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Dezember 2007
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Archive für 8.12.2007

dreimal täglich…

arbeite als würdest du kein geld brauchen - liebe als hätte dich nie jemand verletzt - tanze als würde dir niemand zusehen - und singe als hörte dir niemand zu.

tor zum himmel

zwei mönche hörten die kunde, es gäbe einen ort auf der welt, wo himmel und erde einander berühren. wer diesen ort gefunden habe, der finde alles glück des himmels und der erde.

sie machten sich auf, den ort zu suchen. sie wanderten jahrelang - über berge, wüsten, steppen, durch unendliche wälder - vergeblich. eine tür sei dort, so hatten sie gehört. man brauche sie nur zu öffnen, um dann einzutreten. endlich schienen sie gefunden zu haben, was sie suchten. sie standen vor der niedrigen tür, öffneten sie, senkten den kopf und traten demütig ein.

als sie aufschauten, sahen sie, dass sie in ihrer eigenen klosterzelle standen.

der schlüssel zum himmel

es wird erzählt, als gott das universum und die welt werden liess, da waren die menschen noch alle im himmel. aber gott hatte für die menschen die erde bestimmt. gott wollte, dass sie auf der erde geboren werden. “was können wir tun”, fragte ein engel, “dass sie nicht immer zu uns in den himmel kommen, dass sie bleiben, wo ihr platz ist?” gott und die engel überlegten. ein engel hatte eine idee: “wir müssen den himmel verschliessen. ” “aber wo lassen wir dann den schlüssel?” fragte ein anderer, “wir müssen ihn verstecken - an einem ort, wo kein mensch ihn findet.” ein engel machte den vorschlag: “wir könnten den schlüssel in der tiefe des meeres versenken.” da sprach gott: “ich kenne die menschen. dort werden sie ihn finden.” ein anderer engel meinte: “dann verstecken wir den schlüssel im schnee des allerhöchsten berges.” gott wandte ein: “auch an diesem ort werden sie ihn finden.” wieder ein anderer engel, es war ein sehr moderner, schlug vor: “wir schiessen den schlüssel ins weltall.” gott sprach: “sie werden ihn finden.”

da rief der kleinste von allen engeln, der bisher geschwiegen hatte: “ich kenne einen geheimen ort: wir verstecken den schlüssel im herzen der menschen.” darauf sprach gott: “ja, das lass uns tun, sie finden ihn leichter im tiefen meer, auf dem höchsten berg und in der weite des weltraumes als in ihrem eigenen herzen. und jeder mensch, der ihn dort findet, soll ihn auch benutzen dürfen und dorthin zurückkehren, wo er herkommt.”

wie ich anders wurde (von franz schmatz, insbruck 1992)

eine zeitlang bewunderte ich jene, die nie sagen: “ich bin müde”, die nie klagen: “ich kann nicht mehr”, die nie fragen: “wer hilft mir?”

eine zeitlang beneidete ich jene, die immer lächlen, die alles schaffen, die ständig geben, die keine träne zulassen, die nie jammern, die stets selbst zurückstehen, die rund um die uhr zur verfügung stehen.

doch dann durfte ich menschen begegnen, die weinen konnten, die um hilfe bettelten, die sich schwach wähnten, die zuwendung brauchten, die sinn suchten, die verwundbar waren, die an erschöpfung litten, die fragen stellten, die sich helfen ließen.

heute weiss ich, diese menschen ließen mich anders werden - nämlich mehr mensch!

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