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Juli 2008
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Archive für 16.7.2008

prüfungsstoff

“vor den bildern sterben die worte”

enthüllen

welcher text ist passend für ein gewand? was überhaupt darf auf ein liturgisches gewand?

 ein priester ist keine reklamesäule. alles was ablenkt und nicht auf das tun im mysterium deutet, ist fehl am platz. reduzierte symbole und ornamente müssen hinführen zum liturgischen dienst und dürfen nicht sich selbst zelebrieren.

text als ornament halte ich für vertretbar. deutend.

das christentum ist eine schriftreligion. das wort wurde schrift und durch die schrift wurde uns das wort überliefert. die schrift besteht aus abstakten zeichen. bilder wurden abstrahiert und zu zeichen. der buchtabe ist ein geheimnisvolles bild, das heute als laut gedeuted wird. der buchstabe ist also bild und musik - und ist doch beides nicht. ist abstrakt.

wenn ich nun einen text als ornament auf einem liturgischen gewand verwenden will, welcher heilige text ist der geeignetste?

das vater unser? das gebet, dass der herr selbst lehrte? “so sollt ihr beten…”

das credo? zusammenfassung unseres glaubens. zeichen der einheit weit über den katholischen binnenraum hinaus?

ein psalm? “wer das ziehen zum hause des herrn?” wortgewordene liturgie.

in welcher liturgie wird die kasel getragen… eucharistie. was geschieht in der eucharistie? menschwerdung, tod und auferstehung. erlösung. gott wird mensch. der mensch vereint sich mit gott. gott mit dem menschen. kommen, erhoben werden. sendung “ite missa est”. es geschieht offenbarung.

“en archä an logos” im/am anfang war das wort. johannes 1,1

enthüllung. offenbarung.

enthüllung hat mit “stoff” zu tun. die decke des rätsels liegt auf dieser welt. revelation. das velum wird gehoben und der mensch sieht soviel wahrheit wie er kann.

der text ist gefunden.

kasel. die liturgischen gewänder verhüllen zunächst. sie verhüllen den menschen (drevermann hat da hervorragendes geschrieben (der kleriker). ich weiss es ist nich wirklich oportun im jahre 3 B XVI zu sagen, dass da was gutes steht, aber auch das ist wahrheit). paramente verhüllen den menschen. sie verhüllen, um gott zu enthüllen.

 im anfang war das wort und das wort war bei gott und gott war das wort. alles ging durch das wort hervor. ohne das wort wurde nichts was geworden ist. in ihm war das leben. und das leben war das licht der menschen. und das licht schien in der finsternis und die finsternis fasste es nicht.

ein neues design ist gezeugt!

eröffnung

mit der seide und den gewändern mit dem titel “te deum” ist ein sehr grosser prozess abgeschlossen worden und gleichzeitig eine tür zu einer neuen welt geöffnet worden. viele grundlegende gedanken, gespräche und reflexionen passierten dadurch angeregt in den letzten monaten. mit dieser neuen kategorie “stoff” möchte ich eine kleine stoffsammlung und gedankenfixierung erreichen.

die mehrdeutigkeit des wortes “stoff” erheitert oft. wenn stoff zu euphorischen stimmungen anregt, fesselt, berauscht, u.v.m., dann muss es sich nicht zwangsläufig um eine illegale droge handeln - rot seide beispielsweise kann von gleicher wirkung sein!

und ewig lockt das bild

“Abbilder sind Begriffen ähnlich, sofern sie Wirkliches reduzieren, handhabar, greifbar und begreifbar, verfügbar machen wollen, ganz im Sinne einer an Descartes orientierten Philosophie und ihrer neuzeitlichen Wirkungsgeschichte, deren langer Arm bis in die heutige Psychologie hinein reicht, insbesondere in den Bereichen der Methodenlehre, der ein eigenes psychologisches Fach umreißt. Dieser Wirkungsgeschichte zufolge wird der Mensch als Subjekt zu einer alles andere dominierenden Bezugsmitte, auf die alles Seiende hingeordnet ist, und zwar dergestalt, dass zwischen dem Subjekt und dem, was ihm begegnet oder jedenfalls begegnen könnte, kein wechelseitiges Miteinander entsteht. Vielmehr gerät das auf das Subjekt Bezogene in die Position eines dem Subjekt unteworfenen Objekts, d.h. in die Lage eines verfügbaren Abbilds. Das alles beherrschende neuzeitliche Subjekt läßt sich also dadurch charakterisieren, dass es einseitig über das, was ihm begegnet, bestimmt, es sich aneignet, zu begreifen und auf den Begriff zu bringen versucht.

Solches Unterordnen oder Einverleiben läßt keinen Raum für Anderes oder Neues, für den Eigengehalt von schöpferischen Bildern.

Wirklichkeitsbildende Bilder lassen sich jedoch nicht ohne Schaden auf ihre Verwertbarkeit und Käuflichkeit zurückstutzen, spndern sprengen gleichsam den Rahmen, inwelchem sie sich finden, in dem sie Menschen anzusprechen, zu berühren, ja zu überwältigen vermögen, also Resonanz auslösen, zum Schwinden bringen können. Solche Bilder sind entgrenzend, überschreiten das in bloßen Abbildern und Begriffen Faßbare, ermöglichen eine wechselseitige Begegnung von Mensch und Bild.

Kießling, Klaus. “Nützlich und notwendig” Universitätsverlag Freiburg (CH) 2002. S. 21f (Reihe: Praktische Theologie im Dialog. Herausgeber: Karrer, Leo)

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