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Archiv der Kategorie m märchen und geschichten
ehrenmändleloch
9.2.2009 by admin.
geschichten und märchen der heimat prägen mich von kindheit an. die wichtigste sage ist eng mit der familien- und ortsgeschichte verbunden. ich danke herrn hölzler für die freundliche genemigung der wiedergabe dieser zusammentragung, die vom heimatverein bösenreutin herausgegeben wurde.
………………………………………………………………….
Vorwort
Der Bösenreutiner Tobel mit seinem Bach und der Nagelfluhhöhle, genannt Eremännleloch, wurde früher von der Jugend seiner Umgebung viel besucht; auch war er ein beliebter Ort und Ziel für die schulischen Wandertage. Für mich, in unmittelbarer Nähe geboren und aufgewachsen, bedeutet er ein Stück Jugenderinnerung, die dort erlebten Stunden blieben bis heute unvergessen. Bei wiederholten Besuchen der inzwischen eingestürzten Höhle reifte nunmehr in mir der Gedanke, alles darüber Geschriebene und Erzählte - soweit es für mich erreichbar war - zu sammeln und aufzuschreiben. So ist es geschehen, und vielleicht trägt die folgende kleine Darstellung dazu bei, das Eremännleloch nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Möge sie den einen oder anderen Leser herausfordern, sie zu verbessern, zu ergänzen und zu vervollständigen.
Das Eremännleloch im Bösenreutiner Tobel
Wenn man von Lindau-Steig nach Bösenreutin wandert, auf halbem Weg den Tobelbach (besser: Rickenbach. Der Bach hat vom Oberhof, dem alten Rickenhof, wie er in Urkunden des Hl. Geist Spitals genannt wird, seinen Namen. Der Lindauer Orstteil Rickenbach dann wieder vom Bach selber. Die Ortschaft Rickenbach nun wieder wird in St. Galler Klosterakten bereits im 8. oder 9. Jahrhundert erwähnt. Anm.d.Redaktion) überquert und wenige Minuten bachaufwärts geht, dann sieht der aufmerksame Wanderer auf der rechten Seite des steil ansteigenden und bewaldeten Hanges mehrere große Felsstücke. Die herumliegenden Gesteinsbrocken gewinnen an Bedeutung, wenn man weiß, daß sie Reste einer 1945 eingestürzten Nagelfluhhöhle sind, um die sich etliche Sagen ranken und die den Namen Eremännleloch hat. Diese Stelle kann auch vom Dorf Bösenreutin aus erreicht werden. Nach dem Weg dorthin erkundigt man sich am besten beim Hölzlerhof. Über die genaue Lage des Eremännlelochs gibt der beigefügte Lageplan Auskunft.
Bodolz, im August 1988 Alois Hölzler
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs befand sich an dem beschriebenen Ort eine etwa drei Meter breite und zwei Meter hohe überhängende Felswand aus gepreßtem Geröll. Diese war oben mit Tannen und Gebüsch bewachsen und zeigte an der Basis seitlich gelegen eine kleine Öffnung, die in eine Höhle überging. Um das Jahr 1935 erlebte ich noch, wie eine kleiner, schlanker Mitschüler gut einen Meter tief hineinkroch.
Ein heute fast 90jähriger Mann, der 1914 als Jugendlicher in der Höhle war, erzählte mir aus der Erinnerung über seine Höhlenbegehung folgendes Erlebnis: “Den Zugang zur Höhle konnte ich in gebückter Haltung passieren. Gleich nach dem Eingang auf def rechten Seite befand sich ein ca. 70 mal 70 cm großer, behauener Granitstein, meiner Vermutung nach ein Opferstein. Zunächst ging es etwa 1,5 Meter ebenerdig weiter und endete dann schräg nach unten in einem vergrößerten, feuchten Raum. Der Granitstein war eines Tages verschwunden, ist vermutlich in der Höhle versunken.” Soweit der Bericht des Mannes.
Nach anderer mündlicher Überlieferung soll die Nagelfluhhöhle einst tatsächlich die Größe einer Stube gehabt haben. Ausführlichere Beschreibungen über das Höhleninnere geben uns die Briefe von Heinrich Götzger und Peter Haug, die ich im Archiv des Regierungsbezirkes Schwaben in Augsburg gefunden habe und die wegen ihrer interessanten Ausführungen im folgenden ganz wiedergegeben sind.
Fritz Schmidbauer, heute Zahnarzt in München. Ein weiterer Kamerad blieb ausserhalb.
Einige Jahre später war ein anderer Schulkamerad im Eremännle-Loch, der nach seiner eigenen Erzählung so weit eindrang, dass ihm die Luft und jedenfalls die Kerze ausging. Er glaubte, bis unter der Laiblach gewesen zu sein. Wir glaubten ihm aber nicht, da seine üppige Phantasie und sein Erzählerlalenl schulbekannt waren.
Ich muss dies aber erwähnen, da es mir als typisches Beispiel dafür erscheint, wie durch gelegentliche Wiederaufnahmen alter Überlieferungen durch phantasiebegabte Leute alte Kunde neue Nahrung erhält. Es soll nämlich nach dem Volksmund ein Gang mindestens bis zum Hangnachwald, wenn nicht gar unter der Laiblach durchführen. Vielleicht wäre auch diese Kunde auf eine nveite, heute nicht mehr bekannte Höhle oder Siedelstelle im Hangnachwald zu deuten.
Jetzt aber die Hauptsache: der ganzen Ortslage nach halte ich es für möglich, dass die damals noch vorhandenen Höhlungen gar nicht das ganze Eremännle-Loch darstellen, sondern nur der letzte Rest einer größeren Höhle sind, deren vorderer und eigentlicher Hauptteil eingestürzt ist. Und wenn Sie Grund zu der Annahme haben, dass in dieser Gegend vielleicht irgend ehvas Vorgeschichtliches gefunden werden könnte, so würde ein einfacher Schnitt durch die offen liegende Schutthalde raschen Aufschluss geben. Wenn der - angenommene - Einsturz früh genug erfolgt wäre, könnte man für diese Konservierungsmethode noch dankbar sein.
Heinrich Götzger
Architekt
Postbaurat. Augsburg-Göggingen, 18.1.37 Hindenburgstrasse 9.
Brief des Herrn Peter Haug zum Schiff, Lindau, an Herrn Birkner, München, vom 14. III. 1911:
Sehr geehrter Herr Doktor!
l.) Ich habe meine Erinnerungen an das “Eremännle-Loch im Bösenreutiner Tobel bei Lindau noch etwas durchforscht und bin dabei auf folgenden gekommen:
Die im Jahre 1910 noch vorhandenen Höhlungen (zwei kleine Dome, etwa 3-4m lang und weil unter Stehhöhe, dazu ein längerer Schlauch, nur für Buben beschliefbar) halte ich für ungeeignet, jemals als Behausung gedient zu haben. Der Boden war steinig-erdig, im hintersten Winkel des inneren Domes lag meiner Erinnerung nach etwas dürres Holz (leichtes Astwerk). An weitere Reste, die auf Benutzung durch Tiere (Dachs oder Fuchs) hinweisen könnten, kann ich mich nicht mehr erinnern. Knochenreste wären uns sicher so aufgefallen, dass davon heute noch eine Erinnerung vorhanden wäre. Mein Begleiter war… man sollte auch unsere Höhle in der Nachbarschaft erforschen, dieselbe liegt in einer Bachschlucht, welche sich von Nord gegen Süd zieht, auf östlicher Seite etwa 15 m über der Bachsohle. Der Eingang ist bereits verschüttet, nur in eine kleine Nebenhöhle kann man gebückt hineinkommen. Die Decke derselben ist ganz von sog. Nagelfluh und ganz schwarz von Rauch. Ich glaube, dass mit wenig Kosten der Haupteingang frei gemacht werden könnte. Mein Vater, der in der Nähe aufgewachsen ist, hat in seiner Jugendzeit (in den 30iger Jahren des v. Jahrhunderts) mit mehreren Kameraden einmal eine Forschungsreise in das Labyrinth der Gänge bis in die Haupthöhle gemacht, um wieder heraus zu finden haben sie alle Feldschnüre im Dorfe geliehen und zusammengebunden, sie wollten nämlich den Schatz heben, der nach alten Sagen darin verborgen sein sollte, haben aber nichts gefunden. Nach den Sagen, die über diese Höhle existieren, sollen in früheren Jahrhunderten dort sog. Ehrenmändle gewohnt haben, welche den Bauern auf dem Felde zu Mittagessen silberen Löffel liehen. Dann sollten die Bauern neugierig gewesen sein, was die Zwerge für Füsse haben und haben Asche vor den Eingang der Höhle gestreut, das habe sich ergeben, dass die Zwerge Ziegenfüsse haben, sie seien aber von dort an nicht mehr zum Vorschein gekommen. Auch in der Chronik des Minoritenmönches “Johannes von Winterthur 1328-48″ welcher sich zeitweise im Lindauer Barfüsserkloster aufhielt, schreibt bei den Lindauer Sagen von Zwerglein, die am hellen Tage zu den Leuten aufs Feld kamen, sich allerdings nicht fangen Hessen, dagegen ihre Spieß/ein und Apfel überliessen. Im Frühjahr habe ich im Sinne, der Sage mehr nachzuforschen, oder sollten Sie einmal nach Lindau kommen, so wurde ich Sie gerne dahin begleiten, es ist etwa 3/4 Stunden von hier.
Der Bösenreutiner Tobel war nach dem Krieg ein bevorzugter Übungsplatz der französischen Besatzungsmacht. Anwohner des Tobels vermuten, daß bei diesen militärischen Übungen die Höhle gesprengt worden sein könnte. Für diese Annahme spricht auch die Lage der umherliegenden Gesteinsbrocken.
Bei den schriftlichen Aufzeichnungen über diese Höhle finden sich u.a. folgende Jahreszahlen und Schreibweisen:
1626 Ernmanloch,1 1818 Ehrenmännleinsloch,2 1874 Ehre-Mändles-Loch,3 1898 Erdmännleinsloch,4 1900 Eremännlesloch(5). Die letzte Bezeichnung kommt der Mundart am nächsten und wird daher in den weiteren Ausführungen verwendet. Auf der Landkarte von Andreas Rauh aus Wangen vom Jahr 1626 erscheint die Höhle unter dem Namen Ernmanloch. Dies bezeugt ihren hohen Bekanntheitsgrad zur damaligen Zeit. Der Volksmund spricht aber nur vom ‘Eremännleloch’ und vom ‘Eremaloh’, wobei das letztere Dialektwort noch vor dem Zweiten Weltkrieg von alten Leuten gelegentlich verwendet wurde, wenn sie die Höhle erwähnten. Diese mundartlichen Ausdrücke lassen berechtigten Zweifel an der Bezeichnung Ernmanloch aufkommen, und es stellt sich die Frage, ob sich damals bei der Übertragung des Namens auf die Rauh’sche Karte nicht ein Abschreibfehler ein-geschlichen hat. Die Annahme, daß die Höhle schon 1626 Eremanloch genannt wurde, könnte berechtigt sein; denn eine Verwechslung von e und n in der alten deutschen Schreibschrift kann in diesem Fall nicht ausgeschlossen werden.
In der Erzählung vom Ehren-Männlein aus dem Sagenbuch der Bayerischen Lande(6) wird berichtet, daß die Höhle in der Rauh’schen Karte unter dem Namen Erzmanloch eingetragen sei. Dies ist nicht zutreffend, wie aus der beigefügten Karte ersichtlich ist (wahrscheinlich ein Übertragungsfehler).
Da bislang von mir in der Literatur und in den Archiven außer dem Hinweis auf die existente Höhle und die dazugehörigen Sagen nirgends Angaben über die Herkunft des Höhlennamens gefunden wurden, soll dieser Frage in den nun anschließenden Ausführungen nachgegangen und aus dem Resultat ein Deutungsversuch unternommen werden.
Der Name Eremanloch, wie die Höhle früher wohl genannt wurde, setzt sich aus den Wörtern “Ere”, “Man” und “Loch” zusammen. Im Duden Herkunftswörterbuch gibt es für den Begriff Ehrenmann, worunter im Sprachgebrauch ein ‘Mann ohne Fehl und Tadel’ oder ein hochachtbarer Mann verstanden wird, auch die mittelhochdeutsche Schreibweise Ereman, welche um 1500 im Oberdeutschen und Schweizerischen verwendet wurde. Das Wort “Loch” hatte damals die gleiche Bedeutung wie ‘Verschluß’, ‘Versteck’, ‘Höhle’, ‘Gefängnis’. Diese mittelalterliche Schreibart trägt jedoch wenig zur Klärung des Höhlennamens bei, da ein Zusammenhang von Höhle und Ehrenmann für mich kaum vorstellbar erscheint.
Mehr Licht und Hilfe brachte das Studium des Schwäbischen Wörterbuchs von 1908.7 Dort steht unter dem Stichwort Ere im Band 2, Seite 786, zu lesen:
“Ere m: ‘Ere, Oere seuchenartig auftretende Unpäßlichkeit’. Unter Ehren versteht der Gebirgsbewohner (Allg.) jede mehr oder weniger akute Störung des Wohlbefindens, weniger des einzelnen Individuums, als wenn mehrere von ähnlichen Krankheitszeichen zu gleicher Zeit ergriffen werden … nicht sowohl Epidemien als vorzugsweise Gesundheitsstörungen endemischen Charakters. Der Begriff eines chronischen Leidens ist dem des E. fremd und wird von ihm strenge getrennt. Das Gebiet, welches der E. für sich in Anspruch nimmt, ist in seinen Grenzen sehr dehnbar und es fallen in dasselbe leichte wie intensive Erkrankungen, wenn sie nur das Merkmal der Gemeinschaftlichkeit an sich tragen. … Dieser E. ist durchweg im Rufe der Ungefährlichkeit”. BAV.2,888. “Ehren, Oeren, Aeren, Neren jede leichte schmerzlose Gesundheitsstörung mit akutem und epidemischem Charakter.”
Nach Max Höfler wird zu dem Krankheitsbegriff Ehren noch die Geschlechtskrankheit und die Sucht, worunter Pest, Aussatz, Fieber, Tobsucht und Wahnsinn einzuordnen seien, hinzugefügt.(8) Höflers Definition und der Auszug aus dem Schwäbischen Wörterbuch lassen folgende Interpretation zu:
Unter Ere, Eren, Ehren verstand der Allgäuer dereinst eine ansteckende Erkrankung; von welcher Art kann aus der Vielzahl der aufgeführten Erkrankungen oder Krankheitssymptome nicht mehr ermittelt werden. Aus solcher Auslegung darf gefolgert werden: Als Ereman, Erenman, Ehrenmann wurde in früherer Zeit vom Allgäuer ein Mann bezeichnet, der mit der Krankheit Ere, Eren, Ehren behaftet war.
Vielleicht war es einst üblich, einen an Ere erkrankten Mann aus Angst vor Ansteckung anderer Personen aus der gesellschaftlichen Umwelt zu isolieren. So wurde er aus der Wohngemeinschaft entfernt und in die Höhle gebracht oder aber er begab sich als Ausgestoßener, Ausgesetzter freiwillig in diesen Unterschlupf, um darin - von Almosen und Zuwendungen unterstützt - weiterzuleben. Sicherlich darf in diesem Zusammenhang der gefürchtete Aussatz (Lepra) vordergründig in Erwägung gezogen werden. Er trat im Allgäu und im Bodenseeraum im frühen Mittelalter vereinzelt auf, erfuhr im 13. Jahrhundert jedoch eine starke Verbreitung. Diese übertragbare Krankheit führt zu einem jahrelangen Leiden, während andere Pestilenzen - bösartige oder weitverbreitete Seuchen - entweder zum baldigen Tod oder zur Genesung führten und hier somit walirscheinlich ausscheiden. Bekanntlich mußten von der Lepra befallene Personen abseits der menschlichen Siedlungen sich aufhalten. Diese Auslegung könnte zu einer brauchbaren und plausiblen Deutung des Höhlennamens führen. Demgemäß wäre das Eremanloch oder seine Deminutivfonn Eremännleloch die Höhle oder das Versteck eines an Ere erkrankten Mannes.
Die verschiedenen Krankheiten wurden schon früher auf ihre Ansteckung hin erkannt. So gab es bereits im 14. und 15. Jahrhundert zur Absonderung der Erkrankten eigene, abseits des Ortes gelegene Häuser wie Leprosen-, Blattern-, Gutleut- und Siechenhäuser. Vor dieser Zeit wurden die Sondersiechen (Aussätzige) nach Weitnauer aus der Stadt geführt und dem Schicksal überlassen. Unter solchen Voraussetzungen darf angenommen werden, daß eine so große Felsenhöhle wie das Eremännleloch dereinst als Isolierstation und Aufenthaltsort für Aussätzige und Ausgestoßene gedient haben könnte. Für ihre frühere Bewohnung spräche auch die rußgeschwärzte Decke, von der Peter Hang in einem Brief berichtet.
Im Sagenbuch der Bayerischen Lande wird erwähnt, daß das Ehre-Mändle den Bauern die übriggebliebene Arbeit bei Nacht verrichtete. Zum Dank für die erfahrene Hilfe legten sie ihm ein Stücklein Brot vor ihre Türschwelle. Diese Aussage könnte auch so gewertet werden: Dieses Ehre-Mändle war ein durch Krankheit entstellter Mann, der nur bei Nacht Feldarbeit oder andere Dienste ausführte und dafür mit einem Stück Brot belohnt wurde. Unter solchen Umständen ließe es sich erklären, warum das Eremännle als guter Geist in die Sagenliteratur Eingang gefunden hat. Geister, Wichte, Kobolde oder ähnliche Wesen dürfte es auch in alter Zeit realiter nie gegeben haben, wenngleich Heilige wie Kolumban und Gallus im Bodenseeraum sich mit Bergdämonen und Wassergeistern anlegten.
In der Umgebung der Höhle wurde schon im frühen Mittelalter gesiedelt; ein Hinweis darauffindet sich u.a. in der Güterchronik von Primbs. Weiter berichtet Wolfart, daß um das Jahr 700 auf dem Johannisberg (früher Hohenberg) bei Zeisertsweiler das erste St. Johanniskirchlein als Taufkirchlein auf einer alten Kultstätte errichtet worden sei. Daß die Höhle damals den Menschen der näheren und weiteren Umgebung bekannt war und daß sie sie für ihre Zwecke nutzten, darf angenommen werden.
In Zeit- und Festschriften wird des öfteren von einem Erdmärmiesloch in Bösenreutin berichtet. Im Dialekt der Dorfbewohner kommt meines Wissens dieser Name im Zusammenhang mit der Höhle nicht vor, mundartlich wird nur vom ‘Eremännleloh’ (früher auch ‘Eremaloh’) gesprochen und erzählt. Tiefgreifende Ereignisse aber wie Pest und Schwedenkrieg sowie das Zeitalter der Aufklärung trugen sicherlich zu Verändeamgen im Erzählgut bei. Dadurch begannen die Sagen allmählich an Bedeutung zu verlieren und verblaßten somit gegen Ende des 18. Jahrhunderts in der mündlichen Weitergabe. Aus solcher Sicht könnte das Eremännle von Sagenforschern in den Kreis der Erdmännlein und Heinzelmännchen mit einbezogen und zum “Erdmännle” umbenannt worden sein.
In dieser Zeit erscheinen auch die ersten schriftlichen Überlieferungen vom Eremännleloch und dem kleinen Männlein, welches in den aufgezeichneten Sagen als Heinzelmännchen oder Kobolt in Erscheinung tritt. Im Schwäbischen Wörterbuch findet das Eremännle als ‘guter Geist vom Beseritter Dobel (Bösenreutiner Tobel) Erwähnung. Unter diesem Namen erscheint es in der Sagenliteratur einmalig nur in Bösenreutin, während Erdmännle vielerorts in Deutschland, Österreich und in der Schweiz in Sagen auftreten.
Der Volksmund weiß vom Eremännleloch über unglaubliche Dinge und von phantastischen Geschehnissen zu berichten. So sollen nach der Überlieferung von der Höhle unterirdische Gänge zu dem zwei Kilometer entfernten St. Johannisberg und in den Ort Hangnach geführt haben. Als Ortskundiger vermute ich statt der Gänge eher Pfade, die zur Verbindung der genannten Orte dienten. Der Ortsteil Hangnach liegt drei Kilometer von der Höhle entfernt an der ehemaligen Römer¬straße Bregenz - Kempten. Des weiteren wird von einem Schatz gemunkelt, der in der Höhle verborgen sein soll, aber bis heute nicht gehoben wurde. Von Zwergen mit Ziegenfiißen, den sogenannten Eremännle, wird erzählt, die der Sage nach in der Höhle hausten und allerhand Unfug trieben. Eine seit Generationen weitergegebene Erzählung vom ‘Eremännle mit dem goldenen Löffel’ berichtet von folgender Begebenheit:
Das Eremännleloch bewohnte einst ein kleiner Mann, der auf dem Feßlerhof in der Ortschaft Tobel nach Lust und Laune bei den Feldarbeiten mithalf. Als Belohnung durfte er am Tische mitessen, und dabei benutzte er seinen eigenen goldenen Löffel. Dies ging solange gut, bis eines Tages ein Knecht vom Feßlerhof dem Männlein den goldenen Löffel stahl. Aus Verbitterung über den Diebstahl ließ es sich nicht mehr sehen und blieb für immer verschwunden.
Ende des 18. Jahrhunderts etwa soll sich dies zugetragen haben. Das Männlein hat, da es im Eremännleloch gehaust, den Namen “Eremännle” erhalten. Seine Existenz wurde all die Jahre bis heute von den Erzählern nie in Frage gestellt, sondern nachdrücklich als tatsächliches Ereignis hervorgehoben.
Am bekanntesten dürfte das Geschichtlein vom Männlein mit dem Silberbesteck sein. Es wurde von einem Unbekannten, der auch über die Kirche von Bösenreutin Bericht gibt, aufgeschrieben, und es erscheint in mehreren Varianten in den Sagenbüchern.
Doch zuvor soll noch die älteste mir bekannte Quelle über Spukgestalten und Geistererscheinungen in hiesiger Gegend angeführt werden. Es handelt sich dabei um die Chronik Johanns von Winterthur, der als Minoritenmönch von 1340-1347 im Barfußerkloster in Lindau wirkte. Aus diesem Werk, das Pfarrer Bernhard Freuler vom Lateinischen ins Deutsche übersetzte, entnahm ich folgendes Geschichtchen:
“Im Jahre ‘1346 kam ein kleines Männchen oder ein Zwerg aus seinen Verstecklöchern hervor und erschien am hellen Tage auf dem Felde der Hirten des oberen Albgau (Allgäu). Als sie ihn zu fangen sich bemühten, ließ er den Stock, den er in der Hand hielt, zurück und entfloh kaum ihren Händen, indem er sich in seinen Schlupfwinkel, woher er gekommen war, unter ihren Augen wieder verbarg. Sein Pfahlchen oder Spießchen jedoch behielten sie als willkommenes Geschenk oder Gastgeschenk, das er weggeworfen hatte, zurück und ebenso die Aepfel.”
In den Allgäu-Sagen fand ich nirgends ein Männlein mit Spießchen und Äpfeln, das die Hirten auf dem Felde neckte. Daß es sich hier tatsächlich - wie Peter Hang vennutet - um das Eremännle vom Bösenreutiner Tobel handelt, kann nur vennutet werden, denn ein sicherer Beweis läßt sich nicht finden. Ich las auch von einem Bollamännle von Hörbranz, das den Bauern jede Nacht den Pferdestall säuberte und als Lohn jedes Jahr von einem anderen Bauern ein ganz kleines ‘Bollakärrele’ verlangte. Dies ging lange, lange Jahre so dahin. Als es eines Nachts bemerkte, wie ein Knecht ihm beim Spielen mit dem ‘Kärrele’ zusah, war es tief beleidigt und ließ sich nicht mehr sehen.
Inhaltlich kann die Erzählung aus der Chronik Johanns von Winterthur weder dem Eremännle von Bösenreutin noch dem Bollamännle von Hörbranz zugeordnet werden. Deshalb läßt man sie am besten als eigenständige Sage stehen und für sich allein sprechen.
Nun aber zur angekündigten Geschichte vom ‘Männlein mit dem Silberbesteck’. Sie wurde um 1818 niedergeschrieben und gibt Kunde vom Eremännleloch und seiner Sage. Das Original, das im Archiv der Stadt Lindau aufbewahrt wird, ist in alter deutscher Schreibschrift gehalten und wird hier wortgetreu wiedergegeben:
Ehrenmännleinsloch
Einen starken Büchsenschuß von Bösenreutin links abwärts von der Straße dahin, befindet sich im Tobel auf einer Anhöhe mitten im Wald eine Höhle oder Loch, deren Eingang ungefähr 5 Schuh hoch und 6-8 Schuh breit ist (sie soll jedoch früher viel höher gewesen und bereits zum Theil eingestürzt seyn). 3 Schuh tief findet sich eine kleinere Höhle, die aber nur etwa 1/2 - 2 Schuh hoch und breit ist, keinen Eingang gestattet.
Das Ganze hat das Aussehen eines großen Fuchsbaues. Ihre Entstehung ist unbekannt vielleicht strömte hier aus verborgener Quelle einst ein Bach hervor, vielleicht und wahrscheinlicher war es einemal ein unterirdischer Gang. Die Anhöhe besteht mit der Höhle selbst aus Kiesel Gerolle. Von diesem Loch geht die Volkssage: Ein kleines Männlein hier hausend habe den Arbeitern auf dem Felde wen sie ihr Mittagsbrod verzehrten silberne Löffeln, Messer und Gabeln gebracht -solche dann aber wieder fein eingepackt und mitgenommen. Weiter läßt sich nichts mehr hiervon ausmitteln.
Der Hofmeister auf dem nahegelegenen sogenannten Obern Hof, soll einst eine Ente in das innere Loch gebracht und den Ausgang alldan versberrt haben -worauf die Ente einige Zeit hernach in der Gegend des eine halbe Stunde davon entlegenen Johannisbergs wieder zum Vorschein gekomen seyn soll. Welches wenn wahr wäre, die Vermutung bestättigen würde daß die Höhle der Eingang zu einem unterirdischen Gang gewesen.
Heut zu Tage läßt sich, so sehr die Bauern sich darnach umsehen, kein Männlein mit silbernen Löffeln mehr erblicken.
Aus dem Sagenbuch der Bayerischen Lande von 1874 stammt diese wörtlich übernommene Geschichte:
Das Ehren - Männlein
“Wenn man von Lindau in nordöstlicher Richtung über Reuti, die Staig und das Wannenthal geht, so kommt man in eine enge Thalschlucht, durch welche ein Wasser rinnt, welches weiter unten in Rickenbach ein Mühlrad in Bewegung setzt. Im Munde des Volkes heißt diese Thalschlucht das ‘Beseriiter Tobel’, weil weiter oben und außerhalb des Waldes das Pfarrdorf Bösenreuti liegt. Von jenem Bächlein bis auf die Höhe hinauf fühlt ein gar freundlicher Weg durch das Waldesdunkel über hundert und etliche Stufen. In jenem Tobel nun soll vor Zeiten das Ehre-Männle, eine Art von Wichtelmännchen oder Kobold, sein Wesen getrieben haben. An schönen Sommertagen pflegte es all’ seine Schätze und Reichthümer - worunter besonders sehr schöne silberne Löffel und Teller - vor seine Behausung herauszutragen, sie da zu putzen und förmlich zur Schau auszustellen, ohne sich dabei eine Ruhe zu gönnen; immer gab es wieder hier oder dort was zu wischen und abzustauben. Wollte man sich ihm nähern, so war im Nu die ganze Bescheerung verschwunden. Die Geschäftigkeit dieses Gnomen soll immer lang anhaltendes schönes Wetter angezeigt haben; deshalb pflegte man Abends nach dem ‘Heuen’ ein Stücklein Brod auf die Thürschwelle zu legen, ihm dadurch seinen Dank auszusprechen. Man sah das Ehre-Männle auch zur Winterszeit nach eingetretener Dunkelheit nicht ungerne in Häusern und Stallungen, da sein Erscheinen immer Glück gebracht. Seit dem Schwedenkriege soll es nicht mehr gesehen worden sein. Auch geht die Sage, daß einige junge Burschen, in der Absicht, das gute Männlein zu necken und herauszulocken, eine lebendige Ente in seine Höhle hineingeworfen haben, welche eine halbe Stunde weiter östlich im Lettenbach fludernd wieder gesehen worden sei. Das kann aber nicht wohl sein. Erzähler gab sich selbst die Mühe, hinein zu kriechen, fand aber keine Fortsetzung dieser Höhle oder einen anderen Ausgang. In einer alten im Jahr 1626 von dem Maler Rauh zu Wangen verfertigten sehr genauen Karte der Umgegend heißt es ganz deutlich ‘Erzmann-Loch’, was den Erzähler auf den Gedanken brachte, diese Höhle möchte vielleicht der Eingang zu einem aufgegebenen Schachte sein. Das Ganze hat von Außen mehr das Ansehen eines Dachsbaues, und wird zur Stunde noch Ehre-Mändles-Loch genannt. Sollte irgend Jemand es aufsuchen wollen, so müßte er sich an die Insassen des zunächst gelegenen Bauernhofes wenden, wo man es beim ‘Wagner’ im Tobel heißt.”
Der vorigen Erzählung gleicht die kurze Sage.
Das Ehrenmännle
(Ehrenmännleloch) Von Friedrich Nuber (1922)
“So ein guter Geist war auch das Ehremändle im Beseritter Tobel. Bei anhaltend gutem Wetter sonnte es seine silbernen Löffel und putzte und fegte seinen Hausrath. Es ließ aber nur von ferne zuschauen. Kam man ihm näher, so war es augenblicklich verschwunden mit all seinen Sachen. Zuweilen besuchte es brave Leute in ihren Häusern, that ihnen die übrige Arbeit während der Nacht und brachte ihnen Glück ins Haus und in den Stall. So hat es viele Jahrhunderte gethan, aber seit dem Schwedenkriege ist es ganz verschwunden.”
Dies sind die drei schriftlichen Überlieferungen vom Eremännle, die ich aufspüren konnte. Sie untereinander vom Inhalt her zu vergleichen, wollte ich nie - allein das Sammeln der mündlichen und schriftlichen Kunde vom Eremännleloch und seiner Sage war mir wichtig.
Im Jahre 1922 verfaßte Friedrich Nuber das Mundartgedicht Das Ehrenmännle. Sein Vater wurde in Bösenreutin HNr. 15 geboren. Daher hat F. Nuber, zuletzt wohnhaft in Dingolfing, seine Beziehung zum Eremännleloch.
Im Dörfle Bösaritta
war amol a Ma,
der könnt die Litt it lida,
versteckt se wo er ka.
Im Tobelwäldle denna
haut er a Loch entdeckt,
dau schliaft er behend inna
und haut se dort versteckt.
Er rieht si i ganz munier
a Tisch, a Bank isi da,
en Keller hauler gfunda,
da will er sis wohl si la.
Und wia er luagt il lang,
so sieht er no a Loch,
dr Anfang vom a Gang,
in den er inna kroch.
Und wie er dau koi End netflndt,
dau wirds eam bald zu dumm,
ear ofa anders Mittel sinnt
und kehrt schnell wieder um.
Und ofoimaut fallt eam /,
dau jagst a Ente nei
und holt se schnell
a so a Vieh,
dia macht a wildes Geschrai.
Dia Ente ischt em rasch verlloffa,
er hauts lang nimma gsea;
und wia se aus dem Gang ist gloffa,
ist sie in Hangnach g\vea
.
Und’s Männle haut ga allet da
nurs Ehrenmännle gnannt,
es ischt und bleibt a brave Ma
viel Lüet honds aber könnt.
Em Eeßler z’Tobel sine Leut
dia hand g/ei neaba dra
im Sommer ofdr Wiese gheubt,
zu deana ischt er na.
Er ißt und trinkt dau geara mit
und haut dia Lütle gern,
zeigt auch an guata Appetit
und laut se gar net störn.
Amol bringt ear zum Essa g/ei
a silbernes Besteck
a silberes Teller au dabei
und setzt si an sein Fleck.
Er dischktitiert und heart gern zua
und ißt au tapfer mit,
freut si, daß er dau hat si Rua
bei deana brave Lit.
So gaut es fort fast alle Tag nu scho lange Zit,
aufoimal gibts a große Klag,
aufoimal gibts en Stritt.
Der Feßler hat an Knecht mal gfragt.
warum er koi Silber bhält.
Der Knecht, der hauts au glei gewagt
und denkt net dös gfehlt.
Er steckt an silbrna Löffel i
und moint, der haut no mear,
der merkt des oizig Stückle gli,
dr Knecht vergaß sei Ear.
S’Ehramännle sieht dia Gschicht
und ischt voll Zorn entbrannt,
schimpft über diese Rösawicht
und ischt in Wald zuagrannt.
Er ist betrübt bis in den Tod,
verachtet jetzt dean Knecht,
ear ißt mit neama me iatzt Brot
d’Mensch a send eam zschlecht.
S’Männle verschwindt em Augablick,
wird niamals wieder gsea,
und heil no denkt ma oft zurück
ans Ehramännlegschea.
DAS SANDSTEINRELIEF VOM EREMÄNNLELOCH
Außer den aufgeschriebenen Sagen und den mündlichen Überlieferungen liegen mir keine weiteren Notizen darüber vor, was sich alles in und um die Höhle abspielte. Sicherlich nichts Außergewöhnliches oder Aufsehenerregendes; denn sonst stünde es irgendwo geschrieben. Erst Ende des 19. Jahrhunderts weckte die Felsenhöhle wie¬der das Interesse der Anwohner. Oberlehrer August Schäffler berichtet, daß um 1870 ein Sandsteinrelief mit einer menschlichen Gestalt von zwei Buben im Erdmännlesloch in Bösenreutin - identisch mit dem sagenumwobenen Eremännleloch -gefunden wurde. Mögen sich die Jugendlichen damals mit Erfolg als Schatzgräber versucht haben, weitere offizielle Nachgrabungen von Professor Birkner aus München an diesem Ort nach Gegenständen aus früherer Zeit blieben ergebnislos. Dies berichtet die Augsburger Abendzeitung vom 23.04.1911.
Das Steinbild soll mm kurz beschrieben werden:
Auf einem dunkelgrauen Sandstein mit den Maßen 14 x 31 x 5 cm ist eine menschliche Gestalt in Seitenansicht reliefartig dargestellt. Auffallend ist der über¬große Kopf. Daran sind Nase, Mund, Ohr, und Kinn deutlich erkennbar. Der Hals geht in einen verkürzten Oberkörper mit gewölbtem Rücken über. Von der Schulter führt der linke Arm im Halbrund zur Faust. Diese umfaßt einen Stab, der bis zu den Füßen reicht und am Ende in einer Axt steckt. Um die Taille verläuft eine Rinne. Die Oberschenkel erscheinen gegenüber den Unterschenkeln etwas zu lang. Aus dem Steiß kommt ein langer Schwanz, der in Höhe der Fesselgelenke mit einer angedeu¬teten Quaste endet. Durch Gesteinsabsplitterungen sind Knie und Wade beschädigt, dadurch fehlen die Füße und der größte Teil der Schwanzquaste.
Laut mündlicher Mitteilung des Museumsbeauftragten der Gemeinde Hergensweiler, Georg Rehm, erwarb der erwähnte August Schäffler das Sandsteinbild von Josef Anton Hölzler in Emsgritt und vermachte es dem Heimatmuseum Hergensweiler, wo es seine Bleibe gefunden hat.Erst im Juni 1993 konnte das Bildnis vom Muse¬umsverein Hergensweiler für den Heimatverein Bösenreutin erworben werden, und somit kehrt es wieder an seinen Fundort zurück.
Über die Herkunft des Steinbildes, Zeit der Bearbeitung und Deutung der Ge¬stalt konnten bislang von Fachleuten keine präzisen Angaben gemacht werden. Eine Untersuchung im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg in den Jahren des Sandsteinrelief aus dem Eremännleloch zu Bösenreutin, heute im ‘Heimatstüble’ Bösenreutin (Aufnahme von Alois Hölzler, Bodolz).
Zweiten Weltkriegs brachte diesbezüglich kein Ergebnis. Durch den Transport dorthin brach der untere Teil des Steines ab. Neuerdings von mir angestellte Anfragen über mögliche Methoden einer Altersbestimmung des Reliefs, über Deutung und Aussage des Bildes bei namhaften Experten der Volkskunde und Kunstgeschichte, bei Landeskonservatoren und in Museen brachten wenig verwertbare Erkenntnisse. Übereinstimmend wurde das Alter des Steinbildes auf 200 bis 400 Jahre geschätzt. Bei näherer Betrachtung der eingeritzten Figur lassen deren Kleidung und die Axt auch auf dieses Alter schließen. Die Gestalt trägt nämlich eine wamsartige Oberbekleidung und enganliegende Hosen, was fürs 17. bis 18. Jahrhundert spräche. Ein weiterer Anhaltspunkt für die Zeit der Herstellung könnte die genaue Darstellung der Axt sein, die in dieser Form mit dem langen Stiel und der kleinen Schneide eindeutig schon über 200 Jahre bei der Waldarbeit Verwendung findet. Lediglich der lange Schwanz des Männleins stiftet Verwirrung. War es nur eine Laune des Bildhauers oder hatte er hierfür ein Vorbild?
Zu allen bisherigen Überlegungen kommt hinzu: Wie kommt das Sandsteinrelief in die Höhle? Wurde dieser Ort als sicheres Versteck angesehen, um es vor einer Zerstörung - möglicherweise in der Zeit des Bildersturms - zu retten? Da der Stein an der Basis starke Absplitterungen aufweist, darf angenommen werden, daß er früher vielleicht fest verankert war und bei der Abnahme die Beschädigungen erlitten hat. Man könnte auch in Betracht ziehen, daß das Eremännle, das um 1800 zeitweise die Höhle bewohnt haben soll, das Relief anfertigte, um darauf die Figur eines Waldschrats, eines Holz- oder Waldmars darzustellen. Wenn man nämlich den Auslegungen von Max Höfler folgt, dann sind “Holzleute männliche oder weibliche Dämonen aus dem Walde, von zwergenhafter oder riesenartiger Gestalt, halb menschlich, halb tierisch. Als Holzmar oder Waldmar minnen sie den Menschen als wilde Männer, erzeugen dabei Wechselbälge, welche ihre Gestalt teilweise als menschliche Mißbildung mit Tierähnlichkeit erhalten”.
Mit Herkunft, Alter und Deutung des Steinbildes beschäftigten sich m den Jah¬ren um 1940 u.a. Dr. B. Eberl, Gauheimatpfleger von Schwaben, und Richard Wiebel, Pfarrer i.R. aus Kaufbeuren. Ohne aufgrund ihrer Untersuchungen zu einem definitiven Urteil zu gelangen, kann ihr Resümee wie folgt wiedergegeben werden:
Eberl: Eine Wildmännerdarstellung aus einheimischem Sandstein, die wohl noch in die romanische Zeit hinaufgeht.
Wiebel: Ein Erd- oder Wildmännlein ohne Stilmerkmale und ohne Spur künst¬lerischen Schaffens, kein mittelalterliches Stück.
Es gibt auch die Meinung, das Bild sei von Anhängern der Lindauer Narrenzunft früher in die Höhle eingeritzt und erst viel später von dort als Block herausgehauen worden. Dieser Ansicht kann insofern nicht zugestimmt werden, da das Relief aus feinein Sandstein geschaffen wurde, der Sandstein der Höhle dagegen von grobkörniger Beschaffenheit ist.
Trotz vieler Annahmen und Vermutungen über Herkunft, Sinn und Bedeutung des Bildes bleibt das Sandsteinrelief im Grunde doch rätselhaft. Die Nagelfluhhöhle im Bösenreutiner Tobel - Eremünnleloch genannt - ist seit 1945 eingestürzt, und mit ihrem Einsturz hat sie auch ihr Geheimnis mitgenommen. Als stumme Zeugen liegen noch große Felsbrocken sichtbar umher. Damit beides, Höhle und Relief, nicht ganz in Vergessenheit gerät, ist diese Abhandlung geschrieben worden.
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contrapunkt
31.1.2008 by admin.
damit niemand auf die idee kommt, dass ich vor lauter rotem-seiden-rausch den boden unter den füssen verloren hätte: hier ein gedanke aus der harten realität. er stammt natürlich von einer freundIN… vielleicht sollte ich mich einem stammtisch anschliessen, damit ich auch mal die gegenseite mitbekomme:
“der entscheidende unterschied bei der wahl einer frau zwischen a) einem hund und b) einem mann ist die frage: will ich mir nur meinen teppich versauen lassen, oder mein ganzes leben?”
ich muss mal eine hochzeitspredigt so beginnen. mal sehn wie man dann noch die kurve kriegt… hat jemand vorschläge?
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ohne worte und viel aufhebens: zwei märchen aus der moderne (der inhalt dieses eintrags gibt in keiner weise die meinung des bloggenden wieder!)
22.1.2008 by admin.
Das kürzeste Märchen
(und so ein schönes noch dazu mit Happy End)
Es war einmal ein Prinz und er fragte die Prinzessin:
“Willst Du mich heiraten”,
worauf sie mit “Nein!!” antwortete.
Und der Prinz lebte danach viele Jahre glücklich.
Er ging fischen, jagen, jeden Tag Fußball spielen,
er trank viel Bier und schlief mit jeder Frau, die er
aufgabeln konnte.
Ende
Noch eins,
auch mit Happy End:
Es war einmal in einem Land,
weit weg, eine wunderschöne, unabhängige, selbstbewusste Prinzessin. Eines Tages betrachtete sie einen Frosch in einem Biotop
in ihrer Ökowiese unweit ihres Schlosses.
Da sprang der Frosch in ihren Schoß und sagte:
“Elegante Lady, einstmals war ich ein hübscher Prinz -
bis mich eines Tages eine böse Hexe verzaubert
und mit diesem Fluch belegt hat.
Ein Kuss von Dir und ich werde wieder der schmucke junge Prinz,
der ich einmal war.
Dann, Süße, können wir heiraten,
einen Haushalt im Schloss meiner Mutter führen,
wo Du meine Mahlzeiten bereitest,
meine Wäsche wäschst und bügelst,
meine Kinder gebärst und gross ziehst
und damit glücklich bist, bis an das Ende Deiner Tage.
“An diesem Abend saß die Prinzessin
leise lächelnd vor einem Glas Chardonnay
und leckeren Froschschenkeln - in einer leichten Zwiebel-Weißwein-Soße….
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märchen und geschichten
7.1.2008 by admin.
in marktoberdorf ist das höchste lob, das ein prediger bekommen kann, folgendes: das war fast so gut wie vom pfarrer holdenrieder.
und alwin holdenrieder ist auch ein wunderbarer geistlicher! so fragte ich ihn einmal: alwin, deine predigten werden allgemein so sehr gelobt, dass ich dich jetzt schon mal fragen muss: was und wie predigst du? was ist dein geheimnis?
und alwin lachte, klopfte mir auf die schulter und sagte: weischt du, ich bin halt ein gschichtenverzehler. des isch alles.
geschichten und märchen sind auch für mich sehr wichtig (nicht nur als geheimrezept für gute predigten). darum beginne ich hiermit meine kategorie “märchen und geschichten”. vielleicht tragen auch viele blogbesucher mit geschichten und märchen zu einer grossen sammlung bei!
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