontro nella coincidenza dell’anniversario, il quindicesimo, della morte di Mons. Giuseppe Polvara, che Noi pure, sebbene da lontano, avemmo la fortuna di conoscere e di ammirare.
Volentieri tributiamo Noi pure omaggio riverente di pia memoria e di religioso suffragio al Sacerdote esemplare, vostro fondatore, riconoscendo a lui il merito d’aver diretto per tanti anni la Rivista Arte Cristiana (ora giunta al cinquantesimo anniversario della sua pubblicazione), d’aver iniziato la Scuola «Beato Angelico»: Scuola nel duplice senso, d’istituto scolastico, e di corrente d’arte figurativa; d’aver così esercitato in pienezza la funzione di maestro; e d’aver prodigato alla causa dell’arte cristiana i suoi talenti di scrittore, di critico, di architetto, di artista, congiungendo nell’animo suo e nell’opera sua, caso non facile e non frequente nella repubblica delle Muse e dei loro cultori, la bontà sacerdotale, lo zelo apostolico, l’abilità organizzativa, la genialità artistica. Diede nome, diede un’anima e diede un corpo alla vostra istituzione; lo diede alla Chiesa, lo diede all’Italia; e al ricordo di quali fossero le condizioni della vita e del pensiero dell’arte sacra, in questo Paese, a quei tempi, cinquant’anni fa, dobbiamo pur dire che Monsignor Polvara fu coraggioso e fu benemerito. Non Ci pronunciamo ora circa il valore artistico della sua produzione e delle sue teorie estetiche, sebbene tanto di buono, di valido e soprattutto di sacro gli debba essere riconosciuto ancor oggi; Ci basta vedere in lui a suo onore ed a nostro esempio un pioniere.
Voi Ci offrite così occasione di lodare e di incoraggiare la vostra sorte di allievi, di eredi, di continuatori del compianto vostro padre e maestro; e questo facciamo tanto più volentieri quanto meglio Ci è nota la duplice vocazione, fusa in un solo amore, che sostiene ciascuno dei membri della Famiglia spirituale «Beato Angelico», quella religiosa e quella artistica. Dio vi benedica, Figliuoli carissimi. La vostra elezione merita per se stessa venerazione e simpatia; illustrata poi dalla dedizione, che fa del servizio all’arte religiosa il programma della vostra vita, e comprovata dalla qualità degna e significativa dei risultati del vostro lavoro, essa si pone tra i fenomeni autentici del mondo artistico, perché ne esalta l’eccellenza, ne sviluppa le funzioni, ne suscita le speranze. Non proseguiremo l’elogio; non già perché non ne siate meritevoli, ma perché esso C’introdurrebbe in una ben nota e delicata questione, quella del rapporto fra virtù morale (e religiosa, nel caso vostro) e virtù artistica, ben sapendo come questa possa da quella prescindere e rivendicare perciò una sua particolare libertà; ce lo ricorda, come sapete, Maestro Tommaso, là dove dice che non entra in considerazione del merito dell’artista, in quanto tale, l’animo con cui lavora, ma solo l’opera che egli realizza (S. Th. 1-2, 57, 3). Ma non dimenticheremo per questo il presupposto del momento creativo del vero artista, l’ispirazione cioè, la quale tanto più è genuina e potente, quanto più profonda è la sua sorgente interiore e quanto più audace la sua pretesa di sublime espressività esteriore; potremmo dire quanto più v è spirituale, quanto più è misteriosa e religiosa, giustificando così come stupendo e fecondo il connubio, a cui abbiamo accennato, della vocazione religiosa con la vocazione artistica. Potremmo proseguire, per raggiungere la meditazione e l’esperienza, che vi sono certamente quotidiane, quelle della pienezza, vorremmo quasi dire della passione, in cui la vostra spiritualità, per essere cristiana e cattolica e pervasa dai doni della grazia, celebra e soffre il suo sforzo inventivo e espressivo della Bellezza tradotta in forme sensibili.
Ma lasciamo ad altri queste belle discussioni, e limitiamoci a profittare di questo colloquio per confortare cotesto sforzo, nel quale si trovano impegnate le vostre anime e le vostre mani, lo sforzo di dare voce nuova, voce pura, voce forte all’arte cristiana. Da religiosa, ecco, si fa liturgica. Essa entra nel santuario delle realtà positive della religione; da incerta e soggettiva, si fa sicura, obbiettiva, sociale; si pone a servizio, anzi nel cuore della vita, della vita ineffabile, del regno di grazia e di verità, proprio della fede cattolica. Ministero e mistero la caratterizzano. Diventa sacramentale: cioè: al grado massimo della sua aderenza alla verità religiosa risponde in essa il grado massimo di potenza espressiva. Docile, umile, ministra, quanto al contenuto e quanto allo scopo del suo linguaggio artistico, sale quasi sopra l’ambone che sovrasta l’assemblea e quasi regina quanto alla forma scioglie i suoi canti, diventata promotrice della preghiera, nella tranquilla ebbrezza (ricordate la «sobriam ebrietatem spiritus» di S. Ambrogio?) della sua sempre nuova espressione, di tutto un popolo lieto, pio ed unanime.
Vogliamo dire: inserite la vostra arte, l’opera vostra, l’oblazione del vostro genio e del vostro lavoro nel grande ciclo della preghiera della Chiesa, nella sacra Liturgia; entrate nello spirito e nelle finalità della solenne Costituzione conciliare che la riguarda; troverete un posto che vi impegna a fondo e che esalta, accanto a quello del sacerdote e a vantaggio di tutto il Popolo di Dio, il vostro regale servizio.
Superfluo poi che Noi vi diciamo di rimanere fedeli alla via maestra dell’arte cristiana, quella che procede in cerca di sempre nuove bellezze per documentare la sua perenne, perché divina, giovinezza, ma sempre diritta, aliena cioè da quelle forme «insolite» che fin da sempre, dal Concilio di Trento in poi esplicitamente, la Chiesa non ama avere perturbatrici della dignità e della popolarità del suo culto. Superfluo ancor più che Noi vi raccomandiamo di non lasciarvi sedurre dalle follie irrazionali che oggi irrompono e devastano il giardino dell’estetica umana e religiosa. Sappiamo la vostra fedeltà e il vostro buon gusto; e esortandovi alla insonne tensione verso la bellezza sempre viva e sempre nuova che deve costituire il processo dinamico dell’arte cristiana, lodiamo e benediciamo la casta e pia disciplina che vi autorizza a entrare nelle nostre chiese e a parlare alle anime oranti.
A voi dunque la Nostra Benedizione che confermi, ravvivi, santifichi il vostro ben intrapreso cammino.
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Ansprache Pauls VI. an die Künstler 1964
14.10.2009 by admin.
«MESSA DEGLI ARTISTI» NELLA CAPPELLA SISTINA
OMELIA DI PAOLO VI
Solennità dell’Ascensione di Nostro Signore
Giovedì, 7 maggio 1964
Cari Signori e Figli ancora più cari!
Ci premerebbe, prima di questo breve colloquio, di sgombrare il vostro animo da certa apprensione, da qualche turbamento, che può facilmente sorprendere chi si trova, in una occasione come questa, nella Cappella Sistina. Non c’è forse luogo che faccia più pensare e più trepidare, che incuta più timidezza e nello stesso tempo ecciti maggiormente i sentimenti dell’anima. Ebbene, proprio voi, artisti, dovete essere i primi a togliere dall’anima la istintiva titubanza, che nasce nell’entrare in questo cenacolo di storia, di arte, di religione, di destini umani, di ricordi, di presagi. Perché? Ma perché è proprio, se mai altro c’è, un cenacolo per gli artisti, degli artisti. E quindi dovreste in questo momento lasciare che il grande respiro delle emozioni, dei ricordi, dell’esultazione, - che un tempio come questo può provocare nell’anima - invada liberamente i vostri spiriti.
Vi può essere un altro turbamento, quasi un’altra paralizzante timidezza; ed è quella che può portare non tanto la Nostra umile persona, quanto la Nostra presenza ufficiale, il Nostro ministero pontificio: è qui il Papa!, voi certo pensate. Sono mai venuti gli artisti dal Papa? È la prima volta che ciò si verifica, forse. O cioè, sono venuti per secoli, sono sempre stati in relazione col Capo della Chiesa Cattolica, ma per contatti diversi. Si direbbe perfino che si è perduto il filo di questa relazione, di questo rapporto. E adesso siete qui, tutti insieme, in un momento religioso, tutto per voi, non come gente che sta dietro le quinte, ma che viene veramente alla ribalta di una conversazione spirituale, di una celebrazione sacra. Ed è naturale, se si è sensibili e comprensivi, che ci sia una certa venerazione, un certo rispetto, un certo desiderio di capire e di tacere. Ebbene, anche questa sensibilità, se dovesse in questo momento legare le vostre espressioni interiori di liberi sentimenti, Noi vorremmo sciogliere, perché, se il Papa deve accogliere tutti - perché di tutti è Padre e per tutti ha un ministero, e per tutti ha una parola -, per voi specialmente tiene in serbo questa parola; ed è desideroso, ed è felice di poterla quest’oggi esprimere, perché il Papa è vostro amico.
E non lo è solo perché una tradizione di sontuosità, di mecenatismo, di grandezza, di fastosità circonda il suo ministero, la sua autorità, il suo rapporto con gli uomini, e perché ha bisogno di questo quadro decorativo e espressivo per dire a chi non lo sapesse chi lui è, e come Cristo lo abbia voluto in mezzo agli uomini. Ma lo è per ragioni più intrinseche, che sono poi quelle che ci tengono oggi occupati e che interessano il nostro spirito, e, cioè: sono ragioni del Nostro ministero che Ci fanno venire in cerca di voi. Dobbiamo dire la grande parola che del resto voi già conoscete? Noi abbiamo bisogno di voi. Il Nostro ministero ha bisogno della vostra collaborazione. Perché, come sapete, il Nostro ministero è quello di predicare e di rendere accessibile e comprensibile, anzi commovente, il mondo dello spirito, dell’invisibile, dell’ineffabile, di Dio. E in questa operazione, che travasa il mondo invisibile in formule accessibili, intelligibili, voi siete maestri. È il vostro mestiere, la vostra missione; e la vostra arte è proprio quella di carpire dal cielo dello spirito i suoi tesori e rivestirli di parola, di colori, di forme, di accessibilità. E non solo una accessibilità quale può essere quella del maestro di logica, o di matematica, che rende, sì, comprensibili i tesori del mondo inaccessibile alle facoltà conoscitive dei sensi e alla nostra immediata percezione delle cose. Voi avete anche questa prerogativa, nell’atto stesso che rendete accessibile e comprensibile il mondo dello spirito: di conservare a tale mondo la sua ineffabilità, il senso della sua trascendenza, il suo alone di mistero, questa necessità di raggiungerlo nella facilità e nello sforzo allo stesso tempo.
Questo - coloro che se ne intendono lo chiamano «Einfuhlung», la sensibilità, cioè, la capacità di avvertire, per via di sentimento, ciò che per via di pensiero non si riuscirebbe a capire e ad esprimere - voi questo fate! Ora in questa vostra maniera, in questa vostra capacità di tradurre nel circolo delle nostre cognizioni - et quidem di quelle facili e felici, ossia di quelle sensibili, cioè di quelle che con la sola visione intuitiva si colgono e si carpiscono -ripetiamo, voi siete maestri. E se Noi mancassimo del vostro ausilio, il ministero diventerebbe balbettante ed incerto e avrebbe bisogno di fare uno sforzo, diremmo, di diventare esso stesso artistico, anzi di diventare profetico. Per assurgere alla forza della espressione lirica della bellezza intuitiva, avrebbe bisogno di far coincidere il sacerdozio con l’arte.
Ora, se questo è, il discorso si dovrebbe fare grave e solenne. Il luogo, forse anche il momento, si presterebbero; non tanto il tempo che Ci è concesso, e non tanto il programma che abbiamo prefisso a questo primo incontro amichevole. Chi sa che non venga un momento in cui possiamo dire di più. Ma il tema è questo: bisogna ristabilire l’amicizia tra la Chiesa e gli artisti. Non è che l’amicizia sia stata mai rotta, in verità; e lo prova questa stessa manifestazione, che è già una prova di tale amicizia in atto. E poi ci sono tante altre manifestazioni che si possono addurre a prova di una continuità, di una fedeltà di rapporti, che testimoniano che non è mai stata rotta l’amicizia tra la Chiesa e gli artisti. Anche perché, come dicevamo, la Chiesa ne ha bisogno e poi potremmo anche dire di più, leggendovi nel cuore. Voi stessi lo andate cercando questo mondo dell’ineffabile e trovate che la sua patria, il suo recapito, il suo rifornimento migliore è ancora la Religione.
Quindi siamo sempre stati amici. Ma, come avviene tra pa-renti, come avviene fra amici, ci si è un po’ guastati. Non abbiamo rotto, ma abbiamo turbato la nostra amicizia. Ci permettete una parola franca? Voi Ci avete un po’ abbandonato, siete andati lontani, a bere ad altre fontane, alla ricerca sia pure legittima di esprimere altre cose; ma non più le nostre.
Avremmo altre osservazioni da fare, ma non vogliamo questa mattina turbarvi ed essere scortesi. Voi sapete che portiamo una certa ferita nel cuore, quando vi vediamo intenti a certe espressioni artistiche che offendono noi, tutori dell’umanità intera, della definizione completa dell’uomo, della sua sanità, della sua stabilità. Voi staccate l’arte dalla vita, e allora… Ma c’è anche di più. Qualche volta dimenticate il canone fondamentale della vostra consacrazione all’espressione; non si sa cosa dite, non lo sapete tante volte anche voi: ne segue un linguaggio di Babele, di confusione. E allora dove è l’arte? L’arte dovrebbe essere intuizione, dovrebbe essere facilità, dovrebbe essere felicità. Voi non sempre ce le date questa facilità, questa felicità e allora restiamo sorpresi ed intimiditi e distaccati.
Ma per essere sincero e ardito - accenniamo appena, come vedete - riconosciamo che anche Noi vi abbiamo fatto un po’ tribolare. Vi abbiamo fatto tribolare, perché vi abbiamo imposto come canone primo la imitazione, a voi che siete creatori, sempre vivaci, zampillanti di mille idee e di mille novità. Noi - vi si diceva - abbiamo questo stile, bisogna adeguarvisi; noi abbiamo questa tradizione, e bisogna esservi fedeli; noi abbiamo questi maestri, e bisogna seguirli; noi abbiamo questi canoni, e non v’è via di uscita. Vi abbiamo talvolta messo una cappa di piombo addosso, possiamo dirlo; perdonateci ! E poi vi abbiamo abbandonato anche noi. Non vi abbiamo spiegato le nostre cose, non vi abbiamo introdotti nella cella segreta, dove i misteri di Dio fanno balzare il cuore dell’uomo di gioia, di speranza, di letizia, di ebbrezza. Non vi abbiamo avuti allievi, amici, conversatori; perciò voi non ci avete conosciuto.
E allora il linguaggio vostro per il nostro mondo è stato docile, sì, ma quasi legato, stentato, incapace di trovare la sua libera voce. E noi abbiamo sentito allora l’insoddisfazione di questa espressione artistica. E - faremo il confiteor completo, stamattina, almeno qui -vi abbiamo peggio trattati, siamo ricorsi ai surrogati, all’«oleografia», all’opera d’arte di pochi pregi e di poca spesa, anche perché, a nostra discolpa, non avevamo mezzi di compiere cose grandi, cose belle, cose nuove, cose degne di essere ammirate; e siamo andati anche noi per vicoli traversi, dove l’arte e la bellezza e - ciò che è peggio per noi - il culto di Dio sono stati male serviti.
Rifacciamo la pace? quest’oggi? qui? Vogliamo ritornare amici? Il Papa ridiventa ancora l’amico degli artisti? Volete dei suggerimenti, dei mezzi pratici ? Ma questi non entrano adesso nel calcolo. Restino ora i sentimenti. Noi dobbiamo ritornare alleati. Noi dobbiamo domandare a voi tutte le possibilità che il Signore vi ha donato, e, quindi, nell’ambito della funzionalità e della finalità, che affratellano l’arte al culto di Dio, noi dobbiamo lasciare alle vostre voci il canto libero e potente, di cui siete capaci. E voi dovete essere così bravi da interpretare ciò che dovrete esprimere, da venire ad attingere da noi il motivo, il tema, e qualche volta più del tema, quel fluido segreto che si chiama l’ispirazione, che si chiama la grazia, che si chiama il carisma dell’arte. E, a Dio piacendo, ve lo daremo. Ma dicevamo che questo momento non è fatto per i lunghi discorsi e per fare le proclamazioni definitive.
Però noi abbiamo già, da parte nostra, Noi Papa, noi Chiesa, firmato un grande atto della nuova alleanza con l’artista. La Costituzione della Sacra Liturgia, che il Concilio Ecumenico Vaticano Secondo ha emesso e promulgato per prima, ha una pagina - che spero voi conosciate - che è appunto il patto di riconciliazione e di rinascita dell’arte religiosa, in seno alla Chiesa cattolica. Ripeto, il Nostro patto è firmato. Aspetta da voi la controfirma.
Per ora dunque Ci limitiamo a dei rilievi molto semplici, ma che però non vi faranno dispiacere.
Il primo è questo: che Ci felicitiamo di questa Messa dell’artista e Monsignor Francia ne sia ringraziato; lui e tutti coloro che lo hanno seguito e che ne hanno raccolto la formula. Noi abbiamo visto nascere questa iniziativa, l’abbiamo vista accolta per primo dal Nostro venerato Predecessore Papa Pio XII, Che ha cominciato ad aprirle le vie e a darle cittadinanza nella vita ecclesiastica, nella preghiera della Chiesa; e perciò Ci congratuliamo di quanto è stato fatto su questo filone, che non è l’unico, ma che è buono e che è bene seguire: lo benediciamo e lo incoraggiamo. Vorremmo che voi portaste fuori, a quanti avete colleghi, imitatori, seguaci, la Nostra Benedizione per questo esperimento di vita religiosa artistica che ha ancora fatto vedere che fra sacerdote e artista c’è una simpatia profonda e una capacità d’intesa meravigliosa.
La seconda cosa è questa, notissima, ma deve, Ci pare, in questo momento essere ricordata; ed è che, se il momento artistico che si produce in un atto religioso sacro - come è una Messa - deve essere pieno, deve essere autentico, deve essere generoso, deve davvero riempire e far palpitare le anime che vi partecipano e le altre che vi fanno corona, ha altresì bisogno di due cose: di una catechesi e di un laboratorio.
Non Ci diffonderemo ora a discorrere se l’arte venga spontanea e improvvisa, come una folgorazione celeste, o se invece - e voi ce lo dite - abbia bisogno di un tirocinio tremendo, duro, ascetico, lento, graduale. Ebbene, se vogliamo dare, ripetiamo, autenticità e pienezza al momento artistico religioso, alla Messa, è necessaria la sua preparazione, la sua catechesi; bisogna in altri termini farla prendere o accompagnare dalla istruzione religiosa. Non è lecito inventare una religione, bisogna sapere che cosa è avvenuto tra Dio e l’uomo, come Dio ha sancito certi rapporti religiosi che bisogna conoscere per non diventare ridicoli o balbuzienti o aberranti. Bisogna essere istruiti. E Noi pensiamo che nell’ambito della Messa dell’artista, quelli che vogliono manifestarsi artisti veramente, non avranno difficoltà ad assumere questa sistematica, paziente, ma tanto benefica e nutriente informazione. E poi c’è bisogno del laboratorio, cioè della tecnica per fare le cose bene. E qui lasciamo la parola a voi che direte che cosa è necessario, perché l’espressione artistica da dare a questi momenti religiosi abbia tutta la sua ricchezza di espressività di modi e di strumenti, e se occorre anche di novità.
E da ultimo aggiungeremo che non basta né la catechesi, né il laboratorio. Occorre l’indispensabile caratteristica del momento religioso, e cioè la sincerità. Non si tratta più solo d’arte, ma di spiritualità. Bisogna entrare nella cella interiore di se stessi e dare al momento religioso, artisticamente vissuto, ciò che qui si esprime: una personalità, una voce cavata proprio dal profondo dell’animo, una forma che si distingue da ogni travestimento di palcoscenico, di rappresentazione puramente esteriore; è l’Io che si trova nella sua sintesi più piena e più faticosa, se volete, ma anche la più gioiosa. Bisogna che qui la religione sia veramente spirituale; e allora avverrà per voi quello che la festa di oggi, la Ascensione, Ci fa pensare. Quando si entra in se stessi per trovare tutte queste energie e dar la scalata al cielo, in quel cielo dove Cristo si è rifugiato, noi ci sentiamo in un primo momento, immensamente, direi, infinitamente lontani.
La trascendenza che fa tanto paura all’uomo moderno è veramente cosa che lo sorpassa infinitamente, e chi non sente questa distanza non sente la religione vera. Chi non avverte questa superiorità di Dio, questa sua ineffabilità, questo suo mistero, non sente l’autenticità del fatto religioso. Ma chi lo sente sperimenta, quasi immediatamente, che quel Dio lontano è già lì: «Non lo cercheresti, se già non lo avessi trovato». Parole di Pascal, vero; ed è quello che si verifica continuamente nell’autentica vita spirituale del cristiano. Se ricerchiamo Cristo veramente dove è, in cielo, lo vediamo riflesso, lo troviamo palpitante nella nostra anima: il Dio trascendente è diventato, in certo modo, immanente, è diventato l’amico interiore, il maestro spirituale. E la comunione con Lui, che sembrava impossibile, come se dovesse varcare abissi infiniti, è già consumata; il Signore viene in comunione con noi nelle maniere, che voi ben sapete, che sono quelle della parola, che sono quelle della grazia, che sono quelle del sacramento, che sono quelle dei tesori che la Chiesa dispensa alle anime fedeli. E basti per ora così.
Artisti carissimi, diciamo allora una parola sola: arrivederci!
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blick in die diss
25.5.2009 by admin.
köln. man kann sich fragen, warum köln? vor dem dom-massiv tummeln sich immer leute. die kirche ist in köln sehr präsent. nicht nur durch den dom. man bekommt den eindruck, das einzige, was vom alten köln übrig ist (wieder aufgerichtet wurde) sind die kirchen. alles andere hat den charme von “mal schnell hingestellt”. das versunkene stadtarchiv gibt zudem das gefühl, dass der rest von köln eher provisorisch, bzw. als vorläufig geplant war/ist. aber die kirchen stehen fest und scheinen jahrhunderte alt zu sein.
es ist eine mächtige, alte und vor allem potente diözese. köln kann sich leisten, wovon andere nur träumen können. dadurch hat das erzbistum aber auch die verantwortung, stellvertretend für andere - vielleicht sogar für mehr als man denkt - eine rolle zu übernehmen, die sonst keiner vermag. vielleicht nicht einmal rom… köln (in diesem fall ist der kardinal gemeint) denkt institutionell. ohne dieses denken wäre ein museumsbau wie kolumba undenkbar gewesen.
und ganz unbescheiden wird peter zumthor als baumeister gewählt. er schafft einen bau, räume und orte, die mehr sind als ausstellungshallen.
orte nicht räume
dazu die kunst. alte schätze aus der über hundertfünfzigjährigen geschichte und die moderne. hochkarätige künstler des 20. jahrhunderts und lebende kölner künstler.
paul thek. die welt. auf zeitungspapier
alt und neu zusammen, nebeneinander. fremd, befremdlich. assoziationszwang. “hemmungslos subjektiv”.
alt und neu. ein buch über das sterben und bilder vom sterben. abstrakt und rätselhaft, doch mit wenigem hinsehen auch wieder schnell begreifbar, schnell klar, schnell kongruent zur eigenen erfahrung.
und dann die treppen. himmelsleitern. wege ins nichts. ins dunkel, ins licht. schwebend und doch aus stein. dieses museum muss man allein für die treppen und schwellen besuchen!
es ist eine schwelle ins andere, eine treppe, die einen hebt und verändert. die einen reflektieren lässt und nachdenken über das eigene.
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paul thek. reliquien. kunst
18.3.2009 by admin.
paul thek war amerikaner. sein deutschstämmiger vater und seine mutter, deren familie irische wurzeln hat, gaben vielleicht einen anreiz die alte welt zu besuchen und zu erforschen, aber so oft paul thek auch in europa lebte, europäer wollte er keiner sein - deutscher schon gar nicht, das sagt er am ende seines lebens sehr deutlich, als eine geplante retrospektive in baden baden platzt.
sehr europäisch war hingegen seine sozialisation im glauben. was man von seiner kindheit weiß oder ahnt schlug hier die irische mutter durch… anfangs noch nicht so deutlich, aber im laufe seines lebens immer klarer kreist er in seinem suchen um gott. er ringt um spiritualität, bezeichnet sich und die wahren künstler überhaupt als priester, die in ihrem eigentlichen tun gottessucher und -vermittler sein sollen. es scheint, als ob paul thek die religiöse institution im besten sinne des wortes “übersieht” und den vollzug und die unmittelbare, untadelige begegnung und beziehung des individuums zu gott allein im auge hat, wenn er von glaube und spiritualität spricht. dabei hat er durchaus die gemeinschaftliche beziehung der einzelnen im blick. er lässt sich von riten und kultgegenständen beeinflussen und inspirieren - prozessionen und vor allem “reliquien” werden ein teil seines oevres.
reliquien. profan: der mensch ist ein wesen das in beziehungen lebt, oder sich nach solchen sehnt. und er lebt in und mit der geschichte. dieses paar -beziehung und geschichte - bringen das zur welt, was wir reliquien nennen: erinnerungsgegenstände an orte, momente und menschen. reliquien sind dinge, die uns erinnern. je näher und authentischer die gegenstände am erinnerungsgegenstand dran ist, je wertvoller ist die reliquie für den sich erinnernden. eine fotographie, ein bild kann erinnerung wachrufen, oder erinnerung sein. ein stein von dem ort, ein ding aus dem besitz oder eine strähne von dem menschen, ein taschentuch mit tränen der freude oder des schmerzes, all das und mehr kann zur reliquie werden. je näher das überbleibsel (reliquie verdeutscht) am geschehen oder am menschen ist, je wertvoller ist sie auch.
in diese richtung geht auch der kult um gräber als letzte ruhestätten, als letzte orte der präsenz. es sind orte der trauer, aber auch orte der verehrung; pilgerorte, wallfahrtsziele. gräber bedeutender menschen zeigen das deutlich, da sind lange nach dem tod der letzten persönlichen bekannten frische blumen und brennen kerzen. kaiserin elisabeth von österreich, um nur eine zu nennen.
es schein also etwas sehr natürliches zu sein, die beziehung zu einem menschen oder einem ort mit bestimmten dingen zu verbinden, zu dokumentieren und somit lebendig zu halten.
reliquien. religiös: die kirche definiert sich per se als gemeinschaft. ecclesia, das sind die herausgerufenen, grundsätzlich alle sind damit gemeint, denn alle sind berufen bürger des reiches gottes zu werden. bürger mit bürgerrecht sind im griechischen die laios, die laien. die entfremdung dieses wortes in unserer sprache und die bedeutung etwa als “gemeiner mann” bzw. ”gemeine frau” kann uns vielleicht helfen zu verstehen, wie breit angelegt und universal die berufung der kirche ist. an mehreren stellen werden in den evangelien die gläubigen als gemeinschaft definiert und zur gemeinde berufen. ein urkatholischer und vom glauben untrennbarer aspekt ist die solidarität untereinander, was in der urgemeinde bis zu einer spannenden form des kommunismuses geführt hat. christen stehen füreinander ein. “was ihr einem meiner geringsten brüder getan habt, das habt ihr mir getan”, sagt jesus selbst. diese solidarität gilt auch für das eintreten der gläubigen untereinander bei gott. so heisst es z.b. im schuldbekenntnis am anfang der wortgottesdienstes: “darum bitte ich (…) euch, brüder und schwestern, für mich zu beten, bei gott unserem herrn.” die solidarität bezieht sich aber nicht nur auf die lebenden, auch die verstorbenen und die engel werden um ihr fürbittendes eintreten gebeten.
den grossen helden des glaubens, den heiligen, kommt dabei eine besondere rolle zu. ihr heroisches und z.t. spektakuläres leben und sterben machte sie zu herausragenden figuren in der kirchengeschichte. durch ihre geschichten, die in der kirche wieder und wieder erzählt worden sind, um die sich wunderlichste legenden ranken, diese verstorbenen geniessen kultstatus im glauben. ihnen wird besondere nähe und wirkmächtigkeit bei gott zugeschrieben. alles was uns also mit ihnen verbindet, was sie uns präsenter macht, alles das hat hohen wert, denn die heiligen sind nicht nur private helden sondern superstars einer kommunität. dementsprechend wertvoll ist das, was an sie erinnert: dinge die sie berührt oder benutzt haben (kämme, möbel, kleidung), orte an denen sie gelebt haben, gegenstände, die mit ihrem tod in verbindung gebracht werden, und am allerwertvollsten sind ihre körperlichen überreste. natürlich hat diese art der verehrung, der erinnerung und der verbindung mit dem verstorbenen heiligen eine offene flanke ins magische und dunkle, aber vielleicht ist es ja genau das, was den besonderen reiz dabei ausmacht.
reliquien. kunstgeschichte: für die aufbewahrung und auch für den liturgischen gebrauch der reliquien wurden kostbarste und anspruchsvollste kunstwerke geschaffen. schaugefässe und schreine, die den wert ihres inhaltes veranschaulichen sollten, dinge, die dem wert des darin aufbewahrten gerecht werden sollten. die geschichte und das leben des heiligen wurden durch diese gefässe weiter erhöht. der heilige, bzw. das was von ihm übrig blieb, wurde schließlich zu einem wirtschaftsfaktor. betritt ein mensch unserer säkularen zeit die schatzkammern und museen, in denen reliquien, bzw. deren behältnisse ausgestellt sind, so versteht er schwer, wie man silber, gold und edelsteine en mas um ein paar modrige knochen bauen konnte, von denen noch nicht einmal sicher ist, ob sie wirklich von der jeweiligen person stammen und nicht essensreste aus besserem hause sind. für den menschen der jeweiligen zeit waren die knochen aber um ein vielfaches wertvoller als das gehäuse. vielleicht kann man das reliquienwesen mit dem heutigen aktienmarkt vergleichen. die werte dort sind sind ebenfalls nichts greifbares, nichts festes. sie steigen und fallen und sind manchmal das papier nicht wert, auf dem sie stehen. wer aktien kauft, glaubt an den wert des papieres. vielleicht muss man für reliquien sogar weniger glauben investieren, als für aktien in unseren tagen…
reliquien. kunst: aber selbst wenn eine reliquie nicht echt ist, so ist ihre verwendung, ihre zur-schau-stellung und der kult der um sie gemacht wird schon etwas was sie “heiligt”, was sie heraushebt aus dem profanen und sie sakral macht. und wenn es hünerknochen sind: in dem akt der zuordnung und der benennung eines beliebigen heiligen, wird der glaubenden person eine nähe suggeriert, auf die es eigentlich ankommt. reliquien und das was die kirche, bzw. der glaube des volkes mit ihnen gemacht hat, sind im eigentlichen sinne kunst: ein hervorgehobenes objekt verhilft dem betrachter dazu, sich selbst zu übersteigen, hilft zu transzendieren um die welt hinter den dingen zu berühren. die gegenwart der kunst (der reliquie in unserem fall) korrespondiert mit dem betrachter und führt ihn in eine andere welt, bzw. hilft ihm, seine welt mit anderen augen oder in einem anderen licht zu sehen. kunst verwandelt. kunst erhebt. kunst läutert. kunst bewegt. kunst erschüttert.
meine lieblingsreliquie, die all das vereint - glaube und kunst - wird in san marco in rom am piazza venezia aufbewahrt. es ist das reliquiar, das die “finsternis des karfreitags” aufbewahrt. nur beim gedanken an diese reliquie kommen mir die bilder der kindheit vor augen, wie ich mir am karfreitag bei der passion diese finsternis vorstellte, die beim tode des gottessohnes am kreuz über die welt hereinbrach, wie die gräber aufsprangen und die toten herauskamen, wie die erde bebte und die felsen sich spalteten, wie der vorhang im tempel zerriss… alle diese bilder der kindlichen phantasie und das schaurige gefühl der todesstunde am karfreitag sehe und empfinde ich für den augenblick, an dem ich an diese reliquie denke. das ist wahre kunst! ein bösewicht, wer hier nach autentizität fragt. wer immer diese reliquie “gefälscht” hat, es war ein grosser künstler. “die finsternis des karfreitags” hebt sich ab von den sonstigen “klassikern” unter den skurilen reliquien. die feder vom flügel des erzengels gabriel, der milchtropfen aus der brust mariens, das skelet johannes des täufers im alter von 12 jahren, die sandalen jesu oder gar ”Domini Nostri Jesu Christi Diatriba” (was wir aus schamgefühl nicht übersetzen) und dergleichen haben nicht die qualität wie die reliquie von san marco. sie ist in besonderer weise abstrakt, reduziert auf absenz, auf phantasie. man erinnert sich an das kindliche einfangen und vermeintliche konservieren von düften einer blumenwiese oder der ferienbriese am meer, die man in einweck- oder marmeladegläsern mit nach hause gebracht hat.
reliquien. paul thek: paul thek wuchs in einem katholischen milleau auf. als kind waren stift und pinsel seine bevorzugten beschäftigungsgegenstände. in seiner kunst schaffte er es in frühen jahren immer mehr auf den punkt zu kommen. er reduzierte dinge auf seltsam wesentliches, auf wichtige details, die allerdings das ganze ausblendeten und doch nicht ohne die assoziation des ganzen auskamen. es war eine form des minimalismus. die reduktion auf elementare details kulminierte schließlich bei der betrachtung des reliquienkultes. ein schlüsselerlebnis war dabei der besuch der kapuzinergruft von palermo, als paul thek nach einer mumie griff und in seiner hand das trockene fleisch zu staub zerfiel. “befreiung” nannte er das gefühl, das ihn dabei überkam, als der schauer wich. paul thek be-griff reliquien in diesem moment. es war die inizialzündung für sein skulpturales werk. die technical reliquiarys entstanden: täuschend echte nachahmungen von fleischstücken. befremdlich, eklig, authentisch - er reduzierte auf etwas wesentliches. er führt elementares vor, er vergegenwärtigt die kunst der kirchengeschichte - er zeigt, dass in diesem punkt kunst und glaube sehr viel miteinander zu tun haben, ja identisch sind. in seinem werk proklamiert er religion als die höchste form der kunst. In einem Interview mit Gene Swenson in Artnews, April 1966, kommentiert er sie: ‘Die Dissonanz der beiden Oberflächen von Glas und Wachs gefallt mir: die eine ist klar und glänzend und hart, die andere ist weich und schleimig. Ich versuche, sie in Einklang zu bringen, ohne einen Bezug herzustellen, oder auch anders herum. Anfangs machte die physische Verwundbarkeit des Wachses die Kästen erforderlich, mittlerweile brauchen die Kästen das Wachs. Die Kästen sind still, ihre Präzision ist wie Zahlen, vernunftgemäß. In einem späteren Interview mit der Kritikerin Emmy Huf in der holländischen Zeitung De Volkskrant vom April 1969 sagt er: ‘In New York gab es damals eine so enorme Tendenz zum Minimalen, zum Nicht-Emotionalen, sogar zum Anti-Emotionalen,daß ich wieder etwas über Gefühle, über die häßliche Seite der Dinge sagen wollte. Ich wollte der Kunst die Merkmale rohen, menschlichen Fleisches zurückgeben. Die Leute haben das für einen sado-masochistischen Trick gehalten. An so etwas habe ich nicht einmal gedacht. Aber wenn sie es so sehen wollten, dann ist das für mich in Ordnung: Sado-Masochismus ist zumindest eine menschliche Eigentschaft, ist zumindest nicht von Menschen gemacht. Als ich merkte, daß die Leute mich nur noch als den Mann mit dem Fleisch kannten, habe ich damit aufgehört.’das (kunst-)werk wird in der kirche nicht nur ausgestellt - das ist der grosse unterschied zum museum - sondern erfährt eine verehrung. dem werk werden andere kunstformen beigesellt, denn das kultbild wird geschmückt, in prozession getragen, mit weihrauch inzensiert, menschen verneigen sich rituell, in manchen ländern wird es berührt, gar geküsst, es wird besungen und in ein grosses ganzes in der liturgie aufgenommen. musik, tanz, lyrik, uvm. vereint sich mit dem bild, bzw. dem gegenstand der verehrung.
paul thek ist kein europäer. ihm fehlt trotz seiner katholischen sozialisierung der frühe umgang mit der mittelalterlichen reliquienverehrung, die gewöhnung an knochen, skeleten und mumien im öffentlichen raum. als amerikaner, der europa bereist erfährt er somit sowohl zugehörigkeit zur welt des (katholischen) glaubens, als auch befremdung über die praktiken und riten, die vor allem in den romanischen ländern des kontinents üblich sind. er entdeckt somit neues, erfährt neue initiation in seiner eigenen identität. die minimalisierung eines menschen und seiner geschichte (und den dazugehörigen mythen) auf ein (noch nicht) verrottetes teil seines körpers, eingehüllt in eine kostbare schutz- und zeigehülle sprachen paul thek in seinem künstlerischen suchen an, gaben ihm die werkzeuge in die hand für seine serie der technologischen reliquiare. die suche theks nach maximalem ausdruck in einem minimierten, bzw. minimalen objekt zeigt sich schon bei seinen bildern, die er unmittelbar vor den technical reliquiarys gemacht hat. kurz zuvor stellte er nämilich eine serie von zeichnungen in rom aus, die unter dem begriff television analyzations zusammengefasst waren. zeichnungen wie aus stummfilmen entnommen, die details eines menschen zeigen: ein schreiender mund, die kiefer- und halspartie einer dame mit perlenkette zu sehen im rahmen eines fernsehaparates. reduzierung auf eine momentaufnahme und auf ein detail.
wie schon der fernsehkasten eine hülle für das gezeigte bild ist, so sind auch die reliquiare zu sehen. hülle, rahmen, fassung, aber vor allem kontrast. ist das eine “clear and shiny and hard”, so ist das aufbewahrte darin, “soft and slimy” (tales the tortoise taught us 30). er verwendet modernste materialien und futuristisches design für die reliquiare und besetzt sie mit maximaler “realität”, wie er es nannte: meat pieces - fleischstücken. “das ist die botschaft, die diese aseptisch eingefärbten apparate in umlauf bringen: enthäutete muskeln, rohe fasern, sehnen, sekrete, knochensplitter und zähne - ein strom aus dem stoff, der nur unter schmerzen und in ausnahmesituationen sichtbar wird.” (30)
für kolumba ist paul thek ein glücksfall. auch mehr als 40 jahre nach entstehung dieser kunstwerke haben sie nichts von ihrer aktualität verloren. sie verunsichern, verstören und korrespondieren in diesem kunstmuseum der kirche wohl mehr als in jedem anderen aufbewahrungsort für zeitgenössische kunst. paul thek suchte im laufe seines lebens immer mehr den kontakt zu einem kloster, ja er wollte später sogar mönch werden. schließlich kam ihm die diagnose aids der aufnahme als novize noch zuvor. die institution museum sah thek sehr kritisch. diese war für ihn das grab für tote kunst. solange kunst “lebt” hat sie dort nichts verloren - und danach ist es ein unort. kolumba ist vielleicht mehr ein schrein als ein museum und paul theks werke sind dort lebendiger als andernorts.
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