Infos

Sie befinden sich aktuell in den ralf’s blog Blog-Archiven für den folgenden Tag 21.10.2009.

Oktober 2009
S M D M D F S
« Sep   Nov »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031
Links

Archive für 21.10.2009

Zweites Vatikanisches Konzil: Apostolicam Actuositatem (1965)

DECREE ON THE APOSTOLATE OF THE LAITY
APOSTOLICAM ACTUOSITATEM
SOLEMNLY PROMULGATED BY HIS HOLINESS,
POPE PAUL VI
ON NOVEMBER 18, 1965

(…)

7. God’s plan for the world is that men should work together to renew and constantly perfect the temporal order. All those things which make up the temporal order, namely, the good things of life and the prosperity of the family, culture, economic matters, the arts and professions, the laws of the political community, international relations, and other matters of this kind, as well as their development and progress, not only aid in the attainment of man’s ultimate goal but also possess their own intrinsic value. This value has been established in them by God, whether they are considered in themselves or as parts of the whole temporal order. “God saw that all He had made was very good” (Gen. 1:31). This natural goodness of theirs takes on a special dignity as a result of their relation to the human person, for whose service they were created. It has pleased God to unite all things, both natural and supernatural, in Christ Jesus “so that in all things He may have the first place” (Col. 1:18). This destination, however, not only does not deprive the temporal order of its independence, its proper goals, laws, supports, and significance for human welfare but rather perfects the temporal order in its own intrinsic strength and worth and puts it on a level with man’s whole vocation upon earth.

In the course of history, the use of temporal things has been marred by serious vices. Affected by original sin, men have frequently fallen into many errors concerning the true God, the nature of man, and the principles of the moral law. This has led to the corruption of morals and human institutions and not rarely to contempt for the human person himself. In our own time, moreover, those who have trusted excessively in the progress of the natural sciences and the technical arts have fallen into an idolatry of temporal things and have become their slaves rather than their masters.

The whole Church must work vigorously in order that men may become capable of rectifying the distortion of the temporal order and directing it to God through Christ. Pastors must clearly state the principles concerning the purpose of creation and the use of temporal things and must offer the moral and spiritual aids by which the temporal order may be renewed in Christ.

The laity must take up the renewal of the temporal order as their own special obligation. Led by the light of the Gospel and the mind of the Church and motivated by Christian charity, they must act directly and in a definite way in the temporal sphere. As citizens they must cooperate with other citizens with their own particular skill and on their own responsibility. Everywhere and in all things they must seek the justice of God’s kingdom. The temporal order must be renewed in such a way that, without detriment to its own proper laws, it may be brought into conformity with the higher principles of the Christian life and adapted to the shifting circumstances of time, place, and peoples. Preeminent among the works of this type of apostolate is that of Christian social action which the sacred synod desires to see extended to the whole temporal sphere, including culture.(2)

Johannes Paul II. Predigt zum Abschluss der Restaurierung der Sixtinieschen Kapelle

ABSCHLUSS DER RESTAURIERUNGSARBEITEN AN DEN FRESKEN
DES MICHELANGELO IN DER SIXTINISCHEN KAPRELLE

PREDIGT VON JOHANNES PAUL II.

   8. April 1994 
 

1. »Ich glaube an den einen Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge«.

Wir betreten heute die Sixtinische Kapelle, um ihre herrlich restaurierten Fresken zu bewundern. Es sind Werke der größten Meister der Renaissance: vor allem Michelangelos, aber auch von Perugino, Botticelli, Ghirlandaio, Pinturicchio und anderen. Zum Abschluß dieser delikaten Restaurierungsarbeiten möchte ich Euch allen danken, die Ihr hier anwesend seid, und zumal jenen, die in verschiedener Weise ihren Beitrag für eine so edle Aufgabe geleistet haben. Es geht um ein Kulturgut von unschätzbarem Wert, um ein Gut von universalem Charakter. Das bezeugen die unzähligen Pilger aus allen Nationen der Welt, die diesen Ort aufsuchen, um das Werk größter Meister zu bewundern und in dieser Kapelle eine Art wunderbarer Zusammenfassung der Malkunst zu erkennen.
Leidenschaftliche Liebhaber des Schönen haben sodann einen Beweis ihrer Aufgeschlossenheit geboten mit dem konkreten und erheblichen Beitrag, den sie zur Verfügung gestellt haben, um dieser Kapelle ihre ursprüngliche Farbenfrische zurückzugeben. Wir konnten uns ferner auf die Arbeit von Fachleuten verlassen, die in der Restaurierungstechnik besonders erfahren sind. Sie haben sich bei ihrer Arbeit der fortgeschrittensten und sichersten Techniken bedient. Der Hl. Stuhl spricht allen seinen herzlichen Dank für das erreichte glänzende Ergebnis aus.

2. Die Fresken, die wir hier betrachten, führen uns in die Welt der Offenbarungsinhalte ein. Die Wahrheiten unseres Glaubens sprechen uns hier von überallher an. An ihnen hat sich der menschliche Genius inspiriert und sich bemüht, sie in unvergleichliche Schönheit zu kleiden. Deshalb weckt zumal das Jüngste Gericht in uns das lebhafte Verlangen, unseren Glauben an Gott, den Schöpfer aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge, zu bekennen. Zugleich regt es uns an, unsere Treue zum auferstandenen Christus zu bekräftigen, der am Jüngsten Tag wiederkommen wird als oberster Richter der Lebenden und der Toten. Vor diesem Meisterwerk bekennen wir Christus, den König aller Zeiten, dessen Reich kein Ende haben wird.

Gerade dieser ewige Sohn, dem der Vater das Werk der Erlösung des Menschen anvertraut hat, spricht in der dramatischen Szene des Jüngsten Gerichtes zu uns. Wir stehen vor einem ungewöhnlichen Christus. Er trägt in sich eine antike Schönheit, die in einem gewissen Sinn von den üblichen Darstellungen in der Malerei abweicht. Auf diesem gewaltigen Fresko offenbart er uns vor allem das Geheimnis seiner mit der Auferstehung verbundenen Herrlichkeit. Daß wir hier in der Osteroktav versammelt sind, müssen wir als äußerst glücklichen Umstand betrachten. Wir stehen vor allem vor der Herrlichkeit der Menschheit Christi. Er wird ja in seiner Menschheit kommen, um die Lebenden und die Toten zu richten. Er wird die Tiefen des menschlichen Bewußtseins durchdringen und die Macht seiner Erlösung offenbaren. Aus diesem Grund finden wir an seiner Seite die Mutter, die “Erhabene Gefährtin des Erlösers”. Christus ist innerhalb der Geschichte der Menschheit der wahre Eckstein, von dem der Psalmist sagt: “Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden” (Ps 118, 22). Dieser Stein kann daher nicht verworfen werden. Als einziger Mittler zwischen Gott und den Menschen drückt der Christus der Sixtinischen Kapelle in sich das ganze Geheimnis der Sichtbarkeit des Unsichtbaren aus.

3. Damit befinden wir uns im Mittelpunkt der theologischen Frage. Das Alte Testament schloß jedes Bild, jede Darstellung des unsichtbaren Schöpfers aus. Denn dieses Gebot hatte Moses von Gott auf dem Berg Sinai erhalten (vgl. Ex 20, 4), weil die Gefahr bestand, daß das zum Götzendienst neigende Volk in seinem Gottesdienst bei einem Bild Gottes stehenbliebe, der doch undarstellbar ist, weil er über jede Vorstellungskraft und jede Auffassung des Menschen erhaben ist. Das Judentum ist dieser Überlieferung treu geblieben und hat keine Darstellung des lebendigen Gottes zugelassen, weder in den Häusern des Gebetes noch im Tempel von Jerusalem. Einer ähnlichen Überlieferung hängen die Mitglieder der muslimischen Religion an, die an einen unsichtbaren, allmächtigen und barmherzigen Gott glauben, den Schöpfer und Richter eines jeden Geschöpfes.

Doch Gott selbst ist den Bedürfnissen des Menschen entgegengekommen, der. in seinem Herzen den brennenden Wunsch hegt, ihn sehen zu können. Hat denn nicht Abraham den unsichtbaren Gott in dem wunderbaren Besuch dreier geheimnisvoller Persönlichkeiten aufgenommen? “Er sah drei und betete Einen an” (vgl. Gen 18, 1-14). Angesichts dieser drei Personen erfuhr Abraham, der Vater unseres Glaubens, in tiefer Weise die Anwesenheit des Einen und Einzigen. Diese Begegnung sollte dann zum Thema der unvergleichlichen Ikone von Andrei Rublev, des Gipfels der russischen Malerei, werden. Rublev war einer von jenen heiligen Künstlern, deren Kreativität die Frucht tiefer Kontemplation, des Gebets und des Fastens war. Durch ihr Werk drückte sich die Dankbarkeit der Seele dem unsichtbaren Gott gegenüber aus, der dem Menschen gestattet, ihn in sichtbarer Gestalt darzustellen.

4. Dies alles wurde vom Zweiten Konzil von Nizäa, dem letzten der ungeteilten Kirche, aufgenommen, das endgültig die Auffassung der Ikonoklasten ablehnte und die Berechtigung der Gewohnheit bestätigte, den Glauben in künstlerischen Darstellungen auszudrücken. Die Ikone ist also nicht nur ein Werk der Malerei. Sie ist in einem bestimmten Sinn gleichsam ein Sakrament des christlichen Lebens, denn in ihr wird das Geheimnis der Menschwerdung präsent. In ihr spiegelt sich in immer neuer Weise das Geheimnis des menschgewordenen Wortes wider und der Mensch - Autor des Kunstwerks und zugleich Teilhaber an seinem Geheimnis - freut sich über die Sichtbarkeit des Unsichtbaren.

Hat nicht Christus selbst den Grund zu dieser geistlichen Freude gelegt? “Herr, zeige uns den Vater, das genügt uns” - so bittet Philippus im Abendmahlssaal am Vorabend des Leidens Christi. Jesus antwortet: “Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen… Glaubst du nicht, daß ich im Vater bin und daß der Vater in mir ist?” (Joh 14, 8-10). Christus ist die Sichtbarkeit des unsichtbaren Gottes. Durch ihn durchdringt der Vater die gesamte Schöpfung, und der unsichtbare Gott wird unter uns gegenwärtig und tauscht sich mit uns aus, so wie die drei Persönlichkeiten, von denen die Bibel spricht, sich mit Abraham an den Tisch setzten und mit ihm speisten.

5. Hat nicht auch Michelangelo aus den Worten Christi “Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen” klare Schlüsse gezogen? Er hatte den Mut, mit eigenen Augen diesen Vater zu bewundern in dem Augen blick, da er das “Es werde” des Schöpfers spricht und den ersten Menschen ins Dasein ruft. Adam wurde nach dem Bild und Gleichnis Gottes erschaffen (vgl. Gen 1, 26). Während das ewige Wort die unsichtbare Ikone des Vaters ist, ist der Mensch Adam seine sichtbare Ikone. Michelangelo bemüht sich in jeder Weise, dieser Sichtbarkeit Adams, seiner Körperlichkeit die Züge der antiken Schönheit zu geben. ja, er überträgt mit unerhörter Kühnheit diese sichtbare und körperliche Schönheit auf den unsichtbaren Schöpfer. Wir stehen hier vielleicht vor einem ungewöhnlichen Wagnis der Kunst, weil man dem unsichtbaren Gott nicht die dem Menschen eigene Sichtbarkeit auferlegen kann. Wäre das nicht eine Gotteslästerung? Es bleibt aber schwierig, im sichtbaren und vermenschlichten Schöpfer nicht den mit unendlicher Majestät bekleideten Gott zu erkennen. ja, in der Form des Bi/des mit seinen ihm eigenen Grenzen wurde hier alles gesagt, was sagbar war. Die Majestät des Schöpfers wie die des Richters spricht von der göttlichen Größe: ein ergreifendes und eindeutiges Wort, wie auf andere Weise auch die Pietà in der Vatikanischen Basilika und der Moses in der Basilika St. Peter in Ketten (S. Pietro in Vincoli) ergreifend und eindeutig sind.

6. Ist im menschlichen Ausdruck der göttlichen Geheimnisse nicht die “kenosis” notwendig als Entäußerung von dem, was körperlich und sichtbar ist? Eine solche Entäußerung ist gut erkennbar in die Tradition der christlichen Ikonen des Ostens eingegangen. Der Leib ist gewiß die “kenosis” Gottes. Lesen wir doch beim hl. Paulus, daß Christus “sich selbst entäußerte, indem er Knechtsgestalt annahm” (Phil 2, 7). Wenn es aber wahr ist, daß der Leib die “kenosis” Gottes darstellt und daß in der künstlerischen Darstellung der göttlichen Geheimnisse die große irdische Niedrigkeit des Körpers zum Ausdruck kommen muß, damit das, was göttlich ist, sichtbar werden kann, so ist zugleich wahr, daß Gott die Quelle der integralen Schönheit des Leibes ist.

Es scheint, daß Michelangelo sich auf seine Weise vom eindrucksvollen Wort des Buches Genesis hat leiten lassen, das zur Erschaffung des Menschen als Mann und Frau hinzufügt: “Sie waren nackt, aber sie schämten sich nicht” (Gen 2, 25). Die Sixtinische Kapelle ist geradezu - wenn man so sagen kann - das Heiligtum der Theologie des menschlichen Leibes. Wenn sie von der Schönheit des Menschen Zeugnis gibt, der von Gott als Mann und Frau geschaffen wurde, so spricht sie zugleich in gewisser Weise die Hoffnung auf eine verklärte Welt aus, die Welt, die vom auferstandenen Christus eröffnet wurde und vorher noch vom Christus auf dem Berg Tabor. Wir wissen, daß die Verklärung eine der hauptsächlichsten Quellen der orientalischen Frömmigkeit ist; sie ist ein beredtes Buch für die Mystiker - wie für den hl. Franziskus der auf dem Monte La Verna betrachtete gekreuzigte Christus gleichsam ein offenes Buch war.

Wenn wir vor dem Jüngsten Gericht vom Glanz und Staunen geblendet werden, wo wir auf der einen Seite die verklärten Leiber bewundern und auf der anderen jene, die zur ewigen Verdammung bestimmt sind, verstehen wir auch, daß das gesamte Bild von einem einzigen Licht und einer einzigen künstlerischen Logik durchdrungen ist: vom Licht und der Logik des Glaubens, den die Kirche verkündet, wenn sie bekennt. “Ich glaube an den einen Gott… Schöpfer des Himmels und der Erde, aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge.” Aufgrund dieser Logik bewahrt im Licht, das von Gott kommt, auch der menschliche Leib seinen Glanz und seine Würde. Löst man ihn dagegen aus dieser Dimension heraus, so wird er gewissermaßen zum Objekt, das man sehr leicht erniedrigen kann, weil nur in den Augen Gottes der menschliche Leib nackt und unbedeckt bleiben und zugleich seinen Glanz und seine Schönheit unversehrt bewahren kann.

7. Die Sixtinische Kapelle ist der Ort, der für jeden Papst auch die Erinnerung an einen besonderen Tag in seinem Leben bewahrt. Für mich geht es um den 16. Oktober 1978. Gerade hier, in diesem heiligen Raum, versammeln sich die Kardinäle und warten auf die Äußerung des Willens Christi für die Person des Nachfolgers des hl. Petrus. Hier habe ich aus dem Mund meines ehemaligen Rektors, Maximilien de Fürstenberg, die bezeichnenden Worte gehört. “Der Meister ist da und ruft dich.” Hier hat mir der Kardinal Primas von Polen, Stefan Wyszynski, gesagt: “Wenn sie dich wählen, lehne bitte nicht ab.” Hier habe ich im Geist des Gehorsams gegen Christus und indem ich mich seiner Mutter anvertraute die vom Konklave vollzogene Wahl angenommen und dem Kardinal Camerlengo, Jean Villot, meine Bereitschaft erklärt, der Kirche zu dienen. So ist also die Sixtinische Kapelle einmal mehr vor der gesamten Gemeinschaft der Katholiken der Ort des Wirkens des Heiligen Geistes gewesen, der in der Kirche die Bischöfe bestellt, in besonderer Weise aber den, der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus sein soll.

Wenn ich heute das heilige Meßopfer in dieser Kapelle im sechzehnten Jahr meines Dienstes für den Apostolischen Stuhl feiere, bitte ich den Geist des Herrn, er möge nicht aufhören, in der Kirche anwesend und tätig zu sein. Ich bitte ihn, daß er sie glücklich ins dritte Jahrtausend führe. Ich rufe Christus an, den Herrn der Geschichte, er möge bei uns allen bleiben bis zum Ende der Welt, wie er selbst verheißen hat. “Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt” (Mt 28, 20).

Sacramentum caritatis. 22.2.2007 nachsynodales Schreiben. Absätze 34-41

(…) ZWEITER TEIL

EUCHARISTIE, EIN GEHEIMNIS, DAS MAN FEIERT

„Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel“ (Joh 6,32)

Lex orandi und lex credendi

34. Die Bischofssynode hat viel über die innere Beziehung zwischen eucharistischem Glauben und liturgischer Feier nachgedacht. Sie hat dabei die Verknüpfung von lex orandi und lex credendi hervorgehoben und den Vorrang der liturgischen Handlung betont. Man muss die Eucharistie als authentisch gefeiertes Glaubensgeheimnis erleben, in dem klaren Bewusstsein, dass „der intellectus fidei … von Anfang an immer mit der liturgischen Handlung [der Kirche] verbunden“ ist.105

In diesem Bereich kann die theologische Reflexion niemals von der sakramentalen Ordnung absehen, die von Christus selbst eingesetzt ist. Andererseits kann die liturgische Handlung niemals allgemein betrachtet werden, unabhängig vom Glaubensgeheimnis. Die Quelle unseres Glaubens und der eucharistischen Liturgie ist ja ein und dasselbe Ereignis: die Selbsthingabe Christi im Pascha-Mysterium. 105 Relatio post disceptationem, 4: L’Osservatore Romano (dt.) 35. Jg. Nr. 45, S.12.)

Schönheit und Liturgie

35. Die Beziehung zwischen geglaubtem und gefeiertem Mysterium zeigt sich in besonderer Weise im theologischen und liturgischen Wert der Schönheit. Die Liturgie hat nämlich, wie übrigens auch die christliche Offenbarung, eine innere Verbindung zur Schönheit: Sie ist veritatis splendor. In der Liturgie leuchtet das Pascha-Mysterium auf, durch das Christus selbst uns zu sich hinzieht und uns zur Gemeinschaft ruft. In Jesus betrachten wir – wie der hl. Bonaventura zu sagen pflegte – die Schönheit und den Glanz des Ursprungs.106

Dieses Merkmal, auf das wir uns berufen, ist nicht nur bloßer Ästhetizismus, sondern eine Art und Weise, wie die Wahrheit der Liebe Gottes in Christus uns erreicht, uns fasziniert, uns begeistert und so bewirkt, dass wir aus uns herausgehen und zu unserer wahren Berufung hingezogen werden: zur Liebe.107 Schon in der Schöpfung lässt Gott sich erahnen in der Schönheit und der Harmonie des Kosmos (vgl. Weish 13,5; Röm 1,19–20). Im Alten Testament finden wir dann eingehende Zeichen des Glanzes der Macht Gottes, der sich mit seiner Herrlichkeit durch die Wunder offenbart, die er im erwählten Volk geschehen lässt (vgl. Ex 14; 16,10; 24,12–18; Num 14,20–23). Im Neuen Testament findet diese Epiphanie der Schönheit ihre endgültige Erfüllung in der Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus:108 Er ist die vollständige Offenbarung der göttlichen Herrlichkeit. In der Verherrli- 106 Vgl. Serm. 1,7; 11,10; 22,7; 29,76: Sermones dominicales ad fidem codicum nunc denuo editi, Grottaferrata 1977, S. 135, 209 f., 292 f., 337;      Benedikt XVI., Botschaft an die kirchlichen Bewegungen und an die neuen Gemeinschaften (22. Mai 2006): AAS 98 (2006), 463.     107 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Past. Konst. über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, 22.      108 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dogm. Konst. über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, 2.4. )

chung des Sohnes leuchtet die Herrlichkeit des Vaters auf und überträgt sich (vgl. Joh 1,14; 8,54; 12,28; 17,1). Diese Schönheit ist jedoch nicht eine bloße Harmonie der Formen; „der Schönste von allen Menschen“ (Ps 45 [44],3) ist geheimnisvollerweise auch derjenige, der „keine schöne und edle Gestalt“ hatte, „so dass wir ihn anschauen mochten“ (Jes 53,2). Jesus Christus zeigt uns, wie die Wahrheit der Liebe auch das dunkle Geheimnis des Todes in das strahlende Licht der Auferstehung zu verklären vermag. Hier überragt der Glanz der Herrlichkeit Gottes jede innerweltliche Schönheit. Die wahre Schönheit ist die Liebe Gottes, die sich uns endgültig im Pascha-Mysterium offenbart hat. Die Schönheit der Liturgie ist Teil dieses Geheimnisses; sie ist höchster Ausdruck der Herrlichkeit Gottes und stellt in gewissem Sinne ein Sich-Herunterbeugen des Himmels auf die Erde dar. Die Gedächtnisfeier des Erlösungsopfers trägt die Züge jener Schönheit Jesu in sich, die Petrus, Jakobus und Johannes uns bezeugt haben, als der Meister sich auf dem Weg nach Jerusalem vor ihnen verklärte (vgl. Mk 9,2). Die Schönheit ist demnach nicht ein dekorativer Faktor der liturgischen Handlung; sie ist vielmehr ein für sie konstitutives Element, insofern sie eine Eigenschaft Gottes selbst und seiner Offenbarung ist. All das muss uns bewusst machen, mit welcher Sorgfalt darauf zu achten ist, dass die liturgische Handlung ihrem Wesen gemäß erstrahlt.

D

IE EUCHARISTIEFEIER, EIN WERK DES „CHRISTUS TOTUS“. Christus totus in capite et in corpore

36. Das eigentliche Subjekt der inneren Schönheit der Liturgie ist der auferstandene und im Heiligen Geist verherrlichte Christus, der die Kirche in sein Handeln einschließt.109 In diesem Zusammenhang ist es recht eindrucksvoll, sich die Worte des hl. Augustinus ins Gedächtnis zu rufen, die in wirkungsvoller Weise diese der Eucharistie eigene Dynamik des Glaubens beschreiben. Der große Heilige von Hippo hebt gerade in Bezug auf das eucharistische Mysterium hervor, wie Christus selbst uns in sich aufnimmt: „Das Brot, das ihr auf dem Altar seht, ist, geheiligt durch das Wort Gottes, der Leib Christi. Der Kelch, oder besser: das, was der Kelch enthält, ist, geheiligt durch das Wort Gottes, Blut Christi. Mit diesen [Zeichen] wollte Christus, der Herr, uns seinen Leib anvertrauen und sein Blut, das er für uns zur Vergebung der Sünden vergossen hat. Wenn ihr beides in rechter Weise empfangen habt, seid ihr selber das, was ihr empfangen habt.“110 Darum „sind wir nicht nur Christen geworden, sondern wir sind Christus selbst geworden“.111 Von hier aus können wir das geheimnisvolle Handeln Gottes betrachten, das zur tiefen Einheit zwischen uns und Jesus, dem Herrn, führt: „Man muss nämlich nicht glauben, Christus sei im Haupt, ohne auch im Leib zu sein: Er ist ganz und gar im Haupt und im Leib.“112

Eucharistie und der auferstandene Christus

37. Da die eucharistische Liturgie wesentlich actio Dei ist, die uns durch den Geist in Jesus hineinzieht, ist ihr Fundament unserer Willkür entzogen und darf nicht die Erpressung durch Modeströmungen des jeweiligen Augenblicks erfahren. Auch hier gilt die unumstößliche Aussage des hl. Paulus: „Einen anderen (109

Vgl. Propositio 33.       110 Sermo 227,1: PL 38, 1099.      111 Augustinus, In Iohannis Evangelium Tractatus, 21,8: PL 35, 1568.       112 Ebd., 28,1: PL 35, 1622.)    

Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus“ (1 Kor 3,11). Und wiederum ist es der Völkerapostel, der uns in Bezug auf die Eucharistie versichert, er überliefere uns nicht eine von ihm selbst entwickelte Lehre, sondern das, was er seinerseits empfangen habe (vgl. 1 Kor 11,23). Die Feier der Eucharistie schließt nämlich die lebendige Überlieferung ein. Die Kirche feiert das eucharistische Opfer im Gehorsam gegenüber dem Auftrag Christi, ausgehend von der Erfahrung des Auferstandenen und der Ausgießung des Heiligen Geistes. Aus diesem Grund versammelt sich die christliche Gemeinde zur fractio panis von Anfang an am Tag des Herrn. Der Tag, an dem Christus von den Toten auferstanden ist, der Sonntag, ist auch der erste Tag der Woche, derjenige, in dem die alttestamentliche Überlieferung den Beginn der Schöpfung sah. Der Tag der Schöpfung ist nun der Tag der „neuen Schöpfung“ geworden, der Tag unserer Befreiung, an dem wir des gestorbenen und auferstandenen Christus gedenken.113

ARS CELEBRANDI

38. Während der Synodenarbeit ist mehrfach nachdrücklich auf die Notwendigkeit hingewiesen worden, jede mögliche Trennung zwischen der ars celebrandi, d. h. der Kunst des rechten Zelebrierens, und der vollen, aktiven und fruchtbaren Teilnahme aller Gläubigen zu überwinden. Tatsächlich ist die geeignetste Methode, die Teilnahme des Gottesvolkes am sakralen Ritus zu begünstigen, den Ritus selbst in angemessener Weise zu feiern. Die ars celebrandi ist die beste Bedingung für die actuosa participatio.114

Die ars celebrandi entspringt aus dem treuen (113 Vgl. Propositio 30. Auch die heilige Messe, die die Kirche während der Woche feiert und zu der sie die Gläubigen einlädt, findet ihre eigentliche Form im Tag des Herrn, im Tag der Auferstehung Christi: Propositio 43. 114 Vgl. Propositio 2. )

Gehorsam gegenüber den liturgischen Normen in ihrer Vollständigkeit, denn gerade diese Art zu zelebrieren ist es, die seit zweitausend Jahren das Glaubensleben aller Gläubigen sicherstellt, die dazu berufen sind, die Zelebration als Gottesvolk, als königliches Priestertum, als heiliger Stamm zu erleben (vgl. 1 Petr 2,4–5.9).115

Der Bischof, Liturge schlechthin

39. Auch wenn das ganze Gottesvolk an der eucharistischen Liturgie teilnimmt, kommt jedoch in Bezug auf die rechte ars celebrandi denen, die das Sakrament der Weihe empfangen haben, eine unumgängliche Aufgabe zu. Bischöfe, Priester und Diakone müssen – jeder seinem Grad entsprechend – die Zelebration als ihre Hauptpflicht betrachten.116

Das betrifft vor allem den Diözesanbischof: Er ist nämlich „der erste Spender der Geheimnisse Gottes in der ihm anvertrauten Teilkirche, ist der Leiter, Förderer und Hüter des gesamten liturgischen Lebens“. 117 All das ist für das Leben der Teilkirche entscheidend, nicht nur, weil die Gemeinschaft mit dem Bischof die Bedingung für die Rechtmäßigkeit jeder Zelebration auf seinem Gebiet ist, sondern auch, weil er selbst der Liturge seiner Kirche (115 Vgl. Propositio 25.       116 Vgl. Propositio 19. Die Propositio 25 sagt dazu genauer: „Eine authentische liturgische Handlung drückt die Heiligkeit des eucharistischen Mysteriums aus. Diese müsste in den Worten und in den Handlungen des zelebrierenden Priesters durchscheinen, während er sowohl mit den Gläubigen als auch für sie bei Gott Vater Fürbitte leistet.“ 117 Grundordnung des Römischen Messbuchs, 22; vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, 41; Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Redemptionis Sacramentum (25. März 2004), 19–25: AAS 96 (2004), 555–557.)

schlechthin ist.118

Ihm obliegt es, die harmonische Einheit der Zelebrationen in seiner Diözese zu bewahren. Darum ist es „seine Sache, darauf zu achten, dass die Priester, die Diakone und die christgläubigen Laien den eigentlichen Sinn der liturgischen Riten und der Texte immer tiefer verstehen und so zur tätigen und fruchtbaren Feier der Eucharistie geführt werden“.119 Im Besonderen ermahne ich, das Nötige zu tun, damit die vom Bischof abgehaltenen liturgischen Feiern in der Kathedral-Kirche in voller Beachtung der ars celebrandi geschehen, so dass sie als Vorbild für alle über das Gebiet verstreuten Kirchen betrachtet werden können.120

Die Beachtung der liturgischen Bücher und des Reichtums der Zeichen

40. Mit der Betonung der Wichtigkeit der ars celebrandi wird folglich auch die Bedeutung der liturgischen Vorschriften deutlich. 121

Die ars celebrandi muss das Gespür für das Heilige fördern und sich äußerer Formen bedienen, die zu diesem Gespür erziehen, zum Beispiel der Harmonie des Ritus, der liturgischen Gewänder, der Ausstattung und des heiligen Ortes. Dort, wo die Priester und die für die liturgische Pastoral Verantwortlichen sich bemühen, die gültigen liturgischen Bücher und die entsprechenden Vorschriften bekannt zu machen und den großen Reichtum der Grundordnung des Römischen Messbuchs und der Leseordnung für die Feier der heiligen Messe hervorheben, gereicht das der Eucharistiefeier sehr zum Vorteil. In den kirch-  (118 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe in der Kirche Christus Dominus, 14; Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, 41.    119 Grundordnung des Römischen Messbuchs, 22.      120 Vgl. ebd.     121 Vgl. Propositio 25.)

lichen Gemeinschaften setzt man deren Kenntnis und rechte Wertschätzung wahrscheinlich voraus, doch oft zu Unrecht. In Wirklichkeit sind es Texte, welche Schätze enthalten, die den Glauben und den Weg des Gottesvolkes in den zweitausend Jahren seiner Geschichte bewahren und darstellen. Ebenso wichtig für eine rechte ars celebrandi ist die Beachtung aller von der Liturgie vorgesehenen Ausdrucksformen: Wort und Gesang, Gesten und Schweigen, Körperbewegung, liturgische Farben der Paramente. Die Liturgie besitzt tatsächlich von Natur aus eine Vielfalt von Registern zur Mitteilung, die es ihr ermöglichen, die Einbeziehung des ganzen Menschen anzustreben. Die Einfachheit der Gesten und die Nüchternheit der in der vorgesehenen Reihenfolge und im gegebenen Moment gesetzten Zeichen vermitteln mehr und beteiligen stärker als die Künstlichkeit unangebrachter Hinzufügungen. Achtung und Folgsamkeit gegenüber der Eigenstruktur des Ritus drücken die Anerkennung des Geschenk-Charakters der Eucharistie aus und offenbaren zugleich den Willen des Priesters, in Demut und Dankbarkeit die unbeschreibliche Gabe anzunehmen.

Kunst im Dienst der Zelebration

41. Die tiefe Verbindung von Schönheit und Liturgie muss uns zu einer aufmerksamen Betrachtung aller in den Dienst der Zelebration gestellten künstlerischen Ausdrucksmittel anregen.122 Eine wichtige Komponente sakraler Kunst ist natürlich die Architektur der Kirchen,123 in denen die Einheit der besonderen Elemente des Presbyteriums – Altar, Kruzifix, Tabernakel, Ambo und Sitz – hervortreten muss. In diesem Zusammenhang (122 Vgl. Zweites Vatikanisches Konzil, Konst. über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium, 112–130.      123 Vgl. Propositio 27. )

muss man berücksichtigen, dass der Zweck der sakralen Architektur darin besteht, der Kirche, welche die Glaubensgeheimnisse – und speziell die Eucharistie – feiert, den am besten geeigneten Raum für den angemessenen Ablauf ihrer liturgischen Handlung zu bieten.124

Das Wesen des christlichen Gotteshauses ist nämlich durch die liturgische Handlung selbst definiert, die das Sich-Versammeln der Gläubigen (ecclesia) einschließt, welche die lebendigen Steine des Tempels sind (vgl. 1 Petr 2,5). Das gleiche Prinzip gilt allgemein für alle sakrale Kunst, besonders für Malerei und Bildhauerei, in denen die religiöse Ikonographie sich an der sakramentalen Mystagogie orientieren muss. Eine vertiefte Kenntnis der Formen, welche die sakrale Kunst im Laufe der Jahrhunderte hervorgebracht hat, kann denen sehr hilfreich sein, die gegenüber Architekten und Künstlern die Verantwortung der Auftragsvergabe für Kunstwerke haben, die mit der liturgischen Handlung verbunden sind. Darum ist es unverzichtbar, dass zur Ausbildung der Seminaristen und der Priester als wichtige Disziplin die Kunstgeschichte gehört, mit einem besonderen Verweis auf die kultischen Bauten im Licht der liturgischen Vorschriften. Kurzum, es ist notwendig, dass in allem, was die Eucharistie betrifft, guter Geschmack für das Schöne herrsche. Achtung und Sorgfalt müssen auch den Paramenten, den Kirchengeräten und den heiligen Gefäßen gelten, damit sie, organisch miteinander verbunden und aufeinander abgestimmt, das Staunen angesichts des Mysteriums Gottes lebendig halten, die Einheit des Glaubens verdeutlichen und die Frömmigkeit stärken.125       124 Vgl. ebd.     125 Für alles, was diese Aspekte betrifft, sollte man sich treu an die Hinweise in der Grundordnung des Römischen Messbuchs halten, 319–351.

|