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Dezember 2007
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Archive für Dezember 2007

karte des körpers (der englische patient)

wir sterben und bergen in uns den reichtum von geliebten und stämmen, den geschmack von speisen, die wir gegessen haben, körper in die wir eingetaucht und die wir hochgeschwommen sind, als wären es flüsse von weisheit, charaktere, in die geklettert sind, als wären es bäume, ängste, in denen wir uns versteckt hielten, als wären es höhlen.

ich wünsche mir all dies auf meinem körper verzeichnet, wenn ich tot bin. ich glaube an eine solche kartographie - von der natur gezeichnet zu sein, nicht dass wir uns bloß auf einer karte eintragen, wie man die namen reicher männer und frauen an gebäuden verewigt.

wir sind gemeinsame historien, gemeinschaftliche bücher. wir sind niemandem zu eigen oder monogam in unserem geschmack oder unserer erfahrung. alles, was ich mir wünsche, war, auf solch einer erde zu gehen, die keine karten hatte.

michael ondaatje

to do or not to do?

wenn es etwas festzuhalten, bzw. “aufzuarbeiten” gilt in meinem bisherigen leben, dann ist es sicher IRLAND. also beginne ich hiermit as soon as possible. es sind immerhin acht jahre - es ist acht volle jahre her, dass ich micht dort zum ersten mal als “deutscher” fuehlte (was immer das ist! ich war auf einmal der puenkliche - belive it or not!!) damals, als ich diese ganzen schraegen voegel kennen lernte, als ich mit so vielen kontrasten konfrontiert worden bin, so viele storrys zu hoeren bekommen habe (die kuh vom trienter konzil, das geisterzimmer im college, barry, paul, nuala!, etc.) als ich einen komplet anderen lebens- und glaubensentwurf erleben durfte, als den “deutschen”.

in dieses land und seine bewohner habe ich mich verliebt und ich bin dem zauber der gruenen insel bis heute verfallen.

die einzige frage ist jetzt nur: eigene kategorie IRLAND oder weter unter LEBEN…?

 …take care! life is a bitch (o;

hotel

dies ist ein unvollendeter text. eher ein paar lose gedanken - ordnung folgt.

hotel - utopie - paradies - nomaden der moderne - schein und sein. geht nicht gibts nicht - der gast ist könig - …

ausblick

blick auf frankfurtin der s-bahn standen heute gleich zwei sicherheitsleute an der tür. frankfurt und noch mehr offenbach sind so ganz anders als unser braver süden. die menschen haben vor allem am abend so abgekämpfte und erschöpft gesichtszüge (morgens haben sie die aber immer noch) … sie sehen so kränklich aus, so leer, so sinnentlos. wenn man aus dem zug aus augsburg hier in frankfurt am hauptbahnhof aussteigt und in die “slums” mainaufwärts fährt ist man schnell in einer anderen welt.

erst der knopfdurck auf die 13 im fahrstuhl entrückt einen wieder. noch ein stockwerk per treppe und die trostlosigkeit liegt unter mir - und der blick schweift über das glitzernde lichtermeer. “from a distance…” bette midler kommt in den sinn. ja, aus der distanz sieht alles wunderbar aus: offenbach, frankfurt, …

der ring

die inschrift lautet:

buaideann an grá goc rud

montag. schon wieder montag!

früher hatte ich montags mal frei. zwar war auch das eher ein theoretisches frei, aber immerhin. ich komme eigentlich mit meinem wochenrhythmus ganz gut zurecht, aber manchmal möchte man einfach wo bleiben. am montag immer in ursberg und am donnerstag immer in frankfurt. der blick von meiner frankfurter wg auf die skyline von mainhatten ist traumhaft. wenn ich meine kamera etwas besser kenne, gibts auch mal ein foto davon hier online. das braucht aber noch ein bisschen, weil so viel anderes ansteht. morgen abend referiere ich (jetzt dann zum 4. mal) diesmal über die wallfahrtskapelle von ronchamp des architekten und künstlers le corbusier. vor ein paar wochen habe ich dazu an einem sehr aufschlussreichen symposium zu diesem architekten im vitra design museum teilnehmen dürfen. …man kommt rum bei diesem studium.

morgen vormittag wird dann in der hfg akt-frau gemalt und am nachmittag, so ich noch dazu komme, gibts dann akt-mann. es ist eine sehr spannende erfahrung dieses aktzeichnen. jede pose wird maximal 10minuten gehalten, die meisten nur 5, 3 oder gar nur 2 minuten. in dieser zeit versuchen wir den körper auf unseren blättern aufzubauen und nachzuzeichnen. es bleibt keine zeit über das zu reflektieren, was da eigentlich geschieht: ein nackter körper im kreis von angezogenen menschen.

jedes andere bild wird in irgend einer weise “aktiv” aufgenommen und verarbeitet. durch das bewusstsein werden bilder gefiltert und verarbeitet. beim aktzeichnen bin ich dem nackten körper ausgeliefert. ich abstrahiere die skulptur vor mir und bin voll auf das blatt konzentriert. und so kann der körper mit seiner ungeheuren macht auf mich wirken - ich ihm schutzlos ausgeliefert.

ich weiss noch nicht was das mit mir macht. aber es macht etwas. es ist wie aufzug fahren. ich kann nicht sagen wie das ist, aber ich bin nachher nicht mehr dort wo ich vorher war…

 vielleicht ist das etwas sehr normales - nach jeder stunde meines lebens bin ich nicht mehr der, der ich noch zuvor war. vielleicht ist es aber auch mehr als das. auf jeden fall ist es eine sehr neue erfahrung. und es ist stress derart im akord zu malen. aber ich habe das gefühl, dass ich in diesen ersten wochen schon sehr viel weiter gekommen bin.

der prof sieht jeder linie an, ob sie konzentriert oder beliebig gezeichnet wurde. am anfang war sich sehr skeptisch, jetzt sehe ich aber schon selbst den unterschied. neue welten tun sich auf. und ich freue mich, dass ich in sie eintauchen darf!

rilke I (rezept zum glücklichen leben)

du musst das leben nicht verstehen

dann wird es werden wie ein fest. und lass dir jeden tag geschen so wie ein kind im weiter gehen von jedem wehen sich viele blüten schenken lässt. sie aufzusammeln und zu sparen das kommt dem kind nicht in den sinn. es löst sie leise aus den haaren drinn sie so gern gefangen waren und hält in lieben jungen jahren nach neuem seine hände hin.    

schweigen

man braucht zwei jahre um sprechen zu lernen - und fünfzig um schweigen zu lernen.

(e. hemmingway)

lehrreich

eine katze verfolgt eine maus. die maus sieht eine kuh und bittet diese, sie mit einem fladen zu bedecken.

doch die katze sieht den schwanz der maus aus dem fladen gucken.

die katze zieht die maus am schwanz heraus und frisst sie doch noch.

merke:

1. nicht jeder der dich bescheisst ist dein feind.

2. nicht jeder der dich aus der scheisse zieht ist dein freund.

3. und wenn du in der scheisse steckst musst du den schwanz ganz einziehen.

gotteserkenntnis

ob ein mensch durch die liebe gottes hindurchgegangen ist, wird weniger daran ersichtlich, wie er über gott spricht, sondern daran, wie er über die menschen spricht.

(vgl. simone weil)

ohne titel

das drama der ganzen menschheit wird mit jedem kind neu geboren.

(james mcEvoy)

der feind

der feind ist doof!

denn er meint dass wir der feind sind

derweil ist es doch er selbst.

bibel II (weisheit 11,24)

DU liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von allem, was DU gemacht hast; denn hättest DU etwas gehasst, so hättest DU es nicht geschaffen.

legende

eines tages hatten die heiligen in der kirche das stehen satt. petrus stieg vom kreuz herab, barbara sprang um den turm herum, katharina schob das rad vor sich her, sebastian spielte mit seinen pfeilen mikado. märtyrer führten einen schwertertanz vor und die engel, die sonst krampfhaft die trompete hielten, klatschten beifall. es löste sich der kalk von der mauer, die fenster sprangen auf, und die grosse rosette begann zu kreisen.

nur die dämonen spielten nicht mit und hielten toternst ihre stellung.

(verfasser unbekannt)

tür um tür

geheimnisvolle tür vor mir, welche welten öffnest du mir? wer werde ich sein, wenn ich durch dich hindurchgegangen bin? jede tür öffnet türen und verschließt andere. jede woche begrenzt und erweitert. aus unseren entscheidungen bildet sich unser leben. so entsteht mir dieses eine leben, das du lebst, das ich lebe. unverwechelbar, unwiederholbar. du bist nicht der andere, der du auch hättest sein können. ich bin nicht der, der ich träumte zu sein. aber warum wir so gewählt haben, warum wir manche türe eingerammt und den schlüssel anderer weggeworfen haben, bleibt ein geheimnis.