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Archive für 9.3.2010
Verhüllung - Fastenzeit
9.3.2010 by admin.
Verhüllung.
Sie sehen noch viel zu viel!
Eigentlich sollten Sie gar kein Bild und kein Gold mehr sehen, keine Ranken und Girlanden, kein Zierrat. Es ist Fastenzeit! Über 100 Meter Stoff reichten gerade für eine Sichtbehinderung auf den Hochaltar und die Verhüllung eines Teiles des Benediktusaltares.
Das Verhüllen von Bildern in der Kirche hat eine lange Tradition. Sie ist eigentlich so alt wie die Bilder in der Kirche selbst. Damals, als ein Bildnis nicht nur zur Dekoration diente, war ein Bild oder eine Statue im sakralen Raum ständig mit Aktion verbunden. Eingebunden in das Kirchenjahr wurde das Bild geschmückt, verhüllt, herumgetragen und durch verschiedenste offizielle und private Rituale verehrt. Die mittelalterlichen Flügelaltäre sind ein Zeugnis dafür: nur zu den hohen Feiertagen zeigte sich der prächtige Schrein in der Mitte, flankiert von reich bebilderten Klapptafeln. Während des Kirchenjahres waren die Flügel geschlossen und während der Fastenzeit ganz verhängt. Anfänglich mit schmucklosen Tüchern, denn es ging um das verbergen, dann wurden Szenen der Passion darauf gemalt. Diese Tradition lebt z.B. in den Misereor-Hungertüchern weiter. Erst die Dekadenz unserer Tage lässt uns immer alles sehen und konsumieren wann immer uns danach ist. Und die Kirche macht mit und verkommt damit zum Museum, das gerne zeigt, was sie hat. Es ist eine Form von Exhibitionismus, es wird meist unbewusst versucht mitzuhalten mit den vielen Bildern die uns in unserem Alltag überfluten. Doch dabei können wir nur verlieren. Alles was uns ständig zur Verfügung steht, was wir immer sehen und erleben können, daran gewöhnen wir uns. Es wird gewöhnlich bis wir es plötzlich übersehen, weil wir uns abgewöhnt haben, es wahrzunehmen. Wir sind satt. Die katholische Kirche ist die Kirche der Bilder, aber wir haben verlernt mit ihnen umzugehen.
Mit der Verhüllung unserer Kirche erleben Sie den Raum neu. Sie sehen neu, vielleicht auch Anderes als sonst. Vielleicht ist Ihre Neugier geweckt und sie kommen ins Überlegen, was die Tücher verhüllen… wie das nochmal war hinter dem Tuch? Und Sie sehnen sich hoffentlich auf die Osternacht, in der die Sicht auf unsere festliche Kirche während des Glorias wieder ganz frei gegeben wird. „Und die Touristen?“ wurde ich gefragt. Museum oder Gotteshaus? Als Priester dieser Kirche möchte ich, dass auch die Gäste unserer Kirche mehr mitnehmen können als ein wackeliges und doch nur scheinbar vollständiges Foto. Wer jetzt in diese Kirche kommt, erlebt den Raum indem sich eine lebendige Gemeinde versammelt und miteinander Leben und Hoffnung feiert. Hier wird getauft, geheiratet und beerdigt. Wer jetzt den Kirchenraum betritt merkt, dass dieses Haus lebt und sich ändert, so wie sich unser Leben ständig ändert. Schätze werden hervorgeholt und wieder verwahrt.
Fasten, auch das Fasten mit den Augen, schafft ein neues Wahrnehmen, Wertschätzen und Lieben.
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