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Archive für 19.11.2008
adorno
19.11.2008 by admin.
es gibt kein richitges leben im falschen.
dieser satz von adorno hat mich seit langem beschäftigt. lange habe ich ihn nicht verstanden. zumindest nicht ganz. aber immer mehr verstehe ich ihn jetzt und mache ihn mir zu eigen. es gibt kein richtiges leben im falschen. aber das gebrochene leben ist unsere realität und das richtige, das wir glauben, erhoffen, ahnen… dieses leben, das wir in unseren träumen und der phantasie kennen, dieses leben lässt über uns hin und wieder eine eigenartige melancholie kommen, wenn wir im leben das wir “wirkliches” nennen, an das aus den träumen und der phantasie denken.
es gibt kein richtiges leben im falschen. aber das falsche ist das richtige, währende und dauernde. das richtige ist bestenfalls ein augenblick, ein flash, dann eine illusion, hoffnung und traum.
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katholiken im vorteil. ?.
19.11.2008 by admin.
frankfurter rundschau. mittwoch, 19.nov.2008 s. 30. feuilleton
“nichtkatholiken sind im nachteil, wenn es zu bemerken gilt, dass der engel, der in circa einer sekunde die aufmerksamkeit der leserin maria erregt haben wird, wie ein diakon in der messe gekleidet ist. in der tat trägt er eine weisse albe mit gürtel, ein schulter- und halstuch, das amikt heisst, und auf der linken schulter die stola, an der der diakon - lernen wir - zu erkennen ist. die verkündigung wird dadurch zu erinem liturgischen vorgang. uns mag das wohl befremden: die nähe un sozusagen gleichwertigkeit von biblischem ereignis und (katholischem) gottesdienst, die präsenz der kirchenleute in einer für die folgenden weltbewegenden vorgänge derart wesentlichen situation. (…) der engel assistiert gott in der ausführung seines komplizierten heilsplanes wie der ministrant dem priester bei der messfeier.”
als vor einem dreiviertel jahr die kna einige fragen wegen des domornates hatte und nachgefragt wurde, was denn genau ein ornat mit 32 teilen alles hat, da war es mit der aufzählung schnell vorbei: kaseln mit stolen, dalmatiken mit diakonenstolen, pluviale…
WER unter den katholiken kennt denn die lateinischen wörter für die gewänder in der kirche - ausser speziell ausgebildete mesner (küster), freeks und der klerus selbst? selbst ich oute mich und gestehe, dass ich eigentlich nur schultertücher trage und kein amikt. welcher normale kirchgänger sieht schon einmal einen diakon. und die, welche eine sehen, sehen diesen schon in seiner vollen pracht?
die frage nach der wichtigkeit für den glauben stellt sich zwar, aber ist hier nicht angebracht. in einer religion, die nicht nur in einsiedeleien und auf bergspitzen praktiziert wird, sind die äusseren formen - die sozialen formen - von bedeutung. es ist natürlich nicht der kern, aber weit wesentlicher als manch einer es gerne hätte. schuld darf man aber nicht dem unwissenden volk geben. hier verhält es sich völlig anders als bei der medienschelte. woher sollen selbst fleißige kirchgänger es denn wissen? der priestermangel, die daraus gefolgte überforderung der wenigen, die wiederum daraus zusammen mit den strömungen der zeit entstandene ”heresie der formlosigkeit” und einige faktoren mehr haben in dieser sache ganze arbeit geleistet.
ich halte es für sträflich die schuld auf die liberalen, auf das konzil oder die avantgard zu schieben. das problem liegt tiefer, beginnt schon in den verhinderten aufbrüchen zu neuen formen im 19. jahrhundert, geht weiter (bis heute) im dogmatismus, dass form priorität vor der qualität hat und zerstört somit die lust der kunst an kirchlichen dingen. die qualität stellt das eigentliche problem dar. die form würde von selbst daraus entstehen, qualität erzwingt sie geradezu. form um der form willen ist seelenlos.
katholiken hätten in vielem vorteile, aber nicht per se.
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