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Archiv der Kategorie c Fundgrube Textschätze
oscar wilde - die jugend
21.8.2009 by admin.
die jugend ist verschwendet an junge leute!
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Hermann Hesse: Stufen
21.8.2009 by admin.
Stufen
Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.
Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
an keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf’ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zum Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…..
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!
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Max Frisch - Gedanken vor Andorra
14.7.2009 by admin.
Du sollst Dir kein Bildnis machen
Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben, am mindesten aussagen können, wie er sei. Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass auch dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig werden: weil wir sie lieben; solang wir sie lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben; sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Möglichen voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt -
Nur die Liebe erträgt ihn so.
Warum reisen wir?
Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für alle Mal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei -
Es ist ohnehin schon wenig genug.
Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedes Mal […]
Wir können nicht mehr! Wir künden ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen. Wir verweigern ihm den Anspruch alles Lebendigen, das unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.
„Du bist nicht”, sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte: „wofür ich dich gehalten habe.”
Und wofür hat man sich denn gehalten?
Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das auszuhalten wir müde geworden sind. Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat […]
In gewissem Grad sind wir wirklich das Wesen, das die andern in uns hineinsehen, Freunde wie Feinde. Und umgekehrt! auch wir sind die Verfasser der andern; wir sind auf eine heimliche und unentrinnbare Weise verantwortlich für das Gesicht, das sie uns zeigen, verantwortlich nicht für ihre Anlage, aber für die Ausschöpfung dieser Anlage. Wir sind es, die dem Freunde, dessen Erstarrtsein uns bemüht, im Wege stehen, und zwar dadurch, dass unsere Meinung, er sei erstarrt, ein weiteres Glied in jener Kette ist, die ihn fesselt und langsam erwürgt. Wir wünschen ihm, dass er sich wandle, o ja, wir wünschen es ganzen Völkern! Aber darum sind wir noch lange nicht bereit, unsere Vorstellung von ihnen aufzugeben. Wir selber sind die letzten, die sie verwandeln […]
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Erich Fried - Aussteiger
13.7.2009 by admin.
AUSSTEIGER
Sie hatten sich
an den Rand
der Welt
zurückgezogen
um dort
noch leben zu können
Aber sie fanden
daß die Welt
keine Ränder hatte
und immer noch
von allen Seiten
eindrang auf sie
Das war
nicht ganz
ohne Komik
aber sie starben daran.
(aus dem Gedichteband: Um Klarheit)
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Erich Fried - Wer ist sie?
13.7.2009 by admin.
Wo sie wohnt?
Im Haus neben der Verzweiflung
Mit wem sie verwandt ist?
Mit dem Tod und der Angst
Wohin sie gehen wird wenn sie geht?
Niemand weiß das
Von wo sie gekommen ist?
Von ganz nahe oder ganz weit
Wie lange sie bleiben wird?
Wenn du Glück hast solange du lebst
Was sie von dir verlangt?
Nichts oder alles
Was soll das heißen?
Daß das ein und dasselbe ist
Was gibt sie dir
- oder auch mir - dafür?
Genau soviel wie sie nimmt.
Sie behält nichts zurück
Hält sie dich
- oder mich - gefangen
oder gibt sie uns frei?
Es kann uns geschehen
daß sie uns die Freiheit schenkt
Frei sein von ihr
ist das gut oder schlecht?
Es ist das Ärgste
was uns zustoßen kann
Was ist sie eigentlich
und wie kann man sie definieren?
Es heißt daß Gott gesagt hat
daß er sie ist.
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Highligts aus den letzten Exen im Schuljahr 2009
13.7.2009 by admin.
In einem Abschnitt war Ikonographie gefragt:
Wie erkennt man auf Bildern Jesus Christus (Gott)?
Die richtige Antwort wäre der besondere Heiligenschein gewesen, der in drei Strahlen das Haupt des Herrn umstrahlt. Zeichnungen waren erlaubt…
Hier einige Schülerantworten aus der 10. und 11. Jahrgangsstufe:
- Jesus hat lange Haare und einen Lendenschurz
- Jesus hat Löcher in Füßen und Händen
- Er hat eine große Nase
- Gott hat einen Blitz in der Hand
Und wie erkennt man den hl. Apostel Thomas?
- Er hat einen Bomerang in der Hand
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die kunst der kleinen schritte - von antoine de saint-exupery
20.6.2009 by admin.
Ich bitte nicht um Wunder und Visionen,/ Herr, sondern um die Kraft für den Alltag./ Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.
Mach mich findig und erfinderisch,/ um im täglichen Vielerlei und Allerlei/ rechtzeitig meine Erkenntnisse/ und Erfahrungen zu notieren,/ von denen ich betroffen bin.
Mach mich griffsicher/ in er richtigen Zeiteinteilung./ Schenke mir Fingerspitzengefühl,/ um herauszufinden, was erstragnig/ und was zweitrangig ist.
Lass mich erkennen,/ dass Träume nicht weiterhelfen,/ weder über die Vergangenheit/ noch über die Zukunft./ Hilf mir, das Nächste so gut wie möglich zu tun/ und die jetzige Stunde/ als die wichtigste zu erkennen.
Bewahre mich vor dem naiven Glauben,/ es müsste im Leben alles glatt gehen./ Schenke mir die nüchterne Erkenntnis,/ dass Schwierigkeiten, Niederlagen,/ Misserfolge, Rückschläge/ eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind,/ durch die wir wachsen und reifen.
Erinnere mich daran,/ dass das Herz oft gegen den Verstand streikt./ Schick mir im rechten Augenblick jemand,/ der den Mut hat,/ mir die Wahrheit in Liebe zu sagen.
Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen./ Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zwartesten Geschenk des Lebens gewachsen bin.
Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte,/ an der richtigen Stelle abzugeben.
Mach aus mir einen Menschen,/ der einem Schiff mit Tiefgang gleicht,/ um auch die zu erreichen, die “unten” sind.
Bewahre mich vor der Angst,/ ich könnte das Leben versäumen./ Gib mir nicht,/ was ich mir wünsche,/ sondern was ich brauche.
Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte!
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Vor dem Leben und danach
21.4.2009 by admin.
Es gab eine Zeit - wie man vermutet/ Und wie der Erde Zeugen tatsächlich berichten - Vor der Geburt des Bewusstseins, / Da alles gut war.
Keiner erlitt Krankheit, Liebe oder Verlust,/ Keiner kannte Leid, versehrte Hoffnung oder wunde Herzen;/ Keiner fragte, ob Sturz und Kreuz/ Die Dinge zu Fall brachten.
Wenn etwas verging, beklagte es keine Stimme,/ Wenn etwas erzitterte und erbleichte, wurde kein Herz gebrochen;/ Wenn die Helligkeit wich und das Dunkel die Herrschaft übernham,/ Wurde keine Empfindung gerührt.
Aber die Krankheit der Gefühle keimte,/ Und die ursprüngliche Wahrhaftigkeit nahm die Farbe der Falschheit an;/ Bis die ursprüngliche Wahrhaftigkeit nahm die Farbe der Falschheit an;/ Bis die Unschuld wieder zurückkehrt/ Wie lange noch, wie lange noch?
(Thomas Hardy)
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mein gott, mein erlöser (gebet von john henry newman)
11.4.2009 by admin.
mein gott, mein erlöser, bleibe bei mir, fern von dir müsste ich welken und verdorrren. zeigst du dich mir wieder, blühe ich auf in neuem leben. du bist das licht, das nie verlöscht, die flamme, die immer lodert. vom glanz deines lichtes beschienen, werde ich selber licht, um anderen zu leuchten. ich bin nur wie ein glas, durch das du den anderen scheinst. lass mich zu deinem ruhm deine wahrheit und deinen willen verkünden, - nicht durch viele worte, sondern durch die stille kraft der tätigen liebe - wie deine heiligen - durch meines herzens aufrichtige liebe zu dir.
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dein wille geschehe
11.4.2009 by admin.
vater! hier sind meine hände: / lege hinein, was du willst / nimm hinweg, was du willst / führe mich, wohin du willst / herr! hier sind meine augen: / erhalte ihnen das licht / nimm ihnen das licht / in allem geschehe dein wille / dein wille ist nur liebe - auch zu mir!
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schließ´aug und ohr - lied der weißen rose
11.4.2009 by admin.
schließ´ aug und ohr für eine weil / vor dem getös´ der zeit. / du heilst es nicht und hast kein heil, / als wo dein herz sich weiht.
dein amt ist hüten, harren, sehn / im tag die ewigkeit. / du bist schon so im weltgeschehn / gefangen und befreit.
die stunde kommt, da man dich braucht, / dann sei du ganz bereit. / und in das feuer, das verraucht, / wirft man dich als letztes scheit.
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McBath: “Ein namenloses Werk”
30.3.2009 by admin.
“McBath: Was macht ihr, geheimnisvolle Frauen?
Hexen: Ein namenloses Werk.”
Oper McBath. Verdi nach einem Stück von Shakespeare
…
“Das Leben ist nichts als ein wandelnder Schatten: ein armer Schauspieler,
der seine Stunde auf der Bühne stolziert und sich quält und dann nicht mehr gehört wird: es ist eine Geschichte, von einem Idioten erzählt, voller Schall und Raserei, ohne Bedeutung. (McBath. In: McBath von William Shakespeare)
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Hymnus
21.3.2009 by admin.
in der nacht
hymnus
hinter der nächsten wand / schuftet jetzt einer, / und ich schlafe.
hinter dem nächsten land / schießt jetzt einer, / und ich schlafe.
hinter dem nächsten meer / hungert jetzt einer, / und ich träume.
hinter dem nächsten berg / rebelliert jetzt einer, mit grund, / und ich bete.
herr, man erzählt, du hängtest lampen / an den himmel der nacht. / doch der himmel der nacht / ist ein löchriges all, / drin dreht die liebe erde. / vieles haben wir dir / noch angedichtet. / doch du bliebst der herr.
hinder der wand / steht ein nächster / und schläft nicht.
hinter dem nächsten land / tut ein nächster, was not tut, / und schläft nicht.
hinter dem nächsten meer / liebt vielleicht einer / und träumt nicht.
im garten am berg / fürchtet sich einer wie wir / und betet.
bete für uns, / sonst tut es niemand. amen
aus: neues stundenbuch. ausgewählte studientexte für ein künftiges brevier. band 2: geistliche lesungen. freiburg 1971
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Halleluja in Moll
21.3.2009 by admin.
Beim Propheten Jeremia begegnet in der jüdisch-christlichen Geistesgeschichte schon eine Persönlichkeit, die fundamental mit ihrer Existenz hadert. Kohelet, der Prediger, erlebt das Leben trotz vieler Annehmlichkeiten, die er sich erlauben kann, als belastend und er nimmt das Ergebnis all seines Denkens und Forschens gleich vorweg: alles ist nur Windhauch.
Während Jeremia bemerkt, dass er nicht anders kann und seinem Lebensschicksal nicht auskommt, versucht Kohelet das nichtige Leben mit dem Jetzt zu (er-)füllen.
Beide vermitteln ein Gottesbild, das schwer zu fassen ist, da ER beide weder durch seinen Auftrag, noch durch Erkenntnis (Gottes), noch durch seine Gegenwart mit Glück oder Zufriedenheit bedenkt. “Deine Hand lastet schwer auf mir”. Ihre Existenz ist belastet durch Gott. Sie erleben durch seinen Auftrag, bzw. Berufung keine Erlösung.
Ganz in dieser biblischen Tradition steht Soeren Kierkegaard, der dänische Philosoph. Vor allem der letzte Eintrag in sein Tagebuch (25. September 1855), wenige Tage vor seinem Zusammenbruch und Tod geschrieben, bringt die Extreme von existenziellem Leid und der Liebe Gottes, die absoluten Frieden und Glück schenkt, zusammen. Auch dieser Gott (der hier beschriebene Gott, die hier beschrieben Seite Gottes…) bleibt für die meisten Menschen ein fremder, ein unaktzeptabler Gott, der nicht in das Bild des “lieben Gottes” hineinpasst. Aber welcher Mensch erlebt sein Leben schon als ”glatt und rund”? Wie viele Gründe und wieviele Geschehnisse im Leben gibt es, den allmächtigen, barmherzigen, allwissenden, liebenden und mitfühlenden Gott in den Kirchen und Kapellen zurückzulassen? Sehr viele, manchmal und manchem zu viele.
Er ist der Immer-Andere. Anders ist auch der Gott Kierkegaards…
“Das Ziel des Lebens aus christlicher Sicht
Unser Ziel in diesem Leben ist es, bis zum höchsten Punkt des Lebensüberdrusses gebracht zu werden.
Der, der zu diesem Punkt getrieben wurde, stellt fest, das Gott ihn dorthin gebracht hat - aus Liebe -, und er hat die Prüfung des Lebens damit bestanden und ist reif für die Ewigkeit.
(…) Nur diejenigen, die zu diesem äussersten Punkt des Lebensüberdrusses gelangt sind und - mit der Hilfe der Gnade - dennoch davon überzeugt sind, dass Gott das aus Liebe tut - und die darüber keinen Funken Zweifel in ihrer Seele haben, nicht einmal im entferntesten Winkel ihrer Seele daran Zweifeln, dass Gott Liebe ist! - nur die sind reif für die Ewigkeit.
Und Gott empfängt sie in der Ewigkeit. Was will Gott denn? Er möchte Seelen die preisen können, anbeten und verehren, und ihm danken - das ist der Dienst der Engel. Darum ist Gott umgeben von Engeln (…). Die Engel gefallen ihm. Was ihm aber noch mehr gefällt als der Lobpreis der Engel ist ein menschliches Wesen, das im Leben bis ans äusserste gelangt ist, dem Gott schier reine Grausamkeit geworden ist und dem er die grausamste Last auferlegt hat um ihn jeder Lebensfreude zu berauben und dieser Mensch bleibt trotzdem dabei, dass Gott die Liebe ist und das er das alles aus Liebe tut. So ein Mensch wird ein Engel. Und im Himmel kann dieser Gott sehr wohl loben; aber die schlimmste Zeit ist immer die Zeit des Lernens, die Zeit der Schule.
Wie jemand, der die Idee hat die ganze Welt zu bereisen nur um einen Sänger mit der vollendeten Stimme zu hören, so sitzt Gott im Himmel und horcht. Und immer, wenn er jemanden hört, den er zum äussersten Lebensüberdruss gebracht hat und der ihn (trotzdem) lobt, sagt Gott bei sich: hier ist die Stimme! (Hier ist der perfekte Ton!) Hier ist es, sagt er, als ob er eine Endeckung macht; aber er wusste es schon, denn er selbst war immer mit diesem Menschen und half ihm so gut Gott es eben kann, bei dem, was einzig die Freiheit vermag. Nur die Freiheit vermag so etwas. Aber die Überraschung fähig zu sein dieses Lob aus sich selbst heraus auszusprechen - ganz so als ob Gott selbst es wäre, der es ausspricht - und in seiner Freude darüber zu diesem Lob fähig zu sein, ist er so glücklich, dass er nichts hört; nicht hört, dass er es selber war, der dieses Lob aussprach, und alles dankbar Gott aufopfert und Gott lobt damit es weiter Gott ist, der es tut, weil er es sich selbst nicht zutraut, aber ganz auf Gott vertraut.”
Soeren Kierkegaard ist hier kein Masochist, Gott ist auch kein Sadist. Das Leid, das Leiden ist Notwendig um zur Vollkommenheit zu gelangen. Gott gefällt das Leid nicht! Und der Mensch der hier gemeint ist, erlebt die Grausamkeit wirklich, es ist weder ein pastellfarbenes Gefühl der Romantik, noch ein durch die Pharmazie dosiertes und gedrosseltes Leid. Es ist die nackte Wahrheit menschlichen Seins, so wie viele es erleben. Die Frage ist lediglich, ob es nicht irgend einen anderen Weg gäbe?
Wie klingt jetzt aber diese Stimme, dieser Ton, dieses Lob eines Menschen, dem Gott (und das Leben) “zur reinen Grausamkeit” geworden ist?
Wenn ich Kompositionen von Sir John Taverner höre, kommt mir oft Kierkegaards Tagebucheintrag in den Sinn. Fragments of a Prayer oder Song for Athene sind zwei Stücke, die beide das Halleluja (bzw. Alliluia) beinhalten. Halleluja ist der Lobgesang an Gott. Aber bei Taverner kommt das Hallel aus einem gequälten und verzweifeltem, einem ringenden und flehenden Herzen. Aber es ist ein Halleluja!
Gott kann man loben auch aus dem eigenen Elend heraus. Man muss sich nicht verstellen, man muss nicht Dur anstimmen. Aus meiner ganzen menschlich-irdenen Realität empor kann ich mich vor ihm verneigen - und weiss nicht wie der Friede geschieht, der dabei mich umfängt.
…
THIS LIFE’S DESTINY IN CHRISTIAN EYES
Our destiny in this life is to be brought to the highest pitch of world-weariness.
He who when brought to that point can insist that it is God who has brought him there, out of love, has passed life’s examination and is ripe for eternity.
It was through a crime that I came into the world, I came against God’s will. The offence, which even though it makes me a criminal in God’s eyes is in a sense not mine, is to give life. The punishment fits the crime: to be bereft of all lust for life, to be led to the extremity of world-weariness. Man would try his bungling hand at God’s handiwork, if not create man, at least give life. ‘You’ll pay for this all right, for only by my grace is the destiny of this life world-weariness, only to you who are saved do I show this favour of leading you to the highest pitch of world-weariness.’ Most people these days are so spiritless, so deserted by grace, that the punishment simply isn’t used on them. Lost in this life they cling to this life, out of nothing they become nothing, their life is a waste.
Those who have a little more spirit, and are not overlooked by grace, are led to the point where life reaches the highest pitch of world-weariness. But they cannot come to terms with it, they rebel against God, etc.
Only those who, when brought to this point of world-weariness could continue to insist with the help of grace that it is out of love that God does this, so they do not hide any doubt in their soul, not in the deepest cranny of their soul, that God is love—only they are ripe for eternity.
And God receives them in eternity. What then does God want? He wants souls who could praise, adore, worship, and thank him—the business of angels. That is why God is surrounded by angels, for the kind of beings of which there are legions in ‘Christendom’, who for ten rigsdaler could bawl and trumpet to God’s praise and glory, these do not find favour with him. No, the angels please him, and what pleases him even more than the praises of the angels is a human being who, on life’s final lap, when God is transformed as if into sheer cruelty, and does everything with the most cruelly contrived callousness to deprive him of all lust for life, nevertheless continues to believe that God is love, and that it is from love that God does this. A man like that then becomes an angel. And in heaven, there he can very well praise God; but the hardest time is always the time of learning, of schooling. Like someone who got the idea of travelling all over the world to hear a singer with perfect voice, God sits in heaven listening. And every time he hears someone praise him, someone he brings to the extremity of world-weariness, God says to himself: Here is the voice. Here it is, he says, as if he were making a discovery; but he was prepared all the same, for he was himself present with that man and helped him as much as God can in what only freedom can do. Only freedom can do it. But the surprise at being able to express oneself by thanking God as if it were God who did it, and in his joy at being able to do this he is so happy that he will hear nothing, nothing, about he himself having done it but refers everything gratefully to God, and prays God that it will continue to be God who does it, for he does not trust himself but trusts God (XI 2 A 439).
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Kurt Marti. Ein Gedicht aus “Leichenreden”
24.2.2009 by admin.
“Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen, meinen liebsten Mann, unseren herzensguten Vater, durch einen tragischen Verkehrsunfall zu sich zu rufen.”
So oder so ähnlich lesen wir immer wieder in den Todesanzeigen unserer Zeitungen.
Hatt Gott tätsächlich Gefallen am Tod eines Menschen? Darauf antwortet der Schweizer Pfarrer und Dichter Kurt Marti in einem Gedicht:
dem herrn unserem gott/ hat es ganz und gar nicht gefallen/ dass gustav e. rips durch einen verkehrsunfall starb
erstens war er zu jung/ zweitens seiner frau ein zärtlicher mann/ drittens zwei kindern ein lustiger vater/ viertens den freunden ein guter freund/ fünftens erfüllt von vielen ideen.
was soll jetzt ohne ihn werden?/ was ist seine frau ohne ihn?/ wer spielt mit den kindern?/ wer ersetzt einen freund?/ wer hat die neuen ideen?
dem herrn unserem gott/ hat es ganz und gar nicht gefallen/ dass einige von euch dachten/ es habe ihm solches gefallen
im namen dessen der tote erweckte/ im namen des toten der auferstand:/ wir protestieren gegen den tod/ von gustav e. lips
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