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Dezember 2007
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Archive für 4.12.2007

Kirche

Gleich dem bescheidensten, nacktesten ihrer Söhne

Geht die Kirche hinkend aus dieser Welt in die andere Welt

Sie begeht Fehler, sie sühnt sie

Und wer seine Augen einen Moment von ihrem Gepränge abwendet, der hört sie mit uns in der Finsternis beten und schluchzen.

Mache die Wunden deiner Kirche zu meinen Wunden, Herr

Dass mich betrübt, worüber sie weint

Dass ich schreie, wenn sie verletzt wird

Dass ich blute, wenn sie getroffen wird

Mache die Wunden deiner Kirche zu meinen Wunden, Herr

(Autor unbekannt)

arbeitsauftrag: “verleiblichung der kunst”

kunst ist an dich schon etwas sinnliches und als sinnliches ist es auch etwas körperliches, leibliches. die sinne erfassen den gegenstand und lassen aus einem objekt ein subjekt werden.

punkt 1: geschmacksinn

es gibt einige wenige aromen, deren genuss sich nahezu ins vollkommene steigern, wenn sie kombiniert werden. zum einen ist das die symbiose rhabarber und erdbeere. ein weiteres ist apfel und mandel. aber das genialste von allem ist orangenmarmelade!

als erstes gilt es beste unbehandelte orangen auszuwählen. da die schale mitverarbeitet wird, ist auch die äussere erscheinung wichtig. welche sorte/n man wählt ist geschmacksache. eine mischung bietet sich an. wenn es bitter- und blutorangen gibt, gehören sie zur auswahl unbedingt dazu. nachdem die orangen im ganzen kleingeschitten sind und am besten randvoll in weinbrand eingelegt worden sind, kann man mit der zubereitung von ausreichend karamel beginnen. das karamel wird mit wasser abgelöscht und aufgelöst - dann die orangen zugeben. mindestens zwei stunden sollten die orangen jetzt kochen, damit sich die aromen aus den schalen lösen und die bitterstoffe sich vermindern. immer wieder wird mit wasser oder weinbrand die verdunstete flüssigkeit nachgefüllt. im letzten drittel des kochens werden der länge nach halbierte vanillieschoten zugeben.

zerkleinerte vanillieschoten können in die gläschen mit hinein gegeben werden.

da die marmelade durch den saft der orangen und das karamel schon recht süss sind, lieber mit gelierfix arbeiten, als mit zusätzlichem gelierzucker.

 dies ist ein klassisches beispiel für die verleiblichung der kunst (o;

der anfang

ein gästebuch ist ein gästebuch ist ein gästebuch.

auch wenn es nicht gänzlich ungefährlich ist die unbekannte masse an gedanken und leben teilhaben zu lassen entscheide ich mich dennoch dafür.

das gästebuch habe ich oft genug dafür missbraucht.

mein lieber bruder hat mich durch seinen derzeitigen australienaufenthalt und seinen gelungenen blog auf das bloggen gebracht.

ich möchte nun hier gedanken zu kunst, religion und allem dazwischen festhalten und bin gespannt auf die reaktionen.

gruss aus frankfurt!

rückblick

es war kurz nach der weihe. nein es war eigentlich schon direkt nach der weihe: wegen einer ökumenischen veranstaltung am bodensee war meine primizfeier nicht am wochenende nach der weihe möglich. so musste ich mich selbst eine woche lang “parken”. vielleicht war das aber auch eine sehr wertvolle erfahrung, denn nach diesem intensiven erlebnis musste ich erst einmal neu bestimmen wer ich bin. noch in der nacht nach der priesterweihe bin ich schockartig aufgewacht und mein gedanke war: du bist jetzt priester! heute, einige jahre später, kann ich dieses gefühl immer noch bestätigen. es sind ja durchaus viele berufe und tätigkeiten, die ich ausübe: lehrer, künstler, etc., aber entscheidend für die leute mir gegenüber ist immer der priester (übrigens ganz gleich was er an hat).

nach dieser nacht im mai 2004 packte ich meinen golf voller leinwände, papier und viel farbe und fuhr nach paris. jeder gefahrene kilometer klärte meine identität. bei freunden im ersten bezirk kam ich unter und wurde herzliche empfangen. meinen pflichten als priester kam ich gerne nach, indem ich in den frühmessen in sacre coer konzelebrierte. diese frühmessen sind im künstlerviertel von paris nämlich um 11h morgens…

die woche in paris war wunderschön, wichtig war aber die erfahrung, dass der abstand (gerade der räumliche und inhaltliche) zu einer bewegenden sache die dinge klärt und verstehen läßt.

 wenige wochen später hatte ich meinen jahresurlaub. es waren zwei wochen. die erste woche verbrachte ich in meinem geliebten irland. mein appartment kollege gerard heiratete seine susan und ich durfte gleich priesterlich tätig werden. es war ergreifend wie sehr ich daruch ein teil einer familie wurde. der hochzeitstag der beiden gehört nach wie vor zu einem der schönsten momente in meinem leben.

die zweite woche war dagegen von einer regen reisetätigkeit gekennzeichnet. dringend wollte ich alte freunde in rom besuchen und gleichzeitig war diese woche meine einzige möglichkeit, die moma in berlin zu besuchen. die genaue reiseroute ist hier nicht für die öffentlichkeit bestimmt - ich erzähle es aber gerne privat.

auf der zugfahrt von zürich nach frankfurt hatte ich viel zeit nachzudenken und zu philosophieren. irgendwo auf dieser strecke - rechts liegen die hügel des schwarzwaldes - kam ein lied im hörprogramm des ice: dominic miller, shape of my heart. die grundversion von sting kannte ich schon von einer wilden auftofahrt durchs nächtliche rom. greg hat mir damals die stadt mit seinem kleinen rennsemmel gezeigt, hier lief es wieder dieses lied. ich fühlte mich als reisender. es sind diese momente in denen man von einem gedanken und gefühl übermannt und vereinnahmt wird… reisender. nicht nur reisender von zürich nach frankfurt - von dublin nach rom, nein reisender durch diese welt, die schöpfung, durch gottes plan, durch mein eigenes leben.

reisender mit vielen und keiner heimat.

sehnsucht: wohnen im gewoge und keine heimat haben in der zeit (rilke)

dieser reisende bin ich geblieben. wenn ich heute jede woche vom süden nach frankfurt fahre und diese grossartigen lichterspiele der nächtlichen städte vom zugfenster aus sehe, dann denke ich an diesen moment von damals -als ich wusste wer ich bin: reisender. 

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