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Januar 2008
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Archive für 31.1.2008

contrapunkt

damit niemand auf die idee kommt, dass ich vor lauter rotem-seiden-rausch den boden unter den füssen verloren hätte: hier ein gedanke aus der harten realität. er stammt natürlich von einer freundIN… vielleicht sollte ich mich einem stammtisch anschliessen, damit ich auch mal die gegenseite mitbekomme:

“der entscheidende unterschied bei der wahl einer frau zwischen a) einem hund und b) einem mann ist die frage: will ich mir nur meinen teppich versauen lassen, oder mein ganzes leben?”

ich muss mal eine hochzeitspredigt so beginnen. mal sehn wie man dann noch die kurve kriegt… hat jemand vorschläge?

seide

seide-034.JPGnoch unfertiges “primizgewand”.

seide-004.JPGdie rote seidenbahn.

31.01.2008 dreizehn nach vier

die seide ist in der paramentenwerkstatt. als ich sie abgegeben hatte ging es mir besser. irgendwas fiel von mir ab. mir war leichter und ich wurde auf einen schlag totmüde. diese tage und stunden sind wohl ein zenit in dieser so endlos langen schöpfungsgeschichte. es kamen so viel erinnerungen auf seit ich die seide gestern um 11.50h das erste mal in händen hatte. es war die erinnerung an die vielen momente des scheiterns und des überfordert seins bei diesem projekt. wie lange brauchte ich, bis ich endlos-milimeterpapier bekommen habe. die frage der übertragung von a3 auf 140×180 cm. die suche nach einer farbe, mit der ich auf diesem papier malen konnte. die suche nach dem kreis. die mehr als 500 entwürfe. die selektion. die schrifttype, der textumfang, die anordnung. die farbwahl. die wahl der seide.

das grosse scheitern letztes frühjahr mit dem münchner sakralwarenhändler, der mich fast vier monate hingehalten hat. die blamage vor bianchi, vor allen, die geholfen und vermittelt hatten. die verzweifelten versuche zu retten - es war aber nichts mehr zu retten. die aufgabe des projektes.

die entscheidung etwas anderes zu machen um der heimatpfarrei gerecht zu werden - zwei termine vereinbarte ich in dillingen, beide platzten aber unvorhergesehen …fügung! dann der phönix. die seide konnte doch produziert werden.

im nachhinein scheint wieder alles wie gefügt. jede verzögerung, jedes scheitern, jeder geplatzte termin und jeder neubeginn. die zeit schien noch nicht reif… fügung.

ein grosser plan wohnt allem inne. manchmal bekommen wir die gnade, uns in diesem plan zu entdecken und zu sehen, was unsere aufgabe ist. dann überkommt uns das gefühl ein teil des grossen ganzen zu sein, ein unbeschreibliches gefühl. das gefühl des mit allem eins seins. aber wir sind immer teil des plans, auch wenn wir es nicht fühlen und merken. jeder hat seinen platz. und alles hat seinen sinn. aber verstehen müssen wir das nicht.

“du musst das leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein fest..” (Rilke)

31.01.2008 halb neun

alchemie. wenn man erschrickt vor dem was man erschaffen hat. faszinazion, ungläubiges schauen und greifen, skrupel, rausch durch die farben, der schimmer des materials… die seidenrolle ist wie eine flaschengeistflasche. daimonion. zauberlehrling.

feuer

halb fünf uhr morgens. 

in dieser nacht fand ich keinen schlaf. es war nicht nur die lange fahrt, die gefüllte zeit und anderes. es ist diese rolle roter stoff, die jetzt in meinem zimmer steht.

ich erwartete, dass sich mit der vollendung des designes ein gefühl von zufriedenheit und ruhe einstellt, aber seit ich das vollendete werk sah, bebt es in mir: das textil lebt. das göttliche auge im zentrum funkelt und schliesst und öffnet sich mit dem licht. es geht auf und zu. es nimmt wahr und verschliesst sich wieder. das feuer der seide brennt und lodert und wenn man es einmal gesehen hat, dann flammt es in einem weiter.

als ich gestern spät nach hause kam war ich grenzenlos erschöpft und freute mich auf den schlaf. aber ich fand keinen schlaf. die kraft, die energie des auges mitten aus dem feuer liessen mich keine ruhe finden.

dieses werk lebt. es hat eine seele. und es ist nicht nur das stück seele, das jedes werk von meiner seele bekommt - es ist eine neue und ganz andere seele; eine seele, die grösser zu sein scheint als meine. gezeugt, nicht geschaffen.

was vor mehr als zehn jahren als vager gedanken geboren wurde, was langsam entstand in kritzeleien und gesprächen, was sich manifestierte durch skitzen, mehr skitzen, noch mehr skitzen, reflektion und selektion,

was gehemmt wurde durch die anforderung des webers - millimetergenaue zeichnung im originalmassstab -, was zeit raubte und nerven kostete, weil die erstellung jahre dauerte, neue techniken erlernt werden mussten…, was verzweiflung und oft das gefühl des scheiterns mit sich brachte, was mich permanent überforderte in ausmass und dimension, was schliesslich zum greifen nahe war und durch den falschen projektpartner endgültig gestorben zu sein schien, was dann schließlich wieder auferstand durch nichts als fügung: das steht jetzt in schlanken rollen vor mir und raubt mir den schlaf.

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