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Archive für 8.10.2010

r.i.p. prof. James McEvoy (+ 2.10.2010)

“das drama der menschheit wird mit jedem kind neu geboren” (james mcEvoy).

er war ein pan tau, der durch sein wesen und mit seinem intellekt berge versetzen konnte und brücken schlagen zwischen fernen welten. als ich vor jahren meine ersten schritte über den campus von maynooth wagte - einige tage vor semesterbeginn - da stand er plötzlich vor mir und fragte wer und was ich bin und antwortete meinem akzent entsprechend in meiner sprache. “ich unterrichte hier philosophie”, sagte er bescheiden, “und würde mich freuen, wenn wir uns in einem kurs wiedersehen”.

im master-seminar zitierte er nietzsche aus dem kopf in deutsch, platon in griechisch, montaigne in französisch. von nietzsche musste ich ihm eine cd besorgen. musik, vom “ketzer” selbst komponiert. er mochte ihn nicht. den religionskritikern unter den philosophen ordnete er sinnesorgane zu: nietzsche war der philosoph der nase, denn dieser roch im heiligsten noch den teufel…

er war leise in der welt, aber er sagte was zu sagen war. er gab richtung und halt und auch die freiheit ganz anderes zu tun. james mcEvoy war ein mann der mit wenigen worten und gesten viel sagen konnte. mehr als es bedurfte gab er nicht von sich. er war ein gentleman der sich mit dem mann von der straße ebenso austauschen konnte wie mit dem kontrahenten am tisch der professoren.

staunen und freude waren für ihn wichtig. es schmerzte ihn wenn er sah wie menschen die schnelle befriedigung suchten, “fun” mit “joy” verwechselten und alles nur noch “fast” gehen musste: “fast food, fast sex, fast liturgy…”. in diese neue welt passte auch die passionsfrömmigkeit nicht mehr, mit der, wie er sagte, alle spiritualität steht und fällt.

pan tau streicht an seinem hut und verschwindet. aber er hinterlässt ein bischen zauber in der welt. james mcEvoy auch: er polterte nicht in der welt, aber er hintelässt mit seinen leisen worten rettungsinseln für den fall, dass es um uns herum zu schnell wird.

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