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Oktober 2009
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Archive für 13.10.2009

die kapuzienergruft von rom

http://www.cappucciniviaveneto.it/Cripta.htm 

die macht der frage

(der versuch einer methode)

zuerst fiel es mir auf, als ich mich mit manchen punkten der protestantischen theologie auseinandersetzte. diese radikale ablehnung des gebetes für die verstorbenen… ich fragte mich, wie es zu einer solch starren haltung entgegen der tradition und dem urmenschlichen empfinden kommen konnte. welche gründe könnten es gewesen sein, die zu dieser theologie der radikalen trennung von diesseits und jenseits führten?

eine these, eine haltung fällt für gewöhnlich nicht vom himmel und selbst wenn lange darum gerungen wird, spielen immer auch gründe eine rolle, die nicht argumentativ ausgeführt werden – ja, nicht kommuniziert werden können, weil sie den jeweiligen personen selbst oft nicht bewußt sind.

so kam mir die vermutung, dass die ablehnung des gebetes für die verstorbenen eine antwort ist. eine antwort auf die mißbräuche jener zeit. mit angst wurde geld gemacht. gute gedanken wurden pervertiert und mit heiligem wurde schindluder getrieben. darauf antwortet luther & co radikal. die konsequente haltung wider jeden totenkult erklärt sich mir auf dieser ebene.

die mißbräuche sind heute fast gänzlich abgeschafft, aber die antworten des 16. jahrhunderts hat sich in der protestantischen theologie manifestiert. die frage steht nicht mehr im raum, aber die antwort sehr wohl.

so ist es mit vielem.

hier in rom (während des studiums von kunst und kirche) wird immer wieder der platz des tabernakels im kirchenraum des 20. jahrhunderts kritisch in augenschein genommen. ein schwieriges thema. es hat mich aber angeregt mir die klassischen römischen tabernakel genauer zu betrachten: es sind in der regel sehr kleine, fast unscheinbare kästchen, mehr praktisch als sinnliches zentrum (ausnahme z.b. st. peter). im deutschsprachigen raum ist vom barock bis ins letzte jahrhundert oft der tabernakel mit der monstranznische darüber sichtbares zentrum des altares – oft von grossen anbetungsengeln umgeben. in rom beherrscht das bild das zentrum des raumes, im deutschsprachigen raum ist es der tabernakel. ist das vielleicht die antwort auf die protestantische abendmahlslehre? auch „nur“ eine antwort?

oder die unterschiedliche interpretation der trinitätslehre in ost und west. ist die orthodoxe begründung nicht vielleicht eine plausible, eine selbstverständliche antwort auf die anfrage des (dort räumlich viel näheren) monothesimus-verständnisses des islam?

wie schön wäre es, wenn man von null an beginnen würde. keine theologie und keine kunst der antworten geben würde, sondern ursprünglich und echt sein könnte. immerhin kann man den antworten ihre macht ein wenig nehmen, wenn man sie als antworten enttarnt. (und die frage in erfahrung bringt)

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