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Archive für 30.12.2008
Grundsatzreferat Bischof Hofmann. Quelle: www.bischofskonferenz.de
30.12.2008 by admin.
Studientag „Kirche und Kultur“ im Rahmen der Herbst-Vollversammlung 2006
Grundsatzreferat 1
Bischof Dr. Friedhelm Hofmann
Recht auf Kultur – Pflicht zur Kultur
Kirchliches Kultur-Engagement zwischen Martyria, Leiturgia und Diakonia
Sperrfrist: 27.09.2006, 9.35 Uhr Redemanuskript. Es gilt das gesprochene Wort!
Liebe Mitbrüder,
unser Glaube ist Teil einer Offenbarungsreligion, die im lateinischen Wort für Offenbaren „Revelatio“ das Enthüllen in sich trägt. Es wird eine Wirklichkeit berührt, die sich dem kognitiven Verstehen nicht durch analysierenden Verstand erschließt, sondern eher durch Bilder, die im Vorgang des Verhüllens zugleich enthüllen. So war schon im Alten Bund die Thora, das von Gott geoffenbarte Gesetzbuch, hinter einem Vorhang verborgen. Und noch heute werden die Schriftrollen in Tücher gewickelt, den Thoramantel. In der Abgrenzung zu den polytheistischen Religionen hat das Judentum die Gottespräsenz im Kultbild abgelehnt und mit guten Gründen das Bilderverbot ausgesprochen, damit nicht anstelle Gottes menschliche Idole traten. Mit der Menschwerdung Jesu Christi ist der praeexistente Logos in unsere Geschichte eingetreten und hat Fleisch angenommen. Christus als „Bild des unsichtbaren Gottes“1 ist durch seine Menschwerdung darstellbar geworden. Das Konzil von Ephesus (431) hat mit dieser Begründung einen Schlussstrich unter den frühen Bilderstreit gezogen. Dennoch: Auch wir Christen bewahren den in der eucharistischen Speise gegenwärtigen Herrn hinter einem Vorhang im Tabernakel auf. Das Verhüllen wird hier gleichsam zu einer symbolischen Tür, durch die wir uns Gott annähern. Das geschieht insgesamt auch durch unsere Kirchen, die als „Haus Gottes und Pforte des Himmels“ durch beeindruckende Architektur und künstlerische Ausgestaltung den Raum für die Begegnung mit Gott bereiten wollen. Die vergleichende Religionswissenschaft hat uns ebenso wie die Ethnologie darüber belehrt, wie wichtig musisch-ästhetische Ausdrucksformen für die religiöse Anthropologie sind. Sie gehören schlechthin zum Menschen. Kirche und Theologie können es sich nicht leisten, die expressiven Anteile des menschlichen Bewusstseins nur insofern zum Vorschein zu bringen, als sie eins-zu-eins in Sprache übersetzbar sind. Jedes Kunstwerk ist in gewisser Weise ein Spiegel, durch den wir bereits jetzt in rätselhaften Umrissen sehen, was wir einst von Angesicht zu Angesicht schauen sollen2. Somit können die Ausdrucksformen Musik, Architektur, bildende und darstellende Kunst uneigentliche wie angemessene Formen des Redens über Gott sein. Die Theologie kann mithin keinesfalls darauf verzichten, sich einen Sprachgewinn durch das Kunstwerk hindurch zu erarbeiten. Auch wenn es provokativ klingen mag, wage ich doch zu sagen: Ohne das Potential der musisch-ästhetischen Fremdprophetie sind unsere drei kirchlichen Grundvollzüge Martyria, Leiturgia und Diakonia nicht mehr im vollen und ursprünglichen Sinne zukunftsfähig. Ich will dies erläutern und beginne mit der - 2 -
Martyria: In unserer Gesellschaft gibt es immer mehr Menschen, denen jede Kenntnis über die Systematik und Semantik der christlichen Glaubensüberlieferung fehlt. Mithin stößt heute unsere traditionelle Pastoral oft genug an ihre Grenzen. Bevor man Glauben missionarisch vermitteln kann, muss man ihn erst einmal kulturell kommunikabel machen. Dort aber, wo Schrift und Wort hermeneutisch nur noch schwer vermittelbar sind, kann ästhetische Kommunikation große Chancen öffnen. Ästhetik hat heute Hochkonjunktur. Mehrere Untersuchungen der Sozialforschung weisen nach, dass die Menschen ihre Lebensvollzüge immer weniger nach sozioökonomischen Koordinaten als vielmehr nach ästhetischen Parametern inszenieren. Die aktuelle Studie „Religiöse und kirchliche Orientierungen in den Sinus-Milieus“3 weist dies auch in Bezug auf die Kirche nach. In der Zusammenfassung der Studie wird „deutlich, dass von Bewunderung oder gar Ehrfurcht vor der katholischen Kirche heute keine Rede sein kann. Bewundert werden allerdings die lange Geschichte, die großartigen Kathedralen und der ganze hochkulturelle Fundus der Kirche.“4 Die Kirche wird – so die Studie – von außen immer weniger über ihre traditionellen Vollzüge wie Katechese, Liturgie und Gemeindeleben wahrgenommen, sondern zunehmend über ihre kulturell-ästhetische, musische Komponente. Dieses Ergebnis mag zunächst wenig erbaulich klingen. Bei rechter Überlegung besteht aber auch Anlass zu Optimismus. „Den Juden bin ich ein Jude geworden…“ sagt der Apostel Paulus5. Vielleicht hätte er heute hinzugefügt: „Den ästhetisch Sensiblen bin ich ein Kulturschaffender geworden.“ Wir sollten uns nicht scheuen, auch diesen Schritt zu tun. Unser zweitausendjähriges kulturelles Erbe gibt uns die Schubkraft dazu. Aber, so könnte man skeptisch einwenden, ist die Beschäftigung mit Kunst und Kultur nicht Luxus einer kleinen Elite? Dem ist nicht so, wie die aktuellen Entwicklungen belegen: Das Interesse an zeitgenössischer Kunst in all seinen Facetten wächst. Die Museen haben verstärkten Zuspruch. Ja, es scheint so, als ob sogar der heutige Museumsbau den Kathedralbau ablöst. Auch die Sinus-Studie belegt, dass eine deutlich gesteigerte Nachfrage nach anspruchsvollen kulturellen Angeboten festzustellen ist. Zweifellos haben die Terrorismuskrise, die unerfüllten Hoffnungen in neue Wirtschaftsformen, der PISA-Schock, der drohende Konflikt der Kulturen und das daraus resultierende Interesse an einer identitätsstiftenden „Leitkultur“ hierfür den Nährboden bereitet. So wird im Vergleich zu den 1980er Jahren heute als Grund für den Besuch einer Kunstausstellung viel häufiger angegeben: „Bilder regen zum Nachdenken an“. Manifestiert sich hierin möglicherweise – wenngleich noch recht zaghaft – ein Wandel von der Erlebnisgesellschaft zur Sinngesellschaft? Zumindest zeigt sich mancherorts, dass die musisch-ästhetische Kultur zunehmend wieder als ein Medium gewertet wird, durch das tiefere Erfahrung von Sinn und Orientierung erreicht werden kann. Dass ich damit keiner eigenen Wunschprojektion anhänge, sondern einen realen Trend beschreibe, soll folgender Blick auf den jüngeren Kultursektor belegen:• 2004 „Die Bibel – eine Sinnsuche“ – Schauspiel von Bruno Cathomas am Maxim Gorki Theater Berlin• 2004 „Die zehn Gebote. Politik – Moral – Gesellschaft“ – internationale Kunstausstellung des Deutschen Hygiene-Museums Dresden - 3 -• 2005 Uraufführung des Schauspiels „Der Bus“ von Lukas Bärfus am Thalia Theater Hamburg – das Stück beschreibt eine Wallfahrt nach Tschenstochau
• 2005 „Maria, Mirjam, Marjam – ein Bilderstreit über das Weibliche und das Heilige“, Ausstellung der Staatlichen Museen zu Berlin
• 2006 „Rethinking spirituality – Spiritualität neu erdenken“ – Kulturkongress der Kunsthalle Schirn und der Messe Frankfurt am Main.
Diese Liste könnte leicht verlängert werden. Es sind Angebote, die weder auf Anregung noch mit Unterstützung der Kirche durchgeführt wurden. Das Bemerkenswerte daran ist: Hier kristallisiert sich aus freien Stücken eine explizit religiöse Kulturszene heraus. Hunderttausende kulturbeflissene Menschen setzen sich auf hohem Reflexionsniveau begeistert mit Religion und Spiritualität auseinander. Es wäre eine vertane Chance für unsere Kirche, bei diesen Aktivitäten nicht präsent zu sein. Die Zeit des ehemals kirchendistanzierten Hautgouts der autonomen Kulturszene ist längst vorbei. Im Gegenteil, es wird regelrecht bedauert, wenn wir uns nicht einmischen. So geschehen vor wenigen Monaten beim Kulturkongress der Schirn-Kunsthalle, wo eine große deutsche Zeitung anschließend schrieb: „Weil die Innenperspektive der Theologen fehlte, redete man zwar über Religion, aber nicht mit den Religiösen. Das konnte nicht gut gehen.“6 Ist es nicht auch unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass es gut geht? Gemäß der Sendung Jesu, „in alle Welt, bis an die Grenzen der Erde“ zu gehen, ist uns – auf die skizzierte Situation übertragen – aufgetragen, auch überall dorthin zu gehen, wo sich die Welt ästhetisch artikuliert. „Die Kirche braucht die Kunst“7, sagte Papst Johannes Paul II. in seiner berühmten Rede vor den Journalisten und Künstlern 1980 im Münchener Herkulessaal. Wenn heute in der zeitgenössischen Kunst immer wieder Sujets wie „Anfang und Tod“, „Schmerz und Erlösung“, „Hoffnung und Verzweiflung“, „Identität und Endlichkeit“ thematisiert werden, dann sollte dies von der Kirche dialogisch aufgegriffen werden. Voraussetzung für jeden echten Dialog aber ist, dass sich die Dialogpartner auf Augenhöhe begegnen. In dem von Papst Paul VI. beklagten „Bruch zwischen Evangelium und Kultur“8 lässt sich das Drama der Entfremdung erahnen. Dabei war die Kirche bis in das 19. Jahrhundert Heimat der Künstler und die Kirche selbst Mäzenatin bedeutendster Kunst-Exponenten. (Man nehme nur alle Kirchen, Klöster, christlich begründeten und geförderten Schulen und Universitäten aus Europa weg – was bleibt?) Ein gewichtiger Schritt zur Versöhnung nach fast 100 Jahren war zweifellos die berühmte Vergebungsbitte Papst Pauls VI. vor den römischen Künstlern 1964: „Wir erkennen an, dass wir Euch Leid zugefügt haben (…) Wir haben Euch oft mit Lasten beschwert … Verzeiht uns!“9 Von Papst Paul VI. haben wir gelernt: Wer die Menschen, denen er dient, ernst nimmt, darf sie nicht unterfordern. Auch künstlerisch-ästhetisch nicht. Wesentlich ihm haben wir es zu verdanken, dass die katholische Kirche wieder an das Niveau ihrer hervorragenden künstlerischen Zeugnisse angeknüpft hat - gerade auch hier in Deutschland. Wenn heute Maler wie Gerhard Richter, Markus Lüpertz und Sigmar Polke Fenster für Kirchen gestalten, der Architekt Meinhard von Gerkan für die Expo den Christus-Pavillon und Peter Zumthor das neue Diözesanmuseum in Köln errichten, die Schriftstellerin Gabriele Wohmann Lesungen an katholischen Akademien hält und Arvo Pärt für unsere diesjährige Herbstvollversammlung ein „Veni Creator“ komponiert, dann tut sich hier ein Dialogforum mit Kulturschaffenden auf, die alles andere als Kirchenkünstler sind. Dennoch laden wir gerade diese so genannten „autonomen“ Vertreter der Gegenwartskunst zum Austausch ein, weil wir ihre Werke – um abermals mit Papst Johannes Paul II. zu sprechen – als „Stimme der universalen Erlösungserwartung“10 begreifen. - 4 -
In der verantwortungsvollen Auseinandersetzung mit den Künsten stellt sich die Kirche mitten in die Gesellschaft. Hier diskutiert sie, was die Menschen heute bewegt, und gibt selbst Zeugnis von ihrer eigenen Sendung, ihrer Weggemeinschaft und ihrem Ziel. In der damit gegebenen Reflexion ihrer eigenen Botschaft kann sie umso deutlicher einen Beitrag zur Neu-Evangelisierung leisten, der vom Geist einer Kultur aus christlichen Wurzeln und aktueller Ausprägung getragen ist. Damit komme ich von der Martyria zum zweiten großen Grundauftrag der Kirche: Zur
Diakonia: Das Zweite Vatikanische Konzil reklamiert in „Gaudium et spes“ ausdrücklich ein „Recht auf Kultur“11. Zwar ist die Kulturteilhabe an anspruchsvollen musisch-ästhetischen Angeboten seit dem Jahr 1890 um ca. 400 % gestiegen. Aber immer noch kann nur die Hälfte der Bevölkerung aus verschiedenen Gründen an kulturellen Angeboten teilnehmen. Daher ruft das „Kompendium der Soziallehre der Kirche“ des Päpstlichen Rates Justitia et Pax die konziliare Forderung erneut in Erinnerung, dass Beteiligung nicht auf die Arbeitswelt und Volkswirtschaft beschränkt werden darf, sondern erst in ihrer Ausweitung auf die Gesamtkultur zu nachhaltiger sozialer Gerechtigkeit und Integration führt.12 In Deutschland wurde seitens der Kirche der Aufruf von „Gaudium et spes“ konsequent in die Tat umgesetzt. Vor allem im ländlichen Raum stellt unsere Kulturarbeit eine der ganz wenigen Möglichkeiten dar, aktiv am kulturellen Leben teilzunehmen: Die Arbeit der katholischen Büchereien, der Erwachsenenbildungseinrichtungen, der vielfältigen kulturellen Veranstaltungen ist unspektakuläre, pragmatische Kultur-Diakonie, die aber dankbar von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Hier sind auch überall große Zuwächse zu verzeichnen. Das gilt für Kinder- und Jugendchöre ebenso wie für Büchereien und andere Kulturangebote. Dies ist nur Aufgrund des hohen ehrenamtlichen Engagements möglich. Der hohe ehrenamtliche Anteil macht es übrigens auch möglich, die Teilnehmerbeiträge unserer kirchlichen Kulturangebote um ein vielfaches günstiger zu halten als im säkularen Bereich. Oft ist der Eintritt sogar kostenlos. Auch das ist unmittelbar spürbare Kultur-Diakonie! Das schon erwähnte Gutachten der Kultur-Enquete des Bundestages errechnet für die ehrenamtliche Arbeitsleistung im kirchlichen Kulturbereich eine virtuelle Wertschöpfung in Höhe von 4,16 Mrd. Euro pro Jahr. Aber das Ehrenamt steht und fällt mit der Existenz hauptamtlich geleiteter, die Ehrenamtlichen zur Mitarbeit befähigender Kräfte. Diese auf bewährte Komplementarität setzende Personaldecke wird sich in Zukunft auszahlen. So ist z. B. das kirchliche Musizieren oft – neben der Ministrantenarbeit – das einzige Scharnier zur wachsenden Gruppe von Kindern und Jugendlichen, die religiös nicht mehr sozialisiert sind. Wenn wir vom „Recht auf Kultur“ sprechen, dann leitet sich daraus für uns Christen auch eine „Pflicht zur Kultur“ ab. Gerade die Betätigung in den aktiven Feldern der Kultur, die das nichtkommerzielle Humanum, das „Übernützliche“ – wie es Thomas Mann einmal genannt hat – im Blick hat, ist zu schützen und zu fördern. Die Kultur der Zukunft ist auf die Erhaltung nicht ökonomisch verzweckter Freiräume angewiesen, in denen kulturell erlebbare persönlichkeitsfördernde Höhepunkte auch ihren sozialen Stellenwert behalten. Kunst und Kultur gehen aus einer gesteigerten Aufmerksamkeit in der Wahrnehmung von Wirklichkeit hervor, so wie unser Glaube dem Ist-Zustand ein kontrafaktisches „Noch nicht“ entgegensetzt und den Blick für jene Bereiche schärft, die sonst leicht übersehen oder missachtet werden. - 5 -
Wir tun gut daran, uns heute mit jenen Strömungen des Kunstschaffens zu befassen, die sich eingespielten Konventionen und missbräuchlicher Medialisierung der Lebenswelten widersetzen. Im Umkehrschluss heißt das, jenen Kulturformen zu wehren, die sich als unmenschlich oder mit dem christlichen Ethos als nicht vereinbar erweisen. In diesem Sinne bringen auch unsere Gremien in der katholischen Filmbewertung und im Jugendmedienschutz einen wichtigen kulturdiakonischen Beitrag. Die Trias kirchlicher Grundaufträge komplettiert die
Leiturgia: Ihr wird sich heute noch eine eigene Arbeitsgruppe widmen. Deshalb bringe ich nur einige Gedanken ein: Das innerste Wesen sakraler Kunst bringt wie kaum ein anderer der jetzige Papst Benedikt XVI. als Kardinal Ratzinger in seinem Büchlein „Der Geist der Liturgie“ auf den Punkt. Die beiden einschlägigen Kapitel sind so etwas wie ein Kompendium sakraler Kunst. Ich greife nur ein Zitat heraus: „Die Bilder des Schönen, in denen sich das Geheimnis des unsichtbaren Gottes versichtbart, gehören zum christlichen Kult“13. Schönheit ist für Papst Benedikt nicht das Gefällige, dem Harmoniebedürfnis Schmeichelnde. Sondern er meint die Authentizität der Kunst, insofern sie ein implizites Wissen um die letzten Fragen verkörpert. „Schön“ ist demnach nicht das, was ankommt, sondern das, worauf es ankommt. Dieser Gedanke wird in dem Abschluss-Dokument der diesjährigen Plenarversammlung des Päpstlichen Kulturrates entfaltet, die unter dem Titel stand: „Die Via pulchritudinis – Schönheit als Weg für Evangelisation und Dialog“. Dort wird auf den ethischen Impetus der Schönheit verwiesen: Wenn mich die qualitative Güte eines Kunstwerks durch dessen Unbedingtheit, Aufrichtigkeit und Ernsthaftigkeit im Innersten ergreift, dann kann ich gar nicht anders, als mich der Wahrheit meiner eigenen Berufung vor Gott zu stellen. Die Schönheit der Kunst weckt in mir plötzlich das Bedürfnis, meine Vollzüge, Beziehungen gut und heil werden zu lassen.14 Rainer Maria Rilke schrieb in seinem Gedicht über den archaischen Torso: „Denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht: Du musst dein Leben ändern!“ Hier berühren sich die Kunst und der liturgische, insbesondere eucharistische Heilsdienst der Kirche. Indem die sakramentale Gegenwart des eucharistischen Opfers uns mit Gott, mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen unüberbietbar versöhnt, drängt sie nach einer Prolongation dieser Versöhnung auch im Medium der Kunst – jener Kunst, die durch ihre Aufrichtigkeit „schön“ ist. Das Zweite Vaticanum hat im VII. Kapitel der Konstitution über die heilige Liturgie, das der sakralen Kunst, dem liturgischen Gewand und Gerät gewidmet ist, gesagt, dass alle Dinge, die zur Liturgie gehören, „wahrhaft würdig seien, geziemend und schön: Zeichen und Symbol überirdischer Wirklichkeiten.“15 Kirchlicher Raum, Ausstattung, sakrale Geräte und Schmuck sollen in ihrer Zeichenhaftigkeit auf den Raum Gottes verweisen, der sich uns im sakramentalen Geschehen erschließt. Aber auch dem Liturgen kommt im Vollzug der Liturgie – zusammen mit Lektoren, Ministranten und Kommunionhelfern – die verantwortungsvolle Aufgabe zu, die sakramentale Realpräsenz mit dieser künstlerischen „Aktualpräsenz“ – um einen Begriff des Theologen Johannes Betz zu verwenden – in fruchtbare Synergie zu bringen. Wenn uns das gelingt, verwirklichen wir die wahre „Ars celebrandi“. Ich komme zur Zusammenfassung und zum Ausblick: Der entscheidende Ansatzpunkt für ein Kultur-Engagement aus den Wurzeln von Martyria, Leiturgia und Diakonia ist das entspre- -6 -
chende Wirken des Klerus und der kirchlichen Mitarbeiter. In unserer Arbeitshilfe „Kunst und Kultur in der theologischen Aus- und Fortbildung“16 von 1993 ist manches von dem gerade Gesagten antizipiert. Es ist mehr als wünschenswert, die Empfehlungen dieser Leitlinie vor allem in der Priesterausbildung – mehr als bisher – zu rezipieren und umzusetzen. Denn die Priester von heute und morgen wirken in einer ästhetisch sensiblen Zeit und müssen deshalb selbst ästhetisches Qualitätsbewusstsein entwickeln. Dazu ein aktuelles Zitat des Malers Markus Lüpertz: „Gerade die katholische Kirche lebt von ihrer Himmelsnähe. Und diese Nähe müssen wir schaffen über die Kunstwerke, über die Qualität der Kunstwerke. Es geht schließlich um die Sichtbarmachung Gottes (…) Es gibt auch Kirchen in einem kulturell verheerenden Zustand, mit Kunststoffvasen, dürftig arrangierter Blumendeko und irgendeinem schlecht gemalten Dritte-Welt-Plakat. Das ist dann erschreckend. Die Verantwortlichen stehen in Räumen von allergrößter Schönheit und stellen dann Sachen rein oder hängen Fotos an die Wände, die jegliche Ästhetik zerstören. Solche Räume brauchen Sorgfalt.“17 Die kirchliche Befassung mit Kunst und Kultur zeigt, dass es zu neuen Einsichten kommen kann, die die Theologie nicht nur ornamental umspielen, sondern zu Auseinandersetzungen und gar Konfrontationen führen können. Diese Herausforderung ist aber ebenso spannend wie bereichernd. Wir sollten uns ihr keineswegs entziehen.
1 Kol 1,15. 2 Vgl. 1 Kor 13,12. 3 SINUS SOCIOVISION/MEDIEN DIENSTLEISTUNGSGESELLSCHAFT (MDG) (Hgg.), Religiöse und kirchliche Orientierungen in den Sinus-Milieus 2005, Heidelberg/München 2005. 4 Ebd. S. 10. 5 1 Kor 9,12. 6 SPINNLER, Rolf: Heilig, heilig, heilig sei der Pop. Ein Kongress in Frankfurt sucht nach der neuen Religiösität. In: Stuttgarter Zeitung vom 17.07.2006. 7 JOHANNES PAUL II., Ansprache an die Künstler und Publizisten im Herkulessaal in München am 19. November 1980. In: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hg.), Predigten und Ansprachen von Papst Johannes Paul II. bei seinem Pastoralbesuch in Deutschland sowie Begrüßungsworte und Reden, die an den Heiligen Vater gerichtet wurden (Reihe: Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 25), S. 188. Vgl. ebenso auch JOHANNES PAUL II., Brief an die Künstler, Città del Vaticano 1999, S. 35. 8 PAUL VI., Apostolisches Schreiben an den Episkopat, den Klerus und alle Gläubigen der Katholischen Kirche über die Evangelisierung in der Welt von heute, vom 8. Dezember 1975, Nr. 20. Zitiert nach: SEKRETARIAT DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ (Hg.), Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 2, Bonn 1975. 9 PAUL VI., Ansprache an die römischen Künstler im Rahmen der „Messa dell’Artista“ in der Sixtinischen Kapellle am 7. Mai 1964. In: AAS (1964), S. 438-444. Übersetzung aus dem Italienischen: Bereich Glaube und Bildung des Sekretariates der Deutschen Bischofskonferenz. 10 JOHANNES PAUL II., Brief an die Künstler, Città del Vaticano 1999, S. 32. 11 Vgl. SACROSANCTUM OECUMENICUM CONCILIUM VATICANUM SECUNDUM, Constitutio pastoralis de Ecclesia in mundo huius temporis „Gaudium et spes” Art. 60, ult. Art. 42, 55, 58. In: AAS 58 (1966) S. 1025-1115. Deutsche Übersetzung zitiert nach: BRECHTER, Heinrich Suso u. a. (Hgg.), Sonder-Bd. 3: Das Zweite Vatikanische Konzil. Konstitutionen, Dekrete, Erklärungen (lat./dt.) und Kommentare Teil III. In: LThK 1968, S. 280-591. 12 Vgl. PONTIFICIO CONSIGLIO DELLA GIUSTIZIA E DELLA PACE, Compendio della Dottrina Sociale della Chiesa Art. 189,Città del Vaticano 2004. Deutsche Ausgabe Freiburg i. Br. 2006.
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13 RATZINGER, Joseph, Der Geist der Liturgie. Eine Einführung, Freiburg i. Br. 2000, S. 113. 14 Vgl. PONTIFICIO CONSIGLIO DELLA CULTURA (Hg.), The Via Pulchritudinis – Beauty as a Way for Evangelisation and Dialogue (Post-Plenary Document of the Plenary assembly from 27th to 28th March 2006 in Rome). In: Cultura e fede, Città del Vaticano, Vol. XIV Nr. 2/2006. S. 116-143. 15 SACROSANCTUM OECUMENICUM CONCILIUM VATICANUM SECUNDUM, Constitutio de sacra Liturgia „SacrosanctumConcilium“ Nr. 122. In: AAS 56 (1964) S. 97-138. Deutsche Übersetzung zitiert nach: BRECHTER, Heinrich Suso u.a. (Hgg.), Sonder-Bd. 1: Das Zweite Vatikanische Konzil. Konstitutionen, Dekrete, Erklärungen (lat./dt.) und Kommentare Teil I, in: HÖFER , Josef / RAHNER, Karl (Hgg.), Lexikon für Theologie und Kirche, 10 Bände, 3 Sonderbände und Registerband, Freiburg i. Br. 1966. 16 SEKRETARIAT DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ (Hg.), Kunst und Kultur in der theologischen Aus- und Fortbildung, Arbeitshilfe des Sekretariates der Deutschen Bischofskonferenz Nr. 115, Bonn 1993. 17 LÜPERTZ, Markus, „…den Engeln sehr nahe“. Gespräch über Kunst, Kirche und kulturelle Bildung zwischen Markus Lüpertz und Christoph Strack. In: politik und kultur (puk). Zeitung des Deutschen KulturratesNr. 05/06 September/Oktober 2006.
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JPII. Brief an die Künstler 1999. Quelle: www.vatican.va
30.12.2008 by admin.
VON PAPST JOHANNES PAUL II.
AN DIE KÜNSTLER
1999
An alle, die mit leidenschaftlicher Hingabe
nach neuen »Epiphanien« der Schönheit suchen,
um sie im künstlerischen Schaffen
der Welt zum Geschenk zu machen.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut (Gn 1,31).
1. Besser als ihr Künstler, geniale Baumeister der Schönheit, vermag niemand intuitiv etwas von dem Pathos zu erfassen, mit dem Gott am Anfang der Schöpfung auf das Werk seiner Hande blickte. Ein Nachschwingen jenes Gefühls hat sich unendliche Male in den Blicken niedergeschlagen, mit welchen ihr als Künstler jeden Zeitalters, vom Staunen über die geheimnisvolle Macht der Klange und Worte, der Farben und Formen gebannt, das Werk eurer Eingebung bewundert und darin gleichsam das Echo jenes Geheimnisses der Schöpfung wahrgenommen habt, an dem Gott, der alleinige Schöpfer aller Dinge, euch in gewisser Weise teilnehmen lassen wollte.
Es schienen mir daher keine Worte geeigneter als jene aus dem Buch Genesis, um sie an den Anfang meines Briefes an euch zu stellen, fühle ich mich doch durch Erfahrungen verbunden, die weit in die Vergangenheit zurückreichen und mein Leben unauslöschlich geprägt haben. Mit diesem Schreiben möchte ich den Weg jenes fruchtbaren Gespräches der Kirche mit den Künstlern einschlagen, das in der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche nie abgerissen ist und an der Schwelle zum dritten Jahrtausend eine noch größere Zukunft hat.
In Wirklichkeit handelt es sich um einen Dialog, der uns nicht nur von historischen Umständen und praktischen Erwägungen aufgenötigt wird, sondern in dem eigentümlichen Wesen sowohl der religiösen Erfahrung wie des künstlerischen Schaffens verwurzelt ist. Der Anfang der Bibel stellt uns Gott gleichsam als das beispielhafte Modell jedes Menschen vor, der ein Werk hervorbringt: Im Künstler spiegelt sich sein Bild als Schöpfer. Besonders offenkundig wird diese Beziehung im Polnischen durch die sprachliche Verwandtschaft zwischen den Worten stwórca (Schöpfer) und twórca (Künstler).
Worin liegt der Unterschied zwischen »Schöpfer« und »Künstler«? Wer (etwas) erschafft, schenkt das Sein selbst, bringt etwas aus dem Nichts hervor — ex nihilo sui et subiecti, sagt man im Lateinischen —, und das ist im strengen Sinn die Vorgehensweise, die nur dem Allmächtigen zukommt. Der Künstler hingegen verwendet etwas bereits Vorhandenes, dem er Gestalt und Bedeutung gibt. Das ist die charakteristische Handlungsweise des Menschen als Ebenbild Gottes. Nachdem es nämlich in der Bibel geheißen hatte, daß Gott Mann und Frau »als sein Abbild« schuf (vgl. Gen 1,27), wird hinzugefügt, daß er ihnen die Aufgabe übertrug, über die Erde zu herrschen (vgl. Gen 1,28). Es war der letzte Schöpfungstag (vgl. Gen 1,28-31). An den vorangegangenen Tagen hatte Jahwe das Universum geschaffen und damit gleichsam den Rhythmus der kosmischen Evolution bestimmt. Am Ende schuf er den Menschen als erhabenste Frucht seines Planes; ihm unterwarf er die sichtbare Welt als unermeßliches Feld, auf dem er seiner Erfindungsgabe Ausdruck verleihen sollte.
Gott hat also den Menschen ins Dasein gerufen und ihm die Aufgabe übertragen, Künstler zu sein. Im »künstlerischen Schaffen« erweist sich der Mensch mehr denn je als »Abbild Gottes«. Er verwirklicht diese Aufgabe vor allem dadurch, daß er die wunderbare »Materie« des eigenen Menschseins gestaltet und dann auch eine kreative Herrschaft über das ihn umgebende Universum ausübt. Der göttliche Künstler kommt dem menschlichen Künstler liebevoll entgegen und gibt ihm einen Funken seiner überirdischen Weisheit weiter, indem er ihn dazu beruft, an seiner Schöpfungskraft teilzuhaben. Selbstverständlich handelt es sich dabei um eine Teilhabe, die den unendlichen Abstand zwischen Schöpfer und Geschöpf unangetastet läßt, wie Kardinal Nikolaus von Kues unterstrich: »Die schöpferische Kunst, die die glückselige Seele erlangen wird, ist der Wesenheit nach nicht jene Kunst, die Gott ist, sondern deren Mitteilung und Teilhabe«.(1)
Je mehr sich daher der Künstler seiner »Gabe« bewußt ist, um so mehr fühlt er sich dazu gedrängt, auf sich selbst und auf die ganze Schöpfung mit Augen zu blicken, die sich betrachtend zu vertiefen und zu danken vermögen, während er seinen Lobeshymnus zu Gott emporrichtet. Nur so kann er sich selbst, seine Berufung und seine Sendung in letzter Tiefe erfassen.
Die besondere Berufung des Künstlers
2. Nicht alle sind im eigentlichen Sinne des Wortes zu Künstlern berufen. Nach Aussage der Genesis wird jedoch jeder Mensch mit der Aufgabe betraut, Baumeister des eigenen Lebens zu sein: Er soll aus seinem Leben gleichsam ein Kunstwerk, ein Meisterstück machen.
Es ist wichtig, den Unterschied, aber auch den Zusammenhang zwischen diesen zwei Seiten des menschlichen Tuns zu erheben. Der Unterschied ist augenfällig. Denn das eine ist die Anlage, der es der Mensch verdankt, Urheber seiner Handlungen zu sein, für deren moralischen Wert er verantwortlich ist. Das andere ist die Anlage, auf Grund welcher er Künstler ist, d.h. gemäß den Ansprüchen der Kunst zu handeln versteht, indem er die für sie spezifischen Vorschriften getreu annimmt.(2) Deshalb ist der Künstler fähig, Objekte herzustellen, aber das sagt an und für sich noch nichts über seine moralischen Dispositionen aus. Denn hier handelt es sich nicht darum, sich selbst und seine eigene Persönlichkeit zu gestalten, sondern nur darum, operative Fähigkeiten nutzbringend anzuwenden und den mit dem Verstand konzipierten Ideen ästhetische Gestalt zu geben.
Doch wenn der Unterschied zwischen diesen beiden Dispositionen, der moralischen und der künstlerischen, wesentlich ist, so ist der Zusammenhang zwischen beiden nicht weniger wichtig. Sie bedingen sich gegenseitig zutiefst. Beim Gestalten eines Werkes bringt der Künstler in der Tat sich selber soweit zum Ausdruck, daß seine Schöpfung einen einzigartigen Widerschein seines Seins, dessen also, was er ist und wie er es ist, darstellt. Das findet zahllose Bestätigungen in der Geschichte der Menschheit. Denn wenn der Künstler ein Meisterwerk gestaltet, ruft er nicht nur sein Werk ins Leben, sondern durch das Werk enthüllt er gewissermaßen auch seine eigene Persönlichkeit. In der Kunst findet er eine neue Dimension und ein einzigartiges Ausdrucksmittel für sein geistiges Wachstum. Durch die Werke, die er geschaffen hat, spricht und kommuniziert der Künstler mit den anderen. Die Kunstgeschichte ist darum nicht nur eine Geschichte von Werken, sondern auch von Menschen. Die Kunstwerke sprechen von ihren Urhebern, machen uns mit deren Innerstem bekannt und offenbaren den echten Beitrag, den die Künstler der Kulturgeschichte geben.
Die Berufung des Künstlers im Dienst an der Schönheit
3. Ein bekannter polnischer Dichter, Cyprian Norwid, schreibt: »Die Schönheit ist dazu da, für das Werk zu begeistern, das Werk, um aufblühen zu lassen«.(3)
Das Thema Schönheit gehört zu einem Gespräch über die Kunst. Ich deutete es bereits an, als ich Gottes gefälligen Blick auf das Schöpfungswerk hervorhob. Bei der Feststellung, daß alles, was er geschaffen hatte, gut war, sah Gott auch, daß es schön war.(4) Die Beziehung zwischen gut und schön regt zum weiteren Nachdenken an. Die Schönheit ist gleichsam der sichtbare Ausdruck des Guten, so wie das Gute die metaphysische Voraussetzung der Schönheit ist. Das haben die Griechen richtig verstanden, die durch Verschmelzung der beiden Begriffe eine Wendung prägten, die beide umfaßt: »kalokagathía«, das heißt »das Schön-Gute«. Platon schreibt darüber: »Die Macht des Guten entflieht in die Natur des Schönen«.(5)
Durch sein Leben und Tun legt der Mensch sein Verhältnis zum Sein, zur Wahrheit und zum Guten fest. Der Künstler erlebt eine besondere Beziehung zur Schönheit. Es ist sehr treffend, wenn man sagt, die Schönheit ist die vom Schöpfer durch das Geschenk des »künstlerischen Talentes« an ihn gerichtete Berufung. Und mit Sicherheit ist auch das ein Talent, das nach der Logik des Gleichnisses von den Talenten, wie es die Frohe Botschaft erzählt (vgl. Mt 25,14-30), Früchte bringen soll.
Hier berühren wir einen wesentlichen Punkt. Wer in sich diesen göttlichen Funken der künstlerischen Berufung — zum Dichter, zum Schriftsteller, zum Maler, zum Bildhauer, zum Architekten, zum Musiker, zum Schauspieler… — spürt, nimmt gleichzeitig die Verpflichtung wahr, dieses Talent nicht zu vergeuden, sondern es zu entfalten, um es in den Dienst des Nächsten und der ganzen Menschheit zu stellen.
Der Künstler und das Gemeinwohl
4. Die Gesellschaft braucht tatsächlich Künstler ebenso, wie sie Wissenschaftler, Techniker, Arbeiter, Fachleute, Glaubenszeugen, Lehrer, Vater und Mütter benötigt. Durch jene sehr erhabene Kunstform, die »Erziehungskunst« heißt, sollen diese das Wachstum des einzelnen und die Entwicklung der Gemeinschaft gewährleisten. Die Künstler indes haben in dem umfassenden Kulturpanorama jeder Nation ihren eigenen Platz. Solange sie bei der Ausführung wirklich wertvoller und schöner Werke ihrer Eingebung folgen, bereichern sie ja nicht nur das Kulturgut jeder einzelnen Nation und der ganzen Menschheit, sondern leisten auch einen qualifizierten sozialen Dienst zum Nutzen des Gemeinwohls.
Während die unterschiedliche Berufung jedes Künstlers den Bereich seines Dienstes bestimmt, verweist sie auf die Aufgaben, die er zu übernehmen, die harte Arbeit, der er sich zu unterziehen, und die Verantwortung, der er sich zu stellen hat. Ein Künstler, der sich all dessen bewußt ist, weiß auch, daß er tätig sein muß, ohne sich von eitler Ruhmsucht oder von der Begierde nach oberflächlicher Popularitat, geschweige denn von einer persönlichen Gewinnrechnung beherrschen zu lassen. Es gibt also eine Ethik, ja eine »Spiritualität« des künstlerischen Dienstes, die auf ihre Weise zum Leben und zum Wiedererstehen eines Volkes beiträgt. Genau darauf scheint Cyprian Norwid anspielen zu wollen, wenn er sagt: »Die Schönheit ist dazu da, für das Werk zu begeistern, das Werk, um aufblühen zu lassen«.
Die Kunst vor dem Geheimnis des fleischgewordenen Wortes
5. Das Gesetz des Alten Testaments enthält ein ausdrückliches Verbot, den unsichtbaren und aussprechlichen Gott mit Hilfe »eines geschnitzten oder gegossenen Bildnisses« (Dtn 27,15) darzustellen, da Gott jede materielle bildliche Darstellung übersteigt: »Ich bin der ”Ich-bin-da“ (Ex 3,14). Im Geheimnis der Menschwerdung jedoch hat sich der Sohn Gottes persönlich sichtbar gemacht: »Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau« (Gal 4,4). Gott ist in Jesus Christus Mensch geworden; dieser ist »der Mittelpunkt, auf den man sich beziehen muß, um das Rätsel vom menschlichen Dasein, der geschaffenen Welt und von Gott selber begreifen zu können«.(6)
Diese grundlegende Offenbarung Gottes als Geheimnis stand als Ermutigung und Herausforderung für die Christen auch auf der Ebene des künstlerischen Schaffens. Daraus erwuchs ein Erblühen von Schönheit, das eben von hier, aus dem Geheimnis der Menschwerdung, seinen Lebenssaft zog. Denn durch sein Menschwerden hat der Sohn Gottes in die Geschichte der Menschheit den ganzen evangelischen Reichtum der Wahrheit und des Guten eingeführt und damit auch eine neue Dimension der Schönheit enthüllt: Davon ist die evangelische Botschaft bis zum Rand voll.
Die Heilige Schrift ist so gleichsam zu einem »unermeßlichen Wortschatz« (P. Claudel) und »Bilderatlas« (M. Chagall) geworden, aus welchen die christliche Kultur und Kunst geschöpft haben. Selbst das im Licht des Neuen Testaments ausgelegte Alte Testament hat unerschöpfliche Inspirationsströmungen offenbar werden lassen. Von den Berichten über die Schöpfung, den Sündenfall, die Sintflut, die Reihe der Patriarchen, den Auszug aus Ägypten bis hin zu den vielen Episoden und Personen der Heilsgeschichte hat der biblische Text die Phantasie von Malern, Dichtern, Musikern, Bühnenschriftstellern und Filmemachern angeregt. Um nur ein Beispiel zu nennen: Eine Gestalt wie die des Hiob mit ihrer brennenden und stets aktuellen Problematik des Schmerzes weckt immer wieder das philosophische wie auch das literarische und künstlerische Interesse. Und was soll ich erst vom Neuen Testament sagen? Von der Geburt bis Golgota, von der Verklärung bis zur Auferstehung, von den Wundertaten bis zu den Lehrreden Christi und weiter bis zu den Ereignissen, die in der Apostelgeschichte erzählt oder von der Offenbarung des Johannes unter eschatologischem Aspekt dargestellt werden, ist das Wort der Bibel unzählige Male Bild, Musik und Dichtung geworden, die durch die Sprache der Kunst das Geheimnis des »fleischgewordenen Wortes« wachrufen.
In der Kulturgeschichte bildet all das ein reiches Kapitel des Glaubens und der Schönheit. Nutzen davon trugen vor allem die Gläubigen für ihre Gebets- und Lebenserfahrung. In Zeiten mit geringer Alphabetisierung boten die bildlichen Bibeldarstellungen geradezu eine konkrete katechetische Glaubensvermittlung.(7) Aber für alle, ob gläubig oder nicht, bleiben die an der Heiligen Schrift inspirierten Kunstwerke ein Widerschein des unergründlichen Geheimnisses, das die Welt umgibt und in ihr wohnt.
Ein fruchtbares Bündnis zwischen Evangelium und Kunst
6. In der Tat geht jede künstlerische Intuition über das hinaus, was die Sinne wahrnehmen, und bemüht sich, indem sie die Wirklichkeit durchdringt, deren verborgenes Geheimnis zu deuten. Die Intuition entspringt aus der Tiefe der menschlichen Seele, dort, wo das Bestreben, seinem Leben einen Sinn zu geben, einhergeht mit der flüchtigen Wahrnehmung der Schönheit und der geheimnisvollen Einheit der Dinge. Eine von allen Künstlern geteilte Erfahrung ist die von dem unüberwindlichen Unterschied, der zwischen dem noch so gelungenen Werk ihrer Hände und der am Höhepunkt des schöpferischen Aktes wahrgenommenen überwältigenden Vollkommenheit der Schönheit besteht: Alles, was sie in dem, was sie malen, meißeln, schnitzen und schaffen, auszudrücken vermögen, ist nur ein Schimmer jenes Glanzes, der für einige Augenblicke vor ihrem geistigen Auge aufleuchtete.
Der Glaubende wundert sich darüber nicht: Er weiß, daß er für einen Augenblick an jenem Abgrund an Licht stehen durfte, der in Gott seine Urquelle hat. Muß man sich vielleicht wundern, wenn der Geist davon so überwältigt ist, daß er sich nur mit Gestammel ausdrücken kann? Niemand ist mehr als der wahre Künstler dazu bereit, seine Grenze zu erkennen und sich die Worte des Apostels Paulus zu eigen zu machen, wonach »Gott nicht in Tempeln wohnt, die von Menschenhand gemacht sind. Daher dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung« (vgl. Apg 17,24.29). Wenn schon die innerste Wirklichkeit der Dinge immer »jenseits« der Fähigkeit zu menschlicher Durchdringung liegt, wieviel mehr gilt das für Gott in den Tiefen seines unergründlichen Geheimnisses!
Von anderer Natur ist die Glaubenserkenntnis: Sie setzt eine persönliche Begegnung mit Gott in Jesus Christus voraus. Doch auch diese Erkenntnis kann aus der künstlerischen Intuition Nutzen ziehen. Ausdrucksvolles Vorbild einer sich im Glauben erhöhenden ästhetischen Betrachtung sind zum Beispiel die Werke des Beato Angelico. Nicht weniger vielsagend ist in diesem Zusammenhang der ekstatische Lobgesang, den der hl. Franz von Assisi, nachdem er auf dem Monte della Verna die Wundmale Christi empfangen hatte, auf einem Blättchen (chartula) zweimal wiederholte: »Du bist Schönheit… Du bist Schönheit!«.(8) Der heilige Bonaventura kommentiert: »Er betrachtete in den schönen Dingen über den Schönsten und, während er den in die Geschöpfe eingeprägten Spuren folgte, jagte er überall dem Geliebten nach«.(9)
Eine ähnliche Annäherung kann man in der orientalischen Spiritualität feststellen, wo Christus als »der Schönste, von größerer Schönheit als alle Sterblichen«(10) bezeichnet wird. Makarios der Große erläutert die verklärende und befreiende Schönheit des Auferstandenen so: »Die Seele, die von der unsagbaren Schönheit der strahlenden Herrlichkeit des Antlitzes Christi voll erleuchtet wurde, ist vom Heiligen Geist erfüllt…, sie ist ganz Auge, ganz Licht, ganz Angesicht«.(11)
Jede echte Form von Kunst ist, jeweils auf ihre Art, ein Zugang zur tiefsten Wirklichkeit des Menschen und der Welt. Als solcher stellt sie eine sehr wertvolle Annäherung an den Glaubenshorizont dar, wo das menschliche Dasein und seine Geschichte ihre vollendete Deutung finden. Genau deshalb mußte ja die Fülle der Wahrheit, wie sie in den Evangelien entfaltet ist, von Anfang an das Interesse der Künstler wecken, die auf Grund ihrer Natur für alles empfänglich sind, was die innere Schönheit der Wirklichkeit offenbart.
Die Anfänge
7. Die Kunst, der das Christentum in seiner Anfangszeit begegnete, war die reife Frucht der klassischen Welt, brachte deren ästhetische Gesetze zum Ausdruck und gab gleichzeitig ihre Werte weiter. Wie im Bereich des Lebens und Denkens, so verlangte der Glaube von den Christen auch auf dem Gebiet der Kunst ein Unterscheidungsvermögen, das die automatische Übernahme dieses Erbes nicht gestattete. Die Kunst christlicher Inspiration begann daher im Stillen, in engem Zusammenhang mit dem Bedürfnis der Glaubenden Zeichen zu erarbeiten, mit denen man auf der Grundlage der Schrift die Geheimnisse des Glaubens und zugleich einen »Symbolkodex« ausdrücken kann, mit dessen Hilfe die Glaubenden sich besonders in den schweren Zeiten der Verfolgung zu erkennen geben und zu identifizieren vermochten. Wer erinnert sich nicht an jene Symbole, die auch die ersten Anzeichen einer Mal- und Bildhauerkunst waren? Der Fisch, die Brote, der Hirt riefen das Geheimnis wach und wurden fast unmerklich zum Konzept einer neuen Kunst.
Als durch den Erlaß Kaiser Konstantins den Christen gewährt wurde, sich in voller Freiheit zu äußern, wurde die Kunst zu einem bevorzugten Weg der Glaubensbekundung. Eine erste Blüte begann mit dem Bau imposanter Basiliken, wobei die architektonischen Gesetze des antiken Heidentums aufgegriffen und zugleich den Erfordernissen des neuen Kultes angepaßt wurden. Muß man nicht wenigstens die alte Petersbasilika und die alte Lateranbasilika erwähnen, die Konstantin selbst errichten ließ? Oder als Beispiel für die prachtvolle byzantinische Kunst die auf Wunsch von Kaiser Justinian errichtete Hagia Sophía in Konstantinopel?
Wahrend die Architektur den heiligen Raum schuf, führte allmählich das Verlangen, sich in das Geheimnis zu vertiefen und es den einfachen Menschen auf unmittelbare Art und Weise anzubieten, zu den Anfangsäußerungen der Mal- und Bildhauerkunst. Zugleich entstanden die ersten Versuche einer Wort- und Tonkunst, und wenn Augustinus unter die vielen Themen seines Schaffens auch ein De musica aufnahm, so wurden Hilarius, Ambrosius, Prudentius, Ephram der Syrer, Gregor von Nazianz, Paulinus von Nola — um nur einige Namen zu nennen — zu Initiatoren einer christlichen Poesie, die häufig nicht nur einen hohen theologischen, sondern auch literarischen Wert erreicht. Ihr dichterisches Programm verwertete von den Klassikern überkommene Formen, schöpfte aber aus dem reinen Lebenssaft des Evangeliums, wie es der heilige Dichter aus Nola treffend aussprach: »Unsere einzige Kunst ist der Glaube, und Christus ist unser Gesang«.(12) Einige Zeit später schuf Gregor der Große mit der Sammlung Antiphonarium seinerseits die Voraussetzung für die organische Entwicklung jener Kirchenmusik, die so originell war, daß sie nach ihm benannt wurde. Der gregorianische Gesang mit seinen inspirierten Modulationen sollte in den kommenden Jahrhunderten zur typischen melodischen Ausdrucksform des Glaubens der Kirche während der liturgischen Feier der heiligen Geheimnisse werden. So verband sich das »Schöne« mit dem »Wahren«, damit die Seelen auch auf dem Wege über die Kunst vom Sinnlichen her zum Ewigen hin mitgerissen würden.
Auf diesem Weg blieben schwierige Abschnitte nicht aus. Gerade im Zusammenhang mit dem Thema, wie das christliche Geheimnis dargestellt werden könne, erlebte die Antike eine erbitterte Auseinandersetzung, die unter dem Namen »Bilderstreit« in die Geschichte einging. Der in der Frömmigkeit des Gottesvolkes bereits verbreitete Bilderkult wurde zum Gegenstand einer gewalttätigen Protestbewegung. Das 787 in Nicäa abgehaltene Konzil, das die Zulässigkeit der Bilder und ihrer Verehrung beschloß, war nicht nur für den Glauben, sondern gerade auch für die Kultur ein historisches Ereignis. Das entscheidende Argument, auf das sich die Bischöfe beriefen, um den Streit beizulegen, war das Geheimnis der Menschwerdung: Wenn der Sohn Gottes in die Welt der sichtbaren Wirklichkeiten eingetreten ist, indem er durch sein Menschsein eine Brücke zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren schlug, darf man analog annehmen, daß eine Darstellung des Geheimnisses in der Logik des Zeichens als sinnlich wahrnehmbare Evokation des Geheimnisses verwendet werden kann. Das Bild wird nicht um seiner selbst willen verehrt, sondern verweist auf den Gegenstand, den es darstellt.(13)
Das Mittelalter
8. Die nachfolgenden Jahrhunderte waren Zeugen einer großartigen Entfaltung der christlichen Kunst. Im Osten ging die Blüte der Ikonenkunst weiter, gebunden an gewichtige theologische und ästhetische Regeln und getragen von der Überzeugung, daß die Ikone in gewissem Sinn ein Sakrament sei: Denn analog zu dem, was in den Sakramenten geschieht, macht sie das Geheimnis der Menschwerdung in deren einem oder anderem Aspekt gegenwärtig. Eben darum kann man die Schönheit der Ikone vor allem im Inneren einer Kirche genießen, wo Lampen brennen und im Halbschatten unzählige Lichtreflexe hervorrufen. Dazu schreibt Pavel Florenskij: »Das Gold, das im diffusen Tageslicht fremd, schwer und nichtig anmutet, lebt durch das flackernde Licht einer Lampe oder einer Kerze wieder auf, da es von Myriaden Funken — bald hier, bald da — erstrahlt und andere, nicht irdische Lichter ahnen läßt, die den Himmelsraum erfüllen«.(14)
Im Abendland gehen die Künstler, auch in Abhängigkeit von den in der kulturellen Umwelt ihrer Zeit vorhandenen Grundüberzeugungen, von den verschiedensten Gesichtspunkten aus. Zu den Kunstschätzen, die sich im Laufe der Jahrhunderte angehäuft haben, zählt eine reiche Fülle sakraler Kunstwerke hoher Inspiration, die auch den heutigen Betrachter mit Bewunderung erfüllen. An erster Stelle stehen die großartigen Kirchenbauten, bei denen sich die Zweckmäßigkeit immer mit der Eingebung verbindet und diese letztere sich vom Sinn für das Schöne und von der Intuition des Mysteriums inspirieren läßt. Daraus entstehen die in der Kunstgeschichte wohlbekannten Baustile. Kraft und Schlichtheit des romanischen Stils, wie sie in den Kathedralen oder in den Klosteranlagen zum Ausdruck kommen, führen nach und nach zu den schlanken Linien und zur herrlichen Pracht der Gotik. In diesen Formen steckt nicht nur der geniale Geist eines Künstlers, sondern die Seele eines Volkes. An dem Spiel von Licht und Schatten, an den bald massiven, bald schlanken Formen sind sicher bautechnische Überlegungen, aber auch Spannungen der Gotteserfahrung, die »schreckliches« und »faszinierendes« Geheimnis ist, beteiligt. Wie soll man in wenigen Andeutungen und für die verschiedenen Ausdrucksformen der Kunst die schöpferische Kraft der langen Jahrhunderte des christlichen Mittelalters zusammenfassen? Wenn auch in den immer vorhandenen Grenzen des Menschlichen, hatte sich eine ganze Kultur mit dem Evangelium vollgesogen, und dort, wo das theologische Denken die Summa des hl. Thomas hervorbrachte, bearbeitete die kirchliche Kunst die Materie für die Anbetung des Geheimnisses, während ein so wunderbarer Dichter wie Dante Alighieri »das heilige Epos, nach dem sowohl Himmel wie Erde gegriffen hat«(15) verfassen konnte — die er selbst als Divina Commedia (Göttliche Komödie) bezeichnete.
Humanismus und Renaissance
9. Das fruchtbare kulturelle Klima, aus dem die außerordentliche künstlerische Blüte des Humanismus und der Renaissance erwächst, hat bedeutsame Auswirkungen auch auf die Art der Beziehung der Künstler dieser Zeit zur religiösen Thematik. Natürlich sind die Inspirationen ebenso vielfaltig, wie es ihre Stile oder wenigstens jene der größten unter ihnen sind. Aber es ist nicht meine Absicht, Dinge zu erwähnen, die euch Künstlern nur zu gut bekannt sind. Wenn ich euch aus diesem Apostolischen Palast schreibe, der auch eine auf der Welt wohl einzigartige Schatzkammer von Meisterwerken ist, möchte ich mich vielmehr zur Stimme der größten Künstler machen, die hier die Fülle ihrer oft von großer spiritueller Tiefe durchdrungenen genialen Begabung ausgegossen haben. Von hier aus spricht Michelangelo, der in der Sixtinischen Kapelle von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht das Drama und Geheimnis der Welt zusammengestellt hat, indem er Gottvater, dem Richter Christus und dem Menschen auf seinem mühseligen Weg von den Ursprüngen bis ans Ziel der Geschichte ein Gesicht gegeben hat. Von hier aus spricht der feinfühlige und tiefsinnige Genius eines Raffael, der in der Vielfalt seiner Gemälde, und das besonders in der »Disputa« der Stanza della Segnatura, auf das Geheimnis der Offenbarung des dreieinigen Gottes hinweist, der in der Eucharistie zum Weggefährten des Menschen wird; damit wirft er ein Licht auf die Fragen und Erwartungen des menschlichen Denkens. Von hier aus, von der imposanten, dem Apostelfürsten geweihten Basilika, von den Kolonnaden, die von ihr wie zwei geöffnete Arme ausgehen, als wollten sie die Menschheit umgreifen, sprechen auch — um nur die größten zu nennen — ein Bramante, ein Bernini, ein Borromini, ein Maderno, indem sie den Sinn des Geheimnisses plastisch darstellen, das die Kirche zu einer universalen, gastfreundlichen Gemeinschaft, zur Mutter und Weggefährtin für jeden Menschen macht, der auf der Suche nach Gott ist.
In diesem außergewöhnlichen Komplex, wo sie Höhen unvergänglichen Wertes sowohl in asthetischer wie auch religiöser Hinsicht erreichte, hat die sakrale Kunst einen Ausdruck einzigartiger Wirkungskraft gefunden. Was sie unter dem Impuls des Humanismus und der Renaissance und der darauffolgenden Tendenzen in Kultur und Wissenschaft immer mehr kennzeichnet, ist ein wachsendes Interesse für den Menschen, die Welt und die Wirklichkeit der Geschichte. Diese Aufmerksamkeit stellt an und für sich überhaupt keine Gefahr für den christlichen Glauben dar, dessen Mittelpunkt das Geheimnis der Menschwerdung und somit die Aufwertung des Menschen durch Gott bildet. Das zeigen uns gerade die größten Künstler, die oben erwähnt wurden. Man braucht nur daran zu denken, wie Michelangelo in seinen Gemälden und Skulpturen der Schönheit des menschlichen Körpers Ausdruck verleiht.(16)
Auch im neuen Klima der letzten Jahrhunderte, wo ein Teil der Gesellschaft dem Glauben gegenüber scheinbar gleichgültig geworden ist, riß übrigens die religiöse Kunst nicht ab. Diese Feststellung gewinnt an Gewicht, wenn wir von den bildenden Künsten zur Betrachtung der großartigen Entwicklung übergehen, die innerhalb derselben Zeitspanne die Kirchenmusik erlebt hat, die für die liturgischen Bedürfnisse komponiert wurde oder auch nur an religiöse Themen gebunden war. Neben den unzähligen Künstlern, die sich ihr umfassend gewidmet haben — es seien wenigstens Pier Luigi da Palestrina, Claudio Monteverdi und Tomás Luis de Victoria genannt —, haben uns bekanntlich auch auf diesem Gebiet viele große Komponisten — von Händel bis Bach, von Mozart bis Schubert, von Beethoven bis Berlioz, von Liszt bis Verdi — Werke höchster Inspiration geschenkt.
Auf einen neuen Dialog zu
10. Es trifft freilich zu, daß sich in der Moderne neben diesem christlichen Humanismus, der nicht aufgehört hat, sich in Kultur und Kunst auszudrücken, zunehmend auch eine Form von Humanismus durchgesetzt hat, für den die Abwesenheit Gottes und häufig der Widerstand gegen ihn charakteristisch ist. Dieses Klima hat bisweilen, zumindest im Sinn eines verminderten Interesses vieler Künstler für religiöse Themen, zu einer gewissen Distanz zwischen der Welt der Kunst und jener des Glaubens geführt.
Ihr wibt jedoch, daß die Kirche weiterhin eine hohe Achtung für den Wert der Kunst als solcher genährt hat. Diese hat nämlich, wenn sie echt ist, auch jenseits ihrer typisch religiösen Ausdrucksformen eine innere Nähe zur Welt des Glaubens, so daß sogar in den Situationen eines größeren Abrückens der Kultur von der Kirche gerade die Kunst weiter eine Art Brücke zur religiösen Erfahrung hin darstellt. Als Suche nach dem Schönen, Frucht einer das Alltägliche übersteigenden Einbildungskraft, ist sie ihrer Natur nach eine Art Anruf an das Mysterium. Selbst wenn er die dunkelsten Tiefen der Seele oder die erschütterndsten Seiten des Bösen ergründet, wird der Künstler gewissermaßen zur Stimme der universalen Erlösungserwartung.
Man begreift also, warum die Kirche am Dialog mit der Kunst in besonderer Weise festhält und den Wunsch hat, daß in unserer Zeit ein neues Bündnis mit den Künstlern zustande komme, wie es mein ehrwürdiger Vorganger Paul VI. in seiner beschwörenden Ansprache an die Künstler während der Begegnung in der Sixtinischen Kapelle am 7. Mai 1964 wünschte.(17) Von dieser Zusammenarbeit erhofft sich die Kirche eine neue »Epiphanie« der Schönheit für unsere Zeit und entsprechende Antworten auf die Anliegen der christlichen Gemeinschaft.
Im Geiste des Zweiten Vatikanischen Konzils
11. Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Grundlagen gelegt für die Erneuerung der Beziehung zwischen Kirche und Kultur mit unmittelbaren Auswirkungen auch für die Welt der Kunst. Es ist eine Beziehung, die sich im Zeichen der Freundschaft, der Öffnung und des Dialogs darstellt. In der Pastoralkonstitution Gaudium et spes haben die Konzilsvater die »große Bedeutung« der Literatur und der Künste im Leben des Menschen hervorgehoben: »Denn sie bemühen sich um das Verständnis des eigentümlichen Wesens des Menschen, seiner Probleme und seiner Erfahrungen bei dem Versuch, sich selbst und die Welt zu erkennen und zu vollenden; sie gehen darauf aus, die Situation des Menschen in Geschichte und Universum zu erhellen, sein Elend und seine Freude, seine Not und seine Kraft zu schildern und ein besseres Los des Menschen vorausahnen zu lassen«.(18)
Auf diesem Fundament haben die Vater zum Abschluß des Konzils ein Grußwort und einen Appell an die Künstler gerichtet: »Diese Welt — so sagten sie —, in der wir leben, hat Schönheit nötig, um nicht in Verzweiflung zu verfallen. Die Schönheit legt, wie die Wahrheit, die Freude in das Herz des Menschen und ist eine kostbare Frucht, die dem zeitlichen Verschleiß widersteht, die Generationen verbindet und sie in der Bewunderung miteinander in Kommunikation treten läßt!«.(19) Genau in diesem Geist tiefer Achtung vor der Schönheit hatte die Konstitution über die Heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium an die historische Freundschaft der Kirche zur Kunst erinnert. Als sie im besonderen von der sakralen Kunst als der »höchsten Form« religiöser Kunst sprach, hatte die Konstitution nicht gezögert, das Wirken der Künstler als »edlen Dienst« anzusehen, wenn ihre Werke in der Lage sind, in gewisser Weise die unendliche Schönheit Gottes widerzuspiegeln sowie Geist und Sinn der Menschen auf ihn hinzulenken.(20) Auch ist es dem Beitrag der Künstler zu verdanken, daß »das Wissen um Gott besser verdeutlicht und die evangelische Botschaft dem Geist der Menschen zugänglicher« wird.(21) Im Licht des eben Gesagten kann die Äußerung von P. Marie Dominique Chenu nicht überraschen, wonach selbst der Theologiehistoriker unvollständige Arbeit leisten würde, wenn er den literarischen wie auch bildnerischen Kunstwerken nicht die gebührende Aufmerksamkeit erwiese; stellen sie doch auf ihre Weise »nicht nur ästhetische Illustrationen, sondern richtige theologische “Orte” dar«.(22)
Die Kirche braucht die Kunst
12. Um die Botschaft weiterzugeben, die ihr von Christus anvertraut wurde, braucht die Kirche die Kunst. Denn die Kirche soll die Welt des Geistes, des Unsichtbaren, die Welt Gottes wahrnehmbar, ja, so weit als möglich, faszinierend machen. Sie muß also das an sich Unaussprechliche in bedeutungsvolle Formeln übertragen. Nun besitzt die Kunst die eigentümliche Fähigkeit, den einen oder anderen Aspekt der Botschaft herauszugreifen und ihn in Farben, Formen, Töne umzusetzen, welche die Intuition des Betrachters oder Hörers begünstigen. Und das geschieht, ohne die Botschaft ihrer transzendenten Bedeutung zu berauben und ihr den Nimbus eines Geheimnisses zu nehmen.
Die Kirche braucht im besonderen Leute, die all das auf literarischer und bildnerischer Ebene dadurch zu verwirklichen vermögen, daß sie mit den unendlichen Möglichkeiten der Bilder und ihrer symbolischen Bedeutungen arbeiten. Christus selbst hat der Entscheidung entsprechend, in der Menschwerdung selbst zur Ikone des unsichtbaren Gottes zu werden, in seiner Verkündigung umfassend von Bildern Gebrauch gemacht.
Ebenso braucht die Kirche Musiker. Wie viele Kirchenkompositionen sind im Laufe der Jahrhunderte von Menschen geschaffen worden, die zutiefst vom Sinn des Geheimnisses erfüllt waren! Unzählige Gläubige haben ihren Glauben von Melodien genährt, die im Herzen anderer Glaubender entstanden und Teil der Liturgie oder zumindest eine äußerst wirksame Hilfe für ihre würdevolle Gestaltung geworden sind. Im Gesang erfährt sich der Glaube als überschwengliche Freude, Liebe und zuversichtliche Erwartung des rettenden Eingreifens Gottes.
Die Kirche braucht Architekten, weil sie Raume benötigt, wo das christliche Volk sich versammeln und die Heilsgeheimnisse feiern kann. Nach den furchtbaren Zerstörungen des letzten Weltkrieges und der Expansion der Großstädte hat sich eine neue Architektengeneration an den Erfordernissen des christlichen Gottesdienstes versucht und damit die Kraft der Inspiration bestätigt, die das religiöse Thema auch gegenüber den architektonischen Kriterien unserer Zeit besitzt. Nicht selten wurden nämlich Gotteshauser errichtet, die zugleich Orte des Gebetes und echte Kunstwerke sind.
Braucht die Kunst die Kirche?
13. Die Kirche braucht also die Kunst. Kann man auch sagen, daß die Kunst die Kirche braucht? Die Frage mag provokant erscheinen. Tatsächlich aber hat sie, wenn sie richtig verstanden wird, ihre legitime und tiefgehende Begründung. Der Künstler sucht immer nach dem verborgenen Sinn der Dinge; seine quälende Sorge ist, daß es ihm gelinge, die Welt des Unaussprechlichen auszudrücken. Sieht man da nicht, welch große Inspirationsquelle für ihn jene Art von seelischer Heimat sein kann, wie sie die Religion darstellt? Werden etwa nicht im religiösen Bereich die wichtigsten persönlichen Fragen gestellt und die endgültigen existentiellen Antworten gesucht?
In der Tat gehört die religiöse Frage zu den von den Künstlern jeder Epoche am meisten behandelten Themen. Die Kirche hat stets an deren kreative Fähigkeiten appelliert, damit sie die Botschaft des Evangeliums und ihre konkrete Anwendung im Leben der christlichen Gemeinschaft darstellen. Diese Zusammenarbeit war eine Quelle gegenseitiger geistiger Bereicherung. Nutzen gezogen hat daraus schließlich das Verständnis vom Menschen, seines authentischen Bildes und seiner Wahrheit. Zutage getreten ist auch die besondere Verbindung, die zwischen Kunst und christlicher Offenbarung besteht. Das soll nicht heißen, daß der geniale menschliche Geist nicht auch in anderen religiösen Umfeldern anregende Eindrücke gefunden hat. Man denke nur an die antike, besonders die griechische und römische Kunst und an die noch immer blühende Kunst der ältesten orientalischen Kulturen. Es ist jedoch wahr, daß das Christentum kraft des zentralen Dogmas von der Fleischwerdung des Wortes Gottes dem Künstler einen Horizont anbietet, der besonders reich an inspirierenden Motiven ist. Welche Verarmung wäre für die Kunst ein Aussetzen des unerschöpflichen Stromes des Evangeliums!
Appell an die Künstler
14. Mit diesem Brief wende ich mich an euch, ihr Künstler auf der ganzen Welt, um euch meine Wertschätzung zu versichern und beizutragen zur Wiederanknüpfung einer noch nützlicheren Zusammenarbeit zwischen Kunst und Kirche. Meinerseits lade ich dazu ein, die Tiefe der geistlichen und religiösen Dimension wiederzuentdecken, wie sie zu allen Zeiten für die Kunst in ihren edelsten Ausdrucksformen charakteristisch war. Aus dieser Perspektive appelliere ich an euch Künstler des geschriebenen und gesprochenen Wortes, des Theaters und der Musik, der bildenden Künste und der modernen Technologien der Kommunikation. Besonders wende ich mich an euch christliche Künstler: Ich möchte einen jeden daran erinnern, daß das seit jeher bestehende Bündnis zwischen Evangelium und Kunst über die funktionalen Erfordernisse hinaus die Aufforderung einschließt, mit schöpferischer Intuition in das Geheimnis des menschgewordenen Gottes und zugleich in das Geheimnis des Menschen einzudringen.
Jeder Mensch ist in einem gewissen Sinn sich selbst unbekannt. Jesus Christus offenbart nicht nur Gott, sondern »er macht dem Menschen den Menschen selbst voll kund«.(23) In Christus hat Gott die Welt mit sich versöhnt. Alle Glaubenden sind aufgerufen, davon Zeugnis zu geben; aber an euch Männern und Frauen, die ihr euer Leben der Kunst gewidmet habt, liegt es, mit dem Reichtum eurer genialen Begabung zu sagen, daß in Christus die Welt erlöst wird: erlöst wird der Mensch, erlöst wird der menschliche Leib, erlöst wird die ganze Schöpfung, die, wie der hl. Paulus geschrieben hat, »sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes wartet« (Röm 8,19). Sie erwartet die Offenbarung der Söhne Gottes auch durch die Kunst und in der Kunst. Das ist eure Aufgabe. Vom Kontakt mit den Kunstwerken erwartet sich die Menschheit aller Zeiten — auch die heutige —, über ihren Weg und ihre Bestimmung aufgeklärt zu werden.
Schöpfergeist und künstlerische Inspiration
15. In der Kirche ist häufig die Anrufung des Heiligen Geistes zu vernehmen: Veni, Creator Spiritus… — »Komm, Heilger Geist, der Leben schafft, erfülle uns mit deiner Kraft. Dein Schöpferwort rief uns zum Sein: nun hauch uns Gottes Odem ein«.(24)
Auf den Heiligen Geist, »den Hauch« (ruah), weist bereits das Buch Genesis hin: »Die Erde war wüst und leer, Finsternis lag über der Urflut, und Gottes Geist schwebte über dem Wasser« (1,2). Welch große Ähnlichkeit besteht zwischen den Worten »Hauch — Hauchen« und »Einhauchung«, Inspiration! Der Geist ist der geheimnisvolle Künstler des Universums. Im Ausblick auf das dritte Jahrtausend möchte ich allen Künstlern wünschen, daß sie reichlich das Geschenk jener schöpferischen Inspirationen empfangen können, von denen jedes echte Kunstwerk seinen Anfang nimmt.
Liebe Künstler, ihr wißt sehr wohl: Es gibt viele innere und äußere Anregungen, die euer Talent inspirieren können. Jede echte Inspiration jedoch enthält etwas von dem Rauschen jenes »Hauches«, mit dem der Schöpfergeist von Anbeginn das Schöpfungswerk durchdrang. Während er über die geheimnisvollen Gesetze wacht, die das Universum lenken, trifft der göttliche Hauch des Schöpfergeistes mit dem Geist des Menschen zusammen und stimuliert dessen schöpferische Begabung. Er erreicht den menschlichen Geist durch eine Art innere Erleuchtung, welche die Anlage des Guten und des Schönen miteinander verbindet, und weckt in ihm die Kräfte des Verstandes und des Herzens, während er ihn dazu befahigt, eine Idee zu konzipieren und ihr im Kunstwerk Gestalt zu geben. Man spricht dann zu Recht, wenngleich in analoger Weise, von »Gnadenmomenten«, weil der Mensch die Möglichkeit hat, eine Erfahrung des ihn übersteigenden Absoluten zu machen.
Die »Schönheit«, die rettet
16. An der Schwelle des dritten Jahrtausends wünsche ich euch allen, liebe Künstler, daß ihr mit besonderer Intensitat von diesen schöpferischen Inspirationen erreicht werdet. Die Schönheit, die ihr an die Generationen von morgen weitergebt, möge so beschaffen sein, daß sie in ihnen das Staunen weckt! Angesichts der Heiligkeit des Lebens und des Menschen, angesichts der Wunder des Universums ist die einzig angemessene Haltung die des Staunens.
Aus diesem Staunen heraus wird jene Begeisterung entspringen können, von der Norwid in dem Gedicht spricht, auf das ich mich am Anfang bezogen habe. Solche Begeisterung brauchen die Menschen von heute und morgen, um sich den entscheidenden Herausforderungen, die sich am Horizont ankündigen, zu stellen und sie zu bewältigen. Ihr ist es zuzuschreiben, daß sich die Menschheit nach jeder Verwirrung wieder aufrichten und ihren Weg neu aufnehmen können. Genau in diesem Sinn hat man mit tiefer intuitiver Erkenntnis gesagt, daß »die Schönheit die Welt retten wird«.(25)
Die Schönheit ist Chiffre des Geheimnisses und Hinweis auf das Ewige. Sie ist Einladung, das Leben zu genießen und von der Zukunft zu träumen. Deshalb vermag die Schönheit der geschaffenen Dinge nicht zu befriedigen und weckt jene heimliche Sehnsucht nach Gott, die ein so leidenschaftlicher Liebhaber des Schönen wie der hl. Augustinus mit unvergleichlichen Worten einzufangen wußte: »Spät hab ich dich geliebt, du Schönheit, ewig alt und ewig neu, spät hab ich dich geliebt!«.(26)
Ich wünsche euch Künstlern der Welt, daß eure vielfaltigen Pfade alle zu jenem unendlichen Ozean der Schönheit führen mögen, wo das Staunen zu trunkener Bewunderung und unsagbarer Freude wird.
Ich wünsche euch, daß das Geheimnis des auferstandenen Christus, dessen Betrachtung sich die Kirche in diesen Tagen mit Freude hingibt, eure Arbeit inspiriere.
Es begleite euch die heilige Jungfrau Maria, die »Tota Pulchra«, die unzählige Künstler dargestellt haben und die der große Dante im Strahlenkranz des Paradieses betrachtet als »Schönheit und Freude, die allen anderen Heiligen vor Augen stand«.(27)
»Aus dem Chaos taucht die Welt des Geistes auf«. Aus den Worten, die Adam Mickiewicz in einem Augenblick großen Leidens für die polnische Heimat schrieb,(28) leite ich einen Wunsch für euch ab: Eure Kunst trage dazu bei, die wahre Schönheit herauszustellen, die als eine Art Widerschein des Geistes Gottes die Materie verwandle und dem Inneren der Menschen den Sinn für das Ewige erschließe.
Das wünsche ich euch aus ganzem Herzen!
Aus dem Vatikan, am 4. April, Ostersonntag 1999.
(1) Dialogus de ludo globi, lib. II: Philosophisch-Theologische Schriften, Wien 1967, III, S. 332.
(2) Die sittlichen Tugenden und darunter besonders die Besonnenheit lassen den Menschen nach dem Kriterium des sittlich Guten und des sittlich Bösen handeln: gemäß der recta ratio agibilium (des richtigen Kriteriums des Verhaltens). Die Kunst hingegen wird in der Philosophie als recta ratio factibilium (das richtige Kriterium der Realisierung) definiert.
(3) Promethidion: Bogumil, v. 185-186: Pisma wybrane, Warszawa 1968, vol. 2, p. 216.
(4) Diesen Aspekt drückt die griechische Übersetzung der Septuaginta eindrucksvoll aus, wenn sie das Wort t(o-)b (gut) des hebraischen Textes mit kalón (schön) wiedergibt.
(5) Philebos, 65 A.
(6) JOHANNES PAUL II., Enzyklika Fides et ratio (14. September 1998), n. 80: AAS 91 (1999), 67.
(7) Dieses pädagogische Prinzip wurde vom hl. Gregor dem Großen 599 in einem Brief an Bischof Serenus von Marseille in kompetenter Weise formuliert: «Die Malerei wird in den Kirchen verwendet, damit die Analphabeten wenigstens, wenn sie auf die Wände schauen, das lesen, was sie in den Codices nicht zu entziffern in der Lage sind» (Epistulae, IX, 209: CCL 140A, 1714).
(8) Lodi di Dio altissimo, V. 7 u. 10, in: Fonti Francescane, n. 261, Padua 1982, S. 177.
(9) Legenda maior, IX, 1, in: Fonti Francescane, n. 1162, a.a.O., S. 911.
(10) Enkomia der Matutin vom Karsamstag.
(11) Homilie I, 2: PG 34, 451.
(12) »At nobis ars una fides et musica Christus«: Carmen 20,31: CCL 203, 144.
(13) Vgl. JOHANNES PAUL II., Apostolisches Schreiben Duodecimum Saeculum (4. Dezember 1987), 8-9: AAS 80 (1988) 247-249.
(14) La prospettiva rovesciata ed altri scritti, Rom 1984, S. 63.
(15) Paradiso XXV,1-2.
(16) Vgl. JOHANNES PAUL II., Predigt während der hl. Messe anläßlich der Beendigung der Restaurierung der Fresken von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle (8. April 1994): Insegnamenti 171 (1994), 899-904.
(17) Vgl. AAS 56 (1964), 438-444.
(18) N. 62.
(19) Botschaft an die Künstler (8. Dezember 1965): AAS 58 (1966), 13.
(20) Vgl. N. 122.
(21) II. VAT. KONZIL, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 62.
(22) La teologia nel XII secolo, Jaca Book, Mailand 1992, S. 9.
(23) II. VAT. KONZIL, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, 22.
(24) Hymnus bei der Vesper zum Pfingstfest.
(25) F. DOSTOJEWSKIJ, Der Idiot, III. Teil, Kap. V.
(26) »Sero te amavi! Pulchritudo tam antiqua et tam nova, sero te amavi!«: Confessiones 10, 27,38: CCL 27, 251.
(27) Paradiso XXXI, 134-135.
(28) Oda do mlodosci, 69: Wybór poezji, Wroclaw 1986, vol. 1, p. 63.
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Die Ausbildung der zukünftigen Priester im Hinblick auf die Aufmerksamkeit gegenüber den Kulturgütern der Kirche (15. Oktober 1992). Quelle: www.vatican.va
30.12.2008 by admin.
PONTIFICAL COMMISSION FOR THE CONSERVATION
OF THE ARTISTIC AND HISTORICAL PATRIMONY OF THE CHURCH
Rome, October 15, 1992
PROT. 121/ 90/ 20
Your Eminence (Excellency),
Please forgive us if this Pontifical Commission has so often addressed this Episcopal Conference looking for information and underlining the duties which concern us in the pastoral work of promoting, protecting, conserving, the Church’s artistic and historical heritage.
In his Apostolic Constitution “Pastor bonus“, Pope John Paul II already asked us to “adlaborare ut Populus Dei magis magisque conscius fiat momenti et necessitatis patrimonium historiae et artis Ecclesiae conservandi” (Art. 103). But we also abide to a universal request which comes from the entire Church and the entire world, not to forget the role of ecclesiastical cultural goods in carrying out the work of evangelization (and for the sake of the “new evangelization”) as a primary stimulus for dialogue among cultures and for illustrating the Christian Mystery.
It is in this spirit that I am happy to send to Your Eminence (Excellency) the enclosed Circular letter regarding the cultural and pastoral training of future priests in their upcoming responsibilities concerning the artistic and historic heritage of the Church.
This Circular was preceded by an accurate preparatory study. It was drawn up in view of the general request, forwarded by all churches, to intensify the awareness of future priests regarding the value of artistic and historic collections. This seems to constitute the most evident deficiency and need at the present time. The initiative has been followed closely by our Holy Father John Paul II. It has received the cordial approval of the Congregations involved in the training of future priests: namely, the Congregation for the Evangelization of People, the Congregation for the Oriental Churches, and naturally the Congregation for Catholic Education.
I’m enclosing, along with the Circular letter addressed to Your Eminence (Excellency), a couple of extra copies for each Bishop of this Episcopal Conference. Asking You the courtesy to forward the document to their respective seats. I will be happy if Your Eminence (Excellency) could make it a subject of discussion in the agenda of one of the next general assemblies of this same Conference.
I have chosen to send the Circular during this current academic year retaining that ‑ if this document will become subject of a study by the staff of educators and teachers of the major seminaries during the months of the seminary year 1993‑4 - the seminaries’ scholastic programs and subsequent activities may become in tune with the suggestions put forth by this Circular by the academic year 1993‑4.
To the Cardinals and Bishops
Presidents of the Episcopal Conferences
I would be grateful if Your Eminence (Excellency) could send us adequate information on the decision taken once the major seminaries, under the jurisdiction of the Bishops of this Episcopal Conference, have delineated the academic programs and specific initiatives which put into practice the points of our Circular. This will allow us to circulate the information of what has been thought through and decided in each particular case to the various Churches.
I thank Your Eminence (Excellency) for Your kind attention to the problems and tasks put forth by our Circular. I’m sure that You will share this spirit of renewed effort towards the vehicles of art, archival or library documents which contribute even today ‑ just like in the most fruitful moments of the Church ‑ to the active presence of Christian values in pastoral work and as reflections of civilization and culture.
I send to You and to my Most Reverend Brothers of the Episcopal Conference my best regards and wishes, hoping to have been of some use in the delicate training activity of Their future priests.
Sincerely Yours in Jesus Christ
FRANCESCO MARCHISANO
Secretary
MONS. PAOLO RABITTI
Under‑Secretary
PONTIFICAL COMMISSION FOR THE CONSERVATION
OF THE ARTISTIC AND HISTORICAL PATRIMONY OF THE CHURCH
Circular letter regarding the cultural and pastoral training
of future priests in their upcoming responsibilities
concerning the artistic and historic heritage of the Church
Rome, October 15,1992
PROT. 121/90/18
Your Eminence/Excellency,
Our Holy Father John Paul II, earnestly desiring a fruitful valorization of the cultural goods of the Church in the work of evangelization as called for by recent historical events and concerned for the protection of this precious artistic and historic heritage of the Church and of humanity as a whole, has sought to stimulate a renewed dynamism in the Church regarding these values. He therefore established a new Organism within the Roman Curia, which could take care of this particular area of pastoral and cultural activity.
As the Apostolic Constitution “Pastor bonus” became effective, on March 1,1989 the Pontifical Commission for the Conservation of the Artistic and Historic Patrimony of the Church began its activity.
One of the primary and constant concerns which emerged from the survey carried out on the current situation of the artistic and historic collections of the Church throughout the world, is that without a renewed effort on the part of the clergy regarding the conservation of these goods and their cultural and pastoral valorization, and an awareness of their role in the work of evangelization, the liturgy, and the deepening of the faith, that new dynamic wished for by the Constitution “Pastor bonus“, will hardly be possible (1).
In addition, we notice the troublesome phenomenon of the improper use of a number of artistic and historic collections of the Church, which have been subtracted from the location for which they were originally intended in order to become part of private dwellings or collections. This occurs either because of the arbitrary actions sometimes carried out by those responsible for the custody of such goods or more often because of the increasing phenomenon of theft. In either case, it is indispensable that priests themselves assume the responsibility of caring for the artistic and historic collections of the Christian community while carrying out an effort for their protection and custody.
On numerous occasions the Holy See has emphasized and called to the attention of pastors this duty by underlining how indispensable it is for them to have, already by the time of their first years of priestly formation, a profound understanding of the value of sacred art. They should be aware of the importance of setting up, protecting and using properly ecclesiastical archives, and of ensuring the conservation and promotion of the library collections for the Christian communities (2).
As we will mention in this very text, the “Ratio Fundamentalis institutionis sacerdotalis”, echoing the conciliar Constitution “Sacrosanctum Concilium“, has requested that Sacred Liturgy, one of the principal subjects for theological studies, be presented “in connection with other subjects” (3). Within the “Norms” issued by various episcopates for the preparation of the clergy in their respective nations, the following subjects have been included: sacred art, archaeology, archive studies, and library studies as part of the liturgical and pastoral formation. This has been done in order to promote in their future priests an adequate sensitivity and preparation regarding their future responsibility in the area of the artistic and historic collections of the Church.
After an accurate examination of the different situations which one meets in the various particular churches, this Pontifical Commission considers it part of its own task ‑ in collaboration with the Congregation for Catholic Education ‑ to address this letter to the Most Reverend Bishops, to whose care the integral formation of future priests has been assigned, in order to suggest an intensification or the recovery of an effort in promoting an ad equate sensitivity and responsibility concerning the valorization, conservation, custody, and fruition of the artistic and historic collections of the Church on the part of all those who are preparing themselves for the priesthood.
I ‑ AN IMPORTANT PROBLEM FOR THE LIFE OF THE CHURCH
1. Throughout the centuries the Church has traditionally perceived the promotion, the custody, and the valorization of the highest expressions of the human spirit in the artistic and historic fields as an integral part of her ministry.
Besides carrying out a relationship of its own with the integral promotion of man through various cultural and educational initiatives, the Church has announced the Gospel and has perfected the divine cult in many ways with the aid of literary and figurative arts, music, architecture, and by conserving the historic memories and the precious documents of the life and reflection of her faithful. Thanks to these means the message of salvation has been communicated, and continues to be communicated today, to entire multitudes of believers and non‑believers.
This constant attention of the Church has enriched humanity with an immense treasure of testimonials of human ingenuity and its adhesion to the faith. This constitutes a conspicuous part of the cultural patrimony of humanity.
2. The Second Vatican Council, too, has solemnly recalled this responsibility and this ministry of the Church (4). With regard to sacred art, it has dwelled particularly on the artistic formation of the clergy: “The clergy, during the philosophical and theological courses of studies, should also be taught the history and development of sacred art, as well as the healthy principles on which the works of sacred art must be founded, in order that they might appreciate and conserve the venerable monuments of the Church and they might offer adequate advice to artists for the realization of their works”(5). The Council, in fact, has taken into account two important components of the problem, which we would like to submit now to the attention of those individuals and institutions responsible for the formation of future priests.
3. Today, on the one hand, we notice a strong growing awareness of the value of the people’s artistic and cultural patrimony taking place in various parts of the world and within different cultures. A new concern has been dedicated to this area. New and more abundant resources have been employed for its conservation and use. Louder cries of protest have been sounded against the risk of its dispersion and destruction.
While humanity has registered the failure of a model of life based on the consumption of the ephemeral and on the uncontested power of technology and while those ideologies which have closed their doors to human transcendence and man’s spirituality are now crumbling, we notice a growing appeal for the fruition of those goods typical of the human spirit and characteristic of the superior manifestations of man’s genius. In a world menaced by new forms of cruelty and crossed by an increasingly impressive migratory flux which exposes entire populations to live almost uprooted from their own humus, a growing number of men and women are becoming sensitive to the humanizing value of artistic and cultural expressions. As a consequence, there is a growing conviction that their adequate conservation, their protection against dispersion and instrumentalization (which results from their use according to economic standards alone), and their valorization as vehicles of the meaning and value of human life, is truly important for the future of humanity as a whole.
4. On the other hand, we are aware that the effort and the responsibility of contributing to this work of humanization, to this care of the “supplement of the soul” which must be guaranteed to the modem world, gravitate particularly on the Church and ‑ within the Christian community ‑ fall above all on the shoulders of the clergy. Under the guidance of the Bishops and the Successor of St. Peter, they preside authoritatively and guide the work of evangelization which is carried out also through the promotion, the care and the use of cultural goods. To them has been assigned in a very special way the wise and enlightened work of conservation of the community’s goods of which a consistent part comes from the works of human ingenuity and the precious testimonials of our fathers’ faith. In addition, they have to become promoters of a constant dialogue between the ecclesiastical community and men of culture and artists. This serves to renew a tradition which has given life to immortal masterpieces while contributing to the interior enrichment of art itself, of the community of faithful, and of humanity as a whole.
5. Keeping in mind these considerations and in view of the recent survey conducted by the Pontifical Commission for the Conservation of the Artistic and Historic Patrimony of the Church in the individual particular Churches, we have to say unfortunately that in many cases the preparation of the clergy for this task during these recent years has been quite weak and incomplete if not entirely absent.
It is true that in our modem world priests find themselves facing numerous, urgent and complex problems connected with the work of evangelization and the pastoral guidance of their community. But it is also true that their capacity of managing and evaluating correctly the cultural goods assigned to them is part of their mission which, on the basis of the preceding considerations, certainly does not constitute a secondary or negligible factor. Even in those cases where the relationship between priests and cultural goods is suitably mediated by competent lay people and expert consultants, the ultimate responsibility and above all the pastoral purpose of the use of these goods remains the primary responsibility of those who preside over the community and this requires an adequate preparation.
The negative consequences of a lack of aesthetic and pastoral sensitivity in the management of cultural goods are in many cases evident. They have often been the reason for a justified complaint on the part of ecclesiastical and civil authorities. Thefts have been caused at times by of a serious lack of protection, because of damages, improper and destructive use, illegal sales, incomplete and devastating restorations, inadequate care of the collections, difficulty of dialogue or sterile relations with the world of artiste and experts (6).
6. In view of these phenomena a renewed attention on the part of the entire Church to this problem seems increasingly urgent. Much has been done and much is being carried out even today to correct errors and to prevent negligences. But more remains to be done above all in the area of a renewed sensitivity and information regarding the importance of this primary aspect of the service of the Church in proclaiming the Gospel message and in supporting the true progress of humanity.
Thus, we believe we are facing a real problem whose importance must not escape anyone. It assumes a characteristic of particular urgency if one considers its pertinence to the great task of new evangelization. An adequate solution to this problem will be able to offer new and efficient possibilities in the fields of catechesis, and liturgical pastoral activity, and in a more general way in the area of promotion and diffusion of culture. The latter aspect has never been considered extraneous to the concerns of the Church for the integral development of humanity.
7. On the basis of these considerations, it seems fitting to the Pontifical Commission for the Conservation of the Artistic and Historic Patrimony of the Church to offer to the Most Reverend Bishops and particularly to those responsible for priestly and religious formation a specific contribution to meditate on, along with some practical suggestions on the subject of the preparation of future priests concerning the promotion, protection, and valorization of cultural goods.
Thus we recall and renew a long known tradition which has involved the Church, and in particular the Supreme Pontiffs and the Dicasteries of the Holy See, in often emphasizing solemnly the importance of this problem and the ways to approach it in an efficient manner (7).
The present contribution is very much in agreement with the reflections inspired by the recent Synod of Bishops concerning priestly formation Among the “current circumstances” recalled by this Synod’s theme, we can identify in fact what we have already mentioned above. In more than one intervention by synod fathers the theme of cultural goods as ways for evangelization and promotion of the faith has been referred to more or less directly. We find this echoed in the Apostolic Exhortation of our Holy Father John Paul II (8).
8. We intend here to put forth some observations and suggest some priorities regarding four principal points: first and foremost the aim of this intervention and the educational aspects which it intends to underline; second, an analysis of the educational itinerary as a whole and its principal individual components, in order to dwell – as our third point – on the scholastic‑intellectual aspect of this kind of formation. Finally, we will turn to some other considerations regarding the educators and the suitable instruments for an adequate preparation of priests in the promotion, conservation, and valorization of the patrimony of cultural goods assigned to their care.
II ‑ THE AIM OF THIS DOCUMENT
9. This document intends to aid those responsible for the formation of candidates for the priesthood by defining the educational itinerary and above all by suggesting the operative ways and the initiatives turned toward making future priests aware of their task regarding the artistic and historic collections of the Church while inserting these ways organically within their educational curriculum.
Since it deals with beginning or defining an educational program which in recent years has been interrupted or has suffered delays or gaps for various reasons in many ecclesiastical circles, the principal preoccupation is to stimulate a profound reflection on the present situation, the needs and necessities, the resources available or to be employed, in order to create the conditions for setting up concrete initiatives in a gradual and well thought-out manner.
Let us not forget that this is a problem faced in the permanent formation of the clergy as well. However, we want to concentrate our attention at least for the time being on the initial formation of future priests.
10. What we intend to say refers particularly to candidates for the priesthood affiliated to the diocesan Clergy, the Institutes of consecrated life and the Societies of apostolic life. Considering, however, the great responsibility of so many religious lay people and religious women working with cultural goods, this letter is also addressed to candidates being trained in Institutes of consecrated life and lay Societies of apostolic life, male and female, so that they might also be prepared to take into account this aspect of their apostolic activity.11. We certainly do not mean to prepare experts on the subject of the management of cultural goods. What we want to achieve is simply that pastors acquire that kind of sensitivity and competence which can permit them to attentively evaluate the extent of the values concerned so that they might, on the given occasion, benefit correctly from the collaboration of experts without depending on excessive delegation. Priests must be trained to educate the community under their care to these values. They must be able to collaborate correctly with associations, public and private administrations and organizations dedicated to the protection and promotion of art and the various forms of culture.
12. The area we are referring to does not only include sacred art (architecture, painting, sculpture, mosaics, music, internal decorating, and every other art form connected with the making of the liturgy and the cult), but also libraries, archives, museums many of which are still emerging today and are being renovated or up‑dated with a particular ecclesiastical qualification. The promotion and the care of all these areas is meant to be considered as a service of great value offered to the entire Christian community under whose protection remains such a conspicuous part of the cultural patrimony of humanity.
III ‑ A COMPLETE ITINERARY OF FORMATION AND WHY
13. Before expressing some particular suggestions, we want to recall that particularly in our case of a typical “pastoral formation”; our concern is not only to guarantee the transmission of notions or information regarding cultural goods. More than that, we intend to trace an itinerary of formation which, under various aspects and with different means, wants to ensure the growth of a mature sensitivity for these values in the context of an educational project for every seminary or house of studies.
Cultural goods must be known and appreciated by educated persons who will be able to understand their global value and to benefit from the contemplation of those truths which they communicate.
We find ourselves confronted with a problem that is not only an academic one, but whose roots extend to the global formation of an individual’s sensitivity. Consequently, under this perspective and for the majority of cases regarding future priests, it will mean integrating a culture, which in various parts of the world seems to become increasingly technical and efficient. This does not spontaneously favor the assertion of a humanistic mentality which represents an indispensable premise for correctly evaluating the highest and most authentic expressions of the human spirit.
14. The formation must deal above all with this kind of integration particularly if the candidates for the priesthood come from an environment characterized by a prevalent unilateral technical culture and a “scientific mentality”, presenting thus serious gaps from the point of view of aesthetic experience, historic and literary sensitivity, a “participating” consciousness toward the artistic world, and above all the capacity of understanding these values.
Students should be involved personally in the learning of this “humanism” which, in its most noble and balanced meaning, reveals itself to be that in dispensable premise and necessary accompaniment for welcoming the evangelical message on the part of single individuals or cultures. As one can perceive, this does not entail only an intellectual effort but rather a global growth of the individual in terms of the level of maturity of his sensitivity, of his religious belief and worship, and his cultural, spiritual, and pastoral levels.
The educational programs of seminaries and houses of studies must enrich themselves in many ways and on selected and planned occasions by suitable experiences and stimuli aimed at increasing this global maturity.
15. It is wise to recall here that the environment where this education takes place represents already in itself a place for educational potential. Even a simple or modem environment will be more or less able to facilitate an atmosphere of recollection and to increase the growth of an adequate aesthetic sensitivity. This is even more hue if one lives in places filled with history and art.
16. Communal life itself can also be important for our objective. Stimulating a sense of active participation and assuming one’s responsibility, teaching a spirit of collaboration together with an understanding of one’s own limits, increasing the respect for the gifts of others and the capacity of exploiting these gifts by guiding them to the service of the Gospel, are just some of the components of this aspect of education for the presbyteral ministry.
The failure to acquire these human qualities can be one of the more immediate causes of immature behavior with regard to the historic and artistic heritage or of the difficulties encountered in carrying out a correct and fruitful dialogue with the world of artists. Nothing can inhibit an appreciation of the hue and the beautiful more than a narrow mentality.
17. Spiritual formation also assumes great importance in this master. The liturgical life has a very important role in the education of aesthetic sensitivity. The first art school is made up of the celebrations which are held in the formation community. They should be exemplary even in an artistic point of view. This entails a constant verification of their level and their quality in order to avoid opposite excesses of carelessness or bizarre and overwhelming refinement, both contrary to good aesthetic sense.
Communal and individual prayer are also important moments of formation for an artistic sensitivity deeply integrated in the experience of faith itself. Those responsible for spiritual formation must therefore educate to prayer in such a way as to leave space for the dimensions of sensitivity, imagination, and aesthetic contemplation. The latter; if well inserted in the experience of grace and in the welcoming of the Spirit, is by no means distracting or evasive. It is in fact a vehicle for a more profound celebration of “the great works of the Lord.”
18. Pastoral practice often meets problems associated with sacred art and art in general.
It is thus necessary that future priests be helped out first of all in not ignoring these problems but in knowing how to recognize, evaluate, and confront them with prudence and pastoral intelligence. Already during their first ministerial experiences, they will thus become aware of the responsibilities that await them as guides of the community of faithful in such a fascinating world rich in resources, but also in need of purification and orientation.
IV ‑ ACADEMIC AND INTELLECTUAL FORMATION
19. What we have said so far certainly does not intend to underestimate the specific contribution of intellectual formation to a solution of our problem through an appropriate structure of academic courses. We only want to place this decisive and essential area of formation within the wider context of the global growth of an individual which should also constitute the aim of academic training.
In the following suggestions we will abide by the indications of the Ratio Fundamentalis which wisely recommend not to “multiply the number of subjects but to try to insert adequately in the already existing ones new issues and aspects.” (9)
20. In order to integrate the gaps of past curricula of studies one should favor the contribution of a good high school training in the minor seminary as much as possible or other forms of educational and cultural training of vocations in the first adolescent years.
In the recent Synod of Bishops on the training of future priests many Fathers have dwelled on the necessity of proposing to young and adult vocations an introductory year of theology. During this time one could find adequate placement of courses in art history, history of civilization, and philosophy which can prove to be of great help to the maturity of the humanistic and artistic sensitivity. The post‑synodal document has welcomed this request (10).
21. Philosophy courses should rightly include the presentation of a sufficient group of issues concerning aesthetics.
Systematic theology can present many important themes referring to the “form” of revelation. The latter can be evaluated not only in the light of the transcendentals, the true and the good, but also the beautiful, an aspect too often ignored (11).
Spiritual theology, in particular, will be able to influence positively in this sense through an analysis of subjects like iconology or the influence of the aesthetic element in general on the rise of the most elevated Christian experiences.
The teaching of canoe law should include an analysis of important canons that concern the management of cultural goods and works of art.
The role of the teaching of the liturgy is all the more important since it should emphasize the expressive and communicative value of faith which can be attributed to works of architecture, painting, sculpture music in relations to the sacramental celebrations and the cult.
This is also true for ecclesiastical history and patrology which offer a wide range of possibilities to highlight the creativity of the Christian faith, its capacity to accept and elevate various artistic expressions, the profound relationship which exists between theological reflection, and the inculturation of faith and works of art.
Finally even in pastoral theology, which has recently acquired greater attention in ecclesiastical studies, there are wide areas in which the themes of sacred art, cultural goods, and the role of pastors of the Christian community as responsible guides for such goods, can be treated according to new viewpoints.
22. While recommending, as we mentioned earlier, not to multiply needlessly academic courses, the Ratio Fundamentalis has recognized the role and the importance of special courses and elective subjects (12).
Some national episcopates intent on elaborating the “Norms” for their own seminaries have taken up this initiative (13). They have suggested that courses be planned in which history and the principles of sacred art, Christian archeology, archive science, and library science be included. Such courses can contribute in selecting a number of students who can major in these subjects in order that they might also be able to become a stimulus and an aid to their fellow brothers.
23. We wish that during the revision and up‑dating of all the “Norms” of each Episcopal Conference this section of subject areas be specifically planned for since it falls under the general theme of the “cultural and pastoral formation regarding ecclesiastical cultural goods.” We can even say that it is possible right now that every seminary and houses of studies delineate and intensify a specific program on this subject by evaluating the space available within the co‑natural subject matters for the theme of the artistic and historic heritage, as we indicated above (14).
The publication of adequate manuals could be of great use in this sense. They could present, in a unified manner, the essential theses regarding the complex juridical, liturgical, aesthetic, pastoral and technical issue of conservation, restoration, management, and responsibility toward the cultural goods of the Church and the role of future priests in this area.
24. In terms of academic orientation and academic life in general, we should finally underline the utility of specific initiatives such as meetings with artiste and art critics, participation in some of the major artistic events, information and visits to diocesan institutions (for example, diocesan museums, archives, libraries), visits to the most important religious and civil monuments of the diocese.
A direct encounter with the world of art and history, either through a personal acquaintance with those working in this field or through a personal contact with works of art and historic documents, constitutes a particularly efficient educational experience which can not be substituted by theoretical lessons given in school.
EDUCATORS AND MEANS
25. All those responsible for the actual formation should be required to have a good sensitivity toward the problem underlined here because, as we hope to have demonstrated, the acquisition of the right sensitivity in the field of promotion, protection, and valorization of cultural goods depends on various factors which involve the responsibility of all the different components of a seminary education.
Among faculty members, the professors of liturgy and ecclesiastical history acquire particular importance since they embody more directly and explicitly the role of educators of a good aesthetic sensitivity. In this respect the professor of Pastoral Theology has an essential role.
It maybe superfluous to point out that the indications we have mentioned require on the part of these faculty members and in various ways on the part of the entire educational staff of the seminaries and houses of studies a conspicuous effort to keep their professional level up to date.
26. It would be wise in this sense to provide specialized training for those faculty members which could be charged to teach subjects like pastoral work, sacred art, Christian archeology, archive science, library science. Besides what has already been admirably done in many parts of the world as well as by Pontifical Institutes in Rome (15), one could study the possibility of coordinating the available resources and establishing a project for the formation of ecclesiastical workers for cultural goods in each nation or region. This way they could be offered not only the necessary high scientific competence but also the required theological and ecclesiastical sensitivity along with a specific training in teaching these subjects, particularly in seminaries and houses of studies.
Once such programs of specialized training have been set up, those educators and teachers who will then be employed in the educational institutions which offer training for future priests regarding their responsibility in the field of the Church’s cultural goods, can be invited to attend.
27. The subject matters involved in the formation of future priests in this particular field are also often subjects taught, either wholly or in part, in the various state or private university departments as part of the bachelor’s or masters degrees. It’s important that such cultural institutions, particularly those connected with in Catholic Universities, constitute a point of reference and an opportunity for comparison and dialogue for the educational activity of the seminaries and the houses of studies. A similar suggestion can be made concerning museums, library facilities, and non-ecclesiastical archives, which often through various organizational means, carry out interesting cultural activities which the Christian community can not remain extraneous to.
28. A fruitful point of reference for educational values is certainly constituted by the diocesan Commission for sacred art or by other Church organisms which take care of this area with a pastoral aim in mind.
The exchange of individuals, information, and initiatives between these organisms and the seminary and houses of studies is normally one of the most suitable channels for integrating the education of future priests in view of their pastoral care for the arts, the cultural goods of the community, and a concrete preparation for work in this field.
We are sure that Your Excellency, sensitive to all the aspects of pastoral life, will accept the concerns and the suggestions contained in this letter while sharing the solicitude of our Holy Father John Paul II and our own that future priests might be able to confront even those responsibilities associated with the delicate subject of the artistic heritage and the historic documents assigned to their care and promotion.
We hope that Your Excellency will be able to transmit the text of this letter along with your own suggestions and comments, to the responsible Educators and Faculty members of Your Seminary, so that they might have a chance to reflect on the fundamental issues which have motivated it. We hope that they can then design, along with concrete operative lines, the program of institutional studies of their students both with regard to the courses of the six year theological and philosophical training, and the global project of formation, according to the suggestions we have taken the liberty to underline here.
In addition, we would be delighted if during one of the meetings of your clergy, Your Excellency could inform them of the growing effort we ask of them all with regard to our responsibility toward the artistic and historic heritage of the Church from the start of their formation. We thank you Your Excellency for Your attention and concern, and we would be truly grateful for any information concerning the realization of these suggestions in Your Diocese which might enable us to avail ourselves of these experiences as an aid to other Churches.
We take this opportunity to express our deep regards and esteem.
Sincerely Yours in Jesus Christ,
FRANCESCO MARCHISANO
Secretary
MONS. PAOLO RABITTI
Under‑secretary
1) John Paul II, Apostolic Constitution Pastor Bonus, June 28 1988, art. 103.2) Cf. for example: Sacrosanctum Concilium 129; Sacred Congregation for Seminaries and Universities, Regarding the course of archive science in the major seminaries, May 27, 1963.
Letter to Card. Gasparri, Regarding the conservation custody and the use of archives and ecclesiastical libraries April 15 1923.
3) Cf. Sacred Congregation for Catholic Education Ratio fundamentalis. January 6 1970 N. 80. (Ratio fundamentalis March 19 1985 N.79.)
4) Cf. Gaudium et Spes, 53‑62; Sacrosanctum Concilium, 122‑128; Message of the Council to humanity: Message to artists, December 8, 1965.
5) Sacrosanctum Concilium, 129.
6) Cf. Congregation for the Clergy Circular letter to the Presidents of the Episcopal Conferences on the care of the artistic and historical patrimony of the Church, April 21 1971.
7) Just to mention some documents issued in our times besides the one already mentioned in the preceding footnote we recall:
‑ Secretary of State: Circular for the institution of Committees for the monuments under the care of the clergy December 10 1902; Circular for the conservation of archives and libraries April 15 1923, Circular to the Ordinaries of Italy September 1 1924.
- S. Congregation of the Council, Dispositions regarding objects of history and sacred art, May 24,1939.
Cf. John Paul II, Post‑Synodal Apostolic Exhortation, Pastores dabo vobis, art. 55.
9) Ratio Rundamentalis, 80, which refers to Optatam totius, 17. And again: “Do not easily introduce new subjects, but rather insert the new issues at the right place in those subjects already in existence”; Ratio Fundamentalis, 90.
10) John Paul II, Post-Synodal Apostolic Exhortation, Pastores dabo vobis, 62; ref. Congregation for Catholic Education, Circular letter on some of the most urgent aspects of spiritual formation in the seminaries, January 6, 1980, part III.
11) Cf. on this matter, among the contemporary theologians, the theory developed by H. U. von Balthasar in his work “The Glory of the Lord: Theological Aesthetics”.
12) Ratio Fundamentalis, 80.83‑84.
13) Cf. for example: Italian Episcopal Conference, Regulation for theological studies in the major seminaries, p. 49. 74‑76; Spanish Episcopal Conference, La formacion para el ministerio presbiteral, 1986, p.129; Mexican Episcopal Conference, Ordinamento basico de los estudios para la formacion sacerdotal en Mexico, 1988, p. 177; German Episcopal Conference, Rahmenordnung für Priesterbildung, 1978, p. 61; etc.
14) Given the great variety of local situations, this Commission prefers not to elaborate directly an organic program rega1ding the artistic, juridical, pastoral, organizational aspects of the subject master as a whole concerning the relationship between Priests and the Artistic and Historic cultural goods of the Church in the conviction that such complete and efficient programs can be elaborated locally according to the indications set forth in this circular letter.
15) We point out in particular the Advanced Studies program in the Cultural Heritage of the Church at the Pontifical Gregorian University instituted in 1991.
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Die pastoral Funktion der kirchlichen Museen. Quelle: www.vatican.va 2001
30.12.2008 by admin.
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Ansteckkreuz (Priesterkreuz)
30.12.2008 by admin.
Ansteckkreuz
Massiv Silber. Handarbeit
Preis: 59,- Euro (Silber). 69,- Euro (Silber vergoldet)
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Bestellen: shop@arssacra.de
Passend zum Ansteckkreuz sind auch Manschettenkreuze erhältlich.
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Manschettenkreuze
30.12.2008 by admin.
Manschettenknöpfe in Kreuzform
Kreuze aus massiv Silber (punziert). Auf Wunsch auch vergoldet.
Handarbeit
Preis: (Paar in Silber) 139,- Euro. (Paar in Silber vergoldet) 159,- Euro
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Bestellen: shop@arssacra.de
Passend zu den Manschettenkreuzen sind auch Ansteckkreuze erhältlich.
Die Kreuze werden in kleinen Serien gefertigt. Es kann zu längeren Wartezeiten kommen.
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Taufkreuz
30.12.2008 by admin.
Taufkreuz.
Massiv Silber. Handarbeit.
Preis auf Anfrage
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