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tief in der nacht

tief in der nacht 1

tief in der nacht 1

tief in der nacht 2

tief in der nacht 2

tief in der nach III

tief in der nacht III

neuesFeb2011

bilderfeb2011-004.JPG   shape of my heart II

meer2011 I  meer2011 II  meer2011 III 

homage an ?

homage an m.ernst I  homage an m.ernst II

8.9.2010. neu

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…because it´s beautifull!


Ein barockes Stift irgendwo an der Donau: Ein Führer leitet eine Gruppe Amerikaner durch die Räume und kommt zu Messgewändern, Kelchen und anderen sakralen Gegenständen und sagt: „This is barock, because it´s beautifull.“

Friedhelm Mennekes. Die Homepage

 die neue homepage  von p. friedhelm mennekes: www.artandreligion.de

sehenswert

www.mahibinebine.com

mädchen im atelier

eine mutter nimmt ihre kleine tochter mit ins atelier einer befreundeten bildhauerin. diese arbeitet gerade an einem grossen steinblock und hat die ersten trümmer abgehauen. fasziniert schaut die kleine besucherin den groben block an.

nach drei wochen darf sie wieder mit ihrer mutter die künstlerin besuchen. diese hat ihr werk nun vollendet und vor den besuchern steht ein anmutiger löwe aus stein.

da fragt die kleine die bildhauerin erstaunt: WOHER WUSSTEST DU, DASS ER DA DRINNEN WAR?

Ursberger Hostienbäckerei

Die Schwestern der Ursberger St. Josefskongregation backen in alter Tradition Hostien.

Kontakt: Hostienbäckerei Ursberg, Klosterhof 2, 86513 Ursberg

 siehe auch: http://www.ursberg.de/kongregation/wir-ueber-uns/Einrichtungen/einrichtungen-hostienbaeckerei.html

und: http://www.glaubenslust.de/index.php?id=135&uid=24

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haus st. maria in ursberg

1913 wurde mit dem bau des hauses begonnen. im krieg gab es einen baustopp, dann konnte man 1927 endlich einziehen. das haus ist trotzdem aus einem guss und ein kleinod des stiles der zeit.

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wenn geistliche künstler ärgern (o:

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versuche einer theorie

Versuche über die Berufung des Künstler

SIAC 19. Juli 2009 Glenstal Abbey

 1. Vorrede: Albert Schweizer kam zur Erkenntnis, dass Leben nur auf Kosten anderen Lebens möglich ist. Mit jedem Schritt auf der Erde, mit jedem Atemzug vernichten wir anderes Leben, schränken wir anderes Leben ein. Dabei hat alles Leben ein Recht auf Leben. Welches mehr als Anderes? So kam er zu dem Schluss: «Ehrfurcht vor dem Leben bedeutet: Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.»

Schweizer öffnet die Augen, dass es keinen Ausweg gibt und keine einfache Lösung: Leben ist ohne Schuld nicht möglich. Im Auftrag und in der Berufung zum Leben ist impliziert, dass der Mensch sündigt, sündigen muss. Die Erbsünden-Theologie versucht dies zu umreißen.

2. Vorrede: Im Deutschen heißt „Education“ Bildung. Dieses Wort wird von Bild abgeleitet. Inpicturation müsste man es wohl übersetzten. Wir denken in Bildern und Bilder machen unser Bild von Welt. Menschen die Bilder machen haben also eine hohe Verantwortung, denn Bild macht Welt. 

 

***

Meine Kollegen hört man gelegentlich sagen, ich habe noch nicht herausbekommen, ob ich mehr Künstler oder Priester sein will. Sie irren sich aber sehr in ihrer Einschätzung. Denn beides ist im Endeffekt ein und dieselbe Berufung. Beide, Priester und Künstler öffnen Türen zu einer anderen Welt, verbinden Welten und suchen eine Sprache, die den Menschen hilft zu kommunizieren – in Dialog zu treten mit sich selbst (Reflektion), dem Universum (allem Geschaffenem), mit Gott (dem Ursprung und Ziel). Beide vermitteln das im Profanen Unsagbare.

*** 

„Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Er war am Anfang bei Gott. All Dinge sind durch ihn geworden…”

Der Prolog des Johannesevangeliums erzählt viel über das Wesen Gottes. Das Wort ist nichts konkretes, Worte sind – aus der Sicht eines Menschen der Bilder macht – die abstraktesten Dinge überhaupt. Eigentlich sind Worte nur bestimmte Geräusche, nur Laute. Aneinander gereihte Buchstaben. Das gesprochene Wort ist bereits in dem Moment in dem es ausgesprochen wurde Vergangenheit – nur die Seele des Wortes ist dann noch eine Weile präsent. Natürlich können wir heute aufnehmen und mit Hilfe technischer Geräte wiedergeben, aber das ist nicht das selbe, nicht das gesprochene Wort, sondern nur die Erinnerung daran.

Von allen verschiedenen Worten ist das gesungene Wort das höchste. Das geht so weit, dass einige sagen, der Heilige Geist selbst sei Gesang/Melodie/Klang.

„Am Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Gott. Und das Wort war Gott:“

Es steht die Frage im Raum, was dieses Wort aussagt(e)? Was war die Bedeutung dieses Wortes?

Durch dieses Wort ist alles geworden, heißt es weiter im Prolog. Das kürzeste Wort in unserer Sprache ist das „Ja“. Alles muss mit einem Ja begonnen haben: dem positiven Willen zum zur gesamten Schöpfung, zu allem sichtbaren und unsichtbaren, zu allen Geschöpfen und zur ganzen Geschichte und schließlich dem Ja zu jedem menschlichen Wesen bis hin zu mir selbst.

Am Anfang war also das große Ja.

Aber dennoch ist das Wort selbst abstrakt. Aber es hat eine Aussage, eine Wirkung! Das Wort bleibt in sich ein Geheimnis, aber seine Wirkung sehen wir überall.

„Dann sagte Gott: laßt uns Menschen machen nach unserem Abbild, uns gleich.“

In der Schöpfung ist Gott der große Künstler, der Kreator von dem alle Kreativität ausgeht. Er hat den Menschen nach seinem eigenen Bild geschaffen und ihm seine Kreation anvertraut – zum weiter schaffen „macht euch die Erde Untertan.“ – „Wachset und Vermehret euch“. In der Gott-Ebenbildlichkeit und diesem Auftrag sehe ich unsere Berufung zur Kreativität. Freilich ist die Zeugung und die Weitergabe des Lebens der höchste Akt der Kreativität, allerdings ist die Gestaltung und die Ordnung der Welt als kreativer Akt nicht minder wichtig und nicht weniger gemeint.

Ernst Bloch sagt, dass die eigentliche Ursünde des Menschen sei,  den Auftrag zur Gestaltung der Welt zu verweigern. Ich muss hier allerdings anfügen, dass die betenden Nonnen und Mönche sehr aktiv sind, „das Angesicht der Erde zu erneuern.“ Schaffen und schöpfen sind nicht zwangsläufig Muskelarbeit.

Nicht das, aber anderes hat Bloch aber vergessen. Das Fehlende lehrt uns Meister Eckhart: „Ohne Gott bin ich nichts, mit ihm bin (und kann) ich alles.“  Und Paul van Dyk im Lied „Nothing but you“: „Ich habe nichts. Mit dir habe ich alles.“ Ich bin nichts. Mit dir bin ich alles, mit allem eins.

Wir haben einen heiligen Auftrag, eine Mission zum kreativ sein – aber wir brauchen die Demut zu wissen, dass wir wie der Pinsel, der Stift oder Hammer und Meißel in unserer Hand, auch wir nur ein Werkzeug in der Hand Gottes sind. Wir sind lebende Instrumente. Aber da ist ein großer Unterschied: Pinsel, Stift und Hammer sind willenlos in unserer Hand, Gott akzeptiert unser Ja oder Nein absolut. Er zwingt uns nicht, will uns aber brauchen.

„Du sollst dir kein Bildnis machen von nichts im Himmel oben oder auf der Erde unten, oder im Wasser dazwischen.“ Es geht um Götzenbilder, um Fixierungen auf Bilder. Es ist uns verboten die Freiheit Gottes und seiner Geschöpfe zu beschneiden und uns eine fixe Idee von alledem zu machen. Selbst ich selbst bin mehr als das Bild und der Eindruck, den ich von mir habe.

Darum sollten wird das Bilderverbot (das Verbot Idole zu schaffen) sehr ernst nehmen – vor allem als Künstler – noch mehr als christliche Künstler. Natürlich nicht im fundamentalistischen Sinn; nicht im Sinn der Katholibans. Die Bibel will von uns ernst, nicht wörtlich genommen werden. Das Bild/Abbild darf niemals höher gesehen werden, als das abstrakte Wesen, dass das Ding erst ausmacht. Wir müssen darauf achten, dass wir nicht in Liebe zu unserer Hände Werk verfallen. Wir täuschen uns in allem; da ist immer eine je größere Unähnlichkeit als die Ähnlichkeit, die Erkenntnis, die wir zu haben glauben.

Das Bilderverbot, bzw. das Verbot der Idolatrie sagt: glaube niemals – das ist es! Sei immer skeptisch gegenüber den eigenen Möglichkeiten und dem eigenen Wissen. Die Wahrheit ist immer größer.

Für mich möchte ich sagen, ich sündige immer wenn ich ein Bild schaffe, denn das Werk ist immer nur ein Bruchteil dessen, was mich als Idee zum schaffen antrieb. Das ist recht platonisch: Die Welt der Ideen werde ich niemals erreichen – womöglich nicht mal berühren. Aber es ist meine Sehnsucht, mein Schicksal so nah wie möglich daran heranzukommen in meinem Schaffen und Wirken.

Weil ich immer unter meinen eigenen Ideen zurückbleibe, darum bezeichne ich meine Kunst als Sünde. Ja, so oft ich kreativ bin, bin ich ein Sünder. Aber im selben Augenblick bin ich zur Kreativität berufen! Ich muss.

Jeder der einen Stift in die Hand nimmt und eine Linie zeichnet, teilt damit die Welt, zieht eine Grenze, greift ein, ändert. Es ist immer ein Akt der Gewalt (siehe A. Schweizer) - aber es ist unser Auftrag.

Es spiegelt sich darin das Geheimnis des Menschen schlechthin: Wir sind Wesen zwischen Tier und Gott. Wir stehen auf der Erde, aber wir strecken uns nach dem Himmel, haben den Kopf in den Wolken.

Der entscheidende Punkt ist die Qualität! Wir haben darauf zu achten, dass unsere Arbeit die Sünde wert ist, die wir begehen. Nebenbei gesagt: wirkliche Qualität ist niemals Sünde, ist niemals häretisch, ist immer Klassik.

„Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Und Wir haben seine Herrlichkeit gesehen“

Das ist noch einmal aus dem Prolog des Johannes genommen. Wir sahen! In Jesus Christus ist der abstrakte Gott sehr konkret geworden. Er wurde ein konkreter, erfahrbarer und sichtbarer Mensch. Einer von uns. Seine Göttlichkeit wurde dadurch aber um so mehr verborgen. Ein Bild täuscht uns eben um so leichter.

Felix culpa.

das kölner domfenster

Das Domfenster. Den Erstkontakt hatte ich leider durch die Presse und über die gefilterten und vorinterpretierten Nachrichten von Äußerungen dieses und jenes Menschen, für und wider, hin und her hatten durchaus ihren Einfluss auf meine Meinung. Zunächst. Die noch frischen Impulse aus meinem Studium aber prägten schließlich am meisten mein Bild vom Bild das sich mir bot als ich den Dom zum ersten Mal per Zufall durch den Südeingang von Bahnhof her betrat. Erst konnte ich es nicht lesen. Meine Begeisterung war schlicht die Begeisterung, dass überhaupt etwas geschieht und getan wird, was über Restaurierung hinaus geht. Es war die Freude am Neuen, das es sich zuerst anzueignen gilt. Wie ein neues Handy z.B. einen zuerst erfreut, weil es einfach neu und aufregend ist, aber es macht noch Mühe. Mühe beim Gebrauch. Ein Domfenster ist aber kein Gebrauchsgegenstand. Nein, man braucht es nicht; zumindest nicht unbedingt. Oder doch? Eine gotische Kathedrale braucht sehr wohl die Fenster, denn diese Kirchen sind eigentlich aus Glas gebaut, eine Suggestion des Neuen Jerusalems aus der Offenbarung, ein Ort, eine Stadt ganz aus Edelsteinen. Jede gotische Kirche, die nicht diese dunkel bunten Fenster hat, ist unvollendet oder verstümmelt. In Köln wäre eine historisierende Version durchaus legitim gewesen, um zumindest ein Trugbild der ursprünglichen Absicht der Bauherren vorzugeben. Aber die Kirche hat gut getan das Jetzt in die Kathedrale einzubringen. Bei aller Größe bleibt das das Fenster nur ein Detail des immensen Gebäudes. Wenn eine Kirche aus Stein tatsächlich ein Sinnbild für die lebendigen Steine, die aktuelle Gemeinde ist, so ist die Fläche des Fensters immer noch zu klein.

Irgendwann einmal beim Betrachten und Meditieren des Fensters verlor ich die bunten Quadrate aus den Augen und entdeckte das Maßwerk. Es bildet den Rahmen, besser DIE Rahmen für das Fenster. Das Maßwerk bringt (neben der verborgenen Ordnung innerhalb Richters Werk) Ordnung und Ruhe in das bunte, scheinbare Gewirr. Und die Quadrate ordnen sich ein, ordnen sich unter diesen altehrwürdigen Rahmen. So unterschiedlich die sperrigen Gläschen von weniger als einem Quadratdezimeter zu dem für unsere Augen harmonisch wirkenden Maßwerk auch sind, so groß der scheinbare Kontrast, so sehr passen beide auch zusammen, so sehr sind beide zusammen ein meisterliches Bild für Kirche. Das Fenster ist im Ganzen ein modernes Bild für den Leib Christi, der aus vielen, sehr unterschiedlichen Gliedern besteht, aber zusammen ein Ganzes bildet. Es ist ein Sinnbild für die Gemeinschaft von Individuen, die mit ihren Ecken und Kanten sich einfügen in ein großes Ganzes und so Gemeinde bilden.

Gestern fiel am Abend viel Licht durch das Fenster – und auch durch die anderen Fenster der Nordseite. Dort wo das bunte Licht auf die Steine traf wurde es bunt. Es war kein Unterschied zu sehen zwischen dem neuen und den alten Fenstern, das Licht das hindurchglitt malte hier wie dort abstrakte Farbkleckse auf Wände, Pfeiler, den Boden und die Menschen die im Dom umhergingen.

Der Geist weht wo er will.  

paul thek. reliquien. kunst

paul thek war amerikaner. sein deutschstämmiger vater und seine mutter, deren familie irische wurzeln hat, gaben vielleicht einen anreiz die alte welt zu besuchen und zu erforschen, aber so oft paul thek auch in europa lebte, europäer wollte er keiner sein - deutscher schon gar nicht, das sagt er am ende seines lebens sehr deutlich, als eine geplante retrospektive in baden baden platzt.

sehr europäisch war hingegen seine sozialisation im glauben. was man von seiner kindheit weiß oder ahnt schlug hier die irische mutter durch… anfangs noch nicht so deutlich, aber im laufe seines lebens immer klarer kreist er in seinem suchen um gott. er ringt um spiritualität, bezeichnet sich und die wahren künstler überhaupt als priester, die in ihrem eigentlichen tun gottessucher und -vermittler sein sollen. es scheint, als ob paul thek die religiöse institution im besten sinne des wortes “übersieht” und den vollzug und die unmittelbare, untadelige begegnung und beziehung des individuums zu gott allein im auge hat, wenn er von glaube und spiritualität spricht. dabei hat er durchaus die gemeinschaftliche beziehung der einzelnen im blick. er lässt sich von riten und kultgegenständen beeinflussen und inspirieren - prozessionen und vor allem “reliquien” werden ein teil seines oevres.

reliquien. profan: der mensch ist ein wesen das in beziehungen lebt, oder sich nach solchen sehnt. und er lebt in und mit der geschichte. dieses paar -beziehung und geschichte - bringen das zur welt, was wir reliquien nennen: erinnerungsgegenstände an orte, momente und menschen. reliquien sind dinge, die uns erinnern. je näher und authentischer die gegenstände am erinnerungsgegenstand dran ist, je wertvoller ist die reliquie für den sich erinnernden. eine fotographie, ein bild kann erinnerung wachrufen, oder erinnerung sein. ein stein von dem ort, ein ding aus dem besitz oder eine strähne von dem menschen, ein taschentuch mit tränen der freude oder des schmerzes, all das und mehr kann zur reliquie werden. je näher das überbleibsel (reliquie verdeutscht) am geschehen oder am menschen ist, je wertvoller ist sie auch.

in diese richtung geht auch der kult um gräber als letzte ruhestätten, als letzte orte der präsenz. es sind orte der trauer, aber auch orte der verehrung; pilgerorte, wallfahrtsziele. gräber bedeutender menschen zeigen das deutlich, da sind lange nach dem tod der letzten persönlichen bekannten frische blumen und brennen kerzen. kaiserin elisabeth von österreich, um nur eine zu nennen.

es schein also etwas sehr natürliches zu sein, die beziehung zu einem menschen oder einem ort mit bestimmten dingen zu verbinden, zu dokumentieren und somit lebendig zu halten.

reliquien. religiös: die kirche definiert sich per se als gemeinschaft. ecclesia, das sind die herausgerufenen, grundsätzlich alle sind damit gemeint, denn alle sind berufen bürger des reiches gottes zu werden. bürger mit bürgerrecht sind im griechischen die laios, die laien. die entfremdung dieses wortes in unserer sprache und die bedeutung etwa als “gemeiner mann” bzw. ”gemeine frau” kann uns vielleicht helfen zu verstehen, wie breit angelegt und universal die berufung der kirche ist. an mehreren stellen werden in den evangelien die gläubigen als gemeinschaft definiert und zur gemeinde berufen. ein urkatholischer und vom glauben untrennbarer aspekt ist die solidarität untereinander, was in der urgemeinde bis zu einer spannenden form des kommunismuses geführt hat. christen stehen füreinander ein. “was ihr einem meiner geringsten brüder getan habt, das habt ihr mir getan”, sagt jesus selbst. diese solidarität gilt auch für das eintreten der gläubigen untereinander bei gott. so heisst es z.b. im schuldbekenntnis am anfang der wortgottesdienstes: “darum bitte ich (…) euch, brüder und schwestern, für mich zu beten, bei gott unserem herrn.” die solidarität bezieht sich aber nicht nur auf die lebenden, auch die verstorbenen und die engel werden um ihr fürbittendes eintreten gebeten. 

den grossen helden des glaubens, den heiligen, kommt dabei eine besondere rolle zu. ihr heroisches und z.t. spektakuläres leben und sterben machte sie zu herausragenden figuren in der kirchengeschichte. durch ihre geschichten, die in der kirche wieder und wieder erzählt worden sind, um die sich wunderlichste legenden ranken, diese verstorbenen geniessen kultstatus im glauben. ihnen wird besondere nähe und wirkmächtigkeit bei gott zugeschrieben. alles was uns also mit ihnen verbindet, was sie uns präsenter macht, alles das hat hohen wert, denn die heiligen sind nicht nur private helden sondern superstars einer kommunität. dementsprechend wertvoll ist das, was an sie erinnert: dinge die sie berührt oder benutzt haben (kämme, möbel, kleidung), orte an denen sie gelebt haben, gegenstände, die mit ihrem tod in verbindung gebracht werden, und am allerwertvollsten sind ihre körperlichen überreste. natürlich hat diese art der verehrung, der erinnerung und der verbindung mit dem verstorbenen heiligen eine offene flanke ins magische und dunkle, aber vielleicht ist es ja genau das, was den besonderen reiz dabei ausmacht.

reliquien. kunstgeschichte: für die aufbewahrung und auch für den liturgischen gebrauch der reliquien wurden kostbarste und anspruchsvollste kunstwerke geschaffen. schaugefässe und schreine, die den wert ihres inhaltes veranschaulichen sollten, dinge, die dem wert des darin aufbewahrten gerecht werden sollten. die geschichte und das leben des heiligen wurden durch diese gefässe weiter erhöht. der heilige, bzw. das was von ihm übrig blieb, wurde schließlich zu einem wirtschaftsfaktor. betritt ein mensch unserer säkularen zeit die schatzkammern und museen, in denen reliquien, bzw. deren behältnisse ausgestellt sind, so versteht er schwer, wie man silber, gold und edelsteine en mas um ein paar modrige knochen bauen konnte, von denen noch nicht einmal sicher ist, ob sie wirklich von der jeweiligen person stammen und nicht essensreste aus besserem hause sind. für den menschen der jeweiligen zeit waren die knochen aber um ein vielfaches wertvoller als das gehäuse. vielleicht kann man das reliquienwesen mit dem heutigen aktienmarkt vergleichen. die werte dort sind sind ebenfalls nichts greifbares, nichts festes. sie steigen und fallen und sind manchmal das papier nicht wert, auf dem sie stehen. wer aktien kauft, glaubt an den wert des papieres. vielleicht muss man für reliquien sogar weniger glauben investieren, als für aktien in unseren tagen…

reliquien. kunst: aber selbst wenn eine reliquie nicht echt ist, so ist ihre verwendung, ihre zur-schau-stellung und der kult der um sie gemacht wird schon etwas was sie “heiligt”, was sie heraushebt aus dem profanen und sie sakral macht. und wenn es hünerknochen sind: in dem akt der zuordnung und der benennung eines beliebigen heiligen, wird der glaubenden person eine nähe suggeriert, auf die es eigentlich ankommt. reliquien und das was die kirche, bzw. der glaube des volkes mit ihnen gemacht hat, sind im eigentlichen sinne kunst: ein hervorgehobenes objekt verhilft dem betrachter dazu, sich selbst zu übersteigen, hilft zu transzendieren um die welt hinter den dingen zu berühren. die gegenwart der kunst (der reliquie in unserem fall) korrespondiert mit dem betrachter und führt ihn in eine andere welt, bzw. hilft ihm, seine welt mit anderen augen oder in einem anderen licht zu sehen. kunst verwandelt. kunst erhebt. kunst läutert. kunst bewegt. kunst erschüttert.

meine lieblingsreliquie, die all das vereint - glaube und kunst - wird in san marco in rom am piazza venezia aufbewahrt. es ist das reliquiar, das die “finsternis des karfreitags” aufbewahrt. nur beim gedanken an diese reliquie kommen mir die bilder der kindheit vor augen, wie ich mir am karfreitag bei der passion diese finsternis vorstellte, die beim tode des gottessohnes am kreuz über die welt hereinbrach, wie die gräber aufsprangen und die toten herauskamen, wie die erde bebte und die felsen sich spalteten, wie der vorhang im tempel zerriss… alle diese bilder der kindlichen phantasie und das schaurige gefühl der todesstunde am karfreitag sehe und empfinde ich für den augenblick, an dem ich an diese reliquie denke. das ist wahre kunst! ein bösewicht, wer hier nach autentizität fragt. wer immer diese reliquie “gefälscht” hat, es war ein grosser künstler. “die finsternis des karfreitags” hebt sich ab von den sonstigen “klassikern” unter den skurilen reliquien. die feder vom flügel des erzengels gabriel, der milchtropfen aus der brust mariens, das skelet johannes des täufers im alter von 12 jahren, die sandalen jesu oder gar ”Domini Nostri Jesu Christi Diatriba” (was wir aus schamgefühl nicht übersetzen) und dergleichen haben nicht die qualität wie die reliquie von san marco. sie ist in besonderer weise abstrakt, reduziert auf absenz, auf phantasie. man erinnert sich an das kindliche einfangen und vermeintliche konservieren von düften einer blumenwiese oder der ferienbriese am meer, die man in einweck- oder marmeladegläsern mit nach hause gebracht hat.  

reliquien. paul thek: paul thek wuchs in einem katholischen milleau auf. als kind waren stift und pinsel seine bevorzugten beschäftigungsgegenstände. in seiner kunst schaffte er es in frühen jahren immer mehr auf den punkt zu kommen. er reduzierte dinge auf seltsam wesentliches, auf wichtige details, die allerdings das ganze ausblendeten und doch nicht ohne die assoziation des ganzen auskamen. es war eine form des minimalismus. die reduktion auf elementare details kulminierte schließlich bei der betrachtung des reliquienkultes. ein schlüsselerlebnis war dabei der besuch der kapuzinergruft von palermo, als paul thek nach einer mumie griff und in seiner hand das trockene fleisch zu staub zerfiel. “befreiung” nannte er das gefühl, das ihn dabei überkam, als der schauer wich. paul thek be-griff reliquien in diesem moment. es war die inizialzündung für sein skulpturales werk. die technical reliquiarys entstanden: täuschend echte nachahmungen von fleischstücken. befremdlich, eklig, authentisch - er reduzierte auf etwas wesentliches. er führt elementares vor, er vergegenwärtigt die kunst der kirchengeschichte - er zeigt, dass in diesem punkt kunst und glaube sehr viel miteinander zu tun haben, ja identisch sind. in seinem werk proklamiert er religion als die höchste form der kunst.  In einem Interview mit Gene Swenson in Artnews, April 1966, kommentiert er sie: ‘Die Dissonanz der beiden Oberflächen von Glas und Wachs gefallt mir: die eine ist klar und glänzend und hart, die andere ist weich und schleimig. Ich versuche, sie in Einklang zu bringen, ohne einen Bezug herzustellen, oder auch anders herum. Anfangs machte die physische Verwundbarkeit des Wachses die Kästen erforderlich, mittlerweile brauchen die Kästen das Wachs. Die Kästen sind still, ihre Präzision ist wie Zahlen, vernunftgemäß. In einem späteren Interview mit der Kritikerin Emmy Huf in der holländischen Zeitung De Volkskrant vom April 1969 sagt er: ‘In New York gab es damals eine so enorme Tendenz zum Minimalen, zum Nicht-Emotionalen, sogar zum Anti-Emotionalen,daß ich wieder etwas über Gefühle, über die häßliche Seite der Dinge sagen wollte. Ich wollte der Kunst die Merkmale rohen, menschlichen Fleisches zurückgeben. Die Leute haben das für einen sado-masochistischen Trick gehalten. An so etwas habe ich nicht einmal gedacht. Aber wenn sie es so sehen wollten, dann ist das für mich in Ordnung: Sado-Masochismus ist zumindest eine menschliche Eigentschaft, ist zumindest nicht von Menschen gemacht. Als ich merkte, daß die Leute mich nur noch als den Mann mit dem Fleisch kannten, habe ich damit aufgehört.’das (kunst-)werk wird in der kirche nicht nur ausgestellt - das ist der grosse unterschied zum museum - sondern erfährt eine verehrung. dem werk werden andere kunstformen beigesellt, denn das kultbild wird geschmückt, in prozession getragen, mit weihrauch inzensiert, menschen verneigen sich rituell, in manchen ländern wird es berührt, gar geküsst, es wird besungen und in ein grosses ganzes in der liturgie aufgenommen. musik, tanz, lyrik, uvm. vereint sich mit dem bild, bzw. dem gegenstand der verehrung.

paul thek ist kein europäer. ihm fehlt trotz seiner katholischen sozialisierung der frühe umgang mit der mittelalterlichen reliquienverehrung, die gewöhnung an knochen, skeleten und mumien im öffentlichen raum. als amerikaner, der europa bereist erfährt er somit sowohl zugehörigkeit zur welt des (katholischen) glaubens, als auch befremdung über die praktiken und riten, die vor allem in den romanischen ländern des kontinents üblich sind. er entdeckt somit neues, erfährt neue initiation in seiner eigenen identität. die minimalisierung eines menschen und seiner geschichte (und den dazugehörigen mythen) auf ein (noch nicht) verrottetes teil seines körpers, eingehüllt in eine kostbare schutz- und zeigehülle sprachen paul thek in seinem künstlerischen suchen an, gaben ihm die werkzeuge in die hand für seine serie der technologischen reliquiare. die suche theks nach maximalem ausdruck in einem minimierten, bzw. minimalen objekt zeigt sich schon bei seinen bildern, die er unmittelbar vor den technical reliquiarys gemacht hat. kurz zuvor stellte er nämilich eine serie von zeichnungen in rom aus, die unter dem begriff television analyzations zusammengefasst waren. zeichnungen wie aus stummfilmen entnommen, die details eines menschen zeigen: ein schreiender mund, die kiefer- und halspartie einer dame mit perlenkette zu sehen im rahmen eines fernsehaparates. reduzierung auf eine momentaufnahme und auf ein detail. 

wie schon der fernsehkasten eine hülle für das gezeigte bild ist, so sind auch die reliquiare zu sehen. hülle, rahmen, fassung, aber vor allem kontrast. ist das eine “clear and shiny and hard”, so ist das aufbewahrte darin, “soft and slimy” (tales the tortoise taught us 30). er verwendet modernste materialien und futuristisches design für die reliquiare und besetzt sie mit maximaler “realität”, wie er es nannte: meat pieces - fleischstücken. “das ist die botschaft, die diese aseptisch eingefärbten apparate in umlauf bringen: enthäutete muskeln, rohe fasern, sehnen, sekrete, knochensplitter und zähne - ein strom aus dem stoff, der nur unter schmerzen und in ausnahmesituationen sichtbar wird.” (30)

für kolumba ist paul thek ein glücksfall. auch mehr als 40 jahre nach entstehung dieser kunstwerke haben sie nichts von ihrer aktualität verloren. sie verunsichern, verstören und korrespondieren in diesem kunstmuseum der kirche wohl mehr als in jedem anderen aufbewahrungsort für zeitgenössische kunst. paul thek suchte im laufe seines lebens immer mehr den kontakt zu einem kloster, ja er wollte später sogar mönch werden. schließlich kam ihm die diagnose aids der aufnahme als novize noch zuvor. die institution museum sah thek sehr kritisch. diese war für ihn das grab für tote kunst. solange kunst “lebt” hat sie dort nichts verloren - und danach ist es ein unort. kolumba ist vielleicht mehr ein schrein als ein museum und paul theks werke sind dort lebendiger als andernorts.

zeichnungen zur weihe 2004

hier bin ich - adsum - in deine hände

adsum - hier bin ich - in deine hände

form

wenig ist noch erhalten aus den alten irischen klöstern. meisst stehen nur noch wenige ruinen, vielleicht ein rundturm oder hochkreuze. die schätze dieser klöster sind fast allesamt verloren. was sich aber erhalten hat, das zeugt von einer grossartigen kultur.

wie sah ritus, liturgie und kult in diesen klöstern aus? wie wurde mit diesen grossen kelchen und patenen umgegangen? welche gewänder wurden getragen? die betrachtung des alten regt zu neuem an.

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