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Februar 2008
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Archive für 7.2.2008

es wird wieder spät

die strecke zwischen frankfurt und mannheim kann man mit mehr als 200km/h fahren. heute fahren wir wieder einmal nicht licht - sondern sicht-geschwindigkeit. “suizidgefährdete person”. wenigstens wird sie heute nicht “eingefangen”, sondern “verfollgt”. es ist ein makaberes gefühl. groll und mitleid.

jeden einfahrenden zug schaut man in den bahnhöfen anders an, wenn man geschichten kennt, die mit so einerm zugstopp zusammenhängen. schicksale, dramen.

und trotzdem geht die fahrt irgendwann weiter. mir und den anderen passagieren feht einige zeit für träume in der nacht, aber welcher albtraum spielt sich draussen ab… 

notizen II

gott hatte alles in paaren erschaffen. jedes tier hatte einen partner, nur der mensch war allein. gott erschuf den menschen als androgynos - als mann UND frau. er war ein klotz mit zwei seiten, zwei gesichtern. als der mensch sich nun beschwert hat, nahm gott ihn, versetzte ihn in den schlaf und sägte ihn auseinender. heraus kam isch und ischa. “rippe” und “seite” sind im hebräischen nämlich das gleiche wort. nach dieser geschichte ist es dann nicht mehr schwer von seite zu hälfte zu kommen.

 der sabbat hat sich dann auch noch beschwert, dass er auch allein ist. darauf sagte gott zum sabbat: dein partner ist das heilige volk!

wunder und ordnung: die schöpfung ist ordnung, ist gesetz, ist in ihrem lauf vollkommen. in der dämmerung des ersten tages wurden also alle wunder erschaffen und anomalitäten, denn diese sind ausserhalb der ordnung und müssen deshab vor der ordnung geschaffen sein, um gottes ratschluss nicht zu widersprechen. so der redende mund von bileams esel und jonas walfisch…

kabbala: wann hat gott sich selbst erschaffen? gott hat sich erschaffen, als er die schöpfung geschaffen hat, denn jetzt gibt es ein gegenüber, etwas was ihn erkennt, denn vorher gab es keine erkenntnis über gott, denn es gab nichts ausser ihn selbst.

weil gott alles und überall ist, hat er sich “zusammengezogen”, damit platz für die schöpfung wurde.

engel: engel kommen aus dem göttlichen feuer. sie werden nur geschaffen für ihre aufgabe und gehen nach der erfüllung dieser aufgabe wieder in dieses feuer zurück. z.b. die engel, die das “amen” auf die gebete der gläubigen beim gottesdienst sagen, werden nur dafür geschaffen und gehen dann wieder zurück in das feuer, dass sie gebar.

…..

 mennekes: was ist relgion: religion ist abfassung der rede über bestimmte fragen: glück, liebe, natur, freiheit, krankheit, sterben, lust, tod…  

notizen

impuls der rabinerin der oranienburger strasse. thema: schöpfung - erschöpfung - neuschöpfung/augerstehung.

schöpfung. der biblische schöpfungbericht begint mit dem wort bereschid. konkreter mit einem bet “b”. diesen buchstaben beschreibt man am besten als eine art umgekehrtes “C” mit massivem sockelbalken. da hebräisch von rechts nach links gelesen wird, ist das bet in richtung textverlauf offen. die rabinen deuten dies so. der allererste buchstab der bibel ist wie eine markierung, eine quelle aus der alle anderen buchstaben ihren fortlauf nehmen. von hier an, kann alles gelesen und erforscht werden, was vor dieser markierung liegt, liegt im dunkeln. ich kann es nicht erfragen und nicht erforschen. von diesem buchstaben an erschliesst sich mir die welt - ein “davor” ist nicht möglich.

das aleph, der erste buchstabe des hebräischen alphabetzs soll sich 26 generationen lang vor dem thron gottes beschwert haben, warum der zweite und nicht der erste buchstabe den beginn der tora bilden darf. dann, nach 26 generationen sagte gott: die ganze schöpfung ist nur für das bundesgesetz geschaffen worden, aleph ist der beginn dieses gesetzes. darum hat scheinbar das bet den vortritt.

mit dem wort bereschid, das im wortstamm auch das wort für segnen enthält schafft gott also die erde. er schafft sie aus dem nichts. er hat einen plan, eine imagination, dann wird es ein wort und das wort schafft die materie und formt sie nach den gedanken gottes.

mose empfängt von gott die weisungen am sinai. unter anderem auch die weisung, wie das stiftszelt zu bauen ist. gott “zeigt” ihm den plan des zeltes. es ist keine erklärung, sondern es scheint ein bild zu sein, das mose sieht.

 zurück zur schöpfung. gott sagt: lasst uns menschen machen, in unerem bild, wie es uns ähnlich ist. rabi joschua bin levi: gott redet/berät sich micht himmel und erde über sein vorhaben. ein anderer: gott beredet sich mit dem werk der sechs tage. rabi rebani meint, gott berät mit seinem herzen - ein innergtlicher dialog. deshalb ist gott auch betrübt über sein eigenes herz…

gott könnte sich auch mit seinen engeln über sein vorhaben beraten haben, meint ein weiterer rabi. gott teilte ihnen mit, er wolle menschen machen. die engel hielten entgegen: wozu? rabi schimon sagt, dass die frage der schöpfung die engel geteilt hat. die einen engel waren dagegen: wahrheit z.b. und der friede, denn die menschen lügen und bringen unfrieden in die schöpfung. gott warf daraufhin den engel der wahrheit auf die erde hinab. die anderen engel protestierten und er durfte später wieder in den himmel, wie es ins ps 95 heisst, die wahrheit stieg empor von der erde zum himmel.

donnerstag, 7.2.08

eine initation

aschermittwochabend

abendgottesdienst, zum bahnhof und schon wieder in frankfurt. s-bahn, rolltreppe, betonstiege, gebrochenes deutsch und erbrochene essensreste irgendwo - zumindest riechbar. “haben sie einen helm dabei”, fragte mich vor einiger zeit jemand, als ich hier aus der bahn stieg. gefühlter ausländeranteil: 80%. und ich einer von ihnen, denn die sprache der einheimischen ist nicht meine. auch nicht hochdeutsch. als ich aus dem schacht kam hörte man schon die krächzenden schreie und beschimpfungen aus einem offenen fenster eines wohnblocks. ich blieb stehen. im amerikanischen fernsehen würde jedes zweite wort dieses sermons durch einem *biep!* ersetzt werden. im hintergrund lief der fernseher. deutsch? englisch? war die stimme wütend auf eine person in der wohnung oder auf das, was er oder sie (die stimme war nicht einzuordnen) dort im fernsehn sah? ich ging weiter. niemand erwiederte diese salven und attacken. der internet - tele - etc. shop an der ecke ist ausgeräumt. ein regal steht schepps im belechteten und fensterlosen treppenhaus eines hinterhauses, ein auto rast vorbei… das wohnblocktor fällt hinter mir zu. ich höre stimmen. ausländer wie ich, nur wohl südlicher, weit südlicher. erste türe, ich bin im block. fahrstuhl, oberster stock. es riecht. der geruch kommt mir bekannt vor. u-bahn-schacht. mensch oder tier übergaben sich hier kürzlich… mittwoch. aschermittwoch. war wohl eher mensch. gestern war noch fasching. hier feierte man in ”klein paris”. es roch aber eher nach bier und pommes als nach wein und pastete.

fahrstuhl geht wieder auf. ich oben. hier bin ich wieder zu hause. kein ausländer mehr. elektrische sicherheitsstahltüre - schalter. schmeideisernes gitter - eckiger schlüssel. blick über den main. wohnungstür mit sicherheitsschloss. ich bin da. blick über die stadt. hier war ich gestern noch. cranach! cranach? gestern? das ist doch schon wieder so lange her, ist doch schon wieder so weit weg.

morgen gehts früh weiter. frankfurt ist heute nur station. bin gespannt was morgen kommt. die stifte sind gespitzt, papier reichlich vorhanden. um 23h wieder im eigenen bett. hoffentlich.

grünewald erkennt man an den grünen, geschundenen leibern mit den zerfetzten lendentüchern. cranach hat perfekte models mit aufgeschminktem blut. die tücher sind aufgebauscht - der wind hat in ihnen seine heimat gefunden. die stoffe sind edel und perfekt gebügelt - selbst am kreuz. das war gestern. heute war aschermittwoch.

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